Autor: Marah Jade

Banner: Marah Jade
Rating: FSK 16
Genre: Krimi, Whump
Pairing: TIVA

Inhalt: Dies ist die direkte FS zu Milena. Ziva ist nach dem gemeinsamen Urlaub nach Israel aufgebrochen, um sich mit ihren Eltern auszusprechen. Die Turbolenzen die sich daraus ergeben......aber lest selber. TIVA und Whump. Wie ihr es von mir kennt.


Disclaimer: Alles nur ausgeliehen: Alle Rechte an den Fernseh-Serien NCIS ihren Charakteren und Handlungssträngen gehören Donald P. Bellisario, Belisarius Productions, CBS und Paramount.
Die Story und die nicht in den Serien erwähnten Personen und Orte sind meiner Fantasie entsprungen. Mögliche Ähnlichkeiten mit lebenden Menschen oder realen Ereignissen sind reiner Zufall und nicht von mir beabsichtigt!!!

Diese Geschichte ist nicht für die freie Verbreitung im Netz vorgesehen. Sollte jemand Interesse daran haben diese Story auf anderen Seiten zu posten oder zu verlinken, bitte vorher bei mir melden!

 

 

 

Ohne Wiederkehr


Prolog

„Was meinen Sie, sollen wir ihr noch etwas von dem Mittel verabreichen?“ Fragte einer der beiden Männer die vor einem Krankenbett standen in dem eine junge Frau lag.

„Nein, das könnte zu viel werden. Hören Sie sich nur einmal Ihren Herzschlag an. Noch eine Dosis würde Sie im Moment nicht überstehen. Ihr Kreislauf muss sich erst wieder stabilisieren. Wir müssen warten bis Sie wieder aufwacht.“ Während er sprach hatte er die angeschlossenen Geräte kurz überprüft, in dem Moment surrte sein Pieper. Ein Blick darauf und er sagte: „Ich muss los, wir haben einen Notfall. Den Rest muss Sie nun alleine schaffen.“ Damit verließen die beiden Männer den Raum.



1. Kapitel

„Ich will meine Mommy.“ hörte er seine Tochter zum wiederholten Mal an diesem Tag sagen und ihre grünen DiNozzo Augen schauten ihn traurig an.

Seine Hand hob sich zu ihrer Wange. „Süße ich will Sie auch wieder hier haben, aber du weißt doch dass Sie Zuhause bei ihrer Familie ist. Wenn Sie alles geklärt hat, dann kommt Sie wieder zurück. Das hat Sie dir doch erklärt, weißt du noch? Fragte er seine Tochter und strich ihr durch die hellbraunen Locken.

„Dann lass uns Sie anrufen. Ich will mit meiner Mommy reden.“ Kam es weinend von Milena.

„Das haben wir doch vorhin schon versucht. Wahrscheinlich ist ihr Handy Akku leer. Sie meldet sich bestimmt bei dir sobald ihr Akku wieder voll ist.“

„Das sagst du schon seid drei Tagen. War ich böse? Warum ruft Sie uns nicht mehr an? Ich brauch Sie jetzt. Heute kommt der Gips ab. Sie wollte doch dabei sein und jetzt muss ich wieder mit Miss Smith vom Kindergarten dahin.“ Dabei schob sie demonstrativ ihren eingegipsten Arm in sein Blickfeld.

Tony schmunzelte. Vor ein paar Tagen war ihr im Kindergarten ein Missgeschick passiert. Sie war in den Garten gerannt, gestolpert und dabei hatte sie sich ihren Ellenbogen geprellt. Seitdem trug sie am gesamten linken Arm einen Gipsverband. Erstaunlich war allerdings ihre Geschichte, die sie sich dazu ausgedacht hatte. Milena hatte einfach eine blühende Fantasie. Ihre Erzieherin Miss Cumberland hatte ihm am nächsten Tag, den wirklichen Ablauf geschildert und wie es zu ihrer Verletzung kam. Die Kinder hatten nur Ihre Puppe aus dem Garten holen wollen und bei Mia hatte es sich nach Entführung und versuchten Mord angehört. Sie bekam einfach zu viel von seiner Arbeit mit. Er würde in Zukunft besser aufpassen müssen.

„Schatz, du warst nicht böse und Sie ist bestimmt nur aufgehalten worden.“ Er versuchte sie zu beruhigen und vielleicht auch sich selbst ein bisschen. Aber tief in seinem inneren wusste er das sie recht hatte. Irgendwas stimmt da nicht. Damals als sie in Somalia festgehalten wurde hatte er ein ähnliches Gefühl verspürt. Es sah ihr nicht ähnlich, sich nicht zu melden. Bis dahin hatte sie jeden Abend angerufen um Milena eine gute Nacht zu wünschen. Ziva wollte nur übers Wochenende nach Israel und jetzt hatte sie ohne einen Grund den Kontrakt abgebrochen. Er hatte gestern schon mit Direktor Vance gesprochen und ihn gebeten Kontakt mit Zivas Vater aufzunehmen. Doch von dort hieß es nur, Direktor David sei erkrankt und könne keine Auskunft geben. Morgen wollte er seinen Boss um Urlaub bitten, damit sie nach Israel fliegen konnten um Ziva zu holen.

Tony sah wieder zu seiner Tochter, die ihm gegenüber an der Küchentheke saß und mit einer Gabel lustlos in ihrem Frühstück herum stocherte, das er ihr zubereitet hatte. Milenas Lieblings Frühstück waren warme Pancakes in Ahornsirup. „Hör zu Mia, ich rufe gleich bei deinem Kindergarten an und melde dich für heute ab. Dann sage ich im Büro bescheid das ich heute später komme und wir beide fahren ins Krankenhaus und lassen dir den Gips abnehmen. Wäre das für dich in Ordnung?“

Jetzt sah er zum ersten mal an diesem Morgen in Lächeln auf ihrem Gesicht. „Das wäre ganz ganz toll, Daddy. Darf Puppe auch mit?“

Tony lachte. „Klar, Puppe darf mit. Wir können das doch nicht ohne Sie machen.“  Dabei zwinkerte er seine Tochter an. „Danach fahren wir kurz ins HQ zu Onkel Jethro und Tante Abby.“ Als sie ihn fragend ansah, versuchte er es zu erklären. „Ich möchte meinen Boss um eine Woche Urlaub bitten, dann können wir beide Ziva abholen. Was hältst du davon?“

„Oh Daddy, das wäre noch toller.“ Sagte sie begeistert. Und plötzlich war auch ihr Hunger wieder da und sie verschlang nahezu ihr Frühstück.

~~~*** ~~~

Zwei Stunden später saßen sie im Krankenhaus und warteten auf die Ärztin. Endlich wurde ihr Name aufgerufen und eine nette junge Schwester kam auf sie zu.

„DiNozzo?“

„Ja.“ Sagte Tony. „Das sind wir.“

„Hallo.“ Und sie streckte Mia ihre Hand hin. „Mein Name ist Emely und wie heißt du?“ fragte sie freundlich. Sie wollte dem Kind die Angst nehmen.

„Ich bin Mia.“ Sagte die Kleine und schüttelte die ausgestreckte Hand der Krankenschwester.

Jetzt meldete sich auch Tony zu Wort. „Sie heißt Milena DiNozzo und wir sind hier weil ihr Gips ab soll.“  Es fiel ihm gar nicht mehr schwer seine Tochter DiNozzo zu nennen. Die Adoption war, da niemand auf das Kind Anspruch erhoben hatte, nur eine Formsache gewesen. Und so war Milena vor einem Monat offiziell eine DiNozzo geworden. Sie hatten eine kleine Willkommensparty gegeben und Mia hatte jeden den sie wollte einladen dürfen. Das ganze Team war anwesend, sowie Tabitha, vom Jugendamt und ein paar Freunde aus ihrer Kindergarten Gruppe, samt Eltern. Sogar ihr Grandpa hatte es sich nicht nehmen lassen und war extra für ein Wochenende aus Monte Carlo angereist.

Die freundliche Krankenschwester streckte eine Hand nach Mia aus. „Nah dann komm mal mit. Ich bring dich erst einmal zum Röntgen.“

Tony sah seine Tochter an. „Soll ich mit kommen?“

„Ich bin doch kein Baby mehr.“ Kam es von ihr entrüstet.

Das war seine Tochter. Frech und mutig, das musste er ihr lassen, dachte er Stolz und machte es sich auf dem Stuhl bequem.

Mia ergriff die dargebotene Hand und ging mit der Krankenschwester mit. Ihr Herz schlug laut und unruhig und ihre Hand war ganz schwitzig. Am liebsten hätte sie sich umgedreht und ihren Vater gebeten doch mit zu kommen. Ihre Angst war groß und sie hatte alle Mühe diese zu beherrschen. Sie schluckte ein paar mal um die aufkommende Übelkeit zu verdrängen. Dann hatten sie endlich den Röntgenraum erreicht, der Weg dorthin war ihr endlos erschienen.

Tony bewunderte den Mut seiner Tochter, denn von ihm hatte sie das bestimmt nicht. Als er vor ein paar Monaten seinen Unterarmgips  abbekommen sollte, hatte er darauf bestanden das Ziva ihn begleitete, dachte er jetzt lächelnd. Tony hasste Krankenhäuser und Ärzte aller Art. Und seit seinen letzten Aufenthalten in einem dieser netten Häuser, reichte alleine der Geruch nach Desinfektionsmitteln und Krankheit aus, ihn ins schwitzen zu bringen.

Doch  plötzlich sah er die Krankenschwester eilig auf sich zu kommen. Von weit her hörte er seine Tochter weinen. Sofort war er auf den Beinen und lief der Schwester entgegen.

„Was ist passiert?“ fragte er sie. Sein Beschützer Instinkt war geweckt.

„Kommen Sie bitte schnell mit. Ich hoffe Sie können Sie wieder beruhigen.“ sagte sie und machte sofort kehrt. Tony folgte ihr so schnell es ihm möglich war.

Als sie den Raum erreichten schallte ihm schon Mia aufgebrachtes Schluchzen entgegen. Die Schwester öffnete die Tür. Er ging sofort auf Milena zu und zog sie vom Untersuchungstisch in seine Arme. „Hey Schatz, was ist denn passiert?“ fragte er sie. Doch vor lauter weinen und schluchzen konnte er kaum etwas verstehen. Ein Arzt kam auf ihn zu.

„Mr. DiNozzo?“

„Ja, so ist mein Name. Was ist hier passiert?“

„Wir haben den Arm ihrer Tochter geröntgt und ich muss ihnen leider mitteilen das es sich hierbei doch um einen Bruch handelt. Und bevor Sie fragen… ich habe keine Ahnung wie das meiner Kollegin durch gegangen seinen kann. Aber es gibt auch Glück im Unglück. Die Bruchstelle ist nicht verschoben, das heißt ich lege ihrer Tochter einen neuen Gips an und dann kommen Sie jede Woche zur Kontrolle.“ Dabei sah er Tony entschuldigend an und zeigte ihm gleichzeitig die Röntgenbilder.

Mia weinte jetzt wieder leiser. „Warum kann es nicht bei diesem Gips bleiben? Warum braucht Sie einen Neuen? Fragte er den Arzt.

Dieser trat betreten von einem Bein auf das andere. „Ich gebe es nur ungern zu, aber der Winkel stimmt nicht. Das muss korrigiert werden.“ Und an Milena gerichtet. „Ich gebe dir gleich eine kleine Spritze dann schläft dein Arm ein und er tut dir nicht weh, wenn wir den Gips auf sägen.“

„Ich mag keine Spritzen.“ Kam es von der Kleinen. Dabei sah sie Hilfe suchend ihren Vater an.

„Gibt es keine andere Möglichkeit?“

„Bei einem Erwachsenen würde ich es auch ohne Betäubung machen, aber bei einem Kind?!“

„Okay, tun Sie es. Kann Sie weiterhin auf meinem Schoss bleiben?“

„Natürlich, das ist kein Problem.“

Tony versuchte Mia mit allem Möglichen abzulenken. Dann war das Mittel verabreicht. Milena hatte ich inzwischen schon wieder beruhigt und sah fasziniert und zugleich auch ängstlich zu der kleinen Kreissäge mit der ihr Gips aufgesägt wurde. Tony wurde es vom zusehen schon mulmig und er musste ein paar mal tief durch atmen. Mit einer Spreizzange wurde der Sägespalt anschließend geweitet und als auch die letzte Watteschicht durchtrennt war, lag Mias Arm wieder frei vor ihnen.

„So“, sagte der Arzt. „Du versuchst jetzt nicht deinen Arm zu bewegen. Das mache ich. Okay?“

Mia nickte und Tony sah das der Bereich rund um die Elle dunkelblau angelaufen war. „Und das hat ihre Kollegin übersehen?“ Und war gleichzeitig schockiert und fasziniert.

Der Arzt nickte nur und nahm vorsichtig Milenas Arm aus der unteren Gipsschale. „Tut das noch weh?“ fragte er sie und drückte dabei seitlich auf ihre Elle.

Wieder schüttelte sie den Kopf. Eine Schwester kam schon mit neuem Verbandsmaterial. Dann folgte ein kurze Griff vom Arzt und er hatte den Arm in den richtigen Winkel gebracht. Das hatte zur Folge das Mia ruckartig aufheulte und ihr Gesicht in die Halsbeuge ihres Vaters presste. Tonys Herz hämmerte gegen seinen Brustkorb. Er hätte ihr gerne die Schmerzen genommen, war aber zum zusehen verdammt. Danach ging alles schnell von statten. Eine Schwester hielt ihren Arm und der Arzt legte ihr den neuen Gips an.

„Mhmm Kleine, möchtest du dir eine Farbe aussuchen?“ fragte er sie freundlich.

Und Mia die noch immer leise schluchzte, sagte prompt: „Rosa!“

Tony der hinter ihr saß, sah den Arzt mit hochgezogenen Augenbrauen an und schüttelte ganz langsam den Kopf.

„Mhmm, also das wird jetzt ein Problem. Rosa haben wir nicht. Aber was hälst du von gelb mit bunten Schmetterlingen, oder möchtest du wieder einen Roten, oder einen Blauen?“

„Dann Gelb!“ kam es traurig von ihr. Sie mochte doch so gerne Rosa. Ihr Zimmer war auch Rosa. Das hatte sie zusammen mit Ziva gestrichen. Und plötzlich waren ihre Tränen wieder da und sie zog die Unterlippe hoch. „Ich will meine Mommy.“

„Pppssstt, ich hab dir das doch erklärt. Außerdem fliegen wir in ein paar Tagen zu ihr. Solange musst du dich gedulden.“ Und während er seiner Tochter beruhigend über ihren gesunden Arm strich, vollendete der Arzt ihren neuen Gips. Sie bekam noch eine kleine Schlinge umgelegt, damit sich der noch weiche Gips nicht wieder verdrehen konnte.

„Lassen Sie sich am besten noch einen Termin für nächste Woche geben.“ Und hielt Tony zum Abschied die Hand hin, die dieser sofort ergriff.

„Wir wollen die Tage für eine Woche oder so verreisen. Ist das ein Problem? Fragte er den Arzt.

„Nein, machen Sie sich ein paar schöne Tage und wenn Sie wieder hier sind, dann kommen Sie einfach mit ihr vorbei. Ich weiß ja nicht wo Sie hin wollen, aber ins Wasser, darf Sie mit dem Arm nicht.“

„Nein, das ist klar. Und zum Duschen machen wir wieder eine Tüte drum. Okay, danke und bis in zwei Wochen.“ Damit hielt er seiner Tochter die Hand hin und sie griff zu.

 

 

2. Kapital

Eine Stunde später waren sie im HQ des NCIS angekommen. Der Wachmann am Eingang begrüßte sie. „Hallo Milena, na sag mal was hast du denn mit deinem Arm angestellt?“ fragte er freundlich. Im Navy Yard kannte mittlerweile jeder die kleine Tochter von Anthony  DiNozzo.

„Gebrochen.“ kam es schüchtern von ihr. Seltsamerweise hatte sie gegen diesen Wachmann eine Antipartie, von der keiner wusste woher die kam. Sie versteckte sich ganz untypisch halb hinter ihren Vater. Der schüttelte nur den Kopf und entschuldigte sich bei Jack. Dann setzten sie ihren Weg zu Abbys Labor fort.

Wie immer wenn sich die Aufzugtüren öffneten dröhnte ihnen laute Musik entgegen. Abbs stand mit den Rücken zu ihnen, voll konzentriert auf ihre Geräte. Mia sah ihren Vater an und der nickte nur grinsend, dann näherten sie sich ihr, langsam und vorsichtig von beiden Seiten. Mit einem Blick verständigten sich Vater und Tochter und sprangen Abby, mit zu Grimassen verzogenen Gesichtern an. Dabei schrien sie beide um die Wette. Abby die schon lange das Theater mitbekommen hatte, spielt die Erschrockene und quiekte, sehr  zum Gefallen der beiden DiNozzos, auf. Die jetzt noch aufgebrachter vor ihr herum fuchtelten. Abby schaltete erst einmal die Musik aus, dann viel sie den Beiden in die Arme.

„Mia, ich dachte dein Gips kommt heute ab?“

„Komplikationen.“ Erklärte Tony ihr. „Der Arm ist doch gebrochen. Brauch noch ein bisschen. Kann ich sie kurz bei dir lassen. Ich müsste mal mit Gibbs reden.“

„Onkel Jethro?“ fragte Mia sofort. „Ich will auch zu Onkel Jethro.“ Dabei warf sie ihm einen skeptischem Blick zu.

„Wir gehen später zusammen, aber erst muss ich kurz mit ihm alleine reden. Also Abby?“

„Klar Tony, kein Problem. Ich hab Sie gerne um mich.“ Und an Milena gewandt. „Was sollen wir spielen solange dein Daddy arbeiten muss?“

Mia überlegte kurz, dann lächelte sie. „Memory? Hast du noch unser selbst gebasteltes Spiel?“

„Als wenn ich das vernichten könnte.“ Dabei nickte sie Tony zu und der verließ langsam den Raum. Während Abby Milena auf einen ihrer Tische hob und das Spiel mit ihr ausbreitete.

~~~***~~~

Gibbs sah zum wiederholten male an diesem Morgen auf die Uhr. DiNozzo hatte zwar gesagt das er später kommen wollte, da er mit seiner Kleinen noch zum Krankenhaus musste, aber jetzt war es schon beinahe Mittag. Und wie immer wenn es um Tony ging machte sich der Grauhaarige Sorgen. Als er das vertraute ~Pling~ der Aufzugtüren hörte, blickte er bewusst gebannt auf seinen Computerschirm. Tony kam schnell auf seinen Schreibtisch zu und begrüßte mit einem Nicken McGee und Main.

„Boss, ich muss kurz mit dir reden.“

Gibbs sah hoch. „Okay, fang an.“

Tony warf einen Blick auf die anderen Agents. „Nicht hier. Privat.“

Gibbs stand auf und nahm seinen Kaffeebecher. „Konferenzraum DiNozzo!“ Und schon eilte er auf den Aufzug zu. Die Türen hatten sich kaum geschlossen, als er den Notausschalter kippte und sich zu seinem Ersten um drehte. „Also ich höre?“

„Ich brauche Urlaub.“

„Warum?“

„Ich will nach Israel, Ziva holen.“ Teilte Tony ihm mit. Frustriert fuhr er sich durchs Haar. „Sie meldet sich seit drei Tagen nicht mehr, ihr Handy ist tot und ich habe ein verdammt schlechtes Gefühl dabei, Gibbs.“

„Wo bleibt deine Kleine?“

„Ich nehme Sie mit. Wenn Ziva noch bei ihren Eltern ist, dann …, ach ich weiß auch nicht, aber ich denke es ist richtig das Milena mit kommt.“  

„Hält dein Bein das aus?

Tony strich Gedankenverloren über seinen Oberschenkel. Es war ihm als wenn er durch seine Jeans die 15 cm lange Narbe fühlen konnte. „Es muss! Irgendwas stimmt da nicht. Ich kann mir nicht vorstellen das uns Ziva von einem Tag auf den anderen verlässt. Wir wollen heiraten, Gibbs. Irgendwas ist da passiert und ich will wissen was.“

„Okay.“ Sagte er und leerte seinen Kaffee in einem Zug. „Eine Woche DiNozzo und keinen Tag länger. Und ich möchte dass du dein Handy immer dabei hast und es nicht ausschaltest. Und du wirst dich jeden Abend bei mir melden. Und du machst dort offiziell Urlaub. Keine Extratouren, hörst du. Sprich mit Zivas Vater, aber schließe dich keiner seiner Einsätze an, du bist noch nicht fit genug.“ Damit kippte er den Notausschalter wieder hoch. „Und für Mia soll Abby sich auch was einfallen lassen. Ich will nicht das die Kleine da unter verloren geht. Wo ist Sie jetzt?“

Tony lächelte ihn an. „Bei Abby.“

„Na dann lass uns zu Abbs gehen.“ sagte auch er mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

~~~***~~~

„So, nun scheint Sie soweit zu sein.“ teilte er seinen Kollegen mit. „Sie können Ihr die nächste Menge injizieren. Aber anschließend warten Sie bitte wieder ein paar Stunden. Ich will nicht das Ihr Kreislauf wieder durchsackt.“

Der andere Mann kam nun auch zum Bett und spritze der jungen Frau ein Serum. Kurze Zeit darauf schlugen die Messgeräte hinter ihrem Bett wieder Alarm. Sofort kam der erste, seinem Aussehen nach ein Arzt, zurück. Nach einem kurzen Blick auf die Anzeigen gab er Entwarnung. Zusammen richteten sie das Kopfteil ihres Bettes etwas höher.

„Hallo Miss, können Sie mich hören?“

Doch er bekam keine Antwort außer ihrem schweren Atem war kein Laut von ihr zu vernehmen.

„Geben Sie Ihr etwas Zeit. Sie war jetzt lange bewusstlos. Ich denke in einer Stunde könnte es besser funktionieren.“

„Ich bleibe solange hier. Rufen Sie mich sofort und damit meine ich auch SOFORT, wenn Sie aufwachen sollte, Dr. Sichel.“ Damit verließ er das Zimmer.

Der Arzt beugte sich über seine Patientin. Wer war diese junge Frau das ein Mossad  Offizier ein so großes Interesse an ihr hatte. Man hatte ihn sozusagen von Zuhause entführt. Man hatte ihm gesagt, das er, sollte er hierüber auch nur ein Wort verlieren, nie wieder als Arzt arbeiten dürfte. Er konnte also gar nicht anders als mitgehen und als er den Zustand der jungen Frau sah, musste er ihr einfach helfen, das war sein Job, dazu war er berufen. Als sie zu ihm gebracht wurde, hatte sie keine Papiere bei sich gehabt. Was sie hatte, war ein ebenso großes Rätsel. Wahrscheinlich hatte sie eine Überdosis irgendeines Narkosemittels bekommen. Dies hatte beinah zu einem Herzversagen geführt. Aber jetzt befand sie sich auf dem Weg der Besserung. Es war nur noch eine Frage der Zeit wann sie wieder aufwachen würde. Und dann konnte auch endlich ihre Identität geklärt werden. Er überprüfte noch einmal ihre Werte, dann verließ er den Raum.

~~~***~~~

Als Gibbs und Tony das Labor betraten, schallte ihnen zur Abwechslung einmal keine laute Musik, sondern fröhliches Kinderlachen entgegen. Beide saßen vor Abbys **Babys** auf dem Boden und spielten immer noch ihr Memory.  Milena wurde als erste auf sie  Aufmerksam.

„Daddy, da bist du ja wieder. Und du hast Onkel Jethro mitgebracht. Das ist toll.“ Und damit sauste sie auch schon auf ihn zu und er fing sie gekonnt auf. Wenn Gibbs mit Kinder zu tun hatte, dann war nichts von seiner sonst so mürrischen Art zu bemerken. Ihnen gegenüber war er freundlich und aufgeschlossen. Er wirbelte sie einmal im Kreis, bevor er sie wieder auf den Boden stellte.

„Was ist eigentlich mit deinem Arm passiert. War der Gestern nicht noch Rot?“ fragte er sie und kitzelte sie an der Seite. Mia lachte laut auf und befreite sich kichert aus seinem Griff. Schnell flüchtete sie sich zu ihrem Vater. „Daddy hoch.“ Rief sie und streckte ihm ihre Arme entgegen. Tony tat ihr den Gefallen und sicherte seine Tochter einen Platz auf seinen Armen. „Gebrochen Boss, lange Geschichte, erzähl ich dir später.“ An seine Tochter gewandt fuhr er fort. „Mein Gott Mia, du wirst immer schwerer. Lange können wir das aber nicht mehr machen.“ sagte er ihr lachend.

Gibbs sah seinen Ersten streng an. „Setze Sie ab, oder setzt dich hin, so ist  sie zu schwer für dich. Außerdem weißt du, das dir die Ärzte, bis nach deiner OP,  schweres Tragen verboten haben.“

Tony rollte die Augen. „Es geht mir gut, Boss. Es ist jetzt etwas mehr als ein halbes Jahr her und wir haben darin Übung. Nicht wahr Milena?“ Und bestätigend nickte sie ihm zu und strampelte mit ihren Füßen.

„Las mich wieder runter Daddy.“ Kaum stand sie wieder auf dem Boden, ging sie schon zu ihrem Onkel und zeigte ihm stolz ihren neuen Gipsverband.

Tony steckte, befreit von Mia Gewicht, seine Hände tief in seine Hosentaschen und lehnt sich an Abbys Schreibtisch. Doch als er den Blick seines Bosses auf sich spürte, seufzte er einmal und setzte sich dann doch auf den Stuhl. Er würde es nicht zugeben, aber es tat gut das Gewicht von seinem Bein zunehmen und mit einem wohligen Lächeln steckte er sein Bein aus.

„Abby, ich möchte das du Milena einen Sender verpasst, so das er nicht verloren gehen kann. Also fällt Puppe schon einmal auf.“

Abby warf Gibbs und Tony einen fragenden Blick zu. „Was habt ihr vor? Wo wollt ihr hin? Hat das was mit Ziva zu tun?“ fragte sie aufgeregt.

„Sie fliegen nach Israel und ich möchte einfach nicht das einer verloren geht. Das ist alles.“

Abby strahlte. „Ihr holt Zivvvvaaaa zurück.“ Sofort war sie unterwegs um einen Sender zu holen. Dann sah die Mia aufmerksam an. „Oh, ich weiß auch schon wo wir den verstecken. Der Gips. Hey Süße, schaffst du es deinen Arm aus der Schlinge und auf den Tisch hier zu legen? Fragte sie mit einem lächeln.

Mia nickte und Abby half ihr mit der Schlinge. Dann besah sie sich den Verband und entschied sich für eine Stelle unterhalb des Ellenbogens. Dort schien der Gips besonders dick zu sein, sie machte einen kleinen Einschnitt und schob den Sender in den Gips. Dann überprüfte sie das ganze und wartete bis sie ein vertrautes Piepen von ihrem Computer hörte. Dann erst klebte sie den Schnitt mit einigen Tropfen Superkleber zu. „Fertig: Jetzt gehst du uns nicht mehr von der Leine....“ sagte sie grinsend und wuschelte durch Mias Locken.

„So“, sagte Gibbs. „Hier sind eure Tickets. Zwei für den Hin- und drei für den Rückflug in einer Woche. Und verpasse ihn nicht DiNozzo. Ich möchte nicht das auch du dort unten verloren gehst.“ Damit drückte er Tony einen Umschlag in die Hand. Dieser sah ihn staunend an. Wie machte Gibbs das nur immer. Immer wusste er was Anstand.... . „Kein Zauber DiNozzo.“ sagte diese da, als wenn er die Gedanken eines Stellvertreters hatte lesen können. „Aber Vance hat gestern noch mit mir gesprochen. Ich wusste das du dir Sorgen machst. Ich weiß nur nicht, warum du nicht zuerst zu mir kommst. Vertraust du mir so wenig?“

Tony schluckte, er hatte doch gewusst das Gibbs ihn nicht so einfach auch seinen Fingern ließ. „Nein, Boss. Aber ich dachte, ich.... wir …“ Dabei sah er zu seiner Tochter. „Könnten das alleine schaffen.“

„Du bist noch nicht wieder voll fit, DiNozzo. Deine Augen ermüden schnell, deine Hand ist auch immer noch nicht wieder voll einsatzfähig und von deinem Bein will ich jetzt hier gar nicht sprechen. Ich weiß das du regelmäßig und hart trainierst, aber das braucht halt noch Zeit. Ich...“ dabei sah er kurz zu Abby und vergewisserte sich das sie genau so dachte. „Oder sagen wir besser, wir wollen dir nur helfen, aber das können wir nicht wenn du nicht mir uns redest.“

Tony wusste nicht was er noch dazu sagen sollte. Er war gerührt und schockiert zugleich. Sein Boss zeigte nur sehr selten Gefühle. Zu Abby ja, aber zu ihm und den anderen? Was sollte er jetzt zu seiner Entschuldigung sagen, was blieb da überhaupt noch zu sagen? „Boss ich...“, stammelte er los. „Ich vertrau dir mehr als jeden anderen. Und ich kann mir jetzt auch nicht erklären, warum ich mich erst an Direktor Vance gewandt habe. Ziva sagt ich bin manchmal ein Dummkopf. Wahrscheinlich hat Sie mit der Aussage recht. Das bin ich wirklich und ich werde jetzt gegen eine deiner Regeln verstoßen. Ich möchte mich bei dir und den anderen Entschuldigen und... .“ Doch weiter kam er nicht weil er von seinem Boss einen leichten Schlag auf den Hinterkopf erhielt. Erstaunt sah er ihn an. Das war das erste mal seit seiner Verletzung. Die erste Kopfnuss. Tony strahlte und auch Gibbs lachte und hielt ihm die Hand hin. „Geh packen, der Flug geht schon Morgen ganz früh. Bring Sie uns zurück, Tony.“ Damit stand er auf, nahm Mia auf den Arm und ging Richtung Aufzug.

~~~***~~~

Zwei Stunden später waren sie wieder Zuhause und machten sich ans Packen. Mia war aufgedreht und voller Vorfreude ihre Mommy nach Hause zu holen. Sie war noch nie in ihrem Leben geflogen und darum sprach sie auch den ganzen Abend von nichts anderem. Es hatte Tony einiger Nerven gekostet sie ins Bett zu bekommen. Immer wieder hatte sie ihn mit Fragen gelöchert. Aber jetzt war auch sie endlich eingeschlafen. Morgen früh würde Gibbs sie um sechs Uhr abholen und zum Flughafen bringen. Tony hatte gerade noch einmal versucht Ziva zu erreichen, war aber wieder nur auf die automatische Ansage gestoßen. Was war da nur geschehen?

 

 


3. Kapitel

Pünktlich um sechs Uhr stand Gibbs vor der Tür und brachte sie zum Flughafen. Tony hatte nur eine Reisetasche gepackt. Eine Woche war nicht lang und wenn etwas fehlen sollte, würden sie das auch in Israel kaufen können. Offizieller Grund der Reise, war eine Urlaubsreise und Zimmer hatten sie deshalb auch in einen von Amerikanern bevorzugten Hotel am Meer gebucht. Milena schien noch halb zu schlafen und während sie warteten, das der Flug aufgerufen wurde, hatte sie sich auf die Reisetasche gesetzt, sich zwei Finger in den Mund gesteckt und war mit Puppe wieder in eine Art Dämmerschlaf gefallen. Ziva hatte schon mehrfach versucht ihr das Nuckeln abzugewöhnen, aber bisher waren alle Erziehungsmaßnahmen gescheitert. Sobald sie müde würde kamen ihre Finger ins Spiel und wenn Tony ehrlich war, gefiel es ihm. Sie sah dann immer so klein und verletzlich aus. Dann konnte er sich vorstellen, wie sie wohl als Baby ausgesehen hatte.

Endlich ertönte die Lautsprecher Durchsage. Langsam versuchte er seine Tochter wieder wach zumachen. „Komm Kleines wach auf. Wenn wir in der Maschine sind kannst du  weiter schlafen. Aber jetzt musst du aufstehen.“ Doch sie schlief tief und fest weiter. Also bückte er sich und nahm sie hoch auf seinen Arm. Und mit einem Ächzen griff er noch nach der Tasche und machte sich auf zum Schalter. Wie gut das das Gibbs nicht mehr sah. Da hätte er sich jetzt wieder ein Donnerwetter anhören können, dachte sich Tony. Schwer bepackt fingerte er am Schalter nach den Papieren, während die Dame von Bodenpersonal ihm ein strahlendes Lächeln schenkte. Kurz darauf saßen sie im Flugzeug. Mia schlief immer noch. Wenn das so weiter ging, würde sie noch einen großen Teil des Flug verpassen auf den sie sich so gefreut hatte. Den Start verpasste sie auf alle Fälle.

~~~***~~~

Es wurde ein langer Flug. Als Mia wieder wach wurde, war sie erst vom Flugzeug und allem Neuen um sie herum begeistert, aber nach einiger Zeit ließ ihre Faszination nach und sie wurde quengelig und wollte beschäftigt werden. Eine freundliche Stewardess, die scheinbar ein einsehen mit dem jungen allein reisenden Vater hatte, brachte ihnen irgendwann einen kleinen Koffer mit Spielen. Damit versuchte Tony seine Tochter die nächsten Stunden zu beschäftigen. Irgendwann war sie dann, mit Puppe im Arm, wieder eingeschlafen. Als die Maschine zur Landung ansetzte wurde Milena wieder wach. Verwirrt sah sie sich um. „Oh. Sind wir schon da?“ Fragte sie verschlafen.

Tony grinste sie an. „Die Maschine hat schon zur Landung angesetzt. Setzt dich richtig hin, dann kannst du es sehen.“ Sie rutschte etwas nach oben.
„Wie geht es deinem Arm? Alles Okay, oder tut dir was weh?“ fragte er sie.

„Nein. Alles ok Daddy.“

„Und deine Finger, noch alle da und wach?“ Das war in der letzten Woche zu einem allmorgendlichen Ritual geworden. Und Mia fing sofort an ihre Finger zu zählen in dem sie die des eingegipsten Arms nach oben bewegte und mit jedem einzelnen wackelte. Das war ihrem Vater dann Bestätigung genug. „Okay und jetzt schau der Landung zu.“ Milenas Fragerei waren keine Grenzen gesetzt. Und so verging auch der Rest des Fluges in Nu. Als erstes wenn sie gleich durch die Zollkontrolle waren, würden sie ihr Gepäck ins Hotel bringen und dann zum Mossad fahren und versuchen mit Direktor David zu sprechen. Endlich war die Maschine gelandet und es ertönte der Gong zum aufstehen. Tony streckte  sich. Sein Bein war von dem langen sitzen ganz steif und er musste sich erst wieder an sein Gewicht gewöhnen. Das verspürte er jeden morgen, nach dem Ausstehen. Also nahm er seine Tochter an die Hand und verließ leicht humpelnd das Flugzeug.

~~~***~~~

Zwei Stunden später standen sie vor Direktor Davids Sekretärin. Es war kein Problem gewesen bis hier hin vorzudringen. Tony hatte unten am Empfang einfach seine Marke gezeigt und gebeten mit Direktor David, über dessen Tochter, sprechen zu können. Man hatte ihm einen Besucherausweis ausgehändigt und zum Büro hochgebracht. Jetzt stand er einer hinreißenden dunkelhaarigen Schönheit gegenüber.

„Es tut mir leid, Agent ….“ dabei sah sie wieder auf seinen Ausweis in ihren Händen. „ DiNozzo, aber Direktor David ist schon seit ein paar Tagen erkrankt. Er kann sie jetzt nicht empfangen, weil der gar nicht ihr ist. Tut mir wirklich Leid. Versuchen Sie es doch nächste Woche noch einmal.“

„Tja dann ist leider unser Urlaub schon wieder beendet. Aber Sie können mir doch sicherlich sagen ob in den letzten Tage seine Tochter, Ziva, hier war.“ Dabei schenkte er ihr sein schiefes Lächeln.

„Ja, Miss David war hier. Am Montag wenn ich mich noch richtig erinnere.“ Sagte sie und blickte auf Milena, die artig und ruhig neben ihrem Vater saß. „Na du bist ja eine ganz Brave. Möchtest du einen Lolly?“ Während sie fragte, kramte sie schon in ihrer Schreibtischschublade herum.

Mia lächelte in Anbetracht der angekündigten Leckerei und auch ihr Vater schmunzelte. Seine Tochter war ja so was von bestechlich. Mia hüpfte von ihrem Stuhl und nahm den Lolly von der Sekretärin entgegen. „Danke.“ Sagte sie schnell  und schon war die Süßigkeit ausgepackt und mit einem glücklichen Lächeln in ihrem Mund verschwunden. Von da an hörte man nur noch leise schmatz Geräusche.

„Eine nette Tochter haben Sie.“ Sagte die Sekretärin lächelnd. „Wissen Sie ich habe auch zwei Kinder und wenn ich mir ihre Kleine so ansehen, ist es fast schon schade das meine schon so alt sind.“

Tony stand nun auf und reichte ihr zu Abschied die Hand. „Danke trotzdem. Kommst du Mia?“ Milena kletterte wieder von ihrem Stuhl, winkte der Dame noch einmal zu und lief zu ihrem Vater.

~~~***~~~

Eine Stunde hielt ein Taxi etwas außerhalb von Tel Aviv vor einem Wohnhaus. Tony und Milena stiegen aus. Wie gut das Ziva ihnen diese Adresse als Kontaktadresse da gelassen hatte. So hatte er gewusst wie er ihre Familie finden konnte. Er atmete noch einmal tief durch, dann ging er mit Mia die zur Tür und schellte. Kurz darauf wurde ihnen die Tür geöffnet und eine junge Frau sah sie abwartend an.

„Mein Name ist Anthony DiNozzo und das ist meine Tochter Milena. Wir möchten mit Direktor David sprechen.“

Die junge Frau sah ihn seltsam an und antwortete ihm auf Hebräisch.

„Oh tut mir leid aber ich kann Sie leider nicht verstehen.“ Versuchte  er sich nun bei ihr verständlich zu machen. Da hörte er eine tiefe Männerstimme. Diese Stimme würde er wohl nie vergessen. Zivas Vater fragte seine Angestellte etwas auf Hebräisch. Tony wurde abgelenkt, als er eine Bewegung an seinen Beinen spürte. Milena hat wieder ihre Finger im Mund und sich müde an seine Beine geschmiegt. Und während der junge Mann seine Tochter beobachtete, würde die Tür plötzlich ganz geöffnet und er stand Eli David gegenüber. Mia versteckte sich bei der plötzlichen Bewegung leicht hinter Tonys Beine. Zivas Vater war groß, mit breiten Schultern und sein Haar war seit seiner letzten Begegnung noch grauer geworden. Er schien wirklich Krank zu sein, war Blass und trug einen Bademantel.

„Agent DiNozzo, was wollen Sie hier?“ fragte er nicht gerade freundlich.

„Direktor David.“ Grüßte ihn der junge Ermittler. „Ich bin auf der Suche nach ihrer Tochter.“

„Sie ist nicht hier und ich möchte Sie nun bitten zu gehen.“ Damit wollte er die Tür wieder schließen, doch Tony machte schnell einen Schritt auf ihn zu.

„Was heißt, Sie ist nicht hier? Wo ist Sie dann?“ Fragte er ihren Vater.

„Na zurück zu ihnen, nehme mich an.“

„Ziva ist nie in D. C. angekommen und auch sonst nirgendwo in Amerika. Also muss Sie noch hier sein, hier in Israel.“  Sagte der Braunhaarige aufgebraucht. So langsam reichte es ihm. Er hatte noch nie gut mit Eli David gekonnt, aber jetzt hier so an der Türe abgespeist zu werden, setzte allem die Krone auf.

„Meine Tochter hat ihr Land, ihre Familie und im besonderen mich verraten. Was erwarten Sie jetzt von mir?“

„Ich erwarte ihre Hilfe. Ihre Tochter ist verschwunden, Sie geht nicht an ihr Handy, Sie hört ihre Mailbox nicht ab und ihr Laptop ist unauffindbar. Sie ist ihre Tochter.“  

„Las ihn rein, Eli.“ hörten sie plötzlich eine Frauenstimme. „Du hast schon unsere Tochter aus dem Haus getrieben. Sie ist mein letztes Kind. Ich will hören was er zu sagen hat.“

„Ruth, nicht. Tu dir das nicht an.“ Sagte David zu seiner Frau.

„Doch, ich will ihn sehen.“ Kam es von ihr. „Ich will es verstehen. Ich will den Mann sehen der unsere Tochter dazu gebracht hat ihr Land zu verlassen.“

Und damit wurde nun die Tür wieder ganz geöffnet und Tony stand einer hübschen Frau mittleren Alters gegenüber. Er hatte sich immer gefragt woher Ziva ihre Augen hatte. Jetzt wusste er es. Es waren Zivas Augen die ihn nun musterten und an seiner kleinen Tochter hängen blieben. Aber auch sonst hatten die Beiden viel gemeinsam. Die dunklen Locken, bei ihr allerdings schon mit silbernen Strähnen durchzogen. Der Herzförmige Haaransatz,  die Größe und Statur. Wahrscheinlich würde Ziva irgendwann im Alter einmal so aussehen.

„Kommen Sie herein, Agent DiNozzo. Und verzeihen Sie meinem Mann. Er ist Krank und hat da durch wahrscheinlich unsere Gastfreundschaft vergessen.“ Sagte sie mit einem Seitenblick zu ihrem Mann.

„Ich hoffe doch nichts schlimmes?“ Fragte der junge Ermittler.

„Nein, nein, nur eine kleine Magen Darm Verstimmung.“ Sagte sie und trat von der Tür zurück um ein hinein zulassen.

Tony betrat zum ersten Mal Zivas Elternhaus und wurde ins Wohnzimmer geführt. Was er bisher von dem Haus gesehen hatte, war hell und freundlich und eine geschwungene Treppe führte in die erste Etage.

„Setzen Sie sich doch bitte. Darf ich ihnen etwas zu trinken anbieten?“ fragte Mrs. David, während sie sich selbst auf einen Sessel nieder lies und Ihr Mann hinter diesem stehen blieb.

„Für mich nichts, danke aber wenn Sie vielleicht etwas Saft für meine Tochter hätten?“  ´fragte Tony.

„Aber sicher doch.“ Damit sagte sie wieder etwas auf Hebräisch zu der Haushälterin, die darauf hin aus dem Zimmer verschwand.

„Sie sind also der Mann der meine Tochter heiraten möchte?“ fing Zivas Mutter nun das Gespräch an.

Tony nickte ihr zu und die junge Hausangestellte brachte ein Glas und stellte es vor Milena auf den Tisch. Die Kleine sagte artig Danke und trank ein paar Schlücke bevor sie sich wieder an ihren Vater kuschelte. Hier war ihr alles so fremd. Der Mann von der Tür, war ihr unheimlich und die Frau sah aus wie eine ältere Version ihrer Mommy, aber das schlimmste war, das alle hier so seltsam sprachen das Mia sie gar nicht verstehen konnte.  

„Ich liebe ihre Tochter und Sie liebt mich.“ Antwortete er ihr schlicht.

„Und du bist ….“ Sie überlegte kurz, dann schien es ihr wieder einzufallen. „Du bist also Milena?“ fragte sie freundlich an das Kind gerichtet. „Ziva hat mir viel von dir berichtet.“

Mias Interesse war nun geweckt. „Ehrlich? Bist du Zivas Mommy?
Tony stupste sie an und legte sich seinen Finger auf die Lippen. Mia verstand, sie sollte also ruhig sein und die Erwachsenen reden lassen. Verstimmt nahm sie sich Puppe wieder fester in die Arme und steckte aus Protest ihre Finger in den Mund.

Mrs. David stand langsam von ihrem Sessel auf und setzte sich neben das Mädchen auf die Couch. „Lassen Sie Sie doch bitte mit mir sprechen. Also Milena, wie alt bist du?“

Mia hob ihren Gipsarm etwas an und zählte wie jeden Morgen ihr Alter mit den Fingern ab. So hielt sie ihr die Hand hin. „Vier Jahre aber ich werden nächsten Monat schon Fünf.“

„Oh, nächsten Monat schon. Mhmm und warum bist du hier?“ fragte sie die freundliche Frau da wieder.

„Ich will meine Mommy holen. Sie meldet sich nicht mehr. Und Sie sagt mir auch nicht mehr gute Nacht. Sonst hat Sie das jeden Abend getan.“

„So so, deine Mommy also. Meine Tochter ist deine Mommy?“

„Ziva ist meine zweite Mommy. Meine erste ist schon im Himmel und sitzt dort mit den Engeln und passt auf mich auf. So hat es mir Ziva erklärt. Und ich hab dann meine erste Mommy gefragt, ob Sie nicht dagegen hätte wenn ich Ziva von jetzt an auch Mommy nennen würde und Sie hatte nichts dagegen. Darum hab ich jetzt zwei Mommys.“ Mit dem Verstand einer knapp fünfjährigen brachte Sie alles  auf den Punkt, das Tony dem nichts mehr hinzu zufügen hatte.

Zivas Mutter lächelte sie an. „Du hast recht. Ich bin die Mutter deiner Mommy und wenn du möchtest kannst du Grandma sagen.“ Zu ersten Mal meldete sich nun ihr Mann wieder zu Wort.

„Ruth bitte! Las das, dieses Kind ist nicht mit uns verwandt.“ Sagte er auf gebracht.

Seine Frau warf ihm einen Blick zu den Tony nur zu gut auch von Ziva kannte. „Aber Ziva ist unsere Tochter und Sie wird Sie aufziehen. Wo bitte ist da der unterschied?“

Milena war müde, auf der Couch war es bequem und ihr Vater fühlte sich an ihrer Seite wie in Ofen an. Sie verstand die Erwachsenen nicht. Sie wollte doch nur zu ihrer Mommy und hier schien sie nicht zu sein. Wäre es da nicht besser sie würden wieder weiter suchen. Müde steckte sie sich ihre Finger in den Mund und nahm Puppe fester in den  Arm.  Außerdem mochte Mia den grauen Mann nicht. Er war so ganz anders als die grauhaarigen Männer die sie bisher kennen gelernt hatte.  Aber die Frau schien sehr nett zu sein, sie sah aus wie Ziva und sie durfte sie Granny nennen. Sie hatte noch nie eine Oma gehabt, das machte sie irgendwie Glücklich.  Langsam aber sicher übermannte sie die Müdigkeit und so sehr sich Mia auch anstrengte wach zu bleiben, fielen ihr letztendlich doch die Augen zu und sie driftete ab ins Reich der Träume.

Tony hatte das alles gar nicht mitbekommen. Er stellte sich gerade einem Blickduell mit Eli David und zu gegebenen Zeitpunkts stand noch kein Sieger fest.

„Oh jetzt ist ihre Tochter eingeschlafen.“ Hörte er da Ruth David sagen.

Der junge Ermittler schaute kurz an seine Seite zu Milena. „Das tut mir sehr leid, aber wir sind schon seit heute Morgen fünf Uhr unterwegs. Es war ein anstrengender Tag für Sie, Mrs. David.“

„Sie können mich Ruth nennen, darf ich dann Anthony sagen?“ Fragte sie ihn und bevor Eli sich wieder in das Gespräch einschalten konnte, antwortete der junge Mann ihr.

„Dann nennen Sie mich Tony. Anthony heißt mein Vater.“ Erklärte er ihr lächelnd.

„Gut dann also Tony. Es freut mich wirklich Sie kennen zu lernen. Auch wenn die Umstände nicht so wirklich gut sind. Meine Tochter ist also nicht bei Ihnen angekommen? Sie hat uns aber am Montag schon wieder verlassen. Wollte von hier sofort zum Flughafen. Weißt du darüber etwas. Eli?“

„Wo denkst du hin Frau!“

„Du hast unser letztes Kind in die Wüste geschickt und hast nichts zu ihrer Rettung unternommen. Erst ein Amerikaner musste kommen und Sie aus den Klauen dieses Sadisten befreien. Was denkst du was ich da von dir Denke. Ziva ist alles was mir noch geblieben ist. Ich würde es nicht ertragen auch Sie noch zu verlieren.“ Und wieder an Tony gewandt fuhr sie fort. „Wir werden ihnen helfen. Mein Mann und ich. Sie haben schon eine Unterkunft?“

„Wir haben ein Hotel in Strandnähe.“

Sie legte ihren Kopf leicht schief. „Ich möchte dass Sie für die Dauer Ihres Aufenthaltes in Israel unser Gast sind. Ich möchte Ihre Tochter gerne näher Kennenlernen und ich kann auf Sie aufpassen wenn Sie unterwegs sind. Was ist mit ihrem Arm? Müssen wir da irgendwas beachten?“

„Ein Ellenbogenbruch, gerichtet und frisch vergipst. Sie darf nur nicht ins Wasser. Aber das kennt Sie schon. Sie trägt den Gips schon seit einer Woche.“

Sie nickte dem Mädchen zu. „Becka wird ihnen nun das Zimmer zeigen. Da können Sie sich und ihre Tochter hinlegen. Geben Sie mir die Adresse ihres Hotels. Ich schicke dann jemanden vorbei der ihre Sachen abholt. Wir sind alle Müde. Ich denke wir sollten morgen früh weiter machen.“ Damit stand sie auf und sah ihren Mann fest an. „Kommst du Eli?“

Und ohne ein Wort zu verlieren folgte der Direktor des Mossad seiner Frau aus dem Raum und ließ den ihn verhassten Amerikaner mit dem Dienstmädchen zurück. Tony würde jetzt gerne Mäuschen spielen. Das Ehepaar würde sich jetzt viel zu sagen haben. Er hätte nie erwartetet das Eli David vor einer Frau klein bei gibt. Da das Mädchen schon ungeduldig an der Tür wartete hob Tony seine Tochter hoch und trug sie hinter dem Dienstmädchen die Treppe nach oben. Das Zimmer war hell und freundlich wie auch der Rest des Hauses. Und das große Bett sah weich und bequem aus. Er zog Mia bis auf die Unterwäsche aus und deckte sie zu. Dann zog er sich selber bis auf die Boxershorts  aus und legte sich zu ihr ins Bett.

Leise um sie nicht zu stören zog er sein Handy und wählte Gibbs Nummer. Die erste Berichterstattung stand an.

~~~***~~~

Gibbs sah auf seine Uhr. Wo blieb nur Tony Meldung? Hatte er sich nicht richtig ausgedrückt oder suchte der Jüngere schon wieder einen Weg sich zu drücken? Unschlüssig sah er zu dem Schleifklotz den er in der Hand hielt. Normalerweise half ihm die Arbeit an seinem Schiff dabei aus zu spannen, aber heute war daran nicht zu denken. Vor einer Stunde hatte ihn seine Freundin auf ein Essen eingeladen, aber auch das hatte er, mit einem fadenscheinigen Grund, abgesagt. Jetzt saß er allein in seinem Keller und wartete auf den für ihn, erlösenden Anruf. Plötzlich hörte er wie jemand die Stufen hinunter kam. Sein Blick ruckte vom Handy hoch zur Treppe.

„Na mit dir habe ich ja gar nicht gerechnet, Duck. Was machst du hier?“

„Oh Jethro, ich dachte du könntest vielleicht etwas Unterstützung brauchen?“

Gibbs lächelte, drehte sich um und nahm ein Glas mit Schrauben aus dem Regal. Er schüttelte die Schrauben raus und putzte das Glas kurz aus. Dann füllte er es und seinen Kaffeebecher mit Bourbon. Das Glas reichte er an seinen alten Freund weiter.

„Hat er sich schon gemeldet?“ fragte dieser und trank einen  Schluck des Bourbons

„Nein, ich warte. Er ist schon zwei Stunden überfällig.“ sagte Gibbs sauer.

„Denk an die Zeitverschiebung, Jethro. Unser Junge wird sich melden wenn er kann.“

„Duck, genau das ist mein Problem. Was ist wenn er nicht kann? Wenn er da unten, unter die Räder gerät?“

Ducky legte dem Grauhaarigen eine Hand auf die Schulter. „Du musst ihn langsam loslassen.“ sagte er und trank noch einen Schluck. In dem Moment schellte das Handy.

„Tony!“ Sagte Gibbs aufatment, bevor er das Telefon aufklappte. „DiNozzo du bist zu spät!“ ranzte er in das Handy.

„Boss, ich freue mich auch deine Stimme zu hören.“ sagte Tony lachend.

„Wo seid ihr und konntest du schon was erledigen?“

„Nein, aber wir wohnen im Moment bei Zivas Eltern.“ Tony erzählte seinen Boss wie es dazu gekommen war.

„Gut dann weiß ich ja wo ich dich zur Not finden kann.“ sagte ihm sein Boss. „Und bevor ich es vergesse, Ducky steht neben mir und lässt dich grüßen.“ Und schon war die Verbindung unterbrochen.

Gibbs grinste Ducky an, während er sein Telefon wieder auf die Werkbank legte. Dann gab er seinem Freund ein Schleifpapier und nahm sich selber ebenfalls eins zur Hand.

„Los Duck, dann zeig mal was du kannst. Immer schön von oben nach unten.“ Und zusammen machten sie sich gelöst ans Werk.

~~~***~~~

Tony schaute wie immer auf sein Handy. Wie immer endete das Gespräch ohne Floskeln.
Aber so kannte man Gibbs. Leise klappte auch er sein Telefon zu und löschte das Licht. Er merkte noch, wie sich Mias kleiner Po an seinen Bauch drückte, dann war auch er eingeschlafen.

 

 

 

4. Kapitel

Müde fuhr er sich über die Nase. Hatte er den Wecker überhört oder hatten sie schon wieder verschlafen? Sein Verstand arbeitete noch nicht wieder vollständig. Wieder kitzelte es ihm etwas an der Nase. Was war das? Noch einmal musste er sich über das Gesicht wischen. Müde schlug er die Augen auf und blickte in Puppes ausdruckloses Gesicht. Die langen gelben Zöpfe wedelten um seine Nase. Milena kniete an seiner Seite und kicherte vor sich hin.

„Bist du jetzt wach Daddy?“

Ihr Vater rieb sich noch einmal über das Gesicht, um auch den letzten Schlaf zu vertreiben. „Ja, JETZT bin ich wach. Du bist doch sonst immer so eine Langschläferin. Warum bist du heute schon so früh wach?“ fragte er sie mit immer noch leicht verschlafener Stimme.

„Da war schon einer an der Tür. Davon bin ich wach geworden.“

Ihr Vater zog seine Beine über den Bettrand und stand stöhnend auf. Morgens war es immer besonders schlimm. Sein Bein war steif und das Knie kaum zu gebrauchen. Müde humpelte er zur Tür. Tatsächlich stand vor der Tür ihre Reisetasche mit einem Zettel der Hausherrin. Frühstück gab es also um 9 Uhr. Schnell schaute er auf die Uhr. Da blieb ihnen ja noch über eine Stunde. Also stellte er die Tasche ab und krabbelte wieder zu Mia ins Bett, schnappte sich seine Tochter und revanchierte sich bei ihr mit einer morgendlichen Kitzelstunde. Kurze Zeit später schallte fröhliches Kinderlachen durch die Etage.

~~~***~~~

Ruth stand unten an der Treppe und horchte auf die Kinderlaute. Ihr Mann stellte sich neben sie und legte ihr seinen Arm um die Hüfte. „Hörst du das? Wann hat zuletzt ein Kind  in diesem Haus gelacht?“ fragte sie ihm mit Tränen in den Augen.

Er nahm sie fest in den Arm und küsste sie zärtlich auf die Stirn. „Warum tust du dir das an. Warum quälst du dich so?“ fragte er sie leise.

Doch sie hörte ihn gar nicht, hörte nur das Kinderlachen. „Ich glaube seit Tali gestorben ist, hat in diesem Haus kein Kind mehr gelacht. Ziva war danach so verschlossen und dann hast du sie weggeschickt und hast sie zu einem deiner Killer erziehen lassen.“ Sagte sie vorwurfsvoll.

„Ich habe sie nicht geschickt, sie wollte das freiwillig machen, weil sie sich an ihnen für Tali rächen wollte. Dazu musste ich sie nicht überreden und das weißt du auch. Wir haben da schon so häufig drüber gesprochen.“

„ Ja, ja ich weiss, verzeih mir Eli, ich bin ungerecht. Aber bitte las uns jetzt den Kontakt zu ihr und ihrer kleinen Familie halten. Ich wäre so gerne eine Oma für die Kleine.“

„Hast du vergessen wer ihr Vater ist. Dieser DiNozzo hat Michael auf dem Gewissen. Er hat ihn hinterrücks aus Eifersucht erschossen. Und du willst Kontakt halten? Er ist ein Mörder.“

„Ziva hat mir was anderes erzählt und ich glaube ihr. Und sieh ihn dir doch an. Wenn er so ein böser Mann wäre wie du sagst, könnte er dann so reizend mit seiner Tochter umgehen. Also ich freue mich wirklich darauf ihn näher kennen zu lernen und jetzt spring bitte über deinen Schatten und hilf ihm bei der Suche nach Ziva. Ich möchte unsere Tochter wieder in die Arme schließen.“ Damit drehte sie sich um und ging in Richtung Esszimmer, ihren Mann ließ sie an der Treppe zurück.

~~~***~~~

Pünktlich um 9 Uhr stiegen Tony und Mia langsam aber gut gelaunt die Treppe herunter. Wobei Mia eher jede Stufe hüpfte und nur ihr Vater es langsam anging. Seinem Knie war heute Morgen nicht zu trauen und er wollte es vermeiden, hier noch die Stufen hinunter zufallen. Zwei mal hatte es ihm heute früh schon Probleme bereitet. Einmal auf dem Weg zum Badezimmer und das andere mal als er aus der Dusche steigen wollte. Von jetzt auf gleich hatte es einfach nachgegeben und hätte er nicht so schnell etwas zum festhalten gefunden, wäre er gestürzt. Jetzt war es instabil und schmerzte leicht. Nach seinem ungewollten beinah Spagat im Badezimmer, hatte er es mit einer Salbe behandelt und trug nun seine Stützbandage, die er Gott sei Dank eingepackt hatte. Endlich war das Ende der Treppe erreicht.

Im Esszimmer wurden sie schon erwartet. Die beiden Davids saßen beim Essen. Tony und Milena wurde ein Platz zu gewiesen und das Mädchen von Abend fragte nach ihren Wünschen. Sie konnte also doch englisch, dachte sich Tony. An der Tür hatte sie so getan als ob sie kein Wort verstehen würde. Tony sah schnell zu seinen Gastgebern und bat um Toast und Honig.

Mia sah Zivas Mutter bittend an. „Gibt es hier auch Pancakes und Ahorn Sirup?“

Und während ihr Vater sich innerlich verfluchte, das er seine Tochter zu Wort hatte kommen lassen. Lachte ihre Gastgeberin hell auf. „Aber klar können wir das machen. Magst du mit in die Küche kommen, dann machen wir das gemeinsam.“ Sagte sie, stand auf und hielt ihr eine Hand hin. Mia lief ihr entgegen. Für warme Pancakes machte sie fast alles. Ruth warf ihrem Mann noch einen Blick zu der besagte, -jetzt rede mit unserem Schwiegersohn in Spe-, und verließ mit Milena den Raum.

Während sich der jüngere Mann einen Toast schmierte und mit Appetit hinein biss, ergriff Eli das Wort. „Ich habe schon einmal meine Kontakte spielen lassen. Ziva muss noch hier in Israel sein. Ausgereist ist sie jedenfalls nicht. Ich haben zwei meiner Männer auf sie angesetzt. Sie suchen jetzt nach irgendwelchen Hinweisen. Was haben sie heute vor?“

Der Braunhaarige schluckte seinen letzten Toastbissen herunter. „ich weiß nicht. Ich dachte ich klappere ein paar Freunde von ihr ab. Ob jemand sie vielleicht noch gesehen hat.“

„Ziva hat hier keine Freunde mehr. Den letzten haben sie erschossen.“  Sagte ihr Vater.

Tony schaut ihn an. Sie hatte hier keine Freunde mehr? Dabei war das seine letzte Hoffnung gewesen. Obwohl er innerlich schon wusste das auch Freunde sie nicht von ihnen weg gehalten hätten.  „Dann klappere ich die Krankenhäuser ab. Irgendwas muss passiert sein. Vielleicht ist sie verletzt und nicht bei Bewusstsein!“ sagte er und gleichzeitig lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken. Und wenn sie ihre Gedächtnis verloren hatte? So wie damals ihr Boss. Wenn sie irgendwo lag und nicht mehr wusste wer sie war? Frustriert fuhr er sich durchs Haar. Er musste sie finden und er würde dieses Land nicht eher wieder verlassen bevor er sie an seiner Seite hatte. Zur Not musste er halt seinen Job aufs Spiel setzen. In dem Moment schellte Elis Handy. Dem Gespräch selbst konnte Tony nicht folgen, da es auf Hebräisch geführt wurde, aber er sah den erstaunten und wütenden Gesichtsaufdruck seines fast Schwiegervaters. Als er das Gespräch beendet hatte, wechselte er wieder ins Englische.

„Ich fasse es nicht, ich werde in meinem eigenen Land, von meinen eigenen Leuten hintergangen.“ Man sah ihm die Verzweiflung an. „Meine Männer haben den Taxifahrer ausfindig machen können, der Ziva zum Flughafen bringen sollte. Der behauptet das er von zwei Offizieren des Mossad und einem Krankenwagen angehalten wurde und Ziva gezwungen wurde in den Krankenwagen umzusteigen. Er sagte als sie sich wehrte hat man ihr etwas gespritzt. Danach sind sie mit Blaulicht Stadt einwärts gefahren. Leider konnte der Fahrer sich nicht mehr an die Namen oder die Autokennzeichen erinnern. Aber er hatte sich die Aufschrift des Krankenwagens gemerkt und demnach gehört der zum Noder Krankenhaus.“ Er stand auf und lief neben dem Tisch auf und ab. „Noder Krankenhaus, es gibt kein Noder Krankenhaus. Das ist der Name, den der Mossad für verdeckte Operationen verwendet. Aber was soll das? Es gibt im Moment keine Operationen und ich habe niemanden den Auftrag erteilt meine eigene Tochter zu entführen.“

„Warum hat der Taxifahrer den Übergriff nicht gemeldet?“ kam es aufgebracht von DiNozzo.

„Warum sollte er. Würde bei ihnen die CIA jemanden aus einem Taxi entführen, würde das der Fahrer der Polizei melden? Außerdem hat ihm einer einen authentischen Ausweis gezeigt. Also habe ich einen Judas unter meinen Männern.“

„Nein, Sie haben Recht. Aber wo ist das Motiv?“

Kann es mit ihnen zusammen hängen?“ fragte Zivas Vater plötzlich seinen Gast.

„Mit mir? In Ihrem Land? Ich war bisher nur ein einziges Mal hier. Und das war auf ihre Einladung hin.“ Antwortete der junge Mann und warf nun seinem Gastgeber einen wütenden Blick zu.

Dieser lächelte ihn an. „Ich weiß. Denken Sie nicht, ich hätte das vergessen. Aber ich muss zugeben, Sie haben sich damals gut geschlagen. Sie waren verletzt und man sah ihnen die Sorge um Ziva an, aber Sie haben mich ausgetrickst.“ Jetzt setzte er sich wieder. „Ich denke ich werde mich an ihrer Suche beteiligen. Ich will wissen welcher meiner Mitarbeiter mich betrügt und hinter meinem Rücken meine Tochter entführt.“

Tony nickte. „Aber wo sollen wir anfangen? Und wer wusste das Ziva auf den Weg zum Flughafen war?“

David überlegte. „Da wäre mein Fahrer und noch ein paar andere Mitarbeiter. Nach dem Frühstück fahren wir zum HQ, ich muss mir ein paar Dienstpläne ansehen und dann werden wir ein paar Krankenhäuser abklappern. Haben Sie ein aktuelles Foto von Ziva mit?“

„Ja immer.“ sagte der junge Ermittler und zog ein Bild aus seiner Brieftasche das er Zivas Vater reichte. „Es ist neu, ich habe es von ihr und Mia erst vor ein paar Wochen, während unseres Urlaubs, aufgenommen.

„Gut.“ sagte ihr Vater, nahm das Foto aber ohne einen Blick drauf zu werfen und steckte es in seine Hemdtasche. „Und jetzt lassen Sie uns zu Ende frühstücken.“ Wie aufs Stichwort ging in diesem Moment auch die Tür auf und Ruth und Mia kamen mit einem riesigen Berg Pfannkuchen zurück.

~~~***~~~

Eine junge Frau in Schwesterntracht stürzte aufgeregt auf den Mossad Offizier zu. „Samuel, ich soll dir von Dr. Sichel ausrichten unsere Patientin wacht gerade auf. Sofort sprang er aus und lief auf das Zimmer zu. „Hat sie schon mit ihnen geredet?“ Fragte er den Arzt.

„Nein, soweit ist sie noch nicht.“

„Gut ich bleibe nun bei ihr und möchte hier von niemanden gestört werden. Verstanden?“

Dr. Sichel nickte. Nun war der Offizier mit der jungen Frau alleine. Langsam beugte er sich über sie. „Ziva kannst du mich hören?“ Vom Bett vernahm er ein Stöhnen. Dann schlug sie langsam wie in Zeitlupe die Augen auf. Ihr Blick war leer und verwirrt zugleich. Doch er meinte eine Art erkennen in ihrem Blick zu sehen.

„Kannst du mich hören?“ Jetzt nickte sie ihn an.

„Was ist passiert, Samuel?“ Fragte sie ihn verwirrt.

„An was kannst du dich erinnern?“

Sie schluckte. „Kann ich was zu trinken haben?“  

„Du darfst noch nichts trinken. Erst später. Also an was kannst du dich erinnern.“

Sie versuchte sich kraftlos zu räuspern. „Ich weiß noch dass das Taxi angehalten wurde und dass Männer mich heraus zerrten. Danach weiß ich nichts mehr. Wo bin ich hier. Was fehlt mir. Kann ich mit einem Arzt sprechen? Hast du schon meinen Eltern bescheid gegeben?“

„So was hab ich mir schon gedacht.“ Sagte er mit einer traurigen Mine. „Du würdest nicht aus einem Taxi gezogen, oder vielleicht doch. Aber deine Erinnerung trügt dich.  Das Taxi hatte einen schweren Unfall. Nur du hast überlebt. Du hattest schwere Verletzungen, multiple Frakturen, schwerste Kopfverletzungen und hast lange im Koma gelegen. Die Ärzte hatten dich schon aufgegeben. Es ist ein Wunder der du wieder aufgewacht bist.“

„Wie lange war ich weg und warum bist du hier an meinem Bett? Wo sind meine Eltern?“

„Fast drei Jahre, aber sollen wir da nicht lieber ein andermal drüber reden? Ich hol nun erst einmal einen Arzt.“ Damit wollte er aufstehen, doch sie hielt ihn zurück.

„Warum Samuel? Ich will jetzt die Wahrheit wissen.“

„Also gut, es tut mir so leid für dich Ziva, aber ich muss dir sagen in den drei Jahren ist viel passiert, nichts ist mir so wie du es kanntest.“ Er setzt sich wieder hin und fuhr sich durchs Haar. „Du musst jetzt stark sein. Es gab einen Anschlag auf das Mossad HQ und dabei sind fast alle unsere Kameraden ums leben gekommen. Ebenso wie dein Vater und leider auch deine Mutter die ihn an diesem Tag dort besucht hat.“

Ziva schluckte und kämpfte mit ihren Emotionen. Nur nicht nachlassen. Keine Tränen, so hatte es ihr Vater ihr eingebläut. Zeige keine Schwäche. „Wer.., wer ist jetzt Direktor?“

„Oh das wird dich sicher freuen zu hören, Michael Rifkin. Gewählt und bereits bestätigt. Er hat viel Zeit hier bei dir hier am Bett gesessen.“

Jetzt bröckelte ihre Selbstbeherrschung dahin. „Michael? Michael Rifkin? Er ist nicht Tod?“ fragte sie verständnislos. Wurde sie langsam verrückt? Was ging hier vor?

Samuel grinste sie an. „Nein, warum sollte er?

„Nein, ja, ich meine, Tony mein Kollege beim NCIS hat ihn doch erschossen!“

„Dein Kollege? Ziva wovon redest du. Du hast schon lange keine Kollegen mehr in Amerika. Du wurdest nach dem Tot der Direktorin von deinem Vater zurück gerufen und arbeitest seitdem wieder hier, na ja bis auf die Zeit die du nun im Koma gelegen hast.“

„Wo ist Michael jetzt? Warum bist du hier und nicht er?“ Ihr schwirrte der Kopf und sie musste immer wieder ihre Augen schließen.

„Michael ist zu einer Konferenz in Jerusalem. Ich wollte ihn schon informieren aber er hat im Moment sein Handy aus. Er kommt sobald er fertig ist. Ich hol jetzt mal einen Arzt. Bin gleich wieder da.“

Zum erstenmal seit ihrem Erwachen war sie alleine. Tony! Hatte sie das alles nur geträumt? Und die kleine Mia? Es war als zerreiße Ihr das Herz. Das letzte Jahr, Weihnachten, Silvester und Milena. Tonys Verletzung, die daraus entstandene Gehirnblutung? Ihr erster gemeinsamer Urlaub als Familie.  Alles nur geträumt? Sie sah auf ihre Hand, dort wo eigentlich ihr Ring hätte seinen müssen. Tonys Ring. Leise fing sie an zu weinen.



5. Kapitel

„....und dann hab ich aus dem Fenster gesehen und da war Mister Bob und der baute so eine komische Maschine auf. Und Plötzlich leuchtete etwas gelbes in dem Ästen die Mister Bob in die Kleinmachmaschine packte. Dann hab ich schnell meine Freundin geholt und wir sind los gelaufen. Und dann ging alles ganz schnell und wir lagen auf dem Boden. Meine Freundin hatte ein großes Loch im Kopf und mir tat mein Arm weh. Die Kindergartenleiterin ist mit uns ins Krankenhaus gefahren und seit dem hab ich den Gipsarm. Aber wir haben Puppe gerettet. Und meine Freundin und ich haben es genauso gemacht wie Daddy und Ziva.“ Stolz schwamm in ihrer Stimme mit.

„So bist du also zu deinem Gips gekommen. Mhmm, hat es denn sehr weh getan?“ fragte  Zivas Mutter.

„Oh ja, aber ich habe nicht geweint und auch nicht gejammert und das wichtigste, ich bin nicht umgekippt.“ Bedeutend machte sie nun eine kleine Pause. „Ach, das weißt du ja gar nicht. Du musst wissen ein DiNozzo kippt nicht um.“

Jetzt lachte ihre neue Oma laut auf. „So, so. Ein DiNozzo kippt also nicht um? Das ist ja eine tolle Regel. Die muss ich mir unbedingt merken. Möchtest du einen Keks?“

„Oh ja ich liebe Kekse.“ sagte Mia eifrig und steckte schon ihre Hand nach der begehrten Leckerei aus.

„Erzähl mir noch ein bisschen mehr von dir. Du gehst also in den Kindergarten und fängst zusammen mit deinen Freunden Puppenmörder? Und wie ist es so Zuhause bei euch?“ Sie versuchte ganz geschickt die Kleine auszufragen.

„Mia hob ihren Zeigefinger an die Nase und überlegte angestrengt.. „Zuhause? Ich weiß nicht. Normal, wie immer. Nur Mommy fehlt mir so, aber sonst.“

„Ich meinte wie ist dein Daddy zu dir? Schimpft er viel mit dir?“ Neugierig sah sie jetzt die Kleine an, die schon wieder ihre Hand nach einen neuen Keks ausstreckte.

„Daddy ist ganz doll lieb. Und Ziva auch. Und meine richtige Mommy ist im Himmel, weil es einen bösen Mann gab der das so wollte und deshalb war Daddy auch ganz lange ganz doll krank. Und, und Ziva hat ganz viel geweint und ich durfte nicht zu ihm, sondern musst ihn durch das Fenster besuchen. Und als es Daddy wieder besser ging, sind wir ans Meer zu Grandpa gefahren und haben Urlaub gemacht, damit Daddy sich noch was erholen konnte, hat Ziva gesagt und seit dem nenn ich Sie Mommy.“

„Und was ist mir deinen Verwandten?“

„Ohjjjuuuuu, da ist Onkel Jethro und Tabitha und Tante Abby und Onkel Tim und dann noch Ducky und Grandpa. Und außer Grandpa arbeiten Sie alle mit Ziva und meinem Daddy. Willst du noch was wissen?“

Ruth schmunzelte. „Nein, ich denke für heute sollte das reichen. Was hältst du davon wenn wir in den Garten gehen. Da gibt es noch einen seit langen unbenutzten Sandkasten. Hast  du Lust den mal wieder zu bespielen?“

„Oh ja das wäre toll.“ Milena war begeistert und freudig erregt schob sie ihre kleine Hand in Ruth Davids Große.

~~~***~~~

Während drinnen Ziva ihren düsteren Gedanken nach hing, involvierte Samuel den Arzt noch schnell über seine Vorgehensweise. Mit ein paar Drohungen hatte er ihn sich gefügig gemacht. Nun würde er sein Lügengerüst aufrecht erhalten. Das war auch wichtig. Er musste Ziva bezwingen und das würde ihm nur gelingen wenn er sie aus der Bahn warf. Das schien ihm bisher ganz gut geglückt zu sein. So musste es auch möglich sein, an die Informationen zu kommen die er benötigte.

~~~***~~~

„Hallo Miss David. Ich bin Dr. Sichel, ihr Arzt. Wie geht es ihnen? Verspüren Sie irgendwelche Schmerzen?“

Ziva schüttelte den Kopf. Sprechen konnte sie jetzt nicht. Sie hatte einen riesigen Kloß im Hals.

„Mmmn. Also gut. Dann werde ich Sie kurz untersuchen.“ Sagte er und klappt auch schon die Bettdecke an die Seite. Er stach hier und piekte dort. Mit einer kleinen Taschenlampe leuchtete er ihr in die Augen. „ Das sieht ja alles sehr schön aus. Ich bin begeistert. Haben Sie Fragen oder soll ich einfach mal erzählen?

Auch diesmal nickte sie ihm zu.

„Gut also fang ich mal an. Sie hatten einen Autounfall, dabei haben Sie sich mehrfache Brüche der Beine und des Beckens zugezogen. Ferner hatten Sie einen Schädelbasisbruch. Aber wieder erwarten ist dies alles gut verheilt. Was es zu beachten gibt ist folgendes. Sie werden die nächsten Wochen noch nicht laufen können. Das kommt erst wieder nach und nach. Also wunderen Sie sich nicht. Ansonsten können Sie Besuch empfangen und wenn Sie wollen auch telefonieren. Die Geräte lassen wir heute noch dran, aber ich denke Morgen können Sie auch ab. Sie sollten nun noch etwas schlafen. Ich schick ihnen gleich eine Schwester die ihnen etwas zu trinken bringt.“ Sagte er und ging auch schon auf die Tür zu. Ziva blieb wieder allein zurück und zum ersten mal in ihrem Leben machte ihr das allein sein Probleme. Ihre so tapfer zurückgehaltenen Emotionen waren nicht mehr länger zu unterdrücken und sie brach laut schluchzend in ihrem Bett zusammen.

~~~***~~~

Es war jetzt 20 Uhr und sie näherten sich endlich wieder dem Haus in dem seine Tochter auf ihn wartete. Ein paar Mal am Tag hatte er sie angerufen. Aber ihr schien es mit ihrer neuen Oma gut zu gehen. Tony war fertig. Nachdem sie am Morgen ins HQ gefahren waren und die Sichtung der Dienstpläne, nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatte, hatten sie sich die Krankenhäuser vorgenommen. Den ganzen Nachmittag hatten sie dann ein Krankenhaus nach dem anderen abgesucht. Und Tel Aviv hatte verdammt viele Kliniken. Dank Elis Hilfe suchte nun der halbe zur Verfügung stehende Mossad nach Ziva David. Für Heute hatten sie allerdings die Suche abgebrochen und auf morgen verschoben, obwohl Tony lieber weiter gemacht hätte. Aber auch er brauchte Ruhe. Seine Augen brannten und sein Knie quälte ihn bei jedem Schritt. Mittlerweile konnte er auch ein etwas stärkeres Humpeln nicht mehr verbergen. Er wollte jetzt nur noch etwas Essen, seine Tochter in den Arm nehmen und dann schlafen. Morgen würde sie weiter machen.

Ruth stand schon im Eingangsbereich des Hauses und lies sie herein. Ihr Blick folgte Tony, der sich bemüht nicht zu sehr zu humpeln. Sie hatte für so etwas einen geübten Blick.

Mia kam auf ihn zu gehüpft. „Daddy endlich. Ich hab dich vermisst.“ Und damit schmiss sie sich gegen seine Beine.

Die Gastgeberin bemerkte seinen dadurch hervorgerufenen verbissenen Gesichtsausdruck und sie hörte auch wie er leise aufstöhnte. „Mia komm, las deinen Vater erst einmal ankommen und dann kannst du ihn ins Esszimmer bringen, damit er etwas essen kann.“ Und während sie sprach hatte sie Milenas Arme von DiNozzos Beinen genommen. „Kommt, lasst uns etwas essen.“ Damit ging sie in Richtung Esszimmer.

~~~***~~~

Mittlerweile lagen sie im Bett. Milena hatte ihm erst ihren Tag erzählen müssen, aber nun lag sie leise schnarchend neben ihm. Auch für seine Kleine war es ein anstrengender Tag gewesen. Tony hatte gerade noch mit Gibbs telefoniert. Ihn wieder auf den laufenden Stand der Dinge gebracht und er hatte sich bereits jetzt die Zusage von Gibbs geben lassen, zur Not noch eine Woche daran zu hängen. Dann hatte er kurz sein Knie versorgt. Die ganze Lauferei tat ihm nicht gut und auch den Bruch konnte er wieder spüren. So langsam ging  auch seine mitgebrachte Salbe zu ende. Morgen würde er Eli bitten an einer Apotheke anzuhalten. Hier musste es ja auch etwas in der Art geben. Und während er sich ätzend auf die Seite drehte, wanderten sein Gedanken zu Ziva. Wo wurde sie nur fest gehalten? Wer hielt sie fest und warum? Völlig erschlagen schloss er müde seine Augen. Morgen würde sie weiter suchen.

~~~***~~~

Und der Morgen kam schneller als erwartete. Als um 7 Uhr sein Handy schellte, saß er im Bett. Sofort waren seine Sinne scharf geschaltet. „DiNozzo?“

„Tony? Ich bin es Abby.“ Klang es aufgeregt aus dem Hörer.

„Abby warum rufst du so früh an?“

„Ich hab Sie, ich hab Sie, Tony, ich hab Sie.“

„´schuldige Abbs aber ich bin noch nicht so richtig Aufnahme fähig. Wen hast du?“

„Oh mein armer Tiger, Gibbs hat mir schon berichtete wo du gestern überall gewesen bist. Und da dachte ich mir ich las noch mal die Ortung laufen und siehe da. Es ist wieder da.“

„ABBY schluss jetzt.“ Donnerte er in Gibbs Manie.

„Ich habe Zivas Handy geortet.“ Sagte sie nun nicht mehr ganz zu euphorisch.

Jetzt war er wach und fuhr aus dem Bett. Vergessen waren seine morgendlichen Anlaufschwierigkeiten, sein geschwollenes Knie und sein schmerzender Oberschenkel. Jetzt zählte nur noch Ziva. „Warum ist das Handy gerade jetzt wieder aufgetaucht?“

„Das ist doch egal, oder? Hauptsache es ist an und ich konnte es orten.“

„Wo?“

„Ich habe dir die Koordinaten schon auf dein Handy geschickt. Hol sie Tony und komm nach Hause. Wir vermissen dich alle hier so sehr.

„Abbs du bist ein Engel. Wenn ich was weiß melde ich mich bei dir.“ Und damit hatte er schon aufgelegt. Schnell sprang er unter die Dusche und zog sich seine Jeans und das letzte saubere Hemd an. Kurz überlegte er seine Tochter zu wecken, entschied sich dann aber, ihr noch nichts von der Neuigkeit mitzuteilen.

Als er nach unten humpelte, hörte er schon Geräusche aus dem Speiseraum. Gott sei dank war schon einer auf. Er hatte noch nicht die Tür richtig offen als er auch schon anfing zu erzählen. „Unsere Kriminaltechnikerin hat Zivas Handy orten können. Ich habe die Koordinaten.“ Und während Tony noch sprach, nahm Eli schon sein Telefon zu Hand und bat um einen Wagen mit Fahrer, ein Einsatzteam und um die Bestimmung des übermittelten Ortes.

~~~***~~~

Eine halbe Stunde später waren sie schon unterwegs. Das Frühstück war ausgefallen und Tony hatte Ruth noch einmal gebeten auf Milena auf zu passen und sie hatte ihm ihrerseits versichert das es ihr keine Last sondern eher eine Freud sei, auf die Kleine zu achten.

Jetzt gingen seine Gedanken in eine andere Richtung. Sollte es so einfach sein. Würde Ziva dort in der Fabrikhalle festgehalten? Wenn ja, warum? Man hatte nur heraus finden können das diese alte Halle gerne von Obdachlosen benutzt wurde. Doch da hörte er den Fahrer etwas auf Hebräisch sagen und kurz darauf holte ihn David aus seinen Gedankengängen. „Tony, wir sind gleich da. Verstärkung ist schon vor Ort. Wir werden vorsichtig vorgehen. Sie bleiben auf alle Fälle am Wagen. Sie sind hier nur Gast in unserem Land und werden an keiner Mission teilnehmen. Haben Sie mich verstanden?“

„Das glauben Sie nicht wirklich, oder? Ich bin dabei, was anderes kommt nicht in Frage.“

„Nichts werden Sie tun. Das hier ist mein Land und dies ist mein Einsatz und Sie, Special Agent Anthony DiNozzo, werden tun was ich ihnen sage.“

Tony hob eine Augenbraue hoch. Sein Blick war fordernd. „Wenn unsere Kriminaltechnikerin nicht gewesen wäre, wären Sie gar nicht hier. Also reden Sie nicht so einen Schrott von Ihrem Land. Wären Sie netter zu Ihrer Tochter gewesen, wäre Sie nie in so eine Situation geraden. Ich bin dabei. Vielleicht ist das hier Ihr Land, aber es handelt sich um meine Frau.“

Eli David konnte die Entschlossenheit bei ihm hören und ihm war klar, sollte er ihm nicht offiziell die Erlaubnis dazu geben, würde er Sie sich inoffiziell einfach nehmen. Er sah ihn fest an, langte dann an seinen Knöchel und zog sein Hosenbein hoch. Dort kam nun noch eine Pistole samt Halfter zum Vorschein. Diese Waffe überreichte er DiNozzo. „Tony, was ich gerade gesagt habe gilt immer noch, aber so können Sie sich auf alle Fälle verteidigen sollte das notwendig werden.“

Der junge Ermittler nickte im dankend zu, bevor er die Waffe übernahm. Nach einer kurzen Überprüfung steckte er sie hinten, unter sein Hemd in den Hosengurt. Dann waren sie da. Vor Ort stand schon ein Einsatzteam, ähnlich einem SWAT Team, bereit. Vorsichtig und ohne einen Laut näherten sie sich der Halle. Davids Fahrer über nahm für seinen Chef den Personenschutz. Es war bei weiten nicht normal, das der Direktor des Mossad an einem Außeneinsatz teilnahm und dem entsprechend war auch die Aufregung unter seinen Leuten. Sie warteten bis das Einsatzteam drin war. Schüsse waren nicht zu hören, nur lautes rufen und gelegentliche Schreie. Nach einem Ruf des Teamleiters machten sich auch die Zivil Beamten für den Einsatz fertig. Tony, der es kaum noch erwarten konnte, schloss sich der ersten Gruppe an und stürmte die Halle. Drinnen war es recht dunkel, da die alte Lagerhalle nur im oberen Teil ein paar Öffnungen aufwies. Sie war mindestens drei normale Stockwerke hoch und oben verlief ein Rundgang der links und rechts der Halle mit einer Treppe endete. Das Einsatzteam hatte ganze Arbeit geleistet und alle Personen in einer Ecke an die Wand aufgestellt. David gab bereits auf Hebräisch einige Anweisungen an seine Leute.

Der junge Mann der sich Tony angeschlossen hatte zeigte plötzlich mit seiner Waffe nach oben.  DiNozzos Kopf ruckte hoch und tatsächlich, dort oben waren noch Bewegungen zu erkennen. Wahrscheinlich versteckte sich dort oben noch jemand. Sie verständigten sich nur mit Blicken. Der junge Offizier von dem Tony noch nicht einmal den Namen kannte, lief zur linken Treppe, während sich DiNozzo die rechte vor vornahm. Sie versuchten sich so leise wie möglich zu bewegen um die Eisentritte nicht unnötig laut aufhallen zu lassen. Und wieder hörten sie von oben Geräusche. Dann hatten sie den Rundlauf erreicht. Mit der Waffe im Anschlag wendete sich Tony nach links, da rechts der Weg durch Kartons und anderes Unrat verstellt war. Er kam  nicht weit. Hinter sich hörte er plötzlich wie sich die Kartons bewegten, dann verspürte er einen Schlag gegen den Hinterkopf und das letzte was er spürte war sein Fall. Den Aufprall bekam er nicht mehr mit, da die Dunkelheit sich schon über ihn gesenkt hatte.


6. Kapitel

„Wie geht es ihnen Heute, Miss David?“ fragte der Arzt sie.

„Wann kann ich aufstehen?“ antwortete sie darauf.

Er lächelte sie freundlich an. „Da haben wir doch erst gestern drüber gesprochen. Ihre Beine würden Ihr Gewicht nicht tragen. Es ist fraglich ob sie jemals wieder laufen können. Haben sie überhaupt Gefühl in den Beinen?“

„Manchmal mehr, manchmal weniger. Grundsätzlich fühle ich mich aber gut.“

Der Arzt setzte sich zu ihr auf die Bettkante, nahm ihre Hand und fühlte den Puls. „Nehmen sie ihre Tabletten und machen sie sich nicht verrückt. Es wird sich alles wieder finden. Draußen wartetet übrigens Besuch auf Sie.“ Damit drückte er ihr ein Pillencocktail in die Hand.

„Wer?“ fragte Ziva ohne großes Interesse und stellte die Pillen auf ihrem Nachttisch.

Der Arzt ging um das Bett herum zu ihrem Nachtisch und drückte ihr die Pillen wieder in die Hand. „Nehmen Sie bitte Ihre Medikamente.“

Ziva sah ihn fragend an und zuckte dann mit den Schultern. War ja auch egal. „Was sind  das für Medis? Fragte sie ihrem Arzt. Was war so notwendig an diesen Tabletten das ein Arzt ihr die persönlich gab und dabei blieb bis sie sie geschluckt hatte? Ziva schüttete die Medis in ihren Mund und trank einen Schluck Wasser hinterher. Der Arzt nickte zufrieden.

„Och das sind nur Aufbaupräterate, Vitamin C, so was in der Art. Ich lass jetzt mal Offizier Stern zu ihnen. Sicherlich ist er schon ganz ungeduldig.“ Damit ging er zu Tür. Es wurde Zeit das dieser Stern das aus ihr rausholte das er wollte. Viel länger wurde er die junge Frau nicht mehr in ihrem Bett halten können. Die Medis sorgen zwar dafür, dass sie ihre Bein weiterhin gefühllos blieben. Aber sie hatte einen hellen Verstand und der Offizier würde sich beeilen müssen. Als er die Zimmertür hinter sich schloss, hatte er das Gefühl aus dem Zimmer zu fliehen.

~~~***~~~

„Sie müssen zur Sache kommen.“ Fuhr der Arzt den Offizier an. „Die Medikamente die ich Ihr verabreichte, lähmen das Knochenmark. Wenn Sie die zu lange bekommt, führt das zu irreparablen Schäden im Nervensystem. Das kann ich einfach nicht länger verantworten. Außerdem sollten Sie Ihr morgen eine andere *Schwester* schicken. Vielleicht bilde ich es mir ja ein, aber ich denke Sie bemerkt etwas. Sie wundert sich schon das immer die gleiche zu Ihr kommt. Sie ist sehr schlau.“

„Hat Sie die Pillen geschluckt?“

„Ja, ich bin extra dabei geblieben. Die Wahrheitsdroge müsste gleich ihre Wirkung zeigen. Aber wie gesagt, beeilen Sie sich lieber. Ich  möchte nicht mehr hier sein, wenn Sie uns auf die Schliche kommt.“ Sagte der Arzt verstimmt. Immer mehr kam er zu dem Entschluss, dass es ich hier um keine offizielle Mission handelte. Er wusste nicht was Offizier Stern gegen Miss David hatte und im Endeffekt wollte er es auch gar nicht wissen, aber es musste etwas persönliches sein.

„Seinen Sie beruhigt, das müssen Sie auch nicht. Für Sie ist es jetzt hier vorbei.“ Sagte Samuel kalt und zog blitzschnell eine Drahtschlinge aus der Hosentasche. . Und während Dr. Ben Sichel sich im Todeskrampf über den Boden zog, stand die junge *Schwester* mit ausdruckslosem Gesicht dabei und sah dem Mörder bei seinem grausigen Geschäft zu.

~~~***~~~

Yasmin kam langsam auf Samuel zu. „Das hättest du schon viel früher machen sollen. Dieser Kerl hat mich mit seiner herum kommandiererei wahnsinnig gemacht. Wofür haben wir den gebraucht, Samuel?“ Sie stand nun ganz nah bei ihm und strich mit ihren Fingern über seine Wange.

„Falls du es nicht mit bekommen hast, DU hast Ziva zuviel von dem Nakosemittel gespritzt. Sonst hätten wir ihn nicht gebraucht.“  Während er sprach hatte er ihre Hand von seiner Wange gestrichen und sich ein Stück von ihr entfernt. „Wegen deiner Unkompetenz wäre sie beinah gestorben. Sie ist die einigste die uns weiter helfen kann.“

„Samuel Liebling bitte. Ich wusste ja nicht…..“ Wieder kam sie auf ihn zu und wollte ihre Arme um seinen Hals legen, doch er drehte sich weg.

Seine Stimme war kalt und emotionslos. „Und jetzt geh mir aus den Augen Yasmin und mach deine Arbeit.“

~~~***~~~

„Ah ja, Aufbaupräterate, natürlich.“ Das waren ja dann keine wichtigen Tabletten… Schnell bevor ihr Besuch kam, fuhr sie mit ihrer Zunge in die Wange und spuckte sich die versteckten Tabletten in die Hand. Nur wo wollte sie sie verstecken? Unschlüssig sah sie sich um. Aus dem Bett konnte sie nicht. Ihre Beine waren ein einziger Pudding. Sie überlege kurz und da schon die Zimmertür aufging, steckte sie sie erst einmal unter die Matratze.

„Hallo Samuel. Warum kommst eigentlich immer nur du mich besuchen? Ich hab doch auch noch ein paar andere Freunde beim Mossad. Es können doch nicht alle umgekommen sein.“ Langsam wurde es ihr zu Bunt. Irgendwas stimmte hier nicht. Sie sah immer nur diesen Arzt und seine Schwester die sich um sie kümmerte. Und seltsamerweise bekam sie immer nur Samuel zu Gesicht. Und das Telefon war außer wenn sie Ihn anrief, bei jeder andern Nummer besetzt. Fernsehen und Lesen hatte man ihr verboten. Sie sollte es langsam angehen, denn immer hin habe sie lange im Koma gelegen. Irgendetwas war hier verschimmelt! So langsam setzte ihr Ermittlerverstand wieder ein und sie musste grinsen. Tony hätte sie jetzt sicherlich verbessert. *Es heißt stinkig Zivvvaaa, nicht verschimmelt! Sie konnte ihn vor ihrem inneren Auge regelrecht sehen. Wie er belustigt die Augen verdreht und sie ihm dafür böse anfunkelt.

„Nein sicher nicht aber wir haben viel zu tun. Sag mal Ziva, kannst du dich eigentlich noch an unsere Zeit in Los Angeles erinnern? Du, Michael und ich?“

„Aber natürlich, mein Gehirn funktioniert noch einwandfrei. Warum fragst du?“ Mit einem unschuldigen Grinsen schaute sie ihn an.

„Ich weiß, du warst damals mit, als Rivkin das Konto auf den Caymans eingerichtet hat. Oder täusche ich mich?“

„Ein Konto? Wann soll das gewesen sein? Und du bist dir sicher das ich dabei war?“

„Aber natürlich warst du mit. Ich hab euch zur Bank gefahren und auch wieder abgeholt. Du erinnerst dich nicht?“

„Doch jetzt wo du es sagst, aber seltsamerweise nur dunkel. Aber warum interessiert es dich?“

„Weißt du die Kontodaten der Bank, Ziva?“ nichts war plötzlich mehr von seiner Freundlichkeit zu spüren. Kalt blickte er sie an. Warum wirkt nur die Droge nicht? War sie resistent dagegen?

Ziva fasste sich an die Stirn und tat so als überlege sie angestrengt. „Die Kontodaten? Ich weiß nicht mehr. Aber frag doch Michael. Mir ist im Moment nicht so gut, mein Kopf schwiert von deiner Fragerei.“ Und damit schloss sie die Augen um Zeit zu gewinnen.

Doch er fasste sie an den Schultern und schüttelte sie durch. „Sag mir endlich was ich wissen will und du bist mich los.“ Seine Stimme war kalt.

„Ich, ich ….ich kann mich nicht erinnern.“ Stammelte sie zurück. „Ich bin müde, ich muss schlafen.“ Wieder schloss sie die Augen. Hoffentlich kaufte er ihr das Schauspiel ab, Tony konnte so was viel besser als sie. „Wann kommt Michael, bring mir Michael.“ Dann schloss sie wieder die Augen.

Samuel schlug ihr ein paar Mal auf die Wange. Laut fluchte er herum. „Verdammt noch mal.“ Heute ging aber auch alles schief. Erst der blöde Arzt und seine Andeutungen und jetzt dieses Dilemma. „Bring mir Michael..“ äffte er sie nach. „Wie soll ich Ihn dir bringen, wo dein Stecher Ihn doch getötet hat.“ All sein Geld war auch auf diesem Konto. Damit hatte er vorgehabt sich abzusetzen. Weg vom Palästinenser Streifen und der Hammas. Israel verlassen, ein neues Leben in Amerika, so war es geplant. Ein paar undurchdachte Operationen waren Michael passiert und dann kam dieser NCIS Agent und knallte Rivkin ab und Samuel kannte keine Kontodaten. Sein Leben war zerstört. Er lebte seit Rivkins Tot in ständiger Gefahr aufzufliegen.  Sollte Zivas Vater heraus finden, dass er als Doppelagent tätig war ….  nicht auszudenken was ihm dann passieren würde.

Ziva dagegen stieß innerlich einen Freudenschrei aus. Michael war tot und Tony lebte. Vielleicht lebten auch ihre Eltern noch. Und Milena gab es also wirklich. Aer was waren das für Daten die sie angeblich wissen sollte? Bankdaten? Ja, sie war in der Bank dabei gewesen, aber Michael hatte nie mir ihr darüber gesprochen. Aber sie durfte sich jetzt nicht ablenken lassen und musst Samuel erst einmal hinhalten. Auf alle Fälle würde sie die Tabletten nicht mehr nehmen und sich auch sonst nichts mehr spritzen lassen. Sie hoffe nur, das sie ihr Schauspiel so lange durchhalten konnte, bis sich in ihren Beinen wieder Leben zeigte. Wie viel Zeit war eigentlich inzwischen vergangen? Wurde sie schon vermisst? Vielleicht waren Tony und Gibbs schon nach ihr auf der Suche? Sie wollte zu ihrer Familie, aber sie durfte jetzt keine Schwäche zeigen. Sie musste stark sein und alles verdrängen, wenn sie hier lebend wieder rauskommen wollte.

~~~***~~~

Sonnenstrahlen kitzelten ihre Nase. Verschlafen dreht sie sich von der Sonne weg zur anderen Bettseite. Es dauerte ein paar Minuten bevor sie registrierte das die Seite auf die normalerweise ihr Vater schlief leer und kalt war.  Müde öffnete sie die Augen. „Daddy?“ rief sie leise und als sie keine Antwort bekam, noch einmal etwas lauter hinterher. „DADDY?“ Sie rieb sich den Schlaf aus den Augen, suchte Puppe, stand auf und lief auf kleine nackten Füßen zum Badezimmer. “Daddy?” Doch auch hier antwortete ihr niemand. Warum bin ich alleine, fragte sie sich selbst und ging zurück ins Schlafzimmer. Es musste etwas Wichtiges passiert sein, vielleicht haben sie ja Mommy gefunden, dachte sie beglückt. Sonst hätte ihr Vater sie nicht alleine gelassen. Nachdenklich sah sie auf ihren Arm. Wer machte jetzt die morgendlichen Übungen? Daddy sagte immer das, das sehr, sehr wichtig sei. Dann kam ihr eine Idee und ein Grinsen erhellte ihr Gesicht „Na Arm?“ Fragte sie laut mit verstellter Stimme, während sie sich wieder aufs Bett setzte. „Wie geht es dir? Tut dir was weh?“ „Nein. Mit geht es gut.“ Antwortete sie mit ihrer eigenen Stimme. „Und die Finger alle wach?“ Fragte sie wieder um sich gleich darauf selbst zu antworten. „Ja, alle Finger sind wach.“ „Gut, dann zähl mal wie alt du bist!“ Sie wackelte mit jedem Finger und zählte bis vier. „Gut gemacht.“ Sagte sie wieder mit tiefer Stimme. „Und jetzt sieh dich an und vergiss nicht die Zähne zu putzen. Unten wartete schon Granny mit leckeren warmen Panecakes auf dich.“ Sagte sie wieder in Tony Manier und machte sich zum zweiten Mal an diesem Morgen auf ins Badezimmer.

~~~***~~~

Tony spürte Schläge gegen seine Wangen, jemand rief störend seinen Namen. Er wollte nicht auswachen, aufwachen würde Schmerzen bedeuten. Schlafen dagegen brachte Vergessen. Sein Gehirn befahl ihm zu vergessen. Doch sein Körper reagierte scheinbar auch ohne Gehirn. Erste Schmerzwellen rasten durch seinen Körper. Woher, wie und was der Ursprung war, konnte er nicht sagen. Alles tat ihm weh. In seinem Kopf war nur Watte. Sein Rücken war bestimmt gebrochen, jedenfalls fühlte es sich so an. Seine Beine ein einziges Durcheinander. Seine Arme? Wo waren seine Arme? Leichte Panik ergriff ihn. Hatte er sich doch stärker am Rücken verletzt? Ein Spannungsstoß lief durch seinen Körper. Aber nein, da waren auch seine Arme. Sie taten nur nicht weh, weshalb er auch Schwierigkeiten hatte sie in dem Chaos ausfindig zu machen. Wieder rief ihn eine besorgte Stimme beim Namen. Er wollte das das endlich aufhörte, weswegen er sich auch anstrengte zu antworten. Aber alles was seinen Mund verlies war ein Stöhnen. Erschreckt von seinen eigenen Lauten öffnete er nun doch widerwillig die Augen und blickte in Direktor Davids Gesicht.

„Na, wieder wach?“ Fragte er grinsend, aber auch mit einer Spur Besorgnis in der Stimme.

„MMMhhmm.“ Machte Tony. Das musste erstmal als Antwort reichen. Er hatte jetzt keine Zeit für so was. Das Durcheinander in seinem Körper zu lichten war jetzt wichtiger.

„Hallo, wach bleiben. Hallo? Tony? Hören Sie mich? Sollen wir einen Krankenwagen rufen?“ Fragte Zivas Vater und so besorgt wie er sich anhörte, stellte er die Frage wohl nicht zum ersten Mal.

Krankenwagen? Wer brauchte einen Krankenwagen. Er jedenfalls nicht. Das fehlt noch. Gibbs würde ihm die Beine langziehen wenn er hier in Israel in einer Klinik landen würde. Also versuchte er noch einmal seine Stimme zur Mitarbeit zu motivieren. „Nein… nein ich brauche keinen Krankenwagen.“ Und um das noch zu untermauern versuchte er sich auch gleich aufzusetzen. Was definitiv keine gute Idee war, denn im gleich Moment krempelte sich sein Magen um und alles dagegen ankämpfen hatte keinen Zweck. Er spürte wie starke Arme ihn zur Seite drehten und festhielten während er Rückwärts mit seinem Frühstück kämpfte. Nach einer gefühlten Ewigkeit ließ der Brechreiz nach und er war in der Lage sich aufzusetzen. Jetzt erst bemerkte er, wer ihm die ganze Zeit den Rücken gestützte.

„Geht es wieder?“ Fragte Zivas Vater.

„Ja, ja alles in Ordnung. Mir geht’s gut.“  Die Worte kamen von selbst, Diese Sätze kannte er gut. Die konnte sein Gehirn auch formulieren wenn es in Watte gepackt war.

„Sie sehen nicht gut aus, sind sie sich sicher?“ fragte David.

„Ja, aber lassen sie mich einfach einwenig hier sitzen damit ich meine Knochen sortieren kann.“

„Okay, wie sie wollen. Ich bin dann eben bei meinen Leuten.“ Er warf noch einen letzten skeptischen Blick in Tonys Richtung, aber der hatte schon wieder seine Augen geschlossen. Er hoffe nur es ging ihm wirklich gut,  Ziva würde ihn vierteilen wenn dem Mann, in seiner Obhut, was passieren sollte.

Kurze Zeit später war er wieder da. DiNozzo schien sich nicht gerührt zu haben. „Tony?“ fragte er leise und berührte ihn an der Schulter. Beruhigend sah er wie sich die Augen öffneten. „Können Sie aufstehen?“ Damit hielt er ihm seine Hand hin, fühlte den Gegendruck und zog ihn hoch. „Kommen Sie, bis zum Wagen ist es nicht weit.“ Der junge Mann schwankte wie ein Grashalm im Wind.

„Was ist mit Ziva?“ fragte Tony.

„Sie war nicht hier, den Rest erzähle ich Ihnen ausführlich wenn wir daheim und Sie verarztet sind. Und jetzt kommen Sie schon. Ruth wartet bestimmt schon.“ Er hielt Tony wieder die Hand hin.

„Danke ich brauche keine Hilfe. Ich schaff das alleine.“ Sagte der junge Mann und merkte erst jetzt wie krampfhaft der das Geländer festhielt.

David sah ihm skeptisch an. „Na ganz so wie sie meinen.“ Damit drehte er sich um und ging aus der Halle.

Tony versuchte das Geländer loszulassen, aber sofort schoss ein heftiger Schmerz durch sein eh schon geschädigtes Bein und mit einem erneuten Schwindelanfall wäre er beinah wieder zu Boden gegangen. Sein Bein, verflucht. Das durfte doch nicht wahr sein. Wieder versuchte er es zu belasten. Es musste gehen. Der Braunhaarige biss die Zähne zusammen und folgte langsam humpelnd und halb hüpfend seinem Gastgeber. Als er endlich an der Hallentür ankam, stand Eli auf der anderen Seite und wartete auf ihm.

„Lassen Sie sich nun helfen, oder wollen Sie den Rest des Weges auch noch alleine bewältigen? Fragte er und legte abwartend die Arme übereinander.

Tony war mittlerweile vollkommen durch geschwitzt und kämpfte mit Übelkeit und Schwindel, setzte aber seinen Weg unbeirrt fort.

David reichte es jetzt und als Tony beim überqueren der Türschwelle beinah wieder hinfiel, hatte er genug und schnappte sich einen Arm des jungen Mannes und stützte ihn auf dem restlichen Weg. „Sie sind stur! Hat Ihnen das schon mal jemand gesagt?“

Tony lachte leise auf. „EINER? Ihre Tochter pausenlos und manchmal auch noch schlimmeres.“

Jetzt war es an David zu lachen. „Das kann ich mir bei Ziva Temperament gut vorstellen. Was ist mit Ihrem Bein?“

„Ich weiß es nicht, vielleicht bin ich irgendwo damit hängen geblieben?“

„Sobald wir zu Hause sind, sollte Ruth es sich einmal ansehen. Auch ihren Kopf. Sie bluten.“ Sagte David

Tony hob seine Finger zu der schmerzenden Stelle an seinem Hinterkopf. Richtig. Das hatte er noch gar nicht bemerkt. Blut. „Warum ihre Frau?“ Fragte er nuschelnd.

„Hat Ziva es ihnen nicht erzählt? Na scheinbar nicht. Ruth ist Ärztin. So haben wir  uns kennen gelernt. Sie war Ärztin in einem Feldlazarett und ich wurde verwundet zu ihr gebracht.“

Endlich hatten sie den Wagen erreicht und während Tony seine steifen Beine in das Auto befehligte, stiegen auch Eli und sein Fahrer ein.

7. Kapitel

Von der Fahrt selber bekam Tony kaum etwas mit. Immer wieder holte ihn die Dunkelheit ein. Starke Kopfschmerzen und Übelkeit, er kannte die Symptome. Gehirnerschütterung hieß die Diagnose. Er musste sich zusammenreißen. Schon alleine wegen Milena und Ziva. Sein Verstand war noch völlig in Watte gepackt, aber er hatte doch mitbekommen das sie Ziva nicht gefunden hatten, sonst wäre sie jetzt an seiner Seite, oder er an ihrer. Aber vielleicht hatten sie ja eine Spur.

Zusammen mit dem Fahrer schaffte David seinen Gast ins Haus. Ruth stand schon mit Melina an der Tür. Mia hatte das Auto gehört und ihren Vater freudig von der Tür abholen wollen. Der Anblick der sich ihr nun bot, erschreckte sie bis ins Mark. Was war nur passiert? Sie verstand das alles gar nicht. Erst verschwand ihre Mommy und jetzt war ihr Vater verletzt. Sie sah ihre neue Granny traurig an. „Ich will nicht das Daddy zu den Engeln muss!“ Sagte sie weinend. Ruth nahm sie auf den Arm und drückte ihren Kopf an ihre Schulter. „Pssst, nicht weinen Liebling, deinem Vater geht es gleich schon wieder besser. Wir kümmern uns jetzt zusammen um ihn, ja, willst du mir helfen?“ Mia nickte und bekämpfte tapfer ihre Tränen.

„Bringt ihn gleich nach oben in sein Zimmer, wir holen nur kurz meine Tasche und kommen dann nach.“ sagte Ruth. Damit verließ sie mit Mia den Raum.

~~~***~~~

Als Ruth und Milena bepackt mit einigen Taschen, DiNozzos Zimmer betraten, schlief der junge Mann schon fast wieder. Sie hatten ihm die Jacke ausgezogen und ihn aufs Bett gelegt. Eli stand noch neben dem Bett und sah seine Frau an. „Tony, Sie müssen jetzt kurz aufwachen. Nachher können sie weiter schlafen.“ Sie spürte mehr, dass er sich bewegte als das sie es sah. „Sie müssen sich kurz hinsetzen, ich möchte mir ihre Kopfverletzung ansehen.“ Tony gehorchte automatisch, auch wenn er hinterher nicht mehr sagen konnte wie er es schaffte. Ruth tastete seinen Kopf ab. Drücke hier und da. Ertastete mit den Fingern zwei bereits verheilte Narben und eine große frische Beule. Die Wunde selber blutete schon nicht mehr. Sie schickte die Kleine einen nassen Lappen holen und wusch solange Mia beschäftigt war die Wunde so sanft es ging mit einem Desinfektionsmittel aus. Tony wollte sich vor Zivas Vater keine Blöße geben und versuchte daher während der Prozedur seinen Kopf still zu halten, konnte aber ein gelegentliches Stöhnen nicht vermeiden. Dann kam auch schon Milena stolz mit einem nassen Lappen wieder. Ruth half ihrem Gast noch aus seinem Hemd, dann durfte Tony sich wieder hinlegen und bekam von Mia den nassen Lappen auf sein Gesicht geklatscht. Tony entwich ein Stöhnen und Ruth ein belustigtes Lachen. Mit einer Hand fischte sie das Tuch von seinem Gesicht und zeigte Mia wie sie es falten und noch einmal auflegen sollte, aber diesmal vorsichtiger und mit weniger Kraft.

Ruth sah in der Zeit ihren Mann an und schüttelte den Kopf, zu Tony sagte sie. „Die Kopfwunde ist klein und blutet kaum noch. Ich habe ein Pflaster drauf geklebt das müsste reichen. Haben Sie sich übergeben? Ist ihnen schwindelig? Kopfschmerzen?“

Tony verneinte und im gleichem Moment sagte Eli: „Ja, direkt nach seinem Sturz, noch in der Halle.“

Ruth leuchtete ihn noch mal in die Augen. „Wahrscheinlich haben sie eine leichte Gehirnerschütterung. Das wird morgen schon ausgestanden sein. Ich sehe mir jetzt mal ihre Beine an. Dazu muss die Hose aus.“ das letzte sagte sie zu ihrem Mann. Kurze Zeit und einiges Gestöhne später lag der junge Mann nur noch mit Boxershorts bekleidet auf dem Bett. Auf seinem ganzen Körper waren bereits jetzt blaue Flecken zu erkennen. Mia hatte sich die Hand ihres Vaters genommen und hielt sie tröstend mit ihren kleinen fest. So hatte es Ziva doch auch gemacht, ihre Puppe hatte sie dabei neben ihm aufs Bett gesetzt.

„Sie tragen eine  Kniebandage?“ fragte Ruth, allerdings wohl mehr zu sich selber. Dann begann sie ihre Untersuchung. Das erste was ihr auffiel war die lange Narbe an seinem Oberschenkel. Überhaupt fühlte sich der Schenkel hart, verspannt und heiß an. Sie wusste woher die Narben stammen. Ziva hatte sich ihr in einer stillen Stunde anvertraut. Dann packte sie sein Knie aus. Auch hier sah sie Narben. Dieser Mann hatte schon einiges hinter sich. Das Knie selbst war geschwollen und an der Seite zeigte sich bereits jetzt ein Bluterguss. Sein Fußknöchel sah nicht besser aus. Bereits jetzt war er auf das doppelte angeschwollen. Das andere Bein wies außer ein paar blauen Flecken keine Verletzungen aus. Alles in allen war der Treppensturz für ihn noch einmal glimpflich abgegangen. Oberschenkel und Knie waren alte Verletzungen, die nur überreizt waren. Das sollte in ein paar Tagen Ruhe ausgestanden sein. Bei dem Knöchel sah das schon anders aus. Damit würde er zum Röntgen müssen. So konnte sie nur sagen das er nicht gebrochen war. Aber es konnten Sehnen oder Bänder verletzt sein.

„Tony, hören Sie mich noch? Das Bein ist soweit okay. Sie haben jede menge Prellungen und Blutergüsse. Ihr Knie ist geschwollen, aber das hatten sie bestimmt schon länger. Das einzige was mir Sorgen macht ist ihr Fuß. Der muss geröntgt werden, ich werden jetzt erst einmal alles bandagieren. Sie bestrich die Narbe am Oberschenkel dick mit einer Salbe und umwickelte alles mit einer Mull-Binde. Mit dem Knie verfuhr sie genau so. Den Fuß schiente sie im Bereich des Knöchels mit Zungenspatel und elastischen Binden. Dann  schickte sie Mia zur Küche damit sie bei der Haushälterin Kühlkissen besorgen konnte. Als sie wieder oben war, lies sie Mia die diesmal vorsichtig, auf das Bein ihre Vaters legen. Zum Abschluss legten Sie noch ein Kissen unter seinen Fuß. „So Tony, jetzt können sie etwas schlafen. Wenn etwas ist, rufen sie. Wir sind unten. Neben ihnen steht ein Eimer, für alle Fälle. Haben sie mich verstanden.“

Tony spürte die Müdigkeit immer stärker. Seine Augen konnte er schon lange nicht mehr aufhalten. „Eimer...rufen...unten...“ murmelte er.

Mia kniete neben ihrem Vater auf dem Bett und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. „Schlaf schön und träume was schönes“ sagte sie mit Kindlichen Stolz in der Stimme. „Ich lass dir Puppe da.“ Und damit drückte sie ihm ihren Liebling in die Hand. Als sie Ruth leises Lachen hörte drehte sie sich fragend um: “Was? Mommy und Daddy machen das auch immer bei mir, wenn ich mal krank bin.“

„Ja, Milena das hast du gut gemacht.“ sagte sie darauf schnell und warf noch einen Blick zu dem verletzten Agent, doch dieser hatte seine Augen schon wieder geschlossen. Ruth legte noch eine Decke über den jungen Mann und nahm dann Mia an die Hand. „Na komm, dein Daddy muss jetzt etwas schlafen und wir sehen mal was wir für heute Abend  kochen können. Hast du einen besonderen Wunsch?“ fragte sie das Mädchen um sie ab zu lenken. Das ließ sich Mia nicht zweimal sagen. Essen war immer gut und ihr Magen knurrte schon. Und wenn Ihr Vater wieder wach wäre, hätte er bestimmt auch großen Hunger. „Spagetti Tricolore a la DiNozzo.“ Sagte die grinsend.

„Uhi, da weiß ich ja gar nicht wie man die kocht.“ sagte Ruth zu ihr.

„Aber ich kann die kochen. Ich hab schon gaaaannnnnzzz häufig zugesehen. Ich weiß wie das geht,“  verkündete sie stolz. Und machte sich auf den Weg zu Küche.

~~~***~~~

Ruth hatte Mia auf die Arbeitstheke der Küche gesetzt und dort saß sie mit ihrem eingegipsten Arm und dirigierte ihr Personal, wie eine Königin. Zivas Mutter hatte teilweise Tränen in den Augen. Sie hatte sich schnell an dieses kleine Wesen gewöhnt. Es war seltsam aber sie empfand für Milena so eine Art Mutterschutz. Nur war dies Ziva vorbehalten. Also musste sie sich mit der Großmutterrolle abfinden und das war besser als gar nichts. Viel zu lange war dieses Haus ohne Kinderlachen gewesen. Mia hatte frischen Wind in diese alten Hallen gebracht. Und heimlich wenn Eli sich nicht beobachtet fühlte war auch er von ihr hingerissen. Sie hatte ihn schon des öfter schmunzeln sehen und wenn er konnte dann beobachtete er sie immer heimlich. Hoffentlich würde sie Ziva schnell finde. Es wurde Zeit.
In dem Moment hörte sie ein Geräusch an der Tür.

„Was meinst du Ruth, kann ich schon hoch und mit ihm reden? Ich meine meinst du, er ist schon wieder klarer im Kopf.“

Seine Frau sah auf ihre Armbanduhr. Er hatte jetzt vier Stunden am Stück geschlafen. „Ich denke ja und wir sollten ihn wegen der Gehirnerschütterung  eh mal wach machen. Ich komme mit hoch.“ Sagte sie.

„Zu Daddy? Geht ihr zu Daddy? Ich möchte auch mit.“ Sagte Milena schnell bevor die Erwachsenen den Raum verlassen konnten.

„Mhmm, ich denke wir gehen erst einmal alleine. Du musst eh auf die Soße aufpassen und immer schön rühren.“

„Oh ich darf rühren?“ fragt Mia hocherfreut. Sie hatte noch nie an einem heißen Herd sitzen dürfen und schon gar nicht in heißen Sachen rühren, Ziva hatte es immer strikt verboten.

„Klar, Becka wird dir dabei zur Hand gehen.“ Damit zwinkerte sie der dabei stehenden Haushälterin zu und Mia hatte sich schon ganz ihrer neuen Aufgabe gewidmet.

Ruth und auch Eli schmunzelten, wie leicht man doch so ein kleines Mädchen noch ablenken oder bestechen konnte.

~~~***~~~

Ein paar Minuten später waren sie oben. Im Zimmer war es noch still. Ruth ging schon zum Bett während ihr Mann vor dem Zimmer wartete. Der Kollege, Partner, Freund oder Geliebter, wahrscheinlich war er aber alles in einer Person, hatte sich im Schlaf nicht bewegt und lag noch wie vorher da. Schweigend beobachtete sie Ziva Freund. Es war ein gutaussehender Mann, das musste sie ihrer Tochter lassen. Sportlich und durch trainiert, so liebte auch sie die Männer und er hatte schöne grüne Augen.  Als Ziva hier gewesen war um ihre Erlaubnis zur Hochzeit mit einen nicht Juden einzuholen, da hatte sie es nicht verstehen wollen. Es gab hier so viele Männer und ihre Tochter musste sich in einen von diesem arroganten Amerikanern verlieben. Aber jetzt, wo sie ihn kennen gelernt hatte, war alles anders. Tony war nicht Arrogant. Jedenfalls nicht gegen sie oder Eli. Er war nett und zuvorkommend. Besaß ordentliche Manieren und hatte eine ganz reizende Tochter, der Ruth schon verfallen war. Jetzt konnte Sie die Wahl ihrer Tochter verstehen. Vorsichtig um ihn nicht zu erschrecken, berührte sie ihn an der Schulter. Sofort schlug er die Augen auf, aber es dauerte einen Moment bevor sein Blick klar wurde.

„Wie geht es ihnen?“ fragte sie freundlich.

Der junge Mann zog sich in eine bequemere Haltung. „Besser.“

„Eli würde gerne mit ihnen sprechen, fühlen Sie sich dazu in der Lage?“

Tony fuhr sich vorsichtig durchs Haar. „Oh ja, ich bestehe sogar darauf. Ich möchte natürlich wissen wie weit die Ermittlungen sind.“ Es war ihm zwar noch immer etwas übel, aber er wollte endlich wissen was geschehen war.

„Gut dann hol ich ihn rein.“

„Danke“ sagte Tony. Er war ihr wirklich zu tiefst dankbar. Dafür das sie ihn zusammen geflickt hatte und dafür das sie ohne große Worte auf seine Tochter aufpasste. Dann betrat David den Raum und fing sofort, ohne Floskeln an zu reden.

„Sie war nicht da. Aber wir haben den Mann gefunden der ihre Sachen hatte. Irrsinnigerweise war das der, der Sie die Treppe hinunter gestoßen hat. Er hat uns versichert das er ihre Tasche nicht weit entfernt in einem Müllcontainer gefunden hat. Er hat sich ihr Geld und das Handy genommen. Die Papiere und andere Gegenstände waren für ihn nicht wichtig. Da das Telefon keinen Pin besaß konnte er es einschalten und genau das war der Moment wo ihre Kriminaltechnikerin zugeschlagen hat. Ich würde sagen es war ein gutes Timing. Mittlerweile haben wir auch schon ihre übrigen Sachen. Gott sei dank war der Container noch nicht geleert. Und auf dem PDA war ein Fingerabdruck. Ich hoffe von dem Täter. Dann hätte wir die erste brauchbare Spur.“ Er sah sehr mit sich zufrieden aus, so wie er das sagte.

„Gut und wie machen wir morgen weiter?“ fragte der junge Ermittler.

Jetzt schaltete Ruth sich ein. „Morgen steht für Sie nicht zur Debatte, junger Mann. Sie werden die nächsten Tage hier im Bett verbringen, oder auf dem Sofa, aber sie laufen NICHT durch die Gegend.“

„Das ist ein durchaus verlockender Gedanke, aber ich habe leider nicht die Zeit dazu.“

„Sie werden sich die Zeit nehmen MÜSSEN und ich lasse nicht mit mir verhandeln.“ Sagte sie und um ihren Standpunkt zu untermauern, stand sie auf und ging aus dem Raum.

Eli grinste den verwirrt drein schauenden Mann an. „Gewöhnen Sie sich lieber daran. Was Sie sagt, ist hier Gesetz. Aber ich werde Sie auf dem laufenden halten. Wir werden meine Tochter finden. Ich bin da ganz zuversichtlich und jetzt schlafen Sie noch ein bisschen. Wenn Sie was brauchen, rufen Sie uns.“ Damit verließ auch er das Zimmer.

Ziva hatte ihr Temperament eindeutig von der Mutter geerbt. Soviel stand schon mal fest. Aber auch sie würde ihn nicht im Bett halten können. Das wäre ja gelacht. Außerdem musste er eh auf die Toilette, da konnte er gleich mal sehen wie weit er sein Bein belasten konnte. Müde und unter Schmerzen schob er seine Beine über den Bettrand. Der Sturz hatte ihm doch mehr zugesetzt als er bereit war zu zugeben. Sein ganzer Körper tat weh. Rücken, Nacken und Schultern besonders. Vorsichtig zwang er sich auf die Füße und belastete kurz das lädierte Bein. Ein scharfer Schmerz schoss durch seinen Fuß das Bein hoch, aber er konnte den Fuß zu Not belasten. Mehr aber auch nicht stellte er resigniert fest und setzte sich wieder zurück aufs Bett. Er brauchte etwas auf das er sich stützen konnte. Vielleicht hätte er doch seinen Stock mitnehmen sollen, aber daran war nun nichts mehr zu ändern. Dank Ruth war sein Bein stramm mit elastischen Binden umwickelt. Er kam sich vor wie der 6 Millionendollar Mann vor der OP. Oh und wenn er so überlegte, fielen ihm noch ein paar Filmhelden ein, die  kaputte Beine hatten. Inspektor Gadget, Robocop, Dr. House um nur ein paar zu nennen. Alle standen ihrem Mann, also würde auch er sich von so einer Lappalie nicht unterkriegen lassen. Als er damals nach seinem Kopfschuss und der darauf folgenden Gehirnblutung aus dem Koma erwachte, war ihm ein zweites Leben geschenkt worden. Ein Leben mit Ziva und Melina und nichts und niemand würde ihm davon abhalten können. Also versuchte er es ein zweites Mal, biss die Zähne zusammen und stand auf. Vorsichtig um seinem Bein nicht zu viel zuzumuten, hangelte er sich an Bett und Wand bis zum angrenzendem Badezimmer. Als er schließlich wieder auf seinem Bett saß, war ihm wieder leicht schlecht und der Schweiß lief ihm in Strömen über den Körper, aber er hatte ein gewinnendes Lächeln im Gesicht. Er hatte es geschafft und er würde sich auch wieder an der Suche nach Ziva beteiligen können. Jetzt musste er sich nur noch um das all abendliche Telefonat mit Gibbs Gedanken machen. Er würde ihm auf keinem Fall erzählen was ihm heute passiert war. Das fehlte noch, wie er seinen Boss kannte würde dieser ihn sofort von hier wegholen wollen, oder noch schlimmer mit Ducky hier auftauchen und darauf konnte er nun wirklich verzichten.

 

8. Kapitel

„Das ist Daddys Handy das da schellt.“ sagte Mia und so schnell sie konnte kletterte sie von der Küchenarbeitsplatte herunter auf den Boden, was mit nur einem funktionierenden Arm gar nicht so einfach war und rannte in den Flur. Sie musste etwas suchen und auf den Ton hören, aber dann fand sie das Telefon auf der Kommode. Das war seltsam, denn normalerweise würde ihr Daddy sich nicht von seinem Handy trennen, sogar nachts lag es neben am Bett und eigentlich durfte sie auch gar nicht an das Telefon gehen, aber jetzt wo er Krank im Bett lag, würde er bestimmt eine Ausnahme machen und es ihr hinterher noch *nach erlauben*. Ihre Anfängliche Scheu war vergessen und sie klappte grinsend das Handy auf.

„Hier ist Milena DiNozzo und wer ist dort?“ fragte sie piepsig.

Gibbs stockte. Was machte Mia an Tonys Diensthandy? In dem Bezug hatte sie eine klare Absprache getroffen. Keine Kinderfinger. Wo also war DiNozzo? „Hey Mia hier ist dein Onkel.“ sagte er vorsichtig. „Warum bist du am Apparat und wo ist dein Vater?“

„Onkel Jethro, wir haben immer noch nicht Mommy gefunden und Daddy ist Krank.“

„Was hat er Mia, und kann ich ihn sprechen?“

„Ich weiß nicht. Ich glaube er kann nicht mehr laufen, zwei Männer mussten ihn die Treppe hoch getragen und Granny hat sein Bein umwickelt. Sie ist jetzt mit Mommys Dad bei ihm.“ In dem Moment sah sie die Beiden auf die Treppe zukommen. „Kann ich Daddy sein Telefon bringen?“ fragte sie Zivas Mutter.

„Ja mach nur, er ist wach und es geht ihm schon besser. Wer ist denn dran?“

„Onkel Jethro.“ sagte Mia und raste an den Beiden vorbei, als wenn ihr Leben davon abhing, stürmte sie die Treppe hoch und den oberen Flur entlang direkt in ihr gemeinsames Zimmer. Ein Blick und sie sah ihren Vater auf dem Bettrand sitzen. Noch immer hatte die das Telefon am Ohr und plauderte mit ihrem Onkel, aber sie sah sofort, dass ihr Dad böse auf sie war. Er sah sie finster an und streckte stumm seine Hand nach dem Gerät aus.

„Jetzt bin ich da Onkel Jethro.“ sagte sie und reichte fast gleichzeitig das Handy in die ausgesteckte Hand ihres Vater weiter. Dann setzte sie sich neben ihm auf das Bett, griff nach Puppe die immer noch artig dort lag, wo Mia sie zurück gelassen hatte und steckte sich vorsichtshalber schon mal zwei Finger in den Mund. Das nuckeln und der feste Druck des kleinen Puppenkörpers beruhigte Milena und würde hoffentlich ihren Vater von einer Strafpredigt abhalten.

Tony atmete tief durch, bevor er das Telefon ans Ohr nahm. „Ja?“

„Was ist mit dir passiert? Wenn nur die Hälfte von dem stimmt was mir deine Tochter gerade erzählt hat..... DiNozzo, rede mit mir!“ hörte er die barsche Stimme seines Bosses.

„Es geht mir gut, Boss. Ehrlich. Wir haben eine Lagerhalle gestürmt, ich habe einen Schlag gegen den Hinterkopf bekommen und ich bin eine Treppe herunter gestoßen worden. Und bevor du fragst, meinem Kopf geht es gut und ich habe mir nur den Fuß verstaucht. Nicht schlimmes. Aber morgen wenn wir weiter......“ Weiter kam er nicht da Gibbs ihn aufgebracht unterbrach.

„Du hast was? Du warst bei einem Einsatz dabei? Bist du von allen guten Geistern verlassen. Wo ist dein Verstand DiNozzo? Du kannst nicht einfach mit dem Mossad auf Verbrecherjagd gehen, du bist amerikanischer Bundesagent. Du rührst dich keinen Meter von da weg, ich werde mit Vance reden und mich morgen wieder melden.“ Und damit hatte er schon aufgelegt.

Tony warf seiner vor sich hin nuckelnden Tochter einen Blick zu. „Na Prinzessin, da hast du ja was Schönes angestellt. Und ich darf das jetzt ausbaden. Du weißt das mein Diensthandy für dich Tabu ist. Tja, wahrscheinlich werden wir Beide unter den Auswirkungen deines Gespräches zu leiden haben.“

~~~***~~~

Gibbs klappte sein Handy zu und ließ sich wieder auf die Couch zurück fallen. Frustriert strich er sich durch das Haar. Er hatte gleich gewusst, dass es eine dumme Idee gewesen war Tony alleine nach Israel zu schicken. Der Kerl würde ihn noch einmal ins Grab bringen. Immer musste er sich um seinen ersten Mann Sorgen machen. Tabitha, seine Lebensgefährtin legte beruhigend ihre Hand auf seine.

„Was ist passiert?“ fragte sie leise. Auch sie machte sich Sorgen um den jüngeren Mann.

„Tony ist bei irgendeinem Einsatz, irgendeine Treppe heruntergefallen. Wenn man Mia glaubt, dann kann er nicht laufen und wenn man Tony hört, hat er sich lediglich den Fuß verstaucht.“

Tab lächelte. „Dann liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Du kennst doch Tony. Er versucht immer etwas tief zu Stapeln und Mia hat eine blühende Phantasie. Aber wo ist jetzt eigentlich das Problem.“ fragt sie ihren Freund und kuschelte sich wieder an seine Seite.

„Das Problem ist, er ist nicht fit ist und er will das einfach nicht einsehen.“

„Jethro, er ist erwachsen. Meinst du nicht du solltest ihn entscheiden lassen was er seinem Körper zutrauen kann und was nicht? Die Gehirnblutung liegt über ein halbes Jahr zurück. Selbst seine Ärzte sagen, seine Werte sind gut. Er hat sich prima erholt. Er nimmt schon seit Wochen keine Medikamente mehr. Er wird keinen Rückfall erleiden.“

„Ich weiß Tabby, ich weiß. Aber ich will ihn nicht verlieren. Er ist für mich der einzige Sohn den ich jemals haben werde. Und immer wenn ich ihn mal aus den Augen lasse, passiert etwas.“ Damit stand er auf und ging zum Kamin um die Glut zu schüren. „Ich werde morgen früh mit Vance reden und dann selbst nach Tel Aviv fliegen und Tony helfen  Ziva zu finden.“

Tabby stand nun ebenfalls auf und stellte sich hinter ihren Freund. „Ich denke das solltest du nicht tun. Las Ihm freie Hand. Vielleicht kannst du Ihm auch von hier aus helfen. Per Satellit oder so. Aber flieg nicht hin, er ist kein kleines Kind, das man einfach mitnehmen kann.“

Gibbs kam langsam hoch und drehte sich zu Tabitha um. „Ich soll ihn da alleine lassen?“

„Du lässt ihn nicht alleine. Du stehst hier voll hinter ihm, aber dort hat er das sagen. Vielleicht solltest du ihm mal sagen, was er dir damit antut, wenn er sich in Gefahr begibt.
Sag ihm wie viel er dir bedeutet. Tony wartet nur auf diese Worte aus deinem Mund.“

Doch Gibbs schüttelte den Kopf. „Er hat jetzt wieder ein gutes Verhältnis zu seinem Vater. Er braucht mich nicht mehr als Ersatz.“

„Du warst nie Ersatz für ihn und das weißt du auch. Außerdem stehst du ihm viel näher, als es sein Vater je sein könnte. Aber ihr seit beide solche Sturköpfe, das es echt verwunderlich ist das ihr nicht wirklich Vater und Sohn seit.“ sagte sie lächelnd und gab ihm einen zärtlichen Kuss. „Und jetzt ruf ihn an, sag ihm, dass du ihm vertraust und dass er schon wissen wird, was für ihn das beste ist. Und vielleicht schafft du es auch ihm zusagen, das er dich anrufen kann, wenn er meint deine Hilfe zu brauchen. Und sag ihm auch, dass wir auf sie warten. Vertrau ihm Jethro, er wird seine Frau schon finden, er hat den ganzen Mossad zur Hilfe und Zivas Eltern nicht zu vergessen. Ich weiß sie werden sie finden.“ Und damit reichte sie ihm wieder sein Telefon und stand auf. „Ich geh mal in die Küche und fang schon mal zu Kochen an.“ Teilte sie ihm mit und verließ den Raum.

Gibbs sah auf das Handy in seiner Hand. Tabitha hatte Recht. Er musste Tony seinen eigenen Kampf kämpfen lassen. Er klappte das Handy auf und wählt.

~~~***~~~

Tony klappte gerade wieder sein Handy zu. Er war völlig verwirrt. So hatte er seinen Boss noch nie erlebt. Als ein paar Minuten nach dem ersten Anruf sein Handy wieder schellte, hatte er mit dem schlimmsten gerechnet, aber genau das Gegenteil war gesehen. Gibbs hatte von Vertrauen und Verstehen gesprochen. Sich angeboten ihm zu helfen, wenn er es wollte. Seine Stimme war nicht barsch und hart so wie Tony es gewohnt war. Tabitha tat ihm gut und sie veränderte ihn allmählich. Vielleicht wäre er nie so mürrisch und hart geworden, wenn seine erste Familie nicht getötet worden wäre. Tony schüttelte verwirrt den Kopf. Er war sich noch nicht sicher, ob der neue Gibbs ihn in allen Belangen gefiel. Aber gerade jetzt gefiel ihm, das ihm entgegengebrachte Vertrauen. Mia saß immer noch neben ihm und versuchte sich unsichtbar zu machen. Ihr Vater beugte sich herunter und zog ihr mit einem leisen Plopp die Finger aus dem Mund. „Hey, sieh mich mal an:“

Mia hob mit traurigem Blick den Kopf. „Ich hab gedacht ich helfe dir, wenn ich das Handy bringe.“

„Damit hast du mir auch geholfen, aber du hättest nicht drangehen müssen. Das nächste mal, wenn das Handy schellt, dann bringst du es mir ohne es aufzuklappen. Okay?“

„Okay. Du bist mir jetzt nicht mehr böse?“ fragte sie zaghaft.

„Nein, bin ich nicht. Ich hab dich lieb Prinzessin und wir schaffen das hier schon.“ Damit zog er sie an sich und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Wie ist es so mit der neuen Grandma? Fragte er sie.

„Oh toll. Ich hab mir immer eine Oma gewünscht und jetzt hab ich plötzlich eine.“ sagte sie glücklich. „Kann sie nicht mit uns nach Hause kommen?“

Tony lachte. „Nein Schatz, sie hat ja hier ihr Leben, aber sie kann uns ja mal besuchen kommen und wenn sie es erlaubt, dann darfst du sie auch mal hier besuchen.“

Mia zog ihre Unterlippe hoch. Sie wollte das neue Familienmitglied nicht schon wieder verlieren. Aber wenn sie lieb und artig war, vielleicht konnte sie ihren Vater dann noch umstimmen. „Wann findest du Mommy? Fragte sie ihn plötzlich weinerlich.

„Ich denke wir werden Morgen einfach da weiter machen wo wir heute aufgehört haben. Ich weiß nicht wie lange das alles noch dauern wird. Aber wir finden sie.“ sagte er und zog seine Tochter etwas näher an seine Seite. Noch immer saß er auf dem Bettrand. Mittlerweile protestierte sein Fuß bei jeder Bewegung. Er hätte sich gerne wieder hingelegt, aber er wollte vor seiner Tochter keine Schwäche zeigen.

„Sie sollten Ihr Bein hoch legen. So kann es nicht besser werden.“ Dabei zeigte Ruth auf sein runterhängendes Bein. „Schmerzen?“

„Nur wenn ich versuche zu laufen.“

„Was sie ja nicht machen.“ sagte sie darauf mit einem Grinsen. „Ich habe ihnen den alten Stock meines Mannes mitgebracht. Er hatte mal eine ganz ähnliche Schussverletzung am Oberschenkel wie Sie.“ Als sie sein fragendes Gesicht sah, fuhr sie fort. „Ich weiß was Ihnen widerfahren ist. Ziva hatte es mir erzählt.“ Damit stellte sie ihm den Stock ans Bett. „Ich werde Ihnen heute Ihr Abendessen hoch bringen lassen.“

„Nein danke, machen Sie sich keine Mühe, ich bin nicht hungrig.“

„Sie sollten aber etwas essen.“ Dann lächelte sie ihn wissend an. „Wenn Sie sich übermorgen wieder an der Suche nach Ziva beteiligen wollen, dann sollten Sie sich stärken. Becka wird Ihnen das Essen hochbringen und jetzt lassen Sie mich noch einmal Ihren Fuß ansehen. Milena du könntest noch mal in die Küche laufen und die Kühlkissen austauschen.“ Und schon kam sie aufs Bett zu und half ihm sich wieder hinzulegen, während Mia sich die Kühlkissen schnappte und zur Küche lief. Nach dem sie die Binde abgemacht hatte besah sie sich das Prachtstück. Sie versuchte das Gelenk so sanft wie möglich zu bewegen, konnte aber das eine oder andere Stöhnen ihres Patienten vernehmen. „Tony, ich will es nicht beschwören, aber Sie haben sich mehr als nur eine Verstauchung zugezogen. Ich denke die Bänder sind im besten Fall überdehnt oder sogar gerissen. Wir sollten sie ins Krankenhaus bringen.“

„Nein, keine Klinik, nicht jetzt. Ich lass mich sofort untersuchen, wenn wir Ziva haben. Bis dahin muss es auch so gehen.“

„Sie machen es nicht besser, wenn Sie den Fuß weiter belasten. Das wissen Sie?!“

Als Antwort bekam sie nur sein Nicken. Also machte sie sich stumm daran seinen Fuß neu zu verbinden. Über ihren Verband zog sie ihm noch eine Stützbandage. Die würde ihm zusätzlichen Halt geben. „Heute und Morgen werden sie sich und ihr Bein schonen, sonst sehe ich für die kommenden Tage schwarz.“ Und damit verließ sie den Raum.

~~~***~~~

Langsam wurde Ziva wieder wach. War schon wieder ein Tag vergangen? Wie lange war sie nun schon hier? Noch immer war das Gefühl in ihren Beinen nicht richtig zurück gekommen. Zwar war die Taubheit verschwunden, aber sie waren immer noch schwach und für lange Strecken unbrauchbar. Aber es ging voran und sie übte jede Minute, die sie unbeobachtet war. Pünktlich um sieben Uhr Morgens ging die Tür auf und die Schwester brachte das Frühstück. Nach dem Mittag würde Samuel wieder kommen und sie mit neuen Fragen über die Kontodaten quälen. Etwas hatte sich aber doch verändert. Dr. Sichel war verschwunden. Seit gestern Morgen hatte sie ihn nicht mehr gesehen. Auch eine Nachfrage bei der Krankenschwester hatte nichts gebracht. Angeblich war er mit anderen Patienten beschäftigt. Sie musste es einfach schaffen und ihre Beine zur Mitarbeit überreden. Nur so konnte sie aus diesem Krankenhaus raus, wobei sie sich mittlerweile schon nicht mehr sicher war, ob das hier überhaupt eine Klink war, oder ob man ihr nicht etwas vorspielte. Was würde sie vor der Tür erwarten? Wo war Tony? War er schon hier auf der Suche nach ihr? Sie würde nicht auch ihn warten können. Sie musste ihr Flucht planen und bald handeln, wenn sie hier lebend heraus kommen wollte.



9. Kapitel

Eigentlich hatte er vorgehabt etwas zu lesen, aber er konnte sich einfach nicht auf das Buch konzentrieren. Seine Gedanken drehten sich unweigerlich immer wieder um Ziva und ihre Entführung. Warum, war immer noch die große Frage. Noch immer war niemand mit Forderungen auf David zugekommen. Wer immer Ziva hatte, hatte sie aus persönlichen Gründen entführt, und das machte die Sache noch gefährlicher. Genervt sah er wieder auf das Buch in seinen Händen. Er hatte das Gefühl versagt zu haben. Er war hier her gekommen um Ziva zu suchen und zu finden. Und nun lag er hier untätig im Bett und war zum nichts tun verdammt. Tief in sich spürte er das Ziva noch lebte. Wenn er schlief träumte er fast täglich von ihr, aber es waren gute Träume. Das erste gemeinsame Weihnachtsfest, der letzte Urlaub, der tägliche Tagesablauf. Fast war es als wenn ihm sein Unterbewusstsein ein normales Leben vorgaukeln wollte. Es war schön und er sehnte sich nach dem nächsten Schlaf.

Tony schaute kurz zu Uhr. Es war schon 21 Uhr. Gleich würde seine Tochter das Zimmer bestürmen. Vor zwei Stunden hatten sie hier oben zusammen gegessen. Becka, die Haushilfe hatte das Tablett hoch getragen und Milena hatte stolz verkündet das sie und ihre Granny, es zusammen gekocht hatten. Und Tony hatte mehrfach das Gericht gelobt. Spagetti Tricolore a la DiNozzo, hatte es gegeben und es hatte wirklich gut geschmeckt. Anschließend hatte er  ihrem Drängeln nach geben und ihr erlaubt noch etwas Zeit mit Zivas Mutter zu verbringen. Kaum war sie aus dem Zimmer hatte er noch ein weiteres Mal versucht aufzustehen. Im Endeffekt hatte es auch geklappt, aber es hatte seinem Fuß nicht gut getan. Im Stillen musste er Ruth recht geben. Er braucht etwas Auszeit. Müde nahm er wieder das Buch zur Hand, als er auch schon Mia tippelnde Schritte hörte. Kurz darauf stürmte sie in das Zimmer, ihre Oma im Schlepptau.

„Hallo Tony, wie geht es Ihrem Fuß?“ fragt Ruth, wieder ganz die Ärztin.

Tony lächelte sie an. „Nicht schlechter jedenfalls.“ teilte er ihr mit und legte das Buch auf den Nachttisch. „Aber auch nicht besser.“ Fügte er resigniert hinzu.

„Wir haben noch neue Kühlkissen mitgebracht.“ sagte seine Tochter und machte sich schon dran diese, gegen die mittlerweile warmen, auszutauschen.

„Und der Kopf?“ fragte ihn Zivas Mutter.

„Nur noch leichte Kopfschmerzen, keine Übelkeit und auch kein Schwindel mehr.“ sagte er  und zeigte auf das Buch auf dem Nachttisch. „Ich kann schon wieder lesen.“

Ruth hatte in der Zwischenzeit schon mal das Pflaster am Hinterkopf abgenommen. „Mhm sie haben recht, das sieht auch ganz gut aus. Es hat sich schon Schorf gebildet. Ich mach ihnen noch ein neues Pflaster drauf, aber wenn Sie morgen früh duschen, dann müssen sie beim Haare waschen aufpassen, das die Wunde nicht wieder anfängt zu bluten. Ich komm dann so um neun Uhr zu ihnen hoch und bringe neues Verbandsmaterial mit.“ Damit stand sie auf und küsste Mia auf die Stirn.

„Ruth!“ hielt Tony sie auf, so das sie stehen blieb und ihn fragend ansah. „Danke, danke für alles.“ Es fiel ihm nicht leicht, er konnte so was nicht gut. Erwartungsvoll sah er sie an.

Sie hatte die warmen Kühlkissen in den Händen. „Ich mach das gerne für ...“ sie schluckte einmal bevor sie weiter sprach, „....für meine Tochter und ihrem Ziehkind. Und jetzt schlaft gut, wir sehen uns morgen früh.“

„Bis morgen, Granny.“ sagte Mia und dann  war sie schon aus der Tür.

„Tja Prinzessin, ich denke wir haben gerade unsere Familie vergrößert.“ Sagte Tony und sah Mia zu die fröhlich ins Badezimmer lief.

~~~***~~~

Es war sechs Uhr in der früh und im Navy Hauptquartier war noch alles ruhig. Nur an einem Schreibtisch brannte schon Licht. Gibbs hatte eine unruhige Nacht hinter sich gebracht und da hatte ihm auch Tabithas Nähe nicht geholfen. Er war schon früh aufgestanden um sie nicht zu stören, hatte ihr eine Nachricht auf dem Nachttisch hinterlassen und sich schon um vier Uhr auf den Weg ins Yard gemacht. Seitdem saß er hier, trank einen Kaffee nach dem nächsten und kämpfte mit seinen Gefühlen. Er hatte Tony zwar gesagt das er nur auf sein Kommando erschein würde, aber alles in ihm schrie danach sofort ein Flugticket zu kaufen und seinem Ersten beizustehen. Gerade jetzt wo er wusste das DiNozzo wieder verletzt war. Als er das vertraute ~Pling~ der Aufzugtüren hörte, wurde er aus seinen Gedankengängen gerissen.

„Hey Gibbsman, was sitzt du hier und brütest?“ fragte ihn die quirlige Kriminaltechnikerin.

Sie hatte schon ihren Kittel an, oder hatte sie ihn immer noch an? Fragte sich Gibbs. „Wie lange bist du schon hier Abbs?“

„Oh mein silberhaariger Fuchs. Du wirst es nicht glauben aber ich war gar nicht zu Hause. Ich habe gestern noch von unserem liebenswürdigen Direktor einen Spezialauftrag bekommen und seitdem suchen meine Babys nach Antworten.“ Kaum hatte sie ihm das gesagt, schlug sie sich auch schon die Hände vor dem Mund. „Upps, jetzt hab ich was verraten.“ Während sie sprach, drehte sie sich immerzu im Kreis.

Gibbs wurde es zu bunt. Er sprang auf und hielt sie fest. „Abby, Abby, was soll das? Was machst du hier und wie viele von deinen Caf-Pows hast du schon getrunken?“

Sie legte ihren Kopf schief, da er sie daran hinderte sich im Kreis zu drehen, fing sie an, auf der Stelle hin und her zu wippen. „Ich weiß nicht mehr, vielleicht neun oder zehn? Die Nacht war lang.“

Gibbs schüttelte seinen Kopf. Er kannte die Koffein Sucht seiner Kriminaltechnikerin nur zu genüge und er selbst war dem auch nicht abgeneigt, aber was genug war, war genug. „Abby was machst du hier?“

„Ich wollte mir kurz einen neuen Caf-Pow holen und da hab ich dich gesehen, warum?“

„Nein nicht das, ich meine was hast du heute Nacht untersucht. Worum hat Vance dich gebeten?“

„Das darf ich dir nicht sagen, aber ich kann es dir....“ Und dann fing sie an mit ihren Händen zu reden. Gebärdensprache. Ihr Boss verstand sie. Und so erzählte sie ihm das Vance sie gebeten hatte, einen Teil Fingerabdruck zu untersuchen, seitdem liefen ihre Computer heiß. Aber das wichtigste an der Nachricht war, das sie die Analyse für den Direktor des Mossad machte, weil der im Moment keinen seiner eigenen Mitarbeiter vertrauen konnte. Demzufolge half sie mit ihrer durch standenen Nacht, ihrem Tiger auf der Suche nach Ziva. Darum war sie auch so in Hochstimmung und konnte es gar nicht erwarten endlich ein Ergebnis zu bekommen.

Gibbs antwortete auf dieselbe Art und fragte sie, warum sie ihm nichts sagen durfte. Warum Vance nicht wollte das er vom Stand der Ermittlung erfuhr. Abby hob gerade wieder ihre Hände, als....

„Weil ich nicht wollte das Sie gleich Hals über Kopf nach Israel rennen. Agent Gibbs kommen sie bitte hoch.“ Damit drehte sich Vance von der Empore weg und ging davon.

Gibbs zog seine Augenbrauen hoch. Vance hatte scheinbar auch die Nacht im Yard verbracht.

„Gibbs ich muss wieder runter zu meinen Babys.“ sagte Abby, doch er hielt sie auf.

„Aber du holst dir jetzt keinen Caf-Pow mehr. Könne dir eine Pause. Ich komm später zu dir und bring dir was. Wo ist Tim?“ Fragte Gibbs, wohl wissend das McGee sich neuerdings nie weit von Abby entfernte.

„Der schläft noch süß unter meinem Bürotisch.“ sagte sie grinsend.

Ihr älterer Freund grinste zurück. „Weck ihn, ich brauch ihn gleich.“ Damit drehte er sich um und stürmte, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, die Treppe zur oberen Etage hoch. Er war gespannt was ihm Vance zu sagen hatte.

~~~***~~~

Vance fing ihn schon an der Treppe ab. „Kommen sie mit zum Video Konferenzraum, die Verbindung steht.“ Und schon stieß er die Tür auf. Wie immer war der Raum in Dunkelheit getaucht. Doch der große Bildschirm war beleuchtet.

„Schalom Special Agent Gibbs.“ Hörte er da eine ihm nicht unbekannte Stimme. Eli David schaute ihn von dem großen Bildschirm an.

„Direktor David, was gibt uns die Ehre zu so früher Stunde?“ Fragte Gibbs. Denn immerhin war es jetzt gerade mal ein Uhr in der Nacht, in Tel Aviv.

„Die Sorge um meine Familie.“ kam prompt die Antwort.

Gibbs Magen knotete sich leicht zusammen. „Und da brauchen Sie unsere Hilfe?“

„Glauben Sie mir, ich würde lieber auf meine Mitarbeiter zurück greifen, aber wie es aussieht habe ich einen Maulwurf, unter meinen Leuten, der leider aus persönlichen Gründen meine Tochter, gefangen hält. Bei dem letzten Einsatz, bei dem sich Agent DiNozzo leicht verletzt hat, haben wir Zivas Handy sowie ihre Tasche gefunden. Der Fingerabdruck wird gerade von Ihrer Kriminaltechnikerin untersucht. Ich hoffe das er uns eine Spur liefert.“

„Hat sich der Entführer immer noch nicht gemeldet?“

„Nein Agent Gibbs, er hat keinen Kontakt aufgenommen.“

Gibbs lagen ganz andere Fragen auf der Zunge. Er wollte mit seinem Stellvertreter sprechen. Wollte sich selbst ein Bild davon machen, das es ihm den Umständen entsprechend gut ging. Aber gleichzeitig wusste er auch, dass Tony sich um diese Uhrzeit niemals im HQ des Mossad aufhalten würde. In dem Moment wurde die Tür aufgestoßen und eine aufgeregte Abby stürmte in den Konferenzraum.

„Es hat pling gemacht, es hat pling gemacht. Ich hab es...“ sprudelte sie sofort los.

Vance hielt sie auf. „Miss Sciuto, was haben Sie gefunden?“

Abby machte sich los und eilte weiter auf ihren grauhaarigen Freund zu. „Ich habe heraus bekommen, wem der Fingerabdruck gehört und ich wünsche Ihnen einen guten Morgen Direktor David.“ Sie nickte dem Bildschirm zu und lächelte alle glücklich an.

„Abbs, bitte, spann uns nicht auf die Folter. Komm endlich zur Sache.“ sagte ihr väterlicher Freund.

„Oh ja, sicher. Also der Fingerabdruck gehört einem Dr. Ben Sichel. Arzt mit eigener Praxis in Tel Aviv.“ Das Grinsen bekam sie dabei nicht aus dem Gesicht.

Gibbs sah sie fragend an. „Ein Arzt? Warum haben wir seine Fingerabdrücke?“

„Haben wir gar nicht.“ Geklärte sie lächelnd.  Aber das FBI hatte sie.“ Wieder sahen sie in fragende Gesichter. „Dr. Sichel hatte während eines Ärztekongress, hier in Amerika, das Pech eine illegale Spielhölle genau in dem Moment zu besuchen, als das FBI dort eine Razzia durchführte. Dabei wurde auch er vorübergehend festgenommen.“ Sichtlich mit sich zufrieden drehte sie sich langsam im Kreis.

„Abbs, das hast du gut gemacht.“ sagte der Chefermittler und küsste sie auf die Wange.

Vance schaltete sich nun wieder ein. „Damit ist ihnen also geholfen?

„Ja, ich denke den Rest bekommen wir jetzt alleine hin und wenn nicht, Leon mein Freund, melde ich mich wieder bei Ihnen.“

Vance nickte und wollte sich schon abdrehen, als ihm noch etwas einfiel. „Eli, was genau ist Agent DiNozzo passiert?“

David, der schon die Hand zur Unterbrechung der Videoverbindung gehoben hatte, lies diese langsam wieder sinken. „Nichts Schlimmes. Meine Frau hat ihm ein wenig Ruhe verordnet. Er wird sich morgen eine Auszeit nehmen.“ Damit gab er einem unbekannten Mann ein Zeichen und die Verbindung war tot.

Abby sah die beiden Männer verwirrt an. Ruhe? Auszeit? Warum? Was war in Israel passiert. „Giiibbbbsss, was ist mit meinem Tiger?“ Kam es ängstlich von Abby.

„Nicht hier. Las uns in dein Labor fahren.“ Dann wandte er sich an Vance. „Direktor? Werden wir hier noch gebraucht?“

„Nein, gehen Sie ruhig. Wir können nun eh nichts mehr tun, den Rest muss er alleine Regeln.“

~~~***~~~

Im Aufzug wollte Abby schon wissen was mit Tony passiert war. Doch Gibbs hatte einfach nur den Finger erhoben. „Gleich.“

Im Labor, wartete bereits ein wacher McGee auf sie. „Boss, Abby sagt du brauchst mich.“

„Ja, du musst eine Verbindung zu Tony herstellen. Er hat doch sein Laptop mit. Kannst du dich nicht in die Kamera eindingsen, du weisst schon was ich meine, damit wir auch sehen können das es ihm gut geht.“

Tim sah auf die Uhr. „Wenn er das Laptop offen stehen gelassen hat, kann ich mich reinhacken. Das dürfte kein Problem sein.“

Gibbs sah ihn an. „Tim, wartest du auf eine Einladung?“

„Äähhrrräää, nein Boss, ich mach mich gleich an die Arbeit.“

„Gibbs, Gibbs, Gibbs, jetzt bin ich aber dran. Was ist mit Tony passiert? Wie geht es Milena?“

„Ruhig Abbs, beruhig dich. Ich kann dir auch nur soviel sagen wie ich von David und Milena weiß.“ Schnell brachte er sie auf den Stand der Dinge.

Abby war noch blasser geworden, als sie eh schon war. „Oh je, hört das denn nie aus, Gibbs.“ sagte sie traurig und zog ihre Unterlippe hoch. Gibbs zog sie in seine Arme, gab ihr Halt und Trost.

~~~***~~~

Ein neuer Morgen, wieder die Schwester die ihr das Frühstück und die Medikamente brachte. Wieder blieb sie dabei und sah ihr mein schlucken der Medis zu. Wieder kein Dr. Sichel, wieder wurde ihr für den Nachmittag, Besuch von Offizier Samuel Stern angekündigt und wieder spuckte sie die Tabletten aus und versteckte sie unter der Matratze. Mittlerweile war das Mittel scheinbar aus ihrem Körper verschwunden. Jedenfalls konnte sie schon wieder ganz ordentlich laufen. Jede freie Minute trainierte sie ihre Beine. Wenn sie allerdings beobachtet wurde tat sie immer noch als hätte sie kein Gefühl in ihnen. Heute wollte sie die Flucht wagen. Viel länger konnte sie auch nicht mehr warten Samuel wurde immer brutaler. Mittlerweile hatte sie schon mehrere blaue Flecken, die sie von seinen Befragungen übrig gehalten hatte. Ziva hatte genau die Zeit gestoppt, die die Schwester bei ihr verbrachte und genau diese Lücke wollte sie zur Flucht nutzen. Leider hatte sie keine Kleidung gefunden, sie würde also im Krankenhaushemd von hier fliehen müssen.



10. Kapitel

Als sein Handy schellte, wurde Tony unsanft aus dem Schlaf gerissen. Verwirrt strich er sich mit einer Hand über das Gesicht und mit der anderen versuchte er die Lärmquelle zu finden. Von Mia neben ihm, kam ein leises Stöhnen. „DiNozzo“, meldete er sich müde.

„Tony ich bin es, Tim. Hinter mir stehen Gibbs und Abby. Wir wollen mit der sprechen. Ich habe mich in dein Laptop gehackt, aber leider steh es nicht offen.....“, im Hintergrund hörte man plötzlich Gibbs Stimme, dann wieder Tims der sich für irgendwas entschuldigte, „Tony, ich bin es wieder, klapp einfach das Laptop auf.“

Der junge Ermittler machte erst einmal Licht. „Wisst ihr eigentlich wie spät es hier ist?“, fragte er verstimmt seine Kollegen.

Jetzt meldete sich Gibbs. „Hier sechs, bei dir zwei Uhr. Kannst du nun deinen Computer öffnen oder nicht?“, wie immer klang seine Stimme barsch und ungehalten.

„Ja, sicher dauert aber einen kleinen Moment.“ Er legte das Telefon beiseite und zog seine Beine aus dem Bett. Sein Körper war ein einziges Martyrium. Sein Fuß pochte im takt seines Herzschlages. Aber er schaffte es sich im sitzen zum Tisch herüber zu beugen um sein Laptop zu ergreifen. Nachdem er es erbeutet hatte zog er sich wieder auf das Bett zurück und legte seinen schmerzenden Fuß zurück auf das Kissen. Dann klappte er endlich den Computer auf. Das Bild das er sah ließ ihn trotz der Müdigkeit schmunzeln. Drei besorgte Gesichter sahen ihn an. Tony bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.

„Es geht mir gut“, sagte er daher sofort. Dann erzählte er ihnen leise, damit Mia weiterschlafen konnte, was sich am Vortag ereignet hatte.

„Meinst du der Fuß ist gebrochen?“, fragte Abby besorgt.

„Nein Abbs, dann könnte ich wohl kaum damit laufen. Es tut weh, aber es geht. Ich habe Ruth versprochen mir heute eine Tag Ruhe zu können.“

„Ruth? Eine neue Damenbekanntschaft DiNozzo?“, fragte Gibbs.

„Wo denkst du hin? Ruth ist Zivas Mutter und Ärztin“, erklärte Tony ihnen.

„Okay DiNozzo, genug des Schmaltalks. Abby und Tim haben dir noch was mitzuteilen.“

Abby übernahm sofort. „Wir haben für den Direktor des Mossad den Fingerabdruck analysiert und dabei folgendes rausgefunden. Dr. Ben Sichel, praktizierender Arzt in Tel Aviv. Lebt alleine, keine Familie, keine Frau. Seine Leidenschaft gehört dem Spiel. Er hat schon ein kleines Vermögen verwettet. Er hat einen Arsch voll Schulden. Upps, entschuldige, wenn ich das so direkt sage. Die Information die jetzt kommt ist neu und du bist der erste der sie erfährt. David haben wir sie nicht weitergegeben. McGee hat seine Bankdaten abgeglichen und wir können sagen, dass er bestochen wurde. Er hat eine größere Einzahlung am Anfang der Woche getätigt. So wie er finanziell dasteht, muss er wohl nehmen was sich Ihm bietet.“

Tony sah jeden einzeln an. „Gut, ich werde sehen wie ich es einsetzen kann. Danke, das ihr mir helft.“ Dann sah er kurz zu Mia. „Boss...“, er schluckte schwer. Immer noch, auch nach all den Jahren, viel es ihm schwer um Hilfe zu bitten. „Boss, ich könnte hier deine Hilfe gebrauchen“, und während er sprach sah er herunter auf seine Hände. Irgendwas musste plötzlich sehr interessant daran sein.

„Tony, ich spreche morgen mit Vance, aber ich kann dir nichts versprechen und wir brauchen eine offizielle Einladung von Direktor David.“

„Ich werde versuchen das in die Wege zu leiten.“

„Pass auf dich auf DiNozzo, pass auf deine Familie auf“, Gibbs hatte es so leise gesagt das es nur Abby die ihm fast auf dem Schoß saß, hören konnte.

Sie verabschiedeten sich und Tony klappte den Laptop wieder zu. Er löschte das Licht und zog seine Tochter in eine feste Umarmung. Sein Boss sorgte sich. Dachte er mit einem Grinsen im Gesicht. Jetzt musste er nur noch Zivas Vater davon überzeugen den NCIS offiziell einzuladen. Der junge Mann schloss wieder seine Augen und ließ sich von Mias leisen Schnarchgeräuschen in den Schlaf wiegen.

~~~***~~~

Pünktlich um sieben Uhr schellte der Wecker. Tony war sofort wach, er schnellte hoch, fasste sich dann an die schmerzenden Rippen und ließ sich mit einem Stöhnen wieder in die Kissen sinken. Langsamer als gerade rappelte sich der Braunhaarige ein zweites Mal auf und humpelte mit Hilfe des Stocks, ins Bad. Ein Blick in den Spiegel reichte, ihm die letzte Hoffung auf einen normal verlaufenden Tag zu nehmen.  Sein Körper schien ein einziger blauer Fleck zu sein. Alles tat weh. Vorsichtig löste er das Pflaster am Hinterkopf und die Verbände an seinem Bein. Der Fuß war noch etwas mehr angeschwollen und der Knöchelbereich hatte sich dunkel Lila verfärbt. Seinem Knie dagegen, schien es wieder besser zu gehen. Es schmerzte kaum noch, wies aber an der rechten Seite ebenfalls  einen großen blauen Fleck auf. Dann ging er Duschen. Er legte beide Hände an die Wand und stellte sich direkt unter den Wasserstrahl. Das Wasser prasselte auf ihn nieder und löste sowohl die Verspannungen in seinen Muskeln, als auch die letzten Blut Verkrustungen aus seinen Haaren. Als er fertig war zog er sich wieder eine Boxershorts und ein T-Shirt an und humpelte zurück zum Bett, um seine Tochter zu wecken.

„Hey Prinzessin, wach werden“, als sie sich nur murmelt auf die andere Seite drehte, zog er ihr Puppe aus den Arm und benutzte einen ihrer Haarzöpfe um damit an ihrer Nase rumzustreichen. „Aufstehen, los. Deine Oma kommt gleich.“ Sie wischte sich über das Gesicht. „Mhhmm kitzelt es?“, fragte ihr Vater lachend. „Das nennt man RACHE.“ Damit legte er die Puppe an die Seite und kitzelte sie direkt an den Seiten. Sofort quieschte sie los. „Haaaaa, ich wusste doch das du schon wach bist.“

„Nicht Daddy, nicht“, sagte sie lachend und wandte sich in seinem Griff. „Bist du jetzt wieder gesund?“, fragte sie unter Lachtränen.

„Es geht mir gut Engelchen. Und jetzt raus aus dem Bett und ab unter die Dusche.“ Widerstrebend stand Mia auf, hüpfte dann aber in Richtung Bad davon. Als sich die Tür schloss zog ihr Vater, seine schmerzenden Beine wieder auf das Bett. Er lauschte dem Wasser und dem Gesang seiner Tochter. In ein paar Wochen würde sie schon fünf Jahre. Dann war sie schon fast ein Jahr bei ihm. Ein Jahr erst, aber Tony konnte sich ein Leben ohne sie gar nicht mehr vorstellen und es tat ihm einmal mehr weh, dass er Milenas Baby Zeit verpasst hatte.  Mia war noch im Bad beschäftigt als es an der Tür klopfte. Ziva Mutter streckte ihren Kopf herein.

„Guten Morgen, darf ich rein kommen?“

„Aber sicher doch“, sagte er und zog sittsam die Bettdecke über seinen Körper. Was Ruth zum lächeln brachte.

„Wie geht es Ihnen heute Morgen.“

„Gut“

Warum musste man männlichen Patienten eigentlich immer alles aus der Nase ziehen. Sie seufzt. „Haben Sie noch Kopfschmerzen?“

„Nein alles bestens.“

Super das konnte ja noch spannend werden. „Wie geht es Ihrem Bein?“, fragte sie weiter.

„Mir geht es gut. Danke.“

„Schluss! Wir lassen das jetzt und fangen noch einmal von vorne an. So kommen wir nicht wirklich weiter. Ich kann Ihnen nur helfen, wenn Sie mitspielen. Wenn nicht ruf ich gleich einen Krankenwagen, der Sie in die nächste Klinik bringen wird. Dann werden wir ja sehen  was Ihnen fehlt.“ Als er den Mund öffnete um dazu etwas zu sagen, hob sie einen Finger hoch. „Ihre Tochter kann natürlich hierbleiben. Also, noch einmal von vorne?“, als Tony nickte, sagte sie: „Gut, also wie geht es Ihrem Bein?“

Für einen kleinen Moment hatte es das Gefühl Ziva vor sich stehen zu sehen, jetzt wusste er auf alle Fälle, wer Zivas ihre Stärke vererbt hatte. Er räusperte sich. „Meinem Knie und dem Oberschenkel geht es besser, nur mein Fuß schmerzt bei jeder Bewegung, auch ohne Belastung. Und meine Rippen tun weh. Aber es geht mir wirklich besser als Gestern:“ Und zu ersten Mal schenkte er ihr sein DiNozzo Lächeln.

„Zeigen Sie mir mal Ihren Kopf. Oh ja, das sieht gut aus. Die Wunde ist schon verschorft. Ich mach ihnen noch ein neues Pflaster drauf. Aber das dürfte problemlos heilen. So. Die Rippen sagen Sie?“ Sie zog ihm die Bettdecke weg und ihre Finger strichen über seine Rippenbögen, drückten mal hier, mal dort. Doch dann schüttelte sie den Kopf. „Nein, nur geprellt, aber nichts gebrochen. Und jetzt ihr Bein“, auch hier fuhren ihre Hände fachmännisch über seine Knochen. „Sie haben recht, die Schwellungen am Schenkel und Knie sind zurück gegangen, was man von Ihrem Knöchel nicht sagen kann. Ich werden Ihn neu bandagieren und ich denke wenn Sie sich heute noch ruhig verhalten dürfte Ihrem Ausflug morgen nichts im Wege stehen.“ Damit lächelte sie ihn an und macht sich auch gleich an die Arbeit. „Frühstück steht unten. Schaffen Sie das alleine oder brauchen Sie Hilfe?“

„Es wird gehen. Danke“, teilte er ihr mit.

„Wir sehen uns unten“, Sie tätschelte dabei sein Bein. „Wo ist eigentlich Mia?“

Tony zeigte mit dem Daumen auf die Badezimmertür, die genau in dem Moment aufging und eine in ein Handtuch gehüllte Milena preisgab.

„Guten Morgen“, sagte Mia höflich.

„Guten Morgen Milena, hast du gut geschlafen?“

„Ja“, sagte sie und setzte sich zu ihrem Vater auf das Bett. „Ja, bis Daddy mich gekitzelt hat und ich wach werden musste.“

Ruth lachte auf. „Na dann beeile dich mal, unten warten schon deine Pancakes auf dich. Noch sind sie warm. Also mach nicht so lange.“ Ruth stand auf und ging zur Tür.

Seine Tochter war ebenfalls vom Bett gesprungen. „Los Daddy, mach schon, zieh dich an, wir müssen nach unten.“ Sie bemerkte erst jetzt, was sie doch für einen großen Hunger hatte. Und während ihr Vater sich aus dem Bett quälte, hatte sie sich schon Jeans und Shirt angezogen und stürmte Richtung Tür.

„Halt, wirst du wohl auf mich warten“, verlangte ihr Vater.

„Daddy du bist viel zu langsam. Die Pancakes werden kalt. Kann ich nicht schon mal vorgehen? Bitte. B i t t e..“, kam es flehend von ihr.

Tony der seiner Tochter kaum etwas abschlagen konnte, nickte auch diesmal nur und Mia jauchzte auf und verschwand aus der Tür. Langsam sich auf den Stock und der Wand abstützend folgte er ihr. Als er unten ankam, hörte er schon Milenas fröhliches Geplapper. Endlich hatte auch er den Tisch erreicht. Nach einem Guten Morgen in die Runde, setzte er sich und musste sich dabei ein Stöhnen verkneifen. Er war froh endlich das Gewicht von seinem Fuß nehmen zu können.

„Sie waren heute Nacht im Büro?“, fragte Tony Zivas Vater.

Eli runzelte die Stirn. „Ja, aber vorher wissen Sie...“, doch dann stockte er. „Ahh ich verstehe. Gibbs... Er hat Sie informiert.“

„Wissen Sie schon etwas über Dr. Ben Sichel?“, fragte ihn der jüngere Mann.

„Nein, so schnell mahlen die Mühlen nicht. Aber wir sind dran.“

„Ich hätte gerne mein Team hier.“ Dabei sah er Eli direkt an.

„Warum?“

„Wenn es stimmt, dass Sie wirklich einen feindlichen Agenten unter ihren Männern haben, können Sie niemand mehr vertrauen. Meinem Team schon und Sie haben ein persönliches Interesse Ziva zu finden.“

Eli sah ihn lange an. Dann nickte er. „Ich werde eine Einladung an Leon aussprechen.“

Jetzt konnte Tony auch seine Trumpfkarte ausspielen und gab Eli die von Abby ermittelten Informationen.

„Gut dann haben wir jetzt einen Anhaltspunkt. Wir werden ihn finden und dann hoffentlich auch Ziva“, damit stand er auf. „Ruth, wenn was ist, ich bin im Büro.“

Tony hielt ihn auf. „Eli? Wenn Sie Sichel haben, darf ich dem Verhör dann beiwohnen?“

Eli David überlegte. „Okay Agent DiNozzo. Ich rufe Sie an, wenn wir ihn haben und las Sie dann von meinem Fahrer abholen.“

Gut, das war wenigstens etwas, dachte sich Tony und machte sich mit Hunger über sein Frühstück her.

~~~***~~~

Ziva fuhr sich mit der Zunge über die aufgeplatzten Lippen. Die letzte *Befragung* durch Samuel hatte ihr mehr zugesetzt als sie bereit war zuzugeben. Er wurde von Tag zu Tag brutaler. Sie war sich jetzt sicher, dass sie hier in keinem Krankenhaus lag. Es hörte sich zwar wie eins an, aber es war keins. Wahrscheinlicher war, dass im Hintergrund irgendwo ein Tonband lief, denn im Abstand von vier Stunden wiederholten sich die Durchsagen und Geräusche. Von dem Arzt, der sie in den Anfangstagen behandelt hatte, fehlte jede Spur. Überhaupt hatte sie seit seinem Verschwinden keinen Arzt mehr gesehen. Sie konnte nicht mehr länger warten. Sie würde sich selbst helfen müssen.

~~~***~~~

„Daddy, kommst du mit in den Garten? Ich will dir eine Überraschung zeigen.“

Tony sah von seinem Buch auf, mit dem er auf dem Sofa im Wohnzimmer lag. Überraschungen liebte er genauso wie seine Tochter, aber im Moment hatte er eigentlich genug Überraschung in seinem Leben.

„Was gibt es den, Süße?“

„Dann ist es ja keine Überraschung mehr“,  teilte sie ihm mit einem bösen Blick mit. „Jetzt komm schon, Granny sagt draußen steht eine Liege, da kannst du dich auch hinlegen.“ Das letzte Wort hatte sie noch nicht ausgesprochen, da drehte sie sich schon wieder in Richtung Tür um und rannte davon.

Ihr Vater sah ihr nach. Sie trug nur einen Badeanzug, mit Spagettiträgern und einer Rüsche über den Hüften. Ziva hatte ihn mit ihr zusammen, kurz bevor sie in den Urlaub gefahren waren, gekauft. Ziva, müde verlor er sich in Gedanke an eine schöne Zeit. Es wurde Zeit das sie sie fanden. Er legte das Buch auf den Tisch und stand auf, um seiner Tochter in den Garten zu folgen.

Als er die Terrasse erreichte, saß Mia bis zu den Hüften in einem gelben Planschbecken. Ihren Arm hatte Ruth in einen Plastikschlauch für Gipsverbände gehüllt.

„Daddy schau nur, ist das nicht toll, ich habe mein eigenes Schwimmbecken“, jauchzte sie ihm zu und brachte gerade ihrer Puppe das Schwimmen bei.

„Setzen Sie sich Tony.“ Ruth zeigte dabei auf die Liege neben sich. „Ihr Arm ist sicher verpackt und so hat sie auch etwas Spaß. Sie wollte schon seit Tage  ins Wasser, aber ich hatte Angst sie in das große Becken zu lassen. Becka hatte dieses kleine Becken noch Zuhause von ihren eigenen Kindern und Mia macht es glücklich.“

„Ja, seit wir im Sommer bei meinem Vater auf Long Island waren, liebt Sie das Wasser.“ Dabei setzte er sich langsam auf die Liege und zog sein Bein hoch.

„Ich weiß, Sie hat mir davon erzählt auch von dem Baumhaus und den alten Nachbarshund. Sie erzählt viel.“

Tony nickte grinsend. „Oh ja und Sie müssten einmal ihre Kindergarten Erzieherin hören. Milena hat eine blühende Fantasie.“

„Sie ist ein ganz reizendes Mädchen. Ich kenne Sie erst wenige Tage, aber Sie ist mir schon ans Herz gewachsen.“

„Ruth, wenn Ihnen das hier mit uns zu viel werden sollte, dann brauchen Sie das nur zu sagen und wir ziehen zurück ins Hotel.“

„Nein, wo denken sie hin. Es ist mir eine Freude, dieses Kind hier in Haus zu haben. Hier war schon viel zu lange kein Kinderlachen mehr zu vernehmen.“ Beide sagten darauf nichts mehr, sondern sahen Milena bei ihren Spielen zu.



11. Kapitel


Ruth stand im Wohnzimmer und sah durch die große Panoramascheibe Milena beim Sandbacken zu. Es war jetzt 13 Uhr und sie hatten gerade zu Mittag gegessen. Langsam legte Ruth ihre Hand auf ihren Bauch, den ganzen Morgen über plagte sie schon ein seltsames Bauchkribbeln. Es war die Sorge einer Mutter, die ihr zu schaffen machte. Seltsamerweise heute besonders. Die Zeit lief ihnen davon und Ruth wollte nicht auch noch ihr letztes Kind an den Mossad verlieren. Denn genau das war es, was immer wieder ihr Leben kreuzte. Gebe es den Mossad nicht, würden Tali, Michael und sogar Ari noch leben. Obwohl sie an den letzteren nicht gerne zurück dachte. Ari, war der uneheliche Sohne ihres Mannes. Vielleicht wäre er ja gar nicht geboren worden, gebe es den Mossad nicht. Sie wollte damals das Kind Ari nie sehen, der Schmerz ihn anzusehen und immer daran erinnert zu werden, dass er die Frucht einer anderen Frau war, wollte sie sich nicht antun. So hatte sie Ari nur einmal als Erwachsenen getroffen, aber schon da war ihr klar geworden, dass dieses Menschenkind verloren war. Er hatte damals noch an der Klippe gestanden. Genie und Wahnsinn waren nie weit von einander entfernt. Irgendwann war das Gleichgewicht bei Ari gekippt. Es war nicht Elis einziger Seitensprung gewesen, auch wenn er dachte, sie würde das glauben. Aber es war der einzige der ein Kind hervor gebracht hatte. Manchmal fragte sie sich warum, sie das alles noch immer ertrug. Warum stand sie noch immer zu einen Mann, der sie schon mehrfach belogen und betrogen hatte, der ihr letztes Kind ohne mit der Wimper zu zucken, für seine Interessen opferte? Konnte man liebe erklären?

Ohne Zögern griff sie nach dem Telefon, wählte die direkte Durchwahl zum Büroanschluss ihres Mannes und hörte auch schon kurz darauf die sonore Stimme Elis.

„David!“

„Eli, ich bin es. Hast du kurz Zeit für mich?“, dabei sah sie ungeduldig wieder auf die Terrasse.

„Natürlich, was kann ich für dich tun?“

„Du hast doch schon Kontakt mit Leons Team aufgenommen?!“

„Ja, gestern Nacht.“

„Las Sie kommen. Ich will Sie hier haben. Wenn nur die Hälfte von dem stimmt was Milena sagt, dann sind die Leute Top.“

„Seid wann lässt du dich von Kinder Gequatsche beeinflussen. Wir haben genug Männer die nach Ziva suchen.“

„Eli, das war keine Bitte. Ich will, dass du das amerikanische Team kommen lässt. Durch deine Schuld und deinem Hang Dinge einfach aus sitzen zu wollen, wäre damals Ziva beinah gestorben. Muss ich dich immer wieder daran erinnern?“, sie versuchte ihre Stimme so leise wie möglich zuhalten, damit ihre Gäste auf der Terrasse, nichts von dem Gespräch mitbekamen.

Am anderen Ende der Leitung herrschte einige Zeit Schweigen. Dann sagte er wütend in den Hörer: „Öffne nicht immer wieder diese Schublade. Du weißt wie es war. Ich wollte, aber ich konnte nichts unternehmen. Das nennt man Politik, Ruth. Mir waren die Hände gebunden.“

Jetzt war es an ihr zu schweigen. Ruth wusste, dass sie ihrem Mann gegenüber ungerecht war, es tat ihr auch leid. Denn seltsamerweise fühlte sie immer noch eine Art Seelenverwandtschaft mit diesem Mann, der sie immer mal wieder, in ihrer 30 Jahre dauernden Ehe, betrogen hatte. Aber Ruth wollte einfach jede Möglichkeit in betracht ziehen ihre Tochter zu finden. Und wenn ihr dabei Elis geknickte Eitelkeit weiter helfen würde, dann sollte es so sein.

„Dein geliebter Mossad hat mal wieder auf der ganzen länge versagt. Reicht dir das als Antwort? Oder muss ich noch mehr sagen. Wenn du weiterhin ein Zuhause hier bei mir haben möchtest, dann hol Zivas Team her.“

Ruth wartete seine Antwort nicht mehr ab und unterbrach die Verbindung schnell. Sie wusste, dass sie ihn jetzt bis zur Weißglut gereizt hatte. Wahrscheinlich würde er nun ein paar Runden boxen gehen und dann wenn sich sein Gemüt wieder beruhigt hatte, dann würde er DiNozzo holen lassen, um mit Leon Vance zu sprechen. Sie hoffte nur, dass die Zeit für Ziva reichen würde.

~~~***~~~

Kurz nach 16 Uhr schellte Tonys Handy. Mit einer Hand legte er sein Buch auf den Tisch, mit der anderen kramte er in seiner Hosentasche. Mia die sich nach ihrer Planschaktion neben ihm auf der Liege eingerollte hatte, wurde auch langsam wieder wach. „DiNozzo!“

„David! Wir haben Sichel.“

Tony fiel ein Stein vom Herzen. Endlich. „Was sagt er? Hat er sich schon geäußert?“

„Nein, und es wäre auch ein Wunder wenn er das noch könnte. Wir haben leider nur seine Leiche gefunden.“

„Wo haben Sie ihn gefunden?“

„Sie würden sagen, in der Gosse. Es war Zufall, er wurde von spielenden Kindern entdeckt. Der Fundort ist aber auf keinen Fall der Tatort. Mein Pathologe konnte keine Beweise sichern, aber ich bin mir nicht sicher ob ich ihm vertrauen kann. Die Leiche liegt erst einmal auf Eis.“

Frustriert fuhr sich der jüngere Mann durch die Haare, dann rollte er mit dem Kopf. Plötzlich waren auch die Kopfschmerzen wieder da. Wut stieg in ihm auf. Verdammter Mist. Die einzige brauchbare Spur, verpufft.......... Wie sollte es jetzt weiter gehen? Vom Telefon her hörte er plötzlich seinen Namen rufen.

„DiNozzo, Tony hören Sie mir noch zu?“, rief David durch den Hörer.

„Ja, sorry, was haben sie gesagt?“

„Ich sagte ich schicke ihnen gleich einen Fahrer der sie hierher holen wird. Wir schalten eine Videokonferenz mit D.C. Schaffen Sie das?“

„Ja, ja, mir geht es gut. Ich mach mich fertig“, damit legte er auch schon auf.

Ruth sah ihn an. „Mia lauf mal zu Becka in die Küche und frag Sie, ob sie uns bitte einen Kaffee kochen kann.“

Milena wollte nicht wirklich die Terrasse verlassen, aber als sie den Blick ihres Vater sah, lief sie doch los und Tony erzählte Zivas Mutter schnell den Stand der Dinge. Dann stand er auf um sich fertig anzuziehen. Ruth sah dem Lebensgefährten ihrer Tochter nach, der mit vorsichtigen Schritten Richtung Flur ging. Ihre Gedanken wanderten zu Eli. „Wie gut sie doch ihren Mann kannte“, dachte sie mit einem schmunzeln.

~~~***~~~

Samuel Stern ärgerte sich gerade über sich selbst, warum hatte er nur die Leiche, dieses spielsüchtigen Arztes, nicht besser versteckt. Eigentlich wollte er sie irgendwo im Niemandsland vergraben, aber dann hatte er die Leiche einfach in einer abgelegenen Straße aus dem Auto geworfen. Jetzt hatte er ein paar Scherereien und leider auch einen Mitwisser mehr. Aber Dr. Armad Rebai kannte er schon seit seiner Ausbildungszeit, ihn später auszuschalten würde im Leid tun. Natürlich wusste Armad nichts von Ziva, für ihn hatte sein Freund einfach nur die Nerven verloren und einen Mann getötet. Er war bereit die Beweise verschwinden zu lassen. Eine Hand wäscht bekanntlich die andere, aber jetzt wollte er erst einmal zu Ziva fahren,  als er von einem höheren Offizier angesprochen wurde.

„Offizier Stern. Sie haben diese Woche Fahrdienst?“, er wartete keine Antwort ab, sondern sprach sofort weiter. „Direktor David braucht seinen Wagen, um den Amerikaner ins Hauptquartier zu holen“, damit drehte er sich auch schon um und ließ Stern stehen.

Was für eine Ironie des Schicksals. Dachte dieser grinsend. Jetzt sollte er für den verhassten Amerikaner, dem Mörder von Rivkin, das Kindermädchen spielen. Er sah kurz auf die Uhr. Da musste er seine Befragung heute um ein paar Stunden verschieben.

~~~***~~~

„Mr. DiNozzo, der Wagen des Direktors ist gerade vorgefahren“, teilte ihm Becka mit. Tony nahm seinen Stock und ging zur Tür. Er hätte sich noch gerne von Mia verabschiedet, aber sie war wahrscheinlich schon wieder im Wasser, dachte er lächelnd. Als er heraus ging, hielt ihm schon der Fahrer die Tür auf.

„Hallo, mein Name ist Samuel Stern ich bringe Sie zum Hauptquartier.“

„Hallo, Special Agent Anthony DiNozzo, vom NCIS, wir kennen uns noch nicht“, antwortete er und während er sich die Stufen hinunter quälte, ging hinter ihm noch einmal die Tür auf.

„Daddy du wolltest doch nicht gehen, ohne mir Tschüss zu sagen?“, fragte Milena vorwurfsvoll. Sie hatte sich mittlerweile ein T-Shirt über ihren Badeanzug gezogen.

„Du warst nicht da, mein Schatz und ich komme gleich schon wieder.“

„Gehst du wieder Mommy suchen?“

„Ja. Bis später, Engelchen.“

„Bis später, Daddy.“

Tony stieg ins Auto und ließ seine winkende Tochter an der Tür zurück.  

~~~***~~~

Eine Stunde später saß Tony im Büro von Eli David und sie warteten zusammen, dass der Satellit für die Videoübertragung in Position kam.

„Darf ich Sie mal etwas fragen?“, Tony sah ihn wartend an und als David nickte fuhr er fort, „warum haben Sie eigentlich sofort zugestimmt mein Team kommen zu lassen? War ich so überzeugend?“

Eli sah ihn ohne Mimik im Gesicht, an. „Nein, waren Sie nicht. Nicht im Geringsten. Aber meine Frau war es!“, David sah wieder zum Bildschirm und signalisierte seinem Gegenüber damit, das er das Gespräch als beendet betrachtete.  

Der Jüngere zog eine Augenbraue hoch, er hätte nie erwartet das der große Mossad Direktor Eli David, bei seiner Frau unter dem Pantoffel stand. Dieses Phänomen würde er noch einmal unter die Lupe nehmen müssen, sobald er dazu Zeit fand, dachte er leicht grinsend.

Langsam lichteten sich die Streifen auf dem Bildschirm und dann sah man den Videokonferenz Raum des NCIS. Vance und Gibbs, standen davor. David kam sofort zur Sprache. „Leon alter Freund. Ich könnte diesmal wirklich Ihre Hilfe gebrauchen“, sagte er und kam damit gleich zur Sache. „Es hat sich bestätigt, wir haben hier einen Maulwurf arbeiten, ich kann meinen Leuten nicht mehr vertrauen. Bitte schicken Sie mir Ihr bestes Team, inklusive Pathologen und ich würde gerne Agent DiNozzo noch etwas länger ausleihen. Er ist im Moment der einzige, dem ich bedingungslos vertraue.“

Vance nickte. „Kein Problem. Und wie es der Zufall will, steht Agent Gibbs bereits neben mir, Ich schicke Ihnen einen Pathologen, eine Kriminaltechnikerin und meinem besten Agent. Zusammen finden wir nicht nur den Maulwurf, sondern auch Ihre Tochter.“

Eli räusperte sich, bevor er fort fuhr: „Ich kann Ihrem Team keine volle Handlungsfreiheit eingestehen. Das heißt ich werde jedem, einen meiner integeren Männer zur Seite stellen. Sie dürfen sich nur in Absprache mit mir frei bewegen und ich dulde keine Eigenmächtigkeiten. Agent Gibbs werde ich übernehmen. Wenn das für Sie und Ihr Team in Ordnung geht, dann erwarten wir Sie auf dem Militär Flughafen.“

Vance sah sich nach Gibbs um und als dieser nickte: „Das geht in Ordnung, Eli mein Freund.“

„Danke“, war alles was David darauf sagte.

„Nicht dafür mein Freund, nicht dafür.“ Man nickte sich noch zu und dann war die Verbindung schon wieder vorbei.

Tony fiel ein Stein vom Herzen. Endlich kam Hilfe. Er hatte das Gefühl sich immer stärker zu verrennen. Wenn sie eine brauchbare Spur hatten, löste sie sich in Luft auf oder endete in einer Sackgasse. Aber jetzt kam Gibbs. Er würde das fehlende Glied in der Kette finden. Tony baute fest auf ihn.

„Kommen Sie“, sagte Eli da. „Lassen Sie uns nach Hause fahren, es ist schon spät. Und morgen kommen Ihre Kollegen hier an“, er stand auf und hielt Tony seine Hand hin um ihm aufzuhelfen.

Doch dieser starrte ein paar Sekunden die angebotene Hand an, dann schüttelte er den Kopf und stand ohne Elis Hilfe auf. „Sah er so hilflos aus?“, schoss es ihm durch den Kopf. Er würde daran arbeiten müssen.

~~~***~~~

Der Abend und die Nacht im Hause David verlief ruhig. Tony ging früh mit Milena zu Bett. Zum einen wollte er endlich seinen Fuß entlasten, zum anderen war er Todmüde. Und Mia scheinbar auch, denn kaum lag sie im Bett, war sie auch schon eingeschlafen. Tony Gedanken kreisen einmal mehr um Ziva. Wo war sie? Ging es ihr noch gut? Er vermisste sie so sehr, das jede Faser seines Körpers nach ihr schrie.

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Ziva stand leise auf. Samuel war heute nicht gekommen. Die junge Agentin wollte eigentlich erst nach Samuels Besuch fliehen, aber mittlerweile war es schon nach 19 Uhr. „Wenn nicht jetzt, wann dann. Die Schwester würde erst in einer Stunde wieder ihre Runde machen. Barfuß und nur im Krankenhaushemd, lief sie zur Tür und öffnete diese vorsichtig. Sie hatte also recht gehabt. Sie befand sich in irgendeiner Lagerhalle. Vor ihrer Tür streckte sich ein dunkler langer Flur. Leise glitt sie hinaus und lief gebückt den Flur entlang, bis sie an einer Tür ankam die sich leider nicht öffnen ließ. Ziva wandte sich nach rechts als sie plötzlich hinter sich Stimmen hörte.

„WO ist SIE? Hörte sie Samuel schreien. Dann hörte sie ihn nach ihr rufen. „ZIVA“...Zivvvvvaaaa. Du kommst hier nicht raus. Hier ist alles abgeriegelt. Ich will nur die Bankdaten, dann kannst du zurück zu deinem Amerikaner. Zivvvaaa, weißt du eigentlich das ich ihn erst heute gesehen habe?  Ihn und seine reizende Tochter. Hellbraune Locken, ein schiefes Grinsen? Mhhmmm, wie heißt sie noch gleich? Ach ja, Milena war es, oder? Komm zurück und der Kleinen passiert nicht.“ Als sie sich immer noch nicht rührte, sprach er weiter. „Er ist eine Treppe herunter gefallen und jetzt kann er kaum noch laufen. Er ist verletzt, Ziva. Willst du nicht zu ihm.“

Die junge Frau hatte alle Informationen aufgenommen, aber sie durfte ihre Gefühle nicht zeigen. Sie war eine trainierte Mossad Killerin. Sie musste überlegt vorgehen. Ziva wusste genau, wenn sie jetzt zurück ging, würde er keine seiner Versprechungen einhalten. Versprechungen machen, war die normale Vorgehensweise beim Mossad und sie kannte die Vorgehensweise.

„Zivvvaaaa, komm zurück, du kommst eh nicht hier aus. Seit wann weißt du es eigentlich. Wann bist du aufmerksam geworden? Und wie hast du es angestellt die Medikamente nicht zu nehmen und wo hast du sie vor uns versteckt? Rivkin hat schon immer gesagt, das du schlau wärst. Zivvvaaaa......“

Schlagartig war es ruhig. Gerade hatte Samuel noch ihren Namen gebrüllt und dann war er verstummt. Sie konnte ihn nicht mehr hören. Ziva machte sich wieder auf und lief weiter den Flur entlang. Plötzlich hörte sie einen Knall und spürte einen Luftzug neben sich. Er hatte sie gefunden. Die junge Ermittlerin rannte los.

Darauf hatte Samuel nur gewartet. Endlich konnte er sie ins Visier nehmen. Freiwillig würde sie nicht zu ihm zurück kommen. Er musste sie unter Druck setzen. Er braucht die Bankdaten. Und wenn sie ihm die nicht freiwillig geben wollte, musste er ihrem Gehirn nachhelfen. Da sah er aus dem Augenwinkel ihr Klinikhemdes auf blitzen, er zielte kurz und schoss.

Ziva hörte den zweiten Schuss und fühlte den Einschlag in ihre rechte Seite, im selben Moment. Der daraufhin einsetzende Schmerz, zwang sie in die Knie. Um ein Stöhnen zu verhindern, biss sie sich auf die Lippen. Ihre Hand fuhr automatisch zu der Verletzung hoch. Sie versuchte ihre Atmung wieder unter Kontrolle zu bekommen. Sie wusste sie musste den Schmerz verdrängen, um weiter zu kommen, aber ihr Körper gehorchte ihr nicht mehr länger. Und bevor sie einen anderen Plan ausdenken konnte, spürte sie bereits Hände auf ihren Schultern die sie nicht sanft anhoben und auf die Füße stellten. Das brachte den Schmerz in ihrer rechten Seite zum explodieren. Das letzte das sie hörte, war ihr eigenes schmerzvolles Stöhnen, dann fiel sie vorn über.


12. Kapitel

Samuel besah sich sein Werk. Schade für sie, dass er den Arzt schon eliminiert hatte. Jetzt musste sie mit ihm vorlieb nehmen. Er sah nach der Wunde. Es war ein gezielter Schuss gewesen. Er hatte genau gewusst wo er treffen musste, um ihr Schmerzen zubereiten, aber keinen größeren Schaden zu verursachen.

Eine Stunde später lag Ziva wieder in ihrem Bett. Ihre Wunde, ein glatter Durchschuss war versorgt. Diesmal war sie an Händen und Füßen fixiert. Sie würde ihm kein zweites Mal entkommen. Jetzt musste er sie nur noch unter Druck setzen. Wer würde sich dazu besser eignen, das Amerikaner Schwein oder seine Tochter? Vorhin als er kurz den Namen der Kleinen erwähnte, hatte er gemerkt wie ein Ruck durch ihren Körper ging. Sein Entschluss stand fest.

~~~***~~~

Nach dem Frühstück machten sie sich fertig um zum Militärflughafen zu fahren. Gibbs und sein Team würden mit einem Navy Flugzeug ankommen. Mia war schon ganz aufgeregt und bettelte ihren Vater an sie doch mit zu nehmen. Aber Tony blieb diesmal standhaft.

„Oh Daddy, bitte, las mich doch mitkommen.“

„Nein Milena, das haben wir doch jetzt schon besprochen. Du bliebst hier bei deiner Grandma und wir kommen, wenn wir fertig sind hier her.“

„Daddyyyy....!“, sagte sie weinerlich.

„Nein und jetzt Basta, Schluss und fang jetzt ja nicht an zu weinen. Auch damit kannst du mich nicht umstimmen. Wir müssen arbeiten“,  damit nahm er seinen Stock und stand schwerfällig vom Bett auf. Tony war heute Morgen mit starken Schmerzen aufgewacht und trotz Ruths Schmerztabletten pochte sein Fuß im Rhythmus seines Herzschlages. Seine Nerven lagen Blank und es wurde von Tag zu Tag schlimmer. Im Moment war es ihm noch schleierhaft, wie er die Treppe, geschweige denn den Weg zum Auto schaffen sollte. Er musste Ruth recht geben, eine Verstauchung war das nicht, denn er hatte sich schon ein paar Mal den Knöchel verstaucht, aber so war es nie gewesen.

Milena hatte ihre Puppe im Arm und lief stumm neben ihrem Vater her. Sie wollte doch einfach nur mit zum Flughafen um ihre Onkel und Tante Abby abzuholen. Sie freute sich so darauf gekannte Gesichter zu sehen und sie verstand nicht warum sie heute nicht mit durfte. Sie hatte wirklich alles versucht, aber ihr Vater lies sich diesmal noch nicht einmal mit Tränen umstimmen. Beleidigt lief sie die Treppe herunter und flüchtete sich in die ausgestreckten  Arme ihrer neuen Großmutter.

Tony der Stufe für Stufe mit der Treppe kämpfte, fühlte sich wie ein Verräter als er seine Tochter sah, die sich in ihrer Not an Zivas Mutter wandte. Aber er konnte Mia heute nicht mitnehmen. Sie wollten sofort nach der Landung ins HQ fahren und Ducky sollte sich die Leiche ansehen. Mia musste das verstehen.

Endlich hatte auch er das Ende er Treppe erreicht. Vollkommen durchgeschwitzt, humpelte er schwerfällig auf seine Tochter zu. „Mia, du musst doch verstehen...“, doch weiter kam er nicht weil sie sich hinter ihrer Oma versteckte und laut: „NEIN“, rief. Ruth sah zu Tony hoch und schüttelte leicht mit dem Kopf. „Gehen Sie, ich passe auf Sie auf. Mein Mann wartet schon im Wagen“, und als sie sah das der junge Ermittler unschlüssig war, sagte sie: „Sie wird sich wieder beruhigen. Und jetzt gegen Sie.“

„Okay.“ Er warf noch einen Blick zu seiner mucksenden Tochter, drehte sich um und ging zur Tür. Milena sah ihrem Vater nicht nach, sie hatte sich ihre Finger in den Mund gesteckt und drehte ihm den Rücken zu.

~~~***~~~

Ziva wurde von Schmerzen geweckt. Desorientiert schlug sie die Augen auf. Einen Moment war sie verwirrt, dann fiel ihr alles wieder ein, ihr Fluchtversuch, Samuels Verfolgung und die Schussverletzung. Ihre Hand wollte dem Schmerz folgen, da bemerkte sie das ihre Hände und Beine an das Bettgitter gefesselt waren. Sie hatte Durst und in ihrer Seite pochte wild der Schmerz. An Flucht war jetzt nicht mehr zu denken. Stumm sandte sie eine Botschaft. Findet mich!!!!!!!!!!!

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Samuel stand vor dem Haus des Direktors und wartete zusammen mit seinem Vorgesetzten, auf den Amerikaner. Er überlegte gerade seine Chancen. Den Amerikaner zu überwältigen würde leicht werden, aber seine Tochter aus dem Haus holen, war eine ganz andere Sache. Das würde er, nicht ohne Hilfe schaffen. Vielleicht sollte er doch den schon leicht verletzten DiNozzo entführen. Er musste sich das noch einmal durch den Kopf gegen lassen.

~~~***~~~

Eine Stunde später standen zwei Wagen des Mossad auf dem Militärflughafen von Tel Aviv. Eli stand zusammen mit Samuel vor dem Wagen, Tony saß noch halb im Auto, als der Flieger landete. Kurze Zeit später sah man drei Personen das Flugzeug verlassen. Gibbs, Abby und Ducky kamen direkt auf die Fahrzeuge zu. David ging ihnen entgegen.

„Special Agent Gibbs, Miss Sciuto, Dr. Mallard, es ist mir eine Ehre Sie hier zu begrüßen“, sagte der Direktor des Mossad.

Gibbs nahm die ihm entgegen gestreckte Hand an. „Das letzte Mal war es nicht ganz so freundlich.“

„Das letzte mal Agent Gibbs, war der Ausgangspunkt auch ein anderer. Diesmal brauche ich ihr Hilfe“, damit nickte Eli allen zu.

Gibbs sah an David vorbei während sie auf die Wagen zugingen. „Wo ist Agent DiNozzo?“

Eli lächelte ihn an und vom Wagen war plötzlich Tonys Stimme zu vernehmen. „Hier Boss.“
Abby entdeckte ihn in dem Moment wo der junge Ermittler aus dem Wagen stieg und raste auf ihm zu.

„Tooooonnnnnyyyyy, ich hab dich so vermisst.“ Und schon fiel sie ihm um den Hals.

Der Braunhaarige hatte sich schon innerlich auf sie eingestellt, trotzdem wurde er von der Kraft ihres Sprungs beinah umgerissen. Ein Stöhnen konnte er sich nun nicht mehr verkneifen. Abby ließ ihn sofort los und trat einen Schritt zurück.

„Oh es tut mir leid Tony. Ich hab ganz vergessen, dass du verletzt bist. Dein Bein?“, fragte sie und hatte sich schon an seine Seite unter seine Achsel geschoben um ihn zu stützen. Mittlerweile waren auch die anderen Team Mitglieder angekommen. „Nur mein Fuß“, presste ihr Freund durch die Zähne, „aber nicht minder schmerzhaft.“ Nach dem sie sich alle untereinander begrüßt hatten, fragte Tony: „Wo sind Bambino und Main?“

„Wir haben einen neuen Fall bekommen. Die beiden ermitteln zusammen und Tim hat die Leitung“, teilte sein Boss ihm mit.

„Wooww, kaum bin ich mal eine Woche nicht da, wird aus dem kleinen Timmy, ein großer Tim. Da kann ich ja nur Main die Daumen drücken, das er das überlebt“, die Wucht der Kopfnuss die er sich darauf hin einfing, sorgte dafür das ihm seine Sonnenbrille halb von der Nase rutschte. „Aauuuu, Boss! Siehst du das weiße Ding dahinten, das ist ein Pflaster“, sagte er entrüstet, strich sich über seinen Hinterkopf und schob die Brille wieder hoch. Dann grinste der breit. Das war jetzt der zweite Schlag innerhalb einer Woche, langsam wurde sein Leben wieder normal.

„Können wir jetzt fahren? Sind Sie fertig, oder fehlt noch was?“, fragte David. Als alle nickten, gab er seinen Fahrern ein Zeichen und das Team verteilte sich auf die zwei Wagen. Gibbs fuhr bei Tony und David mit.

„DiNozzo erzähl mir wie weit ihr seid!“

„Da gibt es nicht mehr viel zu erzählen. Wir drehen uns im Kreis. Wir haben bis auf die Leiche des Arztes keine Hinweise. Ich hoffe Ducky findet etwas Brauchbares.“

Sie unterhielten sich noch eine Weile über die neusten Gegebenheiten, als Gibbs plötzlich wie beiläufig fragte: „Wie geht es dir?“

Tony schmunzelte. „Es ging mir schon mal besser Boss.“

„Duck soll sich dein Bein nachher mal ansehen.“

„Ruth hat das schon erledigt. Mehr kann Ducky auch nicht machen,“

„Trotzdem.“ Damit war für den Grauhaarigen das Thema durch.

~~~***~~~

Ducky sah sich den Leichnam an. „Mein lieber Kollege, ich darf dich doch so nennen? Welche Notsituation hat dich nur in diese Lage gebracht. Du warst jung, ledig, keine Familie, ein frei praktizierender Arzt mit eigener Praxis. Eigentlich hätte es dir gut gehen müssen. Wenn da  nicht deine Spielsucht gewesen wäre. Tja, und dann muss etwas passiert sein, was dich vom guten Pfad hat abkommen lassen.“ Während er sprach, hatte er begonnen die Leiche zu öffnen. Als Gehilfen hatte man ihm einen Mitarbeiter des Mossad zur Verfügung gestellt. Diesen übergab Dr. Mallard gerade das letzte Organ. Dann machte er sich daran den Körper seines Kollegen wieder zu zunähen. Nach dem auch das vollbracht war, zog er noch ein Tuch über den Leichnam. „So, dann steht nun deiner letzten Reise nichts mehr im Wege. Ich hoffe nur der Weg wird etwas angenehmer für dich“, mit diesen letzten Worten drehte er sich zu seinem Assistenten um. „Bringen sie die Beweismittel doch bitte zu Miss Sciuto.“ Als der junge Mann darauf hin nickte und ohne ein Wort den Raum verließ, kam Gibbs in Begleitung Eli Davids an ihm vorbei.

„Duck, was hast du für mich?“, fragte Gibbs seinen Freund und Pathologen.

„Direktor David, Jethro. Folgendes kann ich mit Bestimmtheit sagen. Unser junger Freund, wurde mit einer Drahtschlinge erwürgt und das mit einer so hohen und großen Kraft, das das Seil die Haut und das Fleisch bis zum Kehlkopf durchtrennt hat“, dabei hatte er das Tuch angehoben und zeigte den Beiden was er meinte. „Er hat sich gewährt, hat versucht sich mit den Händen über den Boden zu ziehen. Dabei sind ihm mehrere Fingernägel bis zum Fleisch abgebrochen, aber und jetzt kommt es Jethro, unter den wenigen die er noch hatte, haben sich Betonreste geschoben. Ich habe schon alles zu Abby gegeben. Ich hoffe nur Sie kommt mit Ihrem Assistenten klar“, sagte er seufzend.

Gibbs nickte. “Okay Ducky, dann lass uns zu Abbs gehen und nachsehen, bevor es noch eine Leiche gibt!“

David sah den Chefermittler etwas unsicher an. Er wusste nicht was es an dem Assistenten von Miss Sciuto auszusetzen gab. Auf ihn hatte der junge Mann einen guten Eindruck gemacht und seine Ausbildung hatte für ihn gesprochen. Aber er war sich sicher das, auch wenn er fragen würde, er keine Antwort bekommen würde. Aus diesem Grund folgte er neugierig der Gruppe.

~~~***~~~

„Oh nein, das fassen Sie nicht an. Und kommen Sie hierher, damit ich Sie sehen kann. Ja so ist es gut“, hörte man Abby sagen. Tony grinste den jungen Mann an, der ihn verständnislos ansah. Er wollte ihm gerade erklären warum seine junge Freundin sich so seltsam verhielt, als er hinter sich die Türen hörte. Überrascht drehte er den Bürostuhl, auf dem er rücklings saß um, dabei baumelten seine Arme über die Rückenlehne.  Abby hatte auch bemerkt das sich hinter ihr etwas tat.

„Gibbs, Gibbs, Gibbsman, du kommst wie immer zur richtigen Zeit. Ich weiß zwar nicht wie du das immer machst, aber bevor du fragst, JA, ich hab was gefunden.“

„Dann schieß los Abbs“, sagte ihr älterer Freund mit einem Lächeln.

„Okay, mein ungeduldiger Silberfuchs. Der Beton den unser Arzt unter seinen Nägeln hatte, erhielt Asbest und daaaaaaaaaaas, ist schon einmal sehr ungewöhnlich und sagt uns, dass das Gebäude vor 1960 gebaut wurde“, jetzt war sie nicht mehr zu halten und wirbelte auf ihren Stuhl einmal im Kreis. „Dann habe ich mir seine Schuhe angesehen. Sie haben ein grobes Profil und waren voller Lehm“, damit hörte sie auf zu sprechen und sah ihren Freund erwartungsvoll an.

„Und weiter Abby?“, fragte Gibbs leicht bereits genervt.

Schwungvoll und mit einem Grinsen im Gesicht drehte Sie sich wieder um. „Und dank der Mithilfe meines kühnen Assistenten wissen wir bereits jetzt, das es diese Art Lehm  nur in wenigen Randbereichen von Tel Aviv gibt“, sie nickte dem jungen Mann zu und der drückte einen  Knopf auf einer Fernbedienung, so das der große Monitor zum Leben erwachte. Eine Landkarte wurde sichtbar und auf ihr waren hunderte Objekte rot markiert.  

„Abby, weißt du wie lange es dauern würde, all diese Lagerhallen abzusuchen?“, fragte Tony aufgebracht.

„Ja, wenn ich davon ausgehe das der Mossad alle seine Mitarbeiter auf die Suche schicken würde und bei der Menge an Zielen, mit einer durchschnittlichen Arbei......“

„Abbs es reicht“, donnerte Gibbs. „Komm zum Punkt.“

„Wie gesagt der Lehm kommt nur in diesen Bereichen vor, aber unser Doktor hatte auch noch etwas Farbe an seiner Kleidung. Und diese Farbe war frisch. Das heißt wenn er nicht gerade zu Hause renoviert hat, dann muss die Halle extra hergerichtet worden sein. Die Analyse der Farbe hat ergeben, dass sie erst seit kurzem auf dem Markt ist und es sich hierbei um Profifarbe und keine Baumarktqualität handelt. Das wiederum bedeutet das wir eine Halle suchen, die vor kurzem renoviert wurde. Und wenn man das alles berücksichtigt....“, wieder machte sie eine kurze Pause, „ ….dann ergibt sich folgendes“, Tasten wurden gedrückt und über die vorhandene Karte schob sich eine zweite. Übrig blieben nun noch gut 10 Objekte und Abby drehte sich mit einem triumphierenden Grinsen um.

Gibbs kam auf sie zu, zog sie in seine Arme und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Gut gemacht Abby. Dein Caf-Pow muss warten, bis wir wieder alle zu Hause sind“, dafür drückte er ihr, mit einem Lachen, eine Flasche Cola in die Hand.

„Gut, bis es dunkel wird, haben wir nur noch ein paar Stunden Zeit. Wenn wir uns beeilen, können wir einige Hallen kontrollieren. Ich überlege gerade welche Offiziere ich abstellen kann, um uns bei der Suche zu helfen“, Eli drehte sich um und wollte durch  die Tür, als ihm noch etwas einfiel. „Danke Miss Scuito, Dr. Mallard, für Ihre großartige Hilfe. Ihre  Arbeit ist für heute getan. Meine Frau wartet schon zu Hause ungeduldig auf ihre Ankunft. Sie hat ein kleines Essen vorbereitet. Seien Sie unsere Gäste. Ein Fahrer wird Sie zu meinem Haus bringen. Wir kommen dann später nach.“

„Oh danke Direktor David.“ sagte Ducky, während Abby nur nickte.

Tony stand auf seinen Stock gestützt auf und wollte sich Eli und Gibbs anschließen als er den Ruf seines Bosses vernahm. „DiNozzo, wo willst du hin?“

„Ich komme mit, ihr könnt jeden Mann gebrauchen.“

„Du fährst mit Ducky und Abby.“

„Oh nein, Boss. Das mache ich ganz bestimmt nicht. Ziva ist meine Frau. Ich komme mit.“

„Du kannst kaum laufen. Ich diskutiere nicht. Das ist ein Befehl, DiNozzo.“ Gibbs war sauer auf seinen Stellvertreter. Nie sah er ein, wann für ihn Schluss war.

„Boss, ich...“

„Nein Tony, mach mich nicht wütend. Ich sagte, das ist ein Befehl“, und er drehte sich weg und ließ seinen Agent bei den anderen zurück. Abby ging auf Tony zu und nahm ihn in den Arm.

„Sie werden Sie finden, Tony. Es ist Gibbs, er findet doch jeden und erst recht seine eigenen Agenten.“

Tony der seinem Boss noch immer hinterher sah, erwiderte die Umarmung nicht. Seine Gedanken kreisten nur um Ziva. Während sie vielleicht mit dem Überleben kämpfte, saß er zu Hause bei ihrer Mutter und aß zu Abend. Das fühlte sich falsch an und Angst schlich sich sein Rückgrad herunter. Sein Platz war an ihrer Seite.

~~~***~~~

Samuel hatte den Auftrag bekommen die Amerikaner zurück zum Haus des Direktors zu fahren. Leider waren jetzt alle im Wagen, wäre er mit DiNozzo alleine gewesen, hätte er jetzt zugeschlagen. Er wusste, dass sein Versteck aufgefallen war und er hatte schon für ein neues gesorgt. Es war ein Glück, das seine kleine Gespielin, Yasmin, der Suchmannschaft  zugeteilt worden war. Sie würde dafür sorgen, dass sein Versteck als letzte Halle auf er Liste erschien. Somit blieb ihm noch genügend Zeit zum handeln.

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Sie hatte Durst, in ihrem Kopf pochte ihr Herzschlag und ihre Seite schien in Flammen zustehen. Den ganzen Tag hatte sich  niemand um sie gekümmert. Sie konnte sich nicht bewegen, sie konnte nicht auf die Toilette. Sie lag in ihren eigenen Ausscheidungen. Ziva hatte um Hilfe gerufen bis ihre Stimme versagte. Lange würde sie nicht mehr durchhalten können. Sie wünschte sich so sehr das Tony oder Gibbs zu ihr fanden.




Kapitel 13

Eine Stunde später waren Tony, Ducky und Abby im Haus von Zivas Eltern angekommen. Milena hatte schon an der Tür gewartet und die beiden Neuankömmlinge zu empfangen. Auf ihren Vater war sie immer noch ein bisschen böse, aus diesem Grund beachtete sie ihn auch nicht, sondern widmete sich nur ihrer Tante und ihrem Onkel. Tony stand etwas abseits und beobachtete das Schauspiel, bis Ducky eingriff und sich ihrer Gastgeberin vorstellte.

„Verzeihen Sie bitte meine Manieren. Ich bin Dr. Mallard, aber alle nennen mich nur Ducky. Und diese reizende junge Dame an meiner Seite ist unsere Kriminaltechnikerin, Abigail Sciuto.“

Ruth nahm die ihr entgegen gestreckte Hand an. „Ich bin Zivas Mutter. Wenn sie mögen, nennen Sie mich Ruth. Ich denke wir haben alle dasselbe Ziel, nämlich meine Tochter nach Hause zu holen.“

Abby und Ducky nickten und erzählten Ruth von Stand der Dinge.

„Kommen Sie doch ins Eßzimmer. Milena stirbt schon seit einer Stunde vor Hunger.“

„Wenn Sie nicht dagegen haben, dann würde ich gerne erst einen Blick auf das Bein unseres Anthony werfen“, sagte Ducky an Ruth gewandt.

Tony schüttelte den Kopf. „Mir geht es gut Ducky. Ruth hat sich schon gut darum gekümmert.“

„Trotzdem, du hast Jethro gehört“, erwiderte der Gerichtsmediziner.

„Aber natürlich Dr. Mallard, gegen Sie ins Wohnzimmer, dann muss Tony nicht wieder die ganzen Stufen hoch zu seinem Zimmer. Wenn sie etwas brauchen, sagen Sie es. Meine Apotheke ist groß“, damit ließ sie die beiden Männer alleine und nahm Milena und Abby mit hinaus.

Tony humpelte vor Ducky zum Wohnzimmer und ließ sich leise stöhnend auf der Couch nieder, während sich der alte Arzt die Ärmel hochkrempelte. „Dann las mal sehen, Anthony.“ Tony zog sein Bein hoch und Ducky half ihm mit dem Schuh, schob die Hose hoch und nahm den Verband ab. Dann besah er sich den Fuß. „Oh Anthony mein lieber Junge, wie hast du das denn wieder angestellt. Du gerätst wirklich von einem Missgeschick in das nächste. Weißt du Anthony, während meines Studiums hatten wir in unserem Cricket Team auch jemanden wie dich.“  Vorsichtig drehte er den Fuß von rechts  nach links und anschließend versuchte er ihn noch nach oben und unten zu beugen. Als er Tonys unterdrücktes Stöhnen hörte, fing er wieder an den Fuß zu schienen. „Erinnere mich bei Zeiten mal daran das ich dir mal von ihm erzähle“, sagte er zu seinem jungen Patienten. Danach schaute er sich das Knie und den Oberschenkel an. „Also, dein Oberschenkel ist verhärtet und die Muskeln sind angespannt, das kommt von der vielen Belastung. Dein Knie? Ist das beim Sturz passiert? Oder hattest du schon vorher Probleme?“

Tony seufzte, ihm gefielen solche Gespräche nicht. Er zeigt nur ungern Schwäche. „Das Knie, macht mir ab und an Probleme, aber die Prellung habe ich vom Fall.“

„Mhhmmm, da kann man auch nichts machen. Hast du noch ein Sportgel oben?“, und als sein Patient nickte fuhr er fort. „Ich würde dir raten, sofern es deine andere Ärztin noch nicht gemacht hat, jeden Abend deinen Oberschenkel und dein Knie dick mit der Salbe einzureiben. Dein Knöchel ist eine ganz andere Sache. Da gebe ich meiner Kollegin recht. Die Bänder sind entweder böse überdehnt oder gerissen. Der Stützverband ist gut, die dauernde Belastung nicht. Wir sollten versuchen dir ein paar Gehhilfen zu organisieren. Du solltest den Fuß jetzt nicht mehr belasten. Ich werde mit unserer reizenden Gastgeberin sprechen. Vielleicht weiß sie wo wir die Krücken her bekommen.“

„Las gut sein Ducky. Wenn Gibbs die Krücken sieht, dann darf ich an nichts teilnehmen. Wenn wir Ziva haben, dann kannst du mir die Dinger verpassen, solange muss es ohne gehen.“

Duck schüttelte resigniert den Kopf. „Das kann ich kaum verantworten, Anthony.“

„Bitte Ducky, ich muss da mitmachen.“

„Okay unter einer Bedingung. Du schonst heute dein Bein und lässt dir von mir ins Esszimmer helfen.“

Tony grinste. „Aber gerne doch, Ducky.“

Der alte Gerichtsmedizin stand auf und hielt seinem jüngeren Team Mitglied die Hand hin um ihn hoch zu helfen. Zusammen humpelten sie wieder ins Esszimmer.

~~~***~~~

Wie spät war es? Ziva wollte sich in eine bequemere Lage ziehen, aber die Schmerzen in ihrer rechten Seite und die Fesseln ließen ihr nicht viel Bewegungsfreiheit. Sie versuchte einen Blick auf ihre Verletzung zu werfen, aber außer das Blutbeschmierte Krankenhaushemd sah sie nur einen Verband der über ihren Brustkorb lief. Langsam machte sie eine Bestandsaufnahme und atmete tief ein. Der darauf einsetzende Schmerz machte ihr klar, dass bei dem Durchschuss mindestens eine Rippe getroffen wurde. Aber davon abgesehen, ging es ihr den Umständen entsprechend gut. Noch war von einem einsetzenden Wundfieber nicht zu spüren. Die Wunde schmerzte, aber sie würde sie nicht umbringen. Sie hatte schon schlimmeres überstanden. Ziva hörte Geräusche. Da kam jemand auf ihr Zimmer zu. Sollte sie es wagen zu rufen? Sie wog noch die Chancen ab, als auch schon die Tür auf ging und sie Samuel mit einem Rollstuhl sah. Grinsend sah er sie an.

„Hallo meine Schöne. Wie ist es dir denn heute so ergangen.... Hattest du Langeweile?
Habe ich dir gefehlt?“, fragte er sie grinsend.

Ziva sagte nichts, aber sie spuckte in seine Richtung. Samuel lachte laut auf. „Angriffs lustig, wie eh und je. Das habe ich mir gedacht.“ Er zog eine Spritze aus der Tasche und machte die Tülle ab. „Ich muss dich leider verlegen. Deine Amerikaner sind mir auf die Schliche gekommen und da ich nicht mehr viel Zeit habe, werde ich dich kurz betäuben. Dann ist der Umzug für dich angenehmer und du spürst keine Schmerzen.“ Er kam nun näher und zog die Spritze auf. Ziva wehrte und kämpfte gegen die Fesseln und den Schmerz in ihrer Seite an. Doch ohne Erfolg. Atemlos und Ohnmächtig musste sie mit ansehen wie er ihr die Injektion setzte und schnell zeigte das Mittel, bei ihrem geschwächten Körper, seine Wirkung und sie viel in einen tiefen Schlaf. Samuel kicherte vor sich hin. Dann als er sicher war das Ziva wirklich schlief löste er die Fesseln und zog sie in den Rollstuhl. „Tja meine Schöne, was hast du doch für eine Schweinerei hinterlassen. Da werden wir dich gleich erst einmal sauber machen müssen“, teilte er der schlafenden Ziva mit. Dank Yasmin hatte er noch etwa eine Stunde Zeit, bevor die Amerikaner und Direktor David hier ankamen. Bis dahin hatte er sie hier raus. Die Spuren allerdings würde er nicht mehr beseitigen können. Jetzt fehlte zu seinem Glück nur noch das Kind.

~~~***~~~

Gibbs sah auf die Uhr, er brauchte dringend einen Kaffee. Die wievielte Halle war das jetzt? Die achte oder die neunte? Er hatte irgendwann mit dem zählen aufgehört. Bisher waren alle in Frage kommenden Hallen leer gewesen. Nicht deutete auf darauf hin, dass hier ein Mensch gefangen gehalten wurde. Wieder nahm er seine Waffe in die Hand, wieder schloss er sich den Männern vom Mossad an und wieder verfluchte er sich das McGee zu Hause hatte bleiben müssen. Ihn hätte er hier gut gebrauchen können. Der Chefermittler hörte die Agenten hebräische Befehle rufen. Dann waren sie drinnen und David kam ihm entgegen.

„Leer!“

„Verflucht!“ kam es von dem Grauhaarigen. „Also wieder eine Halle weiter?“

„Scheint s......“, weiter kam David nicht, weil es im vorderen Bereich plötzlich Tumult gab. Eli sah Gibbs an und nickte ihm zu. „Sie haben was gefunden. Folgen Sie mir.“

Der Raum der von Mossad Agenten geöffnet wurde, war eine exakte Nachbildung eines Krankenhauszimmers. In der Mitte stand ein Bett, drum herum ein paar Geräte. Gibbs zog Handschuhe an und legte eine Hand aufs Bett. Das Bettzeug war noch warm. „Hier hat bis gerade noch jemand gelegen.“
David nickte, doch seine Augen fixierten die Blutflecken die der Bezug aufwies.

„Sie ist verletzt.“ sagte er zu dem Amerikaner.

„Das wissen wir nicht. Noch wissen wir nichts. Ich rufe mein Team.“ David nickte und Gibbs zog sein Handy.

~~~***~~~

Im Haus David saßen alle im Wohnzimmer rund um den Couchtisch und unterhielten sich. Mia der das alles viel zu langweilig war, lief von einem zum anderen und versuchte sich in den Vordergrund zu bringen. Dabei ließ sie ihren Vater aus, dem sie immer noch böse war. Tony saß im Sessel und hatte sein Bein auf einen Hocker liegen, Abby hatte es sich auf der Armlehne seines Sessels bequem gemacht und lehnte sich an ihn. Sie war froh ihren Tiger wieder in ihrer Nähe zu haben und auch der junge Mann genoss die nähe seiner Fastschwester. Mia lief auf den Sessel zu und Tony streckte gewohnheitsmäßig seine Arme nach seiner Tochter aus. Doch die Kleine ignorierte ihn völlig und verlangte von ihrer Tante auf den Arm genommen zu werden.

„Tante Abby, ich muss dir Morgen auf alle Fälle mein eigenes Schwimmbecken zeigen. Und ich habe mit Granny einen neuen Film gesehen. Den gibt es bei uns gar nicht. Aber ich kann ihn dir erzählen. Also da sind drei Hunde und die wollen zusammen ausreißen, aber dann...“, Mia rollte mit den Augen weil das Handy ihrer Tante schellte. Immer waren die Erwachsenen so beschäftigt, nie hatten sie mal Zeit für sie. Aus den Augenwinkeln schielte sie zu ihrem Vater. Sie wollte ihn bestrafen. Er hätte sie doch nur mitnehmen müssen, aber immer ging ihm die Arbeit vor. Sie sah, dass er traurig aussah und in Milenas Brust zog sich etwas schmerzhaft zusammen. Eigentlich wollte sie ihn leiden sehen, aber jetzt tat es ihr schon wieder leid und sie bereute, dass sie ihm so böse mitgespielt hatte. Sie nahm sich ein Herz, gleich nach dem Telefonat würde sie zu ihm gehen und sich für ihr Verhalten entschuldigen. Plötzlich sprang ihre Tante auf und setzte Mia schwungvoll auf den Boden.

„Ducky, Gibbs hat uns angefordert. Sie haben die Halle gefunden in der Ziva festgehalten wurde“, sie sah wie durch Tony ein Ruck ging. „Nein, tut mir leid, Sie war nicht mehr da. Aber scheinbar jede Menge Beweise“, während sie sprach hatte sie sich schon ihre Jacke angezogen und hielt Ducky seine entgegen. „Er hat uns einen Wagen geschickt der jeden Moment...“, im Hintergrund klingelte es und Abby grinste. „...der jeden Moment hier seien sollte.“

Tony stand nun ebenfalls auf und wollte seine Jacke holen. „Moment, Anthony? Was hast du vor?“, fragte ihn Ducky.

„Ich komme mit“, für ihn stand die Entscheidung fest.

„Oh nein, du wirst nicht mitkommen. Du kannst kaum laufen.“

„Ducky ich bin es so satt, das immer einer zu mir sagt, dass ich nicht laufen kann. Ich weiß selber dass ich im Moment nicht der schnellste bin, aber ich muss da hin und wenn ihr mich nicht mitnehmt, dann werde ich zur Not auch dahin laufen“, Tony war fest entschlossen.

Abby und Duck verständigten sich mit Blicken. Sie alle kannten Tonys Sturkopf. „Okay, hol deine Jacke und dann los.“

Während die drei zur Tür gingen, bedankten sie sich noch bei Ruth für die Gastfreundschaft, dann machten sie sich auf den Weg zum Wagen. Als Ruth von der Tür wieder zurück kam, saß Mia leise weinend auf dem Boden vor dem Sofa und drückte ihre Puppe an sich. Langsam um sie nicht zu erschrecken ging Ruth auf sie zu.

„Hey Mia, was ist denn los?“

„Ich konnte mich nicht von Daddy verabschieden und ich konnte mich nicht bei ihm entschuldigen, jetzt ist er mir immer noch böse und meine Mommy haben sie auch nicht gefunden.“

„Komm mal her, mein Schatz“, sagte Ruth und hielt ihr eine Hand hin, die Mia auch nach kurzem Zögern ergriff. „Dein Dad ist dir nicht böse. Er ist etwas im Stress. Er will deine Mommy suchen, aber seine Verletzung macht es ihm nicht leicht.“

„Ich war so gemein zu ihm“, sagte Milena weinend.

„Es wird alles wieder gut. Sie werden deine Mommy finden und ich bekomme meine Tochter wieder. Du wirst sehen“, dabei zog sie Milena ganz dicht an sich und schmiegte ihren Kopf auf den kleinen braunen Lockenkopf. „Man durfte nur die Hoffnung nicht aufgeben“, dachte sich Ruth.

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Tony und der Rest vom Team näherten sich dem Tatort, als dem jungen Mann etwas durch den Kopf ging. „Sagen Sie einmal, wo ist eigentlich der Fahrer den wir die ganze Zeit hatten. Samuel war glaube ich sein Name. Gestern sagte er noch er habe die ganze Woche über Bereitschaft?“

„Oh Samuel hat was wichtiges in der Familie zu klären und wir haben den Dienst getauscht“, kam es von dem jungen Fahrer.

„Na dann“, sagte Tony. „Das musste ja etwas sehr wichtiges sein“, setzte er gedanklich dazu. Kurz darauf waren sie da und konnten aussteigen. Gibbs kam ihnen schon entgegen gelaufen und stockte kurz.

„Abbs, Ducky, gut das ihr da seit. Da drin gibt es jede menge Arbeit für euch. Ich will wissen von wem das Blut stammt und seht nach was ihr sonst noch finden könnt“, mit diesen Worten schickte er sie rein. „Und jetzt zu dir DiNozzo. Was willst du hier? Kannst du nicht einmal machen, was ich dir sage?“

„Helfen Boss, ich will nur helfen und ich will sehen wo Ziva war.“ Tony nahm wieder seinen Stock und machte sich auf den anderen zu folgen. Sein Boss strich sich frustriert und geschlagen durch Haar. Er hätte das alles wissen müssen. Er kannte ja den DiNozzo Dickkopf. Stumm drehte er sich um und lief hinter seinen dahin humpelnden Agent her. Als er auf gleicher Höhe war nahm er einen von Tonys Armen und legte ihn sich um die Schultern, den anderen Arm legte er ihn um die Hüften. Tony sah von der Seite aus in Gibbs grimmiges Gesicht und grinste.  Sein Boss wurde immer so fuchsteufelswild wenn er sich sorgte.

~~~***~~~

Eine Stunde später waren sie, mit den Beweisen, zurück auf den Weg zum Hauptquartier. Abby wollte sich gleich an die Analysen machen. Sie war schon ganz aufgeregt und ungeduldig. David hatte die Suchteams erst einmal nach Hause geschickt. Es gab jetzt nichts mehr zu tun. Sie konnten nun nur noch warten und hoffen das Abbys Analysen ein paar Ergebnisse gaben.

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Langsam wurde Ziva wieder wach. Ihre Seite schmerzte und ihr Verstand war umnebelt, so dass sie sich erst orientieren musste als sie Samuels Stimme vernahm. „Da bist du ja wieder meine Schöne. Wie du siehst bist du umgezogen“, dabei breitete er die Arme aus, als zeige er ihr das Zimmer.  Ziva versuchte ihre Arme zu bewegen, aber sie waren genauso wie ihre Beine, wieder an das Bettgestell gefesselt. „Sag mir die Kontodaten und ich lass dich frei.“

„Ich weiß deine Daten nicht, willst du das nicht verstehen?“, fauchte sie ihn an.

„Du warst dabei Schätzchen. Du warst seine Vertraute. Du weißt die Daten. Aber du willst sie mir nicht sagen, warum?“

Zivas Widerstand war fast gebrochen. „Ich habe deine Daten nicht. Töte mich ruhig, wenn du willst, aber ich habe deine Daten nicht.“

„Wenn das deine letzten Worte sind, dann muss ich leider andere Maßnahmen aufführen.“

„Was hast du vor Samuel?“ fragte sie ihn.

„Das wirst du schon sehen. So ich lass dich jetzt mal wieder mit deinen Gedanken alleine.“

„Samuel? Samuel, was hast du vor? SAMUEL? SAMUELLL?“, rief sie ihm hinterher, doch von ihm war kein laut mehr zu vernehmen. Erschöpft sang sie zurück auf ihre Kissen. Sie versuchte noch einmal an den Fesseln zu zerren, aber außer erneute Schmerzen in ihrer verletzten Seite, brachte es nichts.



14. Kapitel

„Machen Sie doch Feierabend, Becka. Morgen ist auch noch ein Tag“, sagte Ruth zu ihrer Haushilfe.

„Danke Madam, dann bis Morgen. Schalom.“

„Schalom Becka.“ Und zu Mia gewannt fügte sie hinzu. „Und du machst dich jetzt für das Bett fertig, es wird Zeit.“

„Oh kann ich nicht auf Daddy warten? Ich bin auch ganz leise und setze mich in den Sessel.“

„Nein, Milena diesmal nicht. Wir wissen nicht wann sie wieder zurück kommen. Vielleicht heute nicht mehr. Du gehst jetzt ins Bett. Soll ich dir helfen?“

„Nein“, kam es schon wieder weinerlich. „Ich bin ja kein Baby mehr. Ich kann das schon alleine.“

„Dann hoch mit dir und wenn du fertig bist, ruf mich.“

„Mhhhmm“, kam es widerstrebend von Tonys Tochter. Doch sie stand auf und ging zur Treppe nach oben.

Ruth sah ihr schmunzelnd hinterher. Drollig und Dickköpfig gleichzeitig war sie, die Kleine die ihre Tochter großziehen würde.

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Milena war gerade oben als es an der Tür klingelte. Ruht sah auf ihre Uhr, wer konnte das noch sein? Vorsichtig öffnete sie die Haustür, aber als sie den Fahrer ihres Mann davor sah, öffnete sie die Tür mit einem seufzen ganz.

„Samuel, du bist das nur. Was kann ich für dich tun? Mein Mann ist noch im Hauptquartier.“

„Ihr Mann schickt mich. Es gibt hier einige Unterlagen die ich holen soll“, sagte er ihr.

„Oh, sag mir welche und ich hol sie dir.“ Ruth wollte sich schon umdrehen und sie holen, doch der junge Mann hielt sie zurück.

„Wenn Sie nichts dagegen haben, würde ich das gerne selber machen. Ich habe genauste Anweisungen erhalten.“

„Ach so, wenn das so ist, dann komm herein. Du weißt ja wo das Arbeitszimmer meines Mannes ist. Wenn du wieder gehst, sag mir kurz bescheid, du findest mich im Wohnzimmer“, damit ließ sie ihn herein und schloss die Tür hinter ihn.

Samuel machte sich auf den Weg ins Arbeitszimmer seines Vorgesetzten. Dabei hielt der alle Sinne offen. Wo konnte die Kleine nur seinen? Er wusste, die Schlafzimmer waren oben. Leise um die Dame des Hauses nicht auf sich aufmerksam zu machen, schlich der die Treppen hoch.

~~~***~~~

Milena kämpfte gerade mit ihrem Schlafanzugärmel, der einfach nicht über den  blöden Gipsarm rutschen wollte. Sich aus- oder anzuziehen, mit nur einer Hand, war gar nicht so einfach. Ständig blieb der Arm irgendwo dran hängen. Noch einmal zog  sie mit aller Kraft an dem Ärmel, als endlich der Stoff nachgab und ihr Arm durchrutschte. Genervt stöhnte sie laut auf. Geschafft. Barfuß mit Puppe im Arm lief sie auf die Treppe zu. „Granny, ich bin fertig“, rief sie nach unten und sah im gleichen Moment den dunkelhaarigen Mann auf sich zukommen. Instinktiv wich Mia nach hinten aus. Diesen Mann hatte sie schon ein paar mal gesehen, meistens hatte er ihren Vater abgeholt. Sie mochte diesen Mann nicht. Sie möchte überhaupt keine dunkelhaarigen Männer. Der böse Mann der ihre erste Mommy in den Himmel gebracht hatte, hatte auch dunkle Haare besessen. Sie hatte noch lange von ihm geträumt, aber mittlerweile kam es immer seltener vor.
„Hey?“, sprach sie ihn zögerlich an. „Ist mein Daddy auch wieder da?“

„Nein, aber ich soll dich zu ihm bringen.“

„Oh dann muss ich mich erst wieder anziehen“, teilte sie ihm mit und wollte zurück zu ihrem Zimmer, doch der dunklehaarige Mann hielt sie auf.

„Nein Kind, musst du nicht. Ich nehme dich so mit. Komm!“

„Ich heiße nicht KIND. Ich bin Milena“, widersprach sie aufgebracht. „Und SO? Im Schlafanzug? Das will mein Daddy bestimmt nicht.“ Wieder wich sie ein Stück nach hinten aus.

Samuel spürte, dass er bei ihr mit der freundlichen Art nicht weiter kam. „Jetzt komm endlich. Ich habe nicht endlos Zeit“, während er sprach hatte er ein paar Schritte auf sie zu gemacht, als er von unten eine Stimme hörte.

„Mia? Was ist da oben los?“, rief Ruth nach oben. Dann sah sie den jungen Mann, neben dem Kind stehen. „Samuel? Was machst du da oben? Das Arbeitszimmer befindet sich im Untergeschoss.“

Milena wusste gar nicht wie ihr geschah. Gerade stand sie noch an der Treppe im nächsten Moment hing sie schon im Arm des dunklen Mannes. Vor Schreck fiel ihr Puppe aus dem Arm. Wie in Zeitlupe sah sie ihre Puppe die Treppen hinunter fallen. Dann war der Bann gebrochen, Mia fing laut an zu schreien und trat mit den Beinen um sich. Sie währte sich mit Leibeskräften, doch gegen den Mann war sie machtlos.

„Samuel was machst du denn, lass das Kind herunter“, sagte Ruth. Doch der Angesprochene zog seine Waffe und richtete sie auf die Hausherrin.

„Es tut mir leid, Mrs. Direktor. Aber es geht nicht anderes. Ich brauche das Kind und ich werde es jetzt mitnehmen. Bitte lassen Sie mich durch!“

„Niemals. Ich lasse nicht zu, das du ein wehrloses Kind entführst. Und was soll das überhaupt alles. Warum machst du das?“, fragte sie um etwas Zeit zu gewinnen. Verzweifelt überlegte sie wie sie Hilfe holen sollte. Die Waffe die auf sie gerichtet war, ließ sie dabei völlig außer acht. „Samuel, was soll das alles? Ich kenne dich seit du acht Jahre alt warst. Du hast hier in diesem Haus mit meinen Mädchen und mit Michael gespielt, wenn er mal hier war. Ich versteh das nicht. Erkläre mir warum du mich, mit einer Waffe bedrohst. War ich nicht immer gut zu dir?“, langsam war sie immer weiter zurück gegangen, bis sie die Ausgangstür in ihrem Rücken spürte.

Samuel kam jetzt schneller auf sie zu und baute sich vor sie auf. „Ich sagte ja, es tut mir leid sie da mit herein zu ziehen. Lieber hätte ich die Kleine, auf einen anderen Weg hier heraus geholt. Aber leider sind sie, wie sagt man immer, zur falschen Zeit am falschen Ort.“ Er deutete ihr mit der Waffe das sie sich von der Tür weg bewegen sollte, doch sie schüttelte nur den Kopf.

„Ich lass das nicht zu. Du wirst meine Enkelin nicht verschleppen“, teilte sie ihm mit. Ihre Stimme war sachlich und kalt. Keine Spur von Emotionen war in ihr zu vernehmen. Langsam bewegte sie sich rückwärts auf die Kommode zu. In der oberen Schublade lag Elis zweit Waffe.

Samuel kam weiter auf sie zu und kämpfte mit sich selber. Er wollte sie nicht verletzen, denn sie war immer gut zu ihm gewesen. Aber er brauchte das Mädchen, um Ziva unter Druck zu setzen.

„Hast du auch mein letztes Kind entführt? Warum Samuel? Dieses Land ist grausam genug, da müssen wir uns nicht noch untereinander bekriegen. Gib mir meine Tochter wieder und lass mir dieses Kind. Bitte. Ich spreche hier als Mutter und Großmutter.“

„Mrs. David, sie haben doch keine Ahnung. Ich hatte doch gar keine Chance auf ein normales, gutes Leben als Mischling. Meine Mutter wurde von der Hamas abgeschlachtet. Mein Vater ein Palästinenser wurde aus diesem Land gejagt. Und mich hat man zwangsadoptiert. Es stimmt, sie waren immer gut zu mir, aber das hat mir über meine Wurzeln nicht hinweghelfen können. Ihr Mann hat mir die Stelle beim Mossad besorgt, das war mein Glück. Endlich konnte ich auch für mein Vatervolk etwas unternehmen. Und so habe ich Jahre lang als Doppelspion gearbeitet. Bis Michael mit seinen Visionen in mein Leben trat. Also habe ich mich mit ihm zusammen getan. Wir haben unser gesamtes Geld auf ein Konto geparkt. Wollten weg von hier. Weg von diesem Leben. Doch bevor wir es in die Tat umsetzen konnten, wurde er von diesem Amerikaner Schwein erschossen. Und an allem war Ihre Tochter schuld. ZIVA.“ Den Namen ihrer Tochter spuckte er ihr regelrecht entgegen.

„Du hast also meine Tochter aus Habgier und Rachsucht entführt? Aber warum Samuel, du bist nie auf uns zugekommen. Wir haben nie eine Lösegeld Forderung von dir erhalten.“

„Sie weiß die Kontodaten. Michael war zuletzt nur noch mit ihr zusammen. Und nun Mrs. David, treten Sie bitte zur Seite.“ Das Kind in seinem Arm wurde langsam schwer.

Ruth hatte mittlerweile die Kommode erreicht. Jetzt musste sie darauf vertrauen, dass er ihr wirklich nichts tun wollte. Schnell drehte sie sich um und öffnete die Lade. Doch bevor sie die Waffe richtig greifen konnte, trat er schnell einen Schritt vor und schlug sie mit der Pistole nieder.

Milena sah dem allem mit großen Augen zu. Als er mit der Pistole ihre Großmutter niederschlug, fing sie vor Furcht wieder an zu schreien und zu treten. Samuel steckte seine Waffe einhändig in seine Jackentasche und griff sich nun mit beiden Armen das Mädchen.

„Wirst du jetzt wohl still sein“, schrie er sie an und schüttelte sie dabei arg.

„Du hast meine Granny getötet“, schrie sie nicht weniger laut zurück.

„Sie ist nicht tot, nur bewusstlos und jetzt benimm dich. Kann ich dich wieder los lassen?“, fragte er sie und stellte sie vor sich auf den Boden und als das Mädchen nickte ließ er sie los. Im gleichen Moment sprang sie auf ihn zu und biss ihm in den Oberschenkel. Samuel schrie überrascht auf. Was war das nur für eine Natter? Damit hatte er nicht gerechnet. Mit der flachen Hand schlug er das Kind von sich. Milena fiel vor ihm zu Boden. Ein dünner Blutfaden sickerte auf ihrem Mund. Scheinbar war der Schlag doch fester ausgefallen als er beabsichtigt hatte. Er fuhr mit einer Hand über seinen schmerzenden Schenkel. Man sollte doch nicht glauben, welch eine Kraft in so einem kleinen Kiefer steckte. Samuel bückte sich und hob das bewusstlose Mädchen auf. So würde es für beide Parteien einfacher werden.

~~~***~~~

„So viele Spuren und nichts dabei das uns weiterführt.“ Abby saß auf einen Stuhl in einem Labor und lies den Kopf hängen. „Gibbs, ich versteh das nicht, aber das einzige was ich mit Bestimmtheit sagen kann, ist das das Zivas Blut ist und das sie bis vor kurzen noch in diesem Bett gelegen hat. Aber ansonsten wissen wir nichts. Es ist als ob sie sich in Luft aufgelöst hätte“, frustriert trank sie einen Schluck von der Cola, die sie vom Chefermittler bekommen hatte. „Und das Zeug wirkt auch nicht. Ist da überhaupt Coffein drin?“, fragte sie und stellte die Flasche fast angewidert auf den Tisch zurück. „Wie sollen wir jetzt nur Ziva wiederfinden?“

Gibbs lächelte sie an und schlang seine Arme um die quirlige Kriminaltechnikerin. „Wenn es Spuren gegeben hätte, dann hättest du sie gefunden, Abbs“, teilte er ihr mit und küsste sie auf den Scheitel. Abby liebte seine Nähe und seinen ihm eigenen Geruch nach Sägeholz und Old Spice. Das gab ihr etwas Vertrautes, in diesem ihr fremden Land. Gibbs wollte gerade nach David rufen, als er dessen Handy schellen hörte.

~~~***~~~

Ruth wurde nur langsam wieder wach. Das erste was sie registrierte war das ihre Wange schmerzte. Vorsichtig hob sie ihrer Hand an die schmerzende Stelle. Dann fiel ihr plötzlich wieder ein, warum sie hier auf den Boden lag.

„Milena!“, rief sie laut.  „MIA! Antworte mir!“, doch um sie herum blieb alles still. Also ihr Blick zur Haustür fiel, sah sie, dass diese offen stand. Sie bekämpfte das Schwindelgefühl und quälte sich auf die Füße. Verflucht. Sie musste Eli verständigen.  Mühsam sich an der Wand entlang tastend ging sie ins Wohnzimmer zum Telefon und wählte seine Nummer. Nach endlos erscheinenden Klingelzeichen wurde endlich abgenommen.

„David.“

„Eli, ich bin es Ruth. Ich würde überfallen und er hat Milena mitgenommen“, teilte sie ihm sachlich mit. Mit einer Hand rieb sie ihren Nasenrücken.

„WAS? Geht es dir gut? Bist du verletzt? Was ist genau passiert und wer war es?“ Völlig aufgebracht rief er die Worte ins Handy.

„Samuel, es war Samuel.“

„Wir kommen. Rühre nichts an, aber das muss ich dir ja nicht sagen“, und schon war die Leitung unterbrochen.

Ruth sah nach lange gedankenverloren auf das Telefon. Dann legte auch sie auf. Sie ging zurück in den Flur, schloss die immer noch offen stehende Haustür und setzte sich dann wartend ins Wohnzimmer.

~~~***~~~

„Was ist passiert?“, fragte Gibbs den Direktor des Mossad.

Diese fuhr sich mit einer Hand durch die Haare, dabei wanderte sein Blick zu Tony und blieb an ihm hängen. Er wusste im Moment noch nicht wie er es dem jungen Mann sagen sollte. Erst verschwand Ziva und jetzt wurde auch noch seine Tochter gekidnappt.

Gibbs folgte den Blick Davids und sofort meldete sich sein Bauch. Dieses Gefühl besagte nichts Gutes. „David, was ist passiert?“

„Wir müssen zurück. Mein Haus wurde überfallen und ….“

„Und WAS?“ Gibbs hasste es wenn er jemanden jedes Wort aus der Nase ziehen musste.

„….und DiNozzos Tochter entführt!“, sein Kopf nickte in Tonys Richtung.

Gibbs hatte es geahnt. Sein Bauchgefühlt belog ihn selten. „Wissen Sie schon mehr?“

„Ich weiß nur das es Samuel war, der sie mit Gewalt geholt hat.“

Gibbs hob fragend die Augenbrauen. „Samuel?“

„Mein Fahrer. Ich kenne diesen jungen Mann schon seit dem Kindesalter. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen warum er so etwas tut und das schlimmste ist, ich habe am ersten Tag die Dienstpläne gecheckt. Damals habe ich schon gesehen, dass er zum Zeitpunkt von Zivas Verschwinden Dienst hatte. Aber ich hatte es für einen Zufall gehalten.“ Eli schüttelte den Kopf. „ Ich hätte für ihn meine Hand ins Feuer gelegt. Er war integere.“

„Eine meiner Regeln lautet: Zufälle gibt es nicht. Vielleicht sollten Sie sich diese zu Eigen machen. Wichtig ist jetzt, das wir ihn stellen“, teilte der Chefermittler ihm mit. Auch die anderen aus dem Team waren nun aufmerksam geworden und kamen auf die Zwei zu.

David räusperte sich. „ Wir brechen das hier ab und fahren zu mir. Mein Haus wurde überfallen.“

„Wie überfallen?“, fragte Tony sofort unruhig. Und seine Unruhe nahm noch zu, als er Gibbs auf sich zukommen sah. „Boss? Was ist passiert?“, seine Augen hatten einen fragenden Blick eingenommen.

„Wir wissen es noch nicht und deshalb fahren wir ja auch zurück“, teilte er Tony mit. Dieser nickte ihm zu und wollte schon in Richtung Tür laufen, als Gibbs ihn zurück rief. „Tony!“

Der Angesprochene bleib ruckartig stehen. Er hatte es doch gewusst. „Was ist mir Milena?“

Diese paar Worte genügten um Gibbs eine Gänsehaut zu bescheren. „Sie wurde von Davids Fahrer, Samuel entführt und mehr ist wirklich noch nicht bekannt“, sagte sein Boss darauf.

Tony hatte Mühe sich zu beherrschen. Samuel? Samuel war der Täter? Der junge Mann hatte ihn seid er hier war, gefahren und er hatte auf ihn einen guten Eindruck gemacht. Wut, Ohnmacht und Verzweiflung gewannen langsam die Oberhand. Er musste mehrfach schlucken um wieder sprechen zu können und selbst dann vertraute er seiner Stimme nicht. Nur am Rande bekam er mit, das Abby ihn in ihre Arme gezogen hatte. Er musste hier raus. Sofort. Tony entzog sich Abbs Griff und humpelte so schnell er konnte zum Hallen Ausgang. Er brauchte dringend frische Luft und er machte sich Vorwürfe. Warum hatte er sie überhaupt mitgenommen. Tabitha, Gibbs Freundin, hätte sicher gerne auf seine Tochter aufgepasst. Aber er hatte sie ja unbedingt mitnehmen müssen. Was jetzt passiert war, war seine Schuld. Seine Lungen füllten sich stoßweise mit Sauerstoff, trotzdem hatte er das Gefühl zu ersticken. Sein Körper dagegen fühlte sich merkwürdig taub an. Die Hand die sich auf seine Schulter legte, spürte er kaum.

„Tony? Hey, DiNozzo. Ich weiß wie du dich fühlst. Aber du darfst dich jetzt nicht von deinen Gefühlen beherrschen lassen. Wir brauchen dich jetzt. Milena und Ziva brauchen dich als Ermittler. Du musst den Vater kurz in die Ecke verbannen. Hörst du mich?“, fragte er seinen Stellvertreter.

Tony hörte, was sein Boss ihm versuchte zu sagen, verstand aber nur die Hälfte. Seine Gefühle beherrschen? Ermittler? Er? Die Kopfnuss die er kurz darauf hin spürte, half ihm tatsächlich in das hier und jetzt zurück. Seine Hand fuhr hoch und rieb die schmerzende Stelle. Das war die dritte im diesem Jahr und das Jahr war schon bald zu ende. Okay sein Boss wollte ihn als Ermittler? Dann sollte er den Ermittler auch bekommen. Er füllte seine Lungen noch einmal mit Sauerstoff.

„Schön, das du wieder da bist“, sagte sein Boss. „Jetzt alles in Ordnung?“

„Nein, in Ordnung würde ich nicht sagen, aber du hast Recht, ich nutze den Beiden nichts wenn ich hier verzweifle.“ Abby weinte leise und strich ihm mitfühlend über den Rücken. „ Er hat mir die zwei wichtigsten Personen in meinem Leben gestohlen. Damit hat er mir den Krieg erklärt. So schlimm es auch ist das jetzt zu sagen, aber dadurch das er Mia geholt hat, hat er sich sein eigenes Grab geschaufelt.“

Eli David sah DiNozzo verwirrt an, während dieser einen Boss anlächelte. „Abby, versuch Mias Sender zu orten“, sagte Tony da und in diesem Moment verstand auch David das Lächeln zu deuten.

„Sie hat einen Sender? Wo?“ , fragte er das Team.

„In ihrem Gipsarm und es war Abby Idee“, antwortete ihm Tony, während Abby schon ihren Laptop aufklappte.

„Kannst du das auch während der Fahrt machen?“, fragte sie Tony.

„Aber sicher doch, sobald die Satelliten Verbindung steht.“

„Gut!“ Sagte David. „Dann lasst uns endlich fahren und nach Ruth sehen. Wer weiß was Samuel mit ihr gemacht hat.“


15. Kapitel

Milena war schon längst wieder zu sich gekommen, als der Mann sie ins Auto gelegte. Allerdings hatte sie es vorgezogen so zu tun, als schliefe sie noch. Sie wollte nicht noch einmal geschlagen werden. Ihr Gesicht tat immer noch weh und sie hatten einen seltsamen, süßlichen Geschmack im Mund. Zögerlich fuhr sie mit der Zunge über ihre Vorderzähne. Mit großer Faszination stellte sie fest, dass sie einen Zahn bewegen konnte. Es tat zwar etwas weh, aber ihre Neugier war stärker. Vorsichtig wackelte sie an dem Zahn. Einen losen Zahn kannte sie von ältern Kindern aus dem Kindergarten und das war etwas echt Cooles. Ein kleines Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. Sie wäre das erste Kind in ihrer Gruppe mit einem losen Zahn und einer großen Geschichte dazu.

„Ah du bist also wach? Dachte ich mir doch“, hörte sie da die Stimme des Fahrers.

Schlagartig fiel ihr alles wieder ein und ihr Zahn war fürs erste vergessen. „Wo ist meine Granny?“

„Sie ist nicht deine Großmutter. Warum nennst du sie so?“, fragte er verwirrt.

„Sie ist die Mum meiner Mommy“, sagte sie ihm als wäre es das normalste auf der Welt. Milena setzte sich hin und sah ihn durch den Rückspiegel an. „Warum hast du mich gehauen?“, fragte sie ihn, doch Samuel ging nicht darauf ein.

„Ziva ist deine Mutter?“ Wie konnte das sein? So lange war sie doch noch gar nicht mit diesem DiNozzo zusammen.“

„Nein.“ Mia beließ es dabei ihm nur knappe Antworten zu geben, denn wenn er ihre Fragen nicht beantworten wollte, wollte sie das bei seinen auch nicht.

„Dann ist Mrs. David auch nicht deine Oma“, sagte er bestimmt.

„Aber ich darf sie so nennen. Das hat sie mir gesagt“, kam es trotzig von der Kleinen.

Die restliche Fahrt über schwiegen Beide. Nach einer gefühlten Ewigkeit waren sie endlich angekommen. Samuel stieg aus und öffnete von außen die Hintertür. „Steig aus.“

„Warum?“, fragte Mia und rutschte ein Stück von der Tür weg.

„Weil wir da sind, also raus mit dir.“

„Nein.“ Sagte sie bestimmt und zur Unterstreichung wollte sie ihre Arme vor der Brust verschränken, was sich mit dem Gips als etwas hinderlich rausstellte.

Samuel war genervt. Dieses Kind war verzogen. Aber was hatte er auch von einer kleinen amerikanischen Göre erwartet. „Ich sag es nicht noch einmal und jetzt komm.“

„Warum?“, kam es da wieder von Mia.

„WEIL ICH ES DIR SAGE“, brüllte er in den Wagen.

Milena hatte trotzig ihre Unterlippe nach oben gezogen. „Ich will aber nicht“, sagte sie und robbte noch ein Stückchen weiter, zur anderen Seite.

Ihr Entführer hatte jetzt die Faxen dicke. Er würde sich nicht von ihr auf der Nase herum tanzen lassen. Beherzt beugte er sich in den Wagen und griff an die erste Stelle, die er von ihr zu fassen bekam. Er ignorierte ihr schreien und zog Sie aus dem Wagen.

„Auaaaaaaaa, mein Arm, mein ARM“, schrie Mia und wehrte sich nach Kräften, doch er war stärker. Als sie keinen Ausweg mehr wusste und er sie schon fast aus dem Auto gezogen hatte, biss sie ihm, so kräftig sie konnte, in die Hand. Das dabei ihr eh schon wackliger Zahn nach innen umknickte, bekam sie gar nicht mit. Samuels Schrei dagegen schon. Eine innere Freude überfiel sie. Das sich die Tür hinter ihr öffnete bekam sie gar nicht mit. Auch die Arme die sich um sie legten, spürte sie erst als sie sich schlossen und Milena mit meinem Ruck, der ihrem Milchzahn den Rest gab, von Samuels Arm rissen. Verwirrt sah sie sich um. Eine junge Frau hatte sie rücklings aus dem Wagen gezogen.

„Meine Güte Samuel, wirst du noch nicht einmal mit einem Kind fertig?“, fluchte sie in seine Richtung und kämpfte mit den Tritten ihrer kleinen Last.  „Jetzt hör auf!“, herrschte sie das Kind an, doch Milena wehrte sich weiter. Samuel tat um den Wagen und schlug dem Kind, zum zweiten Mal an diesem Abend, fest ins Gesicht. Mias Kopf ruckte zur Seite, Sekunden lang sah man ihren Schrecken, in ihren weit aufgerissenen Augen, dann verdrehten sich diese und der Kopf fiel haltlos nach vorne.

„Hast du jetzt völlig den Verstand verloren? Was schlägst du denn ein Kind?“, fragte Yasmin. „Ich wäre schon mit ihr fertig geworden.“ Völlig fassungslos sah sie ihren Partner an.

Samuel zeigte ihr seinen Arm, der sich jetzt schon an der gebissenen Stelle blau verfärbte und leicht blutete. „Siehst du das? Mein Oberschenkel sieht genauso aus. Ich hatte jetzt einfach die Schnauze voll. Lass sie uns reinbringen“, damit streckte er die Arme aus und wollte seiner Freundin das Kind abnehmen, doch diese drehte sich mit ihrer Last um und lief Richtung Eingang los.

„Ich trag sie lieber selber rein. Ich möchte ja nicht, dass sie dir noch aus den Armen fällt. Am besten legen wir sie zu Ziva, dann können die beiden ein bisschen quatschen und später holen wir sie wieder weg und dann wollen mir mal sehen ob Miss David sich immer noch an nichts erinnern kann“, rief sie ihm über die Schulter zu.

~~~***~~~

Ziva war noch immer in der gleichen misslichen Lage wie zuvor. Immer noch  an Händen und Füßen gefesselt und unfähig sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen, lauschte sie auf die Stimmen die sich ihr näherten. Doch mit dem was sie sah, als sich die Tür öffnete, hatte sie nicht gerechnet. Angst schlich sich in ihr Herz. Wie waren sie an Milena gekommen? Wo war Tony? Er hätte sie nie alleine gelassen? „Was habt ihr mit ihr gemacht?“, fragte sie ihre Peiniger.

Yasmin legte die kleine Gestalt zu ihr aufs Bett. Mias Kopf ungefähr in Höhe ihrer Schulter. Sie hätte sie gerne berührt. „Nichts, keine Panik. Wie kommt gleich wieder zu sich.“

„Macht mir wenigstens eine Hand los“, bat sie die Beiden, doch ohne ein Wort der Erwiderung drehten sie sich um und gingen aus dem Raum. „Wo ist Tony?“, rief sie ihnen noch hinterher, aber auch die Frage blieb unbeantwortet. Ziva rieb mit ihrer Wange über Mias Scheitel. „Hey mein Schatz, wach werden. Hörst du?“ Doch auch hier bekam sie keine Reaktion. Angespannt wartete sie, dass Mia wieder aufwachte. Bald wusste sie nicht mehr, wie lange sie so gelegen hatte. Dann spürte sie eine Bewegung. Milena wurde langsam wach. „Hallo Prinzessin.“ Sagte Ziva, als sich langsam Mias grüne DiNozzo Augen öffneten.

„Mommy!“, hauchte sie. „Bist du wirklich hier? Oder träum ich wieder?“

„Ich bin hier Kleines. Spürst du mich nicht?“, sagte Ziva lächelnd.

Mit einem Satz setzte Milena sich auf und drehte sich auf den Knien um. Schon hatte sie ihre kleinen Arme um ihren Hals geschlungen. „ Ich hab dich so vermisst“, murmelte sie an Zivas Halsbeuge. Diese zuckte vor Schmerz zusammen, weil sich Mias Knie in ihre Wunde bohrten, aber um nichts auf der Welt, würde sie diesen Moment beenden wollen. Sie hätte gerne ihre kleine Ziehtochter in den Arm genommen, doch das einzige was sie machen konnte war, ihr einen Kuss auf die Haare zu drücken. „Ich dich auch mein Schatz.“

„Was ist mit deinem Gesicht passiert? Habe ich dir weh getan und warum bist du gefesselt, Mommy?“, erschreckt rutschte sie ein Stück zurück.

„Nein Schatz, alles ist gut und den Rest erkläre ich dir später. Aber jetzt sag mit erst, wo dein Daddy ist?“

„Weg, mit Onkel Jethro, dich suchen. Und der böse Mann hat meine Granny um gehauen und Daddy hat einen aua Fuß….“, es sprudelte nur so aus ihr heraus und dicke Tränen kullerten über ihre Wangen.

„Langsam, ich versteh dich nicht so schnell, du musst langsam erzählen und von Anfang an. Meinst du, du schaffst das?“

Milena nickte und rutschte vorsichtig wieder näher an Ziva. Dann erzählte sie, wie sie nach Israel gekommen waren und was alles in der Zwischenzeit geschehen war.  Als sie fertige war, war Zivas Halsbeuge nass von ihren Tränen. Noch immer leise weinend richtete sich Milena wieder etwas auf und lachte Ziva an. Diese sah plötzlich, dass die Kleine aus dem Mund blutete.

„Was ist dir denn da passiert?“, fragte sie Milena.

„Wo?“, dabei sah die Kleine sich um.

„Mia, warum blutest du aus dem Mund?“, fragte Ziva jetzt präziser.

„Och das“, dabei winkte sie ab. „Ich hab den bösen Mann gebissen.“, dabei hielt sie zwei ihrer Finger hoch. „Zweimal. Und seitdem ist ein Zahn wackelig“, Ziva sah wie sie ihre Zunge an die Stelle brachte und selber kurz stockte als die Zunge in die Lücke fuhr. „Ohh, jetzt ist er weg! Ich hab meinen Zahn verloren und was soll ich jetzt der Zahnfee geben? Ich hab ja nichts zum tauschen für einen Neuen“, leichte Panik war in ihrer Stimme zu hören.

Ziva schmunzelte trotz ihrer bescheidenen Situation. „Wir werden was für sie haben, wenn es soweit ist. Aber jetzt musst du mir gut zuhören. Wenn die Beiden gleich wieder kommen und die Tür sich öffnet, dann musst du rennen. So schnell du kannst. Du musst sehen, dass du hier raus kommst. Kannst du dich noch daran erinnern wie du damals gerannt bist. Genau so. Egal was sie mit mir machen. Wenn die Tür auf geht, rennst du raus und versteckst dich so das sie dich nicht finden. Und merk dir den Weg, oder wie es hier aussieht, damit du es später Daddy beschreiben kannst. Dann suchst du einen Soldaten oder einen Polizisten und sagst, dass sie dich zum Mossad bringen sollen. Den Rest wird dann mein Vater erledigen. Hörst du? Zum  Mossad.“ Sie hoffte nur, dass das alles nicht ein bisschen viel für ein Kind in ihrem Alter war. „Meinst du, du schaffst das alles zu behalten?“

„Ich bin doch kein Baby mehr. Aber ich hab dich doch gerade erst gefunden, ich will nicht schon wieder weg von dir“, bockte Mia.

„Es ist aber wichtig für uns alle, das du fliehen kannst. Nur dann können Daddy und Onkel Jethro kommen und mich hier rausholen. Das würde mir sehr helfen.“

Milena überlegte kurz. Helfen war gut und ihrer Mommy zu helfen war bestimmt noch viel besser. Trotzdem widerstrebte es ihr Ziva schon wieder alleine zu lassen. „Okay“, kam es widerstrebend. „Ich mach es“, sagte sie und rückte ein Stückchen ab. „Mommy?“

„Ja mein Schatz. Was ist?“

Mia kniete nun neben ihr und spielte mit einer Haarsträne von Ziva. „Mommy du stinkst, aber ich hab dich trotzdem lieb“, sagte sie mit einem kleinen Lächeln und kuschelte sich wieder an Ziva Seite.

„Ich weiß Kleines, ich weiß“, kam es von der Brünetten und tief atmete die Mia Geruch ein. Wer wusste schon wann oder ob sie ihr Mädchen wiedersehen würde. Ziva verschluckte krampfhaft die aufsteigenden Tränen. Sie hoffe nur das Gibbs und Tony sie rechtzeitig fanden.

~~~***~~~

Als Davids Wagen endlich an seinem Haus ankam, waren da schon ein Krankenwagen und mehrere Polizeiwagen. Eli sprang kaum das der Wagen stand heraus und lief auf den Krankenwagen zu, an dem Ruth stand. Besorgt zog er sie in seine Arme. „Alles in Ordnung mit ihr?“, fragte er die dabei stehenden Sanitäter. Dieser schüttelte nur den Kopf. „Wir würde  sie gerne mit zum Röntgen nehmen, aber ihre Frau weigert sich.“

„Mir geht es gut“, antwortete Ruth darauf.

Eli sah sie aufmerksam an. Sie hatte ein Pflaster auf dem Wangenknochen kleben und darunter sah er schon die sich blaufärbende Prellung, aber sonst sah sie okay aus. Er hatte genug Feld Erfahrung um eine schwerwiegende Kopfverletzung zu erkennen und seine Frau sah ihn fest und gefasst an. Aufatmend drehte er sich wieder den Sanitätern zu. „Sie haben Sie gehört. Danke für ihre Hilfe, aber jetzt übernehmen wir.“
Der Arzt schüttelte nur wieder den Kopf, gab aber dann das Kommando zum Abrücken.

Mittlerweile waren auch die anderen bei ihnen angekommen. Abby hatte immer noch ihren Laptop auf den Armen. Bisher war die Ortung erfolglos geblieben.

„Geht es ihnen gut, Ruth?“ fragte Tony, der nun langsam wieder zu Atem kam. Sein Fuß war fast nicht mehr zu gebrauchen. Die kleinste Bewegung jagte Schmerzwellen durch sein Bein. An ein vernünftiges Abrollen war schon lange nicht mehr zu denken. Ducky hatte Recht gehabt, er hätte sich Krücken besorgen lassen sollen. Schwerfällig humpelte er auf die Gartenmauer zu und ließ sich darauf nieder. Das Gewicht von seinem Bein zu nehmen war eine Wohltat.

Ruth schenkte ihm einen warmen Blick. „Danke Tony, mir geht es gut und es tut mir so leid, dass ich nicht mehr gegen Samuel ausrichten konnte.“

DiNozzo schüttelte den Kopf. „Das muss ihnen nicht leid tun, Sie können da nicht für. Das hat alleine Samuel auf dem Gewissen und wenn ich Ihn in die Finger….“, weiter kam er nicht, da er von lauten Computer Piepen unterbrochen wurde.

„Ich hab Sie“, rief Abby aufgeregt. „Der Satellit ist jetzt in Reichweite“, dabei hüpfte sie hoch und  runter, so das ihre Zöpfe nur so flogen.  „Habt ihr gehört, endlich konnte mein Programm Mias Sender orten.“

Sofort war auch Tony wieder auf den Beinen. Hatten sie endlich einen Anhaltspunkt? „Wo Abby?“

„Warte, warte....... warte, jetzt....“, dabei lief sie mit ihrem Laptop im Kreis. Sie war einfach viel zu nervös, um jetzt ruhig zu stehen. Abby machte sich solche Sorgen um die Beiden. Ziva war halt Ziva, sie würde das schon irgendwie überstehen. Aber Milena? Sie war noch so klein und hatte in ihrem kurzen Leben schon so viel erlebt. Und bevor Abby es verhindern konnte liefen ihr dicke Tränen über die Wangen. Gibbs legte ihr daraufhin seine Hand auf die Schulter, schüttelte nur stumm den Kopf und zog sie in seine Arme. Der Computer gab immer noch pfeifende Warntöne von sich.

Tony konnte die ganze Warterei nicht mehr ertragen. „Abbs, jetzt mach schon. Was sagt dir dein Kasten?“, doch das brachte ihm einen scharfen Blick seines Bosses ein. Gibbs konnte seinen Stellvertreter ja verstehen. Aber Abby zu drängen würde das Ergebnis höchstens verfälschen. Dann endlich veränderte sich die Klangfarbe und die Satelliten Verbindung stand.

„Jetzt!“, rief Abby in Gibbs Armen. „Sie sind gar nicht weit von hier“, sagte sie überrascht. Dann nahm sie von Ducky einen Block und Stift entgegen und schrieb die Adresse ab. „Hier, hier konnte ich Mias Sender orten.“ David  nahm ihr den Zettel ab und gab ihn an einen seiner Männer weiter. Die nächsten Befehle wurden auf Hebräisch gegeben.

„Ich habe meine Männer angewiesen sich dem Ort verdeckt zu nähern. Ich denke sie möchten an der Aktion teilnehmen, Agent Gibbs?“, wandte er sich an den Grauhaarigen. „Wenn ja, kommen sie mit zu dem Einsatzwagen, da werden Sie eine Schutzweste bekommen.“

Während David auf seine Frau zuging, kamen die andern Team Mitglieder zusammen.

„Gibbs, ich hab so ein komisches Gefühl. Bring die Beiden bitte wieder heile nach Hause und pass auf dich auf.“ Mittlerweile war ihre Schminke verlaufen.

„Es wird alles gut gehen Abbs.“ teile ihr, ihr väterlicher Freund mit und gab ihr einen Kuss auf den Scheitel. Ducky sagte nichts, legte seinem Freund nur die Hand auf die Schulter. Gibbs sah zu Tony herüber, der schon auf den Einsatzwagen zulief. Das schwerste Gefecht stand ihm nun noch bevor. „Bevor du fragst, NEIN. Du kommst nicht mit. Du bleibst hier und wir werden nicht darüber diskutieren. Das ist ein Befehl DiNozzo“, sagte Gibbs, ließ Abby los und nahm Tonys Verfolgung auf.

Tony hatte sich innerlich schon auf die Auseinandersetzung vorbereitet. Dieser Befehl würde ihn nicht aufhalten. Er wollte dabei sein und er würde auch dabei sein, das hatte er sich schon selber versprochen. „Boss, ich komme mit.“

Gibbs legte ihn von hinten seine Hand auf die Schulter und zwang ihm so nicht nur stehen zu bleiben, sondern sich auch zu ihm umzudrehen. „Halt Tony warte. Du bist im Moment zu langsam, um mit uns Schritt zu halten. Ich müsste viel zu sehr auf dich aufpassen.“

„Boss, ich weiß das und darum habe ich mir auch etwas überlegt. Ich bleibe am Wagen und nehme am operativen Einsatz nicht teil, aber ich werde nicht hier bleiben. Ich komme mit. Das ist immerhin meine Familie die dort gefangen gehalten wird.“

Der Chefermittler überlegte kurz wie er sich wohl in Tonys Situation gefügt hätte. Er hätte sich auch von nichts und niemanden aufhalten lassen. Er warf seinem ersten Mann noch einen abschätzenden Blick zu, dann gab er sich geschlagen, denn er wusste das er ihn nicht umstimmen würde. Außerdem war es sicherer ihn bei sich zu wissen, als einen auf eigene Faust suchenden DiNozzo zu beaufsichtigen. „Okay, hol dir eine Weste, aber du bleibst am Wagen bis ich dich rufe. Verstanden?“

Tony grinste seinen Vorgesetzten an. „Damit kann ich gut leben, Boss“, antwortete er und zusammen gingen sie zum Einsatzwagen weiter.

~~~***~~~

Eli ging auf seine Frau zu. „Ruth, geht es dir gut genug dass du dich um unsere Gäste kümmern kannst? Ich lasse euch übrigens ein paar Männer zur Bewachung hier“, teilte er ihr mit.

Ruth die neben Abby stand sah hoch zu ihrem Mann. „Aber sicher doch.“ Als Eli nickte und sich schon wieder abwenden wollte, hielt sie ihn zurück. „Eli?“

Er blieb stehen und wendete sich ihr wieder zu. „Ja.“

„Pass auf dich auf und bring sie mir zurück. Ja? Versprich es mir?“ Es war kein Betteln in ihrer Stimme, es war keine Bitte, es war ein Befehl und David nickte, zog seine Frau kurz in die Arme, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und lief nun ebenfalls auf den Einsatzwagen zu. Ruth blickte zu Abby und dem Pathologen. „Tja, dann würde ich sagen, uns bleibt leider nichts anderes übrig als zu warten. Kommen Sie doch herein. Im Wohnzimmer ist es angenehmer als hier draußen“, ihr Blick suchte Tony und erst auf den zweiten Blick wurde sie fündig. Amüsiert schüttelte sie den Kopf. Er passte gut zu ihrer rebellischen Tochter, dieser Sturkopf von einem Mann. Sie sah die Auseinandersetzung mit seinem Chef und sie sah auch die beiden Männer im Anschluss zusammen weiter gehen. DiNozzo würde also an dem Einsatz teilnehmen. Ruth nickte ihren Gästen zu und führte sie ins Wohnhaus.

~~~***~~~

Mit jedem Meter, der sie ihrem Ziel näher brachte, verspürte Tony ein stärkeres Gefühl des Grauens, bis er schließlich kaum noch atmen konnte. Die Zeit arbeitete gegen sie. Jeder Tag der verging, ohne das sie gefunden wurde, brachte sie dem Tod einen Schritt näher. Und er spürte, es blieb ihnen nicht mehr viel Zeit übrig. Sie mussten sie jetzt finden.

16. Kapitel

Ziva hätte Milena gerne in ihre Arme gezogen, doch die Handschellen machten dies unmöglich. Aber die Kleine presste sich auch so, eng an sie. Erst jetzt fiel Ziva auf, das Mia nur einen Schlafanzug trug und ihre kleinen nackten Füße eiskalt waren. Samuel musste sie direkt aus dem Bett geholt haben. Die Worte die sie jetzt zu ihr sagen musste machten Zivas Herz schwer, denn sie entsprachen so gar nicht ihrem eigentlichen Gedanken. Sie hätte das Kind gerne bei sich behalten. Sie wollte nicht mehr alleine sein. Aber das wäre selbstsüchtig und egoistisch von ihr  gewesen und so drückte die junge Frau, zum Abschied, noch einmal ihre Nase in Mia Haare. Sie musste versuchen wenigstens Milena aus Samuels Reichweite zu bringen. Koste es für sie, was es wollte. „Komm Prinzessin, du musst jetzt vom Bett herunter. Sie können jeden Moment wieder kommen und dann musst du schnell sein.“

Mia hob ihren Kopf etwas an. „Ich will aber nicht wieder weg.“ sagte sie störrisch.

Ziva war verzweifelt. Alles hing jetzt von Mia ab. „Komm Schatz, du musst jetzt stark sein und Daddy suchen. Hol ihn her. Hörst du?“

Mia legte ihren Kopf schief und überlegte. „Okay ich hol Daddy und Onkel Jethro und dann holen die dich und wir sind wieder vereint“, plötzlich stockte sie. „Ich will nach Hause Mommy und ich will Puppe wieder haben“, während sie sprach drückte sie Ziva einen dicken, feuchten Kuss auf die Lippen und kletterte vom Bett.

Ziva war gerührt und hoffte nur das ihr Plan auch aufging. „Mia wenn sie gleich kommen, fange ich an zu schreien und du läufst weg. Raus. Such den Ausgang und dann mach es so wie wir es besprochen haben.“

„Okay“, kam es niedergeschlagen von der Kleinen, aber sie stellte sich direkt an die Tür und wartete auf Zivas Zeichen.

Die Geräusche die vom Flur herein dröhnten wurden immer lauter. Ziva nickte Milena zu. Dann hörten sie den Schlüssel im Schloss und Ziva fing an zu schreien. Sie schrie und schrie, Von außen wurde die Tür aufgestoßen und Samuel und seine Komplizin stürzten in den Raum. Mia nutzte das Chaos uns und rannte an den Beiden vorbei in den Flur. Doch wo war der Ausgang. Alles war so dunkel und sie konnte kaum etwas erkennen.

Samuel schrie seine Freundin an. „Los fang Sie wieder ein“, und während Yasmin sich ohne ein Wort zu verlieren umdrehte und die Verfolgung des Kindes aufnahm, war er mit zwei großen Sätzen an Zivas Bett und schlug ihr voll ins Gesicht.  Abrupt hörte das Schreien auf,

Ziva schluckte den Schmerz herunter. Sie hoffe nur das es Milena gelungen war zu entkommen. Ihr Schicksal war ihr schon fast egal. Sollte Samuel sich doch austoben. „Das kannst du, ja? Dich an wehrlosen Frauen vergreifen? Mach mich los du Sausack und lass es uns zusammen austragen. Du und ich. Schauen wir mal wer dann stärker ist. Und dabei bist du dann auch noch im Vorteil, denn ich hab ja ein Handicap, wie du sehr genau weißt.“ Sie spuckte ihm ins Gesicht und er schlug ein zweites Mal zu. Diesmal schlug er ihr auf die Schussverletzung. Der Schmerz schlug brutal und erbarmungslos zu und nahm ihr die Luft zum atmen.

Samuel lacht lauf auf. „Wer ist jetzt auf der Gewinnerstraße? Du bist nichts. Du bist Dreck unter meinen Sohlen. Sag mit die Daten. Sag mir dir Daten und ich töte dich schmerzlos. Sagst du sie mir nicht und werde ich dich Zentimeter für Zentimeter häuten. Ich werde klein anfangen, sagen wir auf deinem Bauch, nicht größer als ein ein Dollar Schein. Oder ich lass mich an deiner Kleinen aus. Das würde mir auch Spaß machen.“

„Dein Flittchen wird sie nicht fangen, dafür ist Milena viel zu schnell“, stöhnte Ziva unter Schmerzen.

„Wir werden sehen, Ziva. Wie sind die Bankdaten?“

„Wie oft soll ich es dir noch sagen, ICH WEISS ES NICHT!“, kam es von der jungen Agentin.

Wieder holte er aus und schlug sie ins Gesicht. Sie spürte wie ihr linkes Auge zu schwoll.  Lange würde sie das nicht mehr aushalten.  

~~~***~~~

Abby saß im Wohnzimmer auf der Couch und hielt Milenas Puppe in den Armen. Immer noch liefen ihr dicke Tränen die Wangen herunter. Sie wünschte sich Tim an ihre Seite, aber der hatte ja zusammen mit Maine in D. C. bleiben müssen. Unablässig strich sie nervös der Puppe über den Kopf. „Ducky, meinst du es wird alles gut gehen? Ich habe so ein komisches Gefühl.“

Der Pathologe, der neben ihr saß legte einen Arm um die quirlige Kriminaltechnikerin. „Hast du nicht immer ein komisches Gefühl, Abigail? Es wird schon alles gut gehen. Vielleicht kannst du ja an deinem Computer ihren Erfolg sehen.“

Sie strahlte ihn plötzlich an. „Oh warum bin ich da nicht selber drauf gekommen? Ja, ich kann Milenas Standort feststellen, dann kann ich ja sehen ob sie sie schon gefunden haben“, mit neuem Mut wischte sie sich die Tränenspuren aus dem Gesicht und holte den Laptop.

Ruth, die sich ein Kühlkissen an ihre schmerzende Wange presste, seufzte laut auf als Abby das Zimmer verlassen hatte. „Ist sie immer so nervös?“

„Oh, Sie müssten Sie mal sehen, nachdem Sie fünf ihrer Caf-Pows auf hat. Dann würden Sie das hier nicht mehr als nervös bezeichnen“, sagte Ducky schmunzelnd, stand auf und ging auf ihre Gastgeberin zu. „Sie ist unserem Anthony und Gibbs sehr ergeben. Anthony ist für Sie wie ein Bruder und Gibbs..... Kommt wohl der Vaterfigur am nächsten. Uns liegt allem das Team am Herzen. Wir sind“, er suchte nach Worten, „eine kleine Familie.“

„Das ist dann wohl auch der Grund warum sich meine Tochter so wohl bei ihnen fühlt? Sie bekommt bei ihnen was Ihr hier fehlte. Familienwärme!“, als Ducky abwährend die Hände hob, fuhr sie fort. „Doch. Mit Tali, ist diese Familie gestorben. Es gab kein Lachen mehr in diesen Wänden, nur noch Hass und Missgunst. Ziva war damals noch so jung. Aber anstatt mich um sie zu kümmern, habe ich mich nur um mich selber gesorgt. Ich habe meine Trauer in Arbeit verwandelt und selbst die Nächte in der Klinik verbracht. An meine halbwüchsige Tochter habe ich dabei nur selten gedacht. Ich habe sie regelrecht in die Arme des Mossad getrieben. Und als ich es merkte war es schon zu spät. Das Töten war für sie schon zur Normalität geworden und meinem Mann freute es. Er hatte sich immer einen leiblichen Sohn gewünscht. Ziva kam ihm da sehr gelegen, Tja, und die Tragödie von Ari, brauche ich ja  nicht erwähnen.“

Diese Mutter war verzweifelt, hatte ihre Gefühle aber fest im Griff. Das was er hier sah, war wahrscheinlich alles zu dem sie sich hinreißen lassen würde. „Sie können noch alles ändern. Ziva ist noch jung, Sie hat Ihr Leben noch vor sich. Sie wird bald unseren Anthony heiraten und vielleicht werden sie ein Kind bekommen. Sie können dem eine liebevolle Großmutter sein. So wie sie es jetzt schon für Mia sind. Obwohl sie nur Anthonys Kind ist. Und wer weiß was die Zukunft noch bringt.“

Aufmerksame Augen sahen ihn an und langsam schlich sich ein Lächeln ein. „Danke“, dabei legte sie ihre Hand auf seine, die Trost spendend auf ihrem Knie lag.

Abby kam mit ihrem Laptop zurück und setzte sich mit einem kurzen fragenden Seitenblick zu Ducky, genau zwischen die Beiden. „Dann wollen wir doch einmal sehen wie weit sie schon sind. Ich werde nun auch noch Tonys und Gibbs Handy orten und die Signale über Mias Sender legen, dann können wir sie super verfolgen. Ich bin ja so froh das du mich auf diese Idee gebracht hast, Ducky.“

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Den Ausgang hatte Milena schnell gefunden. Die Tür war auch nicht verschlossen. Draußen schlug ihr herrlich frische Nachtluft entgegen. Mia rannte, wie sie noch nie in ihrem Leben gerannt war. Ihre kleinen Füße trommelten nur so über den Asphalt und die Steinchen die sich in sie bohrten ignorierte sie. Es zählte nur noch der Auftrag, den sie erfüllen musste. Sie musste ihren Vater finden und dann Ziva retten. Im Hintergrund hörte sie die Geräusche der Frau, die ihr dicht auf den Fersen war. Immer wieder schlug sie Hacken um ihr auszuweichen, aber trotzdem war sie noch immer da und lange würde Mia das Tempo nicht mehr durchhalten können.

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Sie parkten einige Straßen von Abbys errechnetem Zielort entfernt und strömten aus dem Wagen. Mehrere Teams waren schon vor Ort.

Der Einsatzleiter kam auf David zu. „Direktor, es ist nicht üblich das jemand von ihrer Position, an einem Einsatz teil nimmt. Wären Sie bitte so freundlich, zusammen mit den Amerikanern hier auf uns zu warten?“

Eli sah seinen Mann fest an. „Offizier Malut, ich werde an diesem Einsatz teilnehmen. Es handelt sich hierbei um meine Tochter und nur um es noch einmal klar zu sagen, ICH bin ihr Vorgesetzter.“ Damit lies er den verdutzen Agent stehen und lief hinter den Männern her.

Gibbs hatte die Szene schmunzelnd verflogt, dann zog er die Gurte seiner Kevlar Weste stramm und ging noch einmal zu seinem Stellvertreter, der an einem Einsatzwagen lehnte.  „Tony, wie besprochen, du bliebst hier bis ich dich rufe. Hast du die Weste an?“

Der junge Ermittler nickte. „Die brauch ich ja eigentlich nicht.“

„Egal, ich möchte dass du sie trägst.“

Sein Boss unterzog seine Waffe einen kurzen Check, dann schloss er sich den anderen Männern an. Eli stand schon mit ebenfalls gezogener Waffe an einem Haus. Kurze Zeit später waren die Teams um die Ecke verschwunden und  Tony blieb allein zurück. Langsam setzte er sich auf die Stoßstange des Einsatzwagens. Warten, war etwas was nicht unbedingt zu seinen Tugenden gehörte. Frustriert strich er sich durch die Haare. Er konnte fühlen, dass sie hier am richtigen Ort waren. Er konnte seine beiden Frauen regelrecht spüren und er hasste die Untätigkeit zu der er verband war.

~~~***~~~

Samuel schlug Ziva nun schon zum wiederholten male ins Gesicht. Je weniger sie sagte, je mehr staute sich die Wut in ihm. Yasmin war auch noch nicht wieder zurück. Konnte es denn so schwer sein, ein kleines Kind einzufangen? Wieder holte er aus und lies seine Hand auf ihr Gesicht klatschen. Ziva gab keinen Ton mehr von sich. Sie lag wie tot auf dem Bett und ließ die Schläge über sich ergehen. Er war wie besessen. Jetzt würde er eh nichts mehr aus ihr heraus bekommen. Ziva blutete aus mehreren kleinen Wunden im Gesicht. Schon lange glaube er nicht mehr an einen Sieg. Es ging jetzt nur noch ums blanke Überleben. Seine Fahrkarte verweigerte die Mitarbeit. Sollte Ziva in der nächsten Stunde nicht endlich die Kontodaten mitteilen, würde er sich ihr und seiner Komplizin entledigen, vielleicht würde er das Kind leben lassen, aber sicher war er sich hierbei noch nicht. Yasmin war in diesem Spiel eh nie seine engste Wahl gewesen. Es hatte sich mit ihnen einfach so ergeben. In seinem Wagen lag schon eine falsche Identität, sowie alles Geld das er noch aufbringen konnte. Wieder sah er die junge Frau im Bett an. Was hatte Michael nur an dieser Schlampe gefunden. Es stimmt, sie hatte einen tollen Körper und ein nette Gesicht, aber ansonsten sagte sie ihm nicht wirklich zu. Vielleicht war sie ja gut im Bett. Denn und das musste er zugeben, sie machte ihm mit ihrer aufsässigen Art an.

~~~***~~~

Langsam wurde Ziva wieder wach. Der letzte Schlag hatte sie ins Reich der Träume befördert. Vorsichtig fuhr sie mit der Zunge an ihren Zähnen entlang und zuckte leicht zusammen als sie einen leicht wackligen Backenzahn ausmachte. Das Schwein hatte ihr einen Zahn ausgeschlagen. Sie hoffe inständig das Milena ins freie gekommen war und ihren Weg fand.

Auch Samuel sah das Ziva wieder aufgewacht war. Langsam kam er auf das Bett zu, öffnete seinen Gürtel, dann den Reißverschluss und stieß die Hose von den Füßen.

Ziva sah ihn mit großen Augen an und warf sich mit Macht gegen ihre Fesseln.

Der Mossad Offizier erreichte das Bett und zog ihr die Decke weg. Seine Hände strichen über ihren Körper. Näherten sich von unten ihrer Körpermitte. „Na, du Ami Flittchen, ist das schön. So fühlt es sich an, wenn ein richtiger Mann dich berührt. Spürst du das?“

Angewidert versuchte Ziva ihn von sich zu stoßen, aber ihre Fesseln verhinderten das. „Du hältst dich für einen besseren Menschen? Du?“ Dabei lachte sie ihm laut aus und kassierte den nächsten Schlag. Mittlerweile saß Samuel auf ihr.

„Du Schlampe, ich werde dir gleich beweisen wie gut Sex mit einem Israeli seien kann“, mit einer Hand stopfte er ihr einen alten Lappen in den Mund, mit der anderen versuchte er ihren Slip herunter zu ziehen.

~~~***~~~

Duck und Ruth sahen gebannt der jungen Frau zu, wie sie an ihrem Laptop arbeitete. Abby lud gerade die Handy Ortung über Mias Signal. Kurz stockte ihr der Atem. Sie sah Gibbs und Tony und sie sah Mia, die sich immer weiter von der Gruppe entfernte. „OOOOhhhhh Ducky, Ducky, Ducky, wir müssen ganz schnell Gibbs bescheid sagen. Mia rennt weg“, dabei wedelte sie mit der Hand vor seinem Gesicht rum. Duck zog sein Telefon und legte es in ihre Hand. Abby wählte, lies aber das Laptop Display nicht aus den Augen. „Er geht nicht ran, Ducky. Was machen wir jetzt nur“, sie führte eine Hand an ihren Mund und knabberte an den Nägeln. „Ich hatte gleich so ein schlechtes Gefühl bei der Sache.“ Plötzlich sah sie wieder auf den Bildschirm. „TONY“, rief sie erstaunt über sich selbst, dass ihr dieser Gedanke erst jetzt kam und wählte auch schon sein Handy an.

~~~***~~~~

Tony, dessen Ohren die nahe Umgebung belauschten, zuckte zusammen als sein Handy schellte. Wer rief ihn denn nun an? „Ja?“ Meldete er sich kurz.

„Ich bin es, Abby.“

Sofort schaltete sein Verstand auf Alarmbereitschaft. „Was gibt es Abbs?“

„Mia, sie läuft vor irgendwas davon, Gibbs kann ich nicht erreichen und Tony, sie läuft in deine Richtung. Es müssen bei dir drei Häuser stehen. Davor eine Gruppe mit Bäumen. Kannst du die sehen?“

Tony sah sich um. „Ja Abby, ein paar Meter rechts von mir.“

„Okay, da irgendwo muss sie sein. Mehr kann ich von hier nicht sehen, außerdem verliere ich gleich die Satelliten Verbindung. Du bist der Einzige der sie erreichen kann.“

Angestrengt sah der junge Mann in die Dunkelheit. Da, da war doch ein Bewegung? Und richtig, im selben Augenblick sah er etwas Kleines um die Ecke kommen. Ohne ein Wort klappte er sein Handy zu und steckte es in seine Hosentasche. Jetzt musste er handeln. Er überprüfte kurz die kleine Waffe die er von David bekommen hatte und nahm so schnell es ihm möglich war die Verfolgung, der vor ihm hineilenden Schatten auf. Ein paar Meter weiter ließ er seinen Stock fallen, der hielt ihn jetzt nur auf. Mit zusammen gebissenen Zähnen lief er weiter.

~~~***~~~~

Gibbs schlich sich zusammen mit Eli und drei weiteren Männern der Kommandotruppe an die offen stehende Tür der Halle an. Von drinnen hörten sie eine einzelne Männerstimme, dann einen nicht endenden Schrei. Mit Zeichen verständigten sich die Männer. „Zugriff!“ sagten David und Gibbs fast gleichzeitig. Dann ging alles ganz schnell.

~~~***~~~~

Samuel, der breitbeinig über Ziva kniete, hörte Geräusche vor der Tür. Jetzt kam Yasmin mit der Göre wieder. Falsches Timing, war sein erster Gedanke. „Warum hat das so lange gedauert? Bist du noch nicht einmal fähig ein Kind einzufangen“, rief er über seine Schulter in den Flur. Doch zu mehr hatte er keine Zeit, Ziva erforderte seine volle Aufmerksamkeit.

~~~***~~~~

Tony rannte hinter den beiden Gestalten her. Sein Gang war alles andere als flüssig, aber trotzdem klappte es besser als er gedacht hatte. Adrenalin schoss durch seine Blutbahnen. Sein Herz klopfte wild vor Angst um seine Tochter und in seinen Augen viel zu langsam, holte er auf. „Milena, hier ist Daddy. Lauf zu mir. Schnell!“, rief er seiner vor sich hier eilenden Tochter zu. Mia hielt kurz an und warf einen Blick in seine Richtung. Dann rannte sie geradewegs auf ihn zu. Yasmin nutzte diesen kurzen Halt um aufzuholen und war durch Mias Richtungswechsel plötzlich auf gleicher Höhe. Tony sah was er mit seinem Ruf angerichtet hatte und legte noch einmal an Tempo zu. Diagonal rannte, hüpfte, humpelte er auf die Beiden zu.

~~~***~~~~

Sie hörten Samuels Ruf, nickten sich zu und stürmten zusammen, mit dem Team, in den Raum. Samuel war völlig überrascht, aber auch Gibbs blieb beim Anblick dieser schaurigen Szene, kurz stehen. Doch als der Mann sich zur Seite warf um an seine Waffe zu kommen, waren Gibbs und David mit zwei Schritten am Bett und zogen ihn von Ziva herunter. Der Chefermittler nahm Ziva den Knebel aus dem Mund. Diese drehte ihren Kopf in Samuels Richtung und spuckte ihn an.

„Schwein!“ sagte sie laut.

Samuel wurde derweil von den Mossad Männer an die Wand gedrängt. David lief auf seinen Mitarbeiter zu, während Gibbs sich wieder Zivas Bett näherte und die Decke vom Boden über sie ausbreitete.

„Warum Samuel?“ fragte David.

„Ich habe es gehasst für sie zu arbeiten. Ich wollte hier weg. Ziva war der Schlüssel.“ Sagte Samuel hasserfüllt.  

Dieser blickte zwei seiner Männer an. „Bringt ihn hier aus, SOFORT!“

„Rufen Sie einen Krankenwagen.“ Sagte Gibbs.

Eli nickte einem seiner Männer und dieser nahm sofort sein Handy zur Hand. Er selber ging nun ebenfalls zum Bett. Hatte Samuel seine Tochter vergewaltigt? Oder waren sie noch rechtzeitig gekommen.

„Gibbs.“ Murmelte Ziva. „Bist du es wirklich, ober träume ich?“, dabei wanderte ihr Blick zu ihrem Vater. „Papa. Ich träume wirklich. Du wärst im wirklichen Leben nie hier.“

Ihr Boss schenkte ihr ein schwaches Lächeln. „Wir sind beide hier. Gleich kommt Hilfe Ziva.“ Vorsichtig strich er ihr eine Haarsträhne aus der blutigen Stirn.

„Gibbs, Mia, sie war hier“, erklang es schwach. „Yasmin, seine Komplizin ist ihr hinterher. Ist Tony nicht da?“, suchend sah sie sich im Raum um.

„Draußen am Wagen, ich lass ihn holen. Wir finden Mia schon.“ Gibbs sah Eli an und dieser gab einen seiner Männer einen Befehl.

„Er holt DiNozzo rein und schaut nach Yasmin und Milena“, teilte David den Beiden mit. Jetzt erst sah er sich seine Tochter an. Sie sah schrecklich aus. Zerschlagen, müde, verletzt, ein Auge fast völlig zu geschwollen. Sie blutete noch immer aus mehreren kleinen Wunden. „Oh Gott Ziva. Was hat er nur mit dir gemacht.“ Kopfschüttelnd sah er sie an und legte ihr eine Hand auf die Wange. „Ziva, ich muss das jetzt fragen. Hat er....“ Er suchte sichtlich nach Worten.

„Nein, Beruhige dich. Mir geht es gut. Die Zeit war zu knapp“, teilte seine Tochter ihm mit, dann sah warf sie ihrem Boss einen Blick zu, wandte sich aber wieder an ihren Vater. „Und ich habe schon einmal schlimmer ausgesehen.“

Gott sei Dank waren sie rechtzeitig gekommen. Eli war klar das er mit seiner Tochter noch ein Gespräch führen musste, aber das musst nicht heute sein. Sie sollte sich erst einmal wieder erholen.

„Papa, hol Tony“, flüsterte seine Tochter.

„Er ist schon unterwegs Kleines. Er muss gleich hier sein“, behutsam strich er ihr ein paar Haarsträhnen aus der Stirn. In dem Moment kam der Offizier zurück und flüstere ihm etwas ins Ohr. „Was? Was soll das heißen, er ist weg?“ blaffte er den Mann an.

Gibbs wusste sofort um wen es bei Davids Gefühlsausbruch ging. „Ziva ich muss kurz raus und nach Tony sehen. Kommst du klar“, fragte er sie.

Ziva nickte und Gibbs nahm seine Waffe wieder fester in die Hand. „David bleiben Sie bei ihr. Kann ich diesen Mann hier mitnehmen?“

David sagte zu seinem Mitarbeiter etwas auf Hebräisch und dieser schloss sich schnell Gibbs an, zusammen liefen sie zur Tür.

TBC....................................
Hallo an alle,



17. Kapitel

Tony rannte immer noch diagonal auf die Beiden zu und schaffte es nur Augenblicke bevor Yasmin seine Tochter erreichen konnte, Mia am Arm zu packen und hinter sich zu ziehen. „Mia Schatz, alles wird gut, bleib dicht hinter mir“, während er sprach ließ er die sich ihm nähernde Yasmin nicht aus den Augen. „Wo ist Ziva und was willst du von meiner Tochter?“, rief er ihr zu. Doch von der jungen Frau bekam er keine Antwort. Ferner hatte sie Kampfstellung angenommen und fing an sie langsam zu umkreisen. Oh je, dachte er, gehörte sie etwas auch dieser Kidon Spezialeinheit an. Dann konnte er nur auf Gibbs und Eli hoffen, denn und da machte sich Tony nicht vor, mit einer Kidon würde er nie alleine fertig werden.

~~~***~~~

Gibbs rauchte vor Wut. Wie hatte das passieren können. Da ließ er seinen verletzten Agent in vermeintlicher Sicherheit zurück und dann verschwand dieser Kindskopf einfach. Wenn er sich an der Aktion beteildigt haben sollte, obwohl er ihm befohlen hatte, am Wagen zu warten und er jetzt in Gefahr geraten war, würde er ihn umbringen. Er würde ihm zu Not auch in die Hölle folgen und den Hintern versohlen. Doch dann hörte er plötzlich Tonys Stimme und legte an Tempo zu. Sein begleitender Mossad Agent tat es ihm gleich.

~~~***~~~

Besorgt sah Ducky herunter auf Abby die auf dem Sofa im Wohnzimmer lag. Sie war ihm, nach dem sie den Kontakt zu dem Satelliten verloren hatte, in den Armen zusammen gebrochen. Sie hatte sich hysterisch die Haare gerauft und war laut schluchzend im Kreis gelaufen. Ruth und er hatten keine andere Möglichkeit gesehen, als ihr etwas zur Beruhigung zu geben. Jetzt endlich war sie auf dem Sofa eingeschlafen. Bisher hatten sie noch nichts Neues von dem Team oder Gibbs gehört. Sie konnten nur hoffen, dass alles gut ausgegangen war.

~~~***~~~

Langsam schlichen sich Gibbs und der Mossad Mann an den Tatort heran. Dann konnte er Tony und Milena ausmachen die von Samuels Komplizin langsam umrundet wurden. Er verständigte sich kurz per Handzeichen mit seinem Begleiter und schickte ihm rechts von ihnen, er selber näherte sich auf der linken Seite. Immer wieder warf er seinem Stellvertreter einen prüfenden Blick zu, aber Tony schien Herr der Lage zu sein und Milena gut zu schützen.

~~~***~~~

Yasmin hatte jetzt mit ihrem Umkreisen aufgehört und ihre Waffe gezogen. Auch ihr Gegenüber hatte seine Waffe entsichert und auf sie gerichtet. Tonys Gedanken überschlugen sich. Er hatte hier keine Deckung. Er konnte zwar seiner Tochter Schutz geben, aber er konnte sich nicht aus der Schusslinie bringen. Er spürte wie sich Mia von hinten eng an seine Beine schmiegte. Da nahm er hinter Yasmin eine Bewegung war. Angestrengt versuchte er die Person zu erkennen. Gibbs, dachte er und Erleichterung durch flutete sein Herz. Gott sei Dank. Jetzt würde alles gut werden.

~~~***~~~

Gibbs und sein Begleiter näherten sich langsam Yasmin von der Seite. „Es ist aus. Legen Sie die Waffe runter“, rief er über das Feld. Kurz darauf hörte man auch seinen Begleiter etwas auf Hebräisch rufen.

Yasmin schaute in ihre Richtung, hielt aber weiterhin ihre Waffe auf Tony gerichtet. „NEIN, Nein, nein…“, schrie sie zurück. „Niemals. Wo ist Samuel?“

„Er hat sich uns ergeben“, teilte ihr der Chefermittler mit.

„Das…. Das… kann nicht sein..“, stotterte sie. „Er würde sich nie ergeben….Sie bluffen, Amerikaner!“ Jetzt richtete sie wieder ihre ganze Aufmerksamkeit auf Tony und seine Tochter.

„Legen Sie die Waffe nieder, wir wollen Ihnen nichts antun. Man kann über alles reden. Sie sind nur ein Mitläufer. Oder? Worum ging es Ihnen denn bei dieser Aktion? Haben Sie auch ihr Geld auf dem Konto? Oder tun Sie es auf Liebe zu Samuel?“ Langsam brachte er sich in eine bessere Schussposition.

Tränen der Wut liefen ihr über das schöne Gesicht. „Mir?“, flüsterte sie. „Worum es mir ging? ICH habe Michael geliebt und er…“, sie wies mit der Waffe auf Tony. „….er hat ihn einfach abgeknallt. Samuel ist nur zweite Wahl, aber immer noch besser als gar nichts.“

„Wusste Michael dass sie ihn geliebt haben?“, fragte Tony.

Gibbs schmiss seinen Stellvertreter einen Blick zu. der ihn zum Schweigen bringen sollte, doch dieser hatte sich schon in Rage geredet. Es war zum Haare raufen, wusste DiNozzo denn nie wann es besser für ihm war zu schweigen, schoss seinem Boss durch den Kopf.

„Sind Sie sich sicher, dass er Ihre Liebe erwidert hat? Er war mit Ziva im Bett. Wussten Sie das? Er wollte Sie nicht. Sie träumen sich etwas vor.“, rief er ihr zu.

„Das stimmt nicht. Sie lügen. Er wäre mit dieser Schlampe nie ins Bett gegangen“, schrie sie hasserfüllt. „Ziva hat uns alle verraten, Sie war nur das Mittel zum Zweck für Ihn. WIR wollten heiraten, wussten Sie das? Nein? Sie haben ihn hinterrücks erschossen. Und jetzt werden Sie dafür büßen.“ Sie krümmte ihren Finger etwas mehr über den Abzug.

„NEIN“, rief Gibbs ihr zu. „Tun Sie das nicht Yasmin. Wofür wollen Sie ihr Leben geben? Samuel hat das verstanden und sich ergeben. Michael ist tot und mit dieser unsinnigen Aktion holen Sie Ihn auch nicht mehr zurück“, versuchte der Grauhaarige sie wieder zu beruhigen.

Und von einem Moment auf den anderen veränderte sich ihre Körpersprache. Die Hektik und Panik war verflogen. Eiskalt wehten ihm, ihre nächsten Worte herüber. „Es ging mir nie um Samuel oder um das viele Geld, mir ging es immer nur um Ziva und Michaels Mörder. Mehr wollte ich nie erreichen und das habe ich jetzt erreicht.“
Im selben Moment zog sie den Abzug durch.

Tony sah das Geschoss, das auf ihn zuflog nicht, aber er spürte den Aufschlag an seiner rechten Schulter. Aus seiner Waffe löste sich ein Schuss, aber er war sich nicht sicher auch getroffen zu haben. Die Wucht des Aufschlags riss ihn von den Beinen. Er fiel nach hinten und begrub seine Tochter unter sich. Sein Hinterkopf knallte mit einem dumpfen Laut auf die Bürgersteigkante, er hörte Mias Wimmern und weitere Schüsse, dann wurden die Laute immer leiser, bis sie schließlich ganz verstummten.

~~~***~~~

„NEIN!“, rief der Chefermittler wütend. Er sah Tony fallen und schoss noch im laufen auf Yasmin, doch diese hatte schon ihre eigene Waffe gegen sich gerichtet und drückte ein zweites Mal ab. Während Gibbs weiter auf seinen ersten Mann zulief, rannte sein Begleiter zu der, mittlerweile an Boden liegenden Täterin und zückte sein Handy. Er legte kurz seine Finger auf die Halsschlagader, dann blickte er dem Amerikaner an und schüttelte den Kopf. Gibbs bekam das kaum mit, seine Sorgen galten einzig und alleine Tony und seiner kleinen Tochter. Er verfluchte die Dunkelheit, die es ihm unmöglich machte weiter als ein paar Meter klar zu sehen. Es war ihm schleierhaft, wie der junge Mann sich in diese Lage gebracht hatte. Er hatte ihn drei Blocks weiter am Auto zurück gelassen. Wie hatte Tony Mia überhaupt finden können. Endlich war er an Ziel angekommen und ließ sich auf die Knie fallen, das diese dabei laut protestierten bekam er kaum mit. Hatte Tony seine Weste an? Wo hatte die Kugel ihn erwischt? Was war mit Mia? Da vernahm er leises wimmern und zog das verängstigte Kind unter ihrem Vater hervor. „Ist dir was passiert Mia? Fragte er hastig. Doch die Kleine legte nur ihre Arme um seinen Hals und sah stumm zu ihren Vater.

Gibbs hatte schon mit DiNozzos Untersuchung begonnen. Seine Hände fuhren die Beine hoch und runter, aber hier konnte er kein Blut an der Jeans erkennen. Vorsichtig arbeitete er sich weiter hoch. Öffnete ihm Jacke und Hemd und atmetet erst einmal tief durch. Tony hatte also seine Weste an. Als er die Weste näher unter Augenschein nahm, sah er auch das Einschussloch an der rechten Schulter. Vorsichtig fühlten seine Finger darunter. Erst jetzt gestattete er sich ein Lächeln und sah Mia an. „Es ist alles Okay. Milena hörst du. Deinem Vater geht es gut.“ Teilte er ihr mit. Obwohl, wenn die Kugel in der Weste stecken geblieben war, warum war Tony dann bewusstlos? Langsam umfasste er den Kopf seines Stellvertreters, erfühlte ein Pflaster und Feuchtigkeit. Wahrscheinlich hatte er sich beim Fallen den Hinterkopf verletzt. Leicht schlug er seinem Ersten auf die Wangen. „Hey Tony aufwachen, deine Tochter wartete hier. Komm schon“, zu erst sah er nichts, aber dann bemerkte er leichte Augentätigkeit. Er schlug ihm noch einmal leicht ins Gesicht. „Hey DiNozzo, aufwachen du hast hier zwei Frauen um die du dich kümmern musst.“
Tony Augenlieder flackerten kurz, dann öffnete er erst ein Auge und dann das zweite und sah direkt in das finstere Gesicht seines Bosses.

„Boss“, jammerte er. „Schrei nicht so, mir platzt hier gleich der Schädel.“ Stöhnend führte er seine Hand an den Hinterkopf und zog sie mit einem Zischlaut wieder hervor. Verdammt noch mal, tat das weh.

Der Grauhaarige war erleichtert. Wenn Tony schon wieder den Clown gab, konnte er nicht zu schwer verletzt sein. „Meinst du, du schaffst es auf zu stehen?“, und als sein Agent anstalten machte hoch zu kommen, hielt er ihm die Hand hin und half ihm auf. Kurz darauf stand Tony leicht schwankend, mit geschlossenen Augen vor ihm, eine Hand an seinem Hinterkopf, die andere Hand ruhte auf dem Kopf seiner Tochter.

Gibbs warf DiNozzo einen prüfenden Blick zu. Er war bleich und sah aus als wenn er jeden Moment wieder umkippen würde. „Las mal sehen“, sagte Gibbs und ging um seinen Mann herum. Mit spitzen Fingern nahm er das alte Pflaster ab und besah sich die Kopfverletzung. „Das muss wahrscheinlich genäht werden“, während er wieder nach vorne kam, holte er sein Taschentuch aus der Hosentasche und drückte es seinem Mann in die Hand. „Hier, press das drauf. Du blutest arg dahinten.“

„Irgendwie wusste ich das du das sagen wirst“, sagte er und streckte die Hand dem Tuch entgegen und presste es an seine Kopfwunde, dann machte er eine schnell Bestandsaufnahme. Seine Schulter schmerzte aber er konnte das Gelenk normal bewegen. In seinem Bein, aber hauptsächlich in seinem Fuß steckte ein glühender Schürhacken. Er hatte starke Kopfschmerzen und ihm war so schlecht, dass er Angst hatte seinen Kopf zu bewegen, um nicht seinen Mageninhalt von sich zu geben. Er räusperte sich. „Ziva?“, fragte er dann leise. Er verabscheute es, das seine Stimme so schwach klang.

„Verletzt, aber sie wird es schaffen. Komm, sie wartet sicher schon auf dich“, sagte sein Boss und drehte sich um. Sein Israelischer Begleiter hatte seine Jacke über Yasmins Leiche gelegt. Somit blieb wenigstens dieser Anblick Mia erspart. „Sag mir DiNozzo, wie kommst du hierher? Was tust du hier…. Ich hatte dir befohlen am Wagen zu bleiben.“

Tony schluckte. Er konnte kaum noch stehen. „Gibbs, Abby hat versucht dich zu erreichen, aber dein Handy war aus oder in einem Funkloch. Darum hat sie mich angerufen und gesagt wo ich Mia finden kann. Was bitte hätte ich machen sollen? Ich war der einzige der Sie erreichen konnte. Und ich habe Sie erreicht.“ Das er bei dem Schusswechsel, dank der Weste nicht verletzt wurde, brauchte er nicht mehr zu erwähnen… Tony versuchte einen Blick auf seine Tochter zu werfen, aber sofort meldete sich wieder der Schmerz in seinem Kopf und ein starkes Schwindelgefühl ließ ihn so stark schwanken, das Gibbs zugreifen musste.

Milena hatte ihre Augen ganz fest zugekniffen und hielt immer noch die Beine ihres Vaters umklammert. Sie wollte nichts mehr sehen und los lassen wollte sie ihn auch nicht mehr. Nie mehr wieder. Sie wollte noch Haus und sie wollte Puppe. Aber sie wollte auch zu ihrer Ziva. Die Hand ihres Vaters ruhte immer noch auf ihrem Kopf und gab ihr Sicherheit.

„Kommt, lasst uns nach Ziva sehen. Kommst du klar, oder brauchst du meine Hilfe?“, fragte ihn sein Boss. „Wo ist eigentlich dein Stock?“

„Den hab ich irgendwo dahinten liegen lassen“, teilte Tony ihm mit. „Mia du musst meine Beine jetzt los lassen, dann können wir zu Mommy gehen“, sanft strich er seiner Tochter über ihren Kopf doch sie sagte nichts und rührte sich keinen Zentimeter. „Hey Mia? Alles klar?“ Blöde Frage, dachte sich Tony sofort. Natürlich war nicht alles klar. Sie war mitten in einem Schusswechsel geraten. Erst jetzt fiel ihm auf das sie bis jetzt noch nichts gesagt hatte. Vergessen waren plötzlich seine eigenen Schmerzen, er löste ihre Arme von seinen Beinen  und lies sich ächzend auf die Knie nieder, um ihr in die Augen zu sehen. Doch diese hatte sie immer noch fest zugekniffen. „Hallo Milena. Sieh mich an. Es ist alles vorbei. Mir geht es gut.“

Nur langsam schienen seine Worte zu ihr durch zu dringen. Dann öffnete sie zaghaft ihre Augen und sah ihn mit großen Augen an.

Tony schenkte ihr ein Lächeln. „Sollen wir jetzt zu Ziva gehen?“, doch Mia sah ihn nur an. In ihrem Gesicht war nichts zu lesen, weder Freude noch Angst. Der junge Vater warf seinem Vorgesetzten einen hilflosen Blick zu. Dann versuchte er es noch einmal bei seiner Tochter. „Mia? Sollen wir jetzt zu Mommy gehen?“, und diesmal reagierte sie. Sie sprach zwar immer noch nicht, aber sie nickte schon einmal. „Gut“, sagte Tony und sah wieder seinen Boss an. „Dann ääähhh….. Gibbs? Boss, ich brauch Hilfe. Alleine komm ich hier nicht mehr hoch“, es war ihm peinlich. Es war ihm immer peinlich um Hilfe zu bitten.

Gibbs trat vor und zog seinen stöhnenden Agent auf die Füße. Da Tony sein Bein kaum noch belasten konnte, stützte ihn Gibbs auf den Weg zurück. Milena lief dicht an die Beine ihres Vaters gedrängt, neben ihnen her. Sie sah so traurig und verloren aus. Jethro hoffte das sich das mit der Zeit wieder legen würde. Bisher hatte sie alles Schreckliche schnell verdrängt oder vergessen. Vielleicht würde ihr Ziva helfen können. Er hoffte nur, dass schon ein Notarzt vor Ort war, denn DiNozzos Kopfverletzung blutete immer noch stark und sein Bein musste auf alle Fälle geröntgt werden.

~~~***~~~

„Papa, warum bist du hier?“, fragte Ziva schwach.

Dieser strich ihr wieder eine widerspenstige Haarsträhne aus der Stirn. „Pssttt, nicht so viel sprechen, mein Engel. Gleich kommt Hilfe.“

„Warum?“, sie behaarte auf die Frage und wunderte sich insgeheim über diesen Kosenamen. Den hatte sie nicht mehr gehört seit Talis Tod.

David schluckte, während er seinen Blick, über seine verletzte Tochter schweifen lies. Sie so zu sehen tat ihm weh. Sie hatten bis zu Rivkins Tod ein mehr oder weniger gutes, Vater Tochter Verhältnis gehabt, doch nach Somalia war der Rest davon vernichtet worden.
„Weil ich dich liebe“, mehr sagte er nicht und als sie ihre Hand nach ihm ausstreckte, nahm er ihre kleine zerbrechliche in seine große und führte sie zu seinen Lippen. „Ich liebe dich Ziva und ich habe, in der Vergangenheit, schwere Fehler gemacht. Es tut leid. Wenn du mir vergeben kannst…“, Eli wandte sein Gesicht ab. Seine Tochter sollte seine Tränen nicht sehen.

Ziva hatte ihren Vater noch nie so gesehen. Er zeigte sonst keine Gefühle. Und wenn sie daran dachte wie kalt er vor einer Woche zu ihr gewesen war, als sie ihm von der bevor stehenden Hochzeit erzählt hatte. Sie versuchte sich gerade etwas aufzurichten, aber die Schmerzen der Schussverletzung zwangen sie wieder zurück, als sie die Schüsse von draußen hörte. „Tony!“, rief sie und sah ihren Vater dabei an. „Papa, kannst du nach Tony und Melina sehen?“

„Kommst du solange alleine klar?“, wobei, alleine war sie eigentlich nicht, denn der Raum wimmelte von Mossad Agenten. Eli war, als der die Schüsse hörte von ihrem Bett aufgesprungen. Jetzt zog er seine Waffe und nickte einen seiner Männer zu, zusammen verließen sie den Raum.

~~~***~~~

In D. C. hielt Tim es nicht mehr aus uns wählte Abby Handy an. Er wollte endlich Gewissheit. Hatten sie Ziva schon gefunden? Er bereute es zu tiefste, das er hier zusammen mit Main die Stellung halten musste. Zumal sich der neue Fall als Selbstmord heraus gestellt hatte und sie ihn sofort abschließen konnten. Es schellte mehrere Male bevor sich Duckys sonore Stimme meldete. Sofort sprangen bei McGee alle Signale auf Rot. Was war mit Abby. Tom musste wohl sein alarmiertes Gesicht bemerkt haben und sah ihn fragend an. „Ducky? Was machst du an Abbys Handy?“

„Timothy, mein lieber Junge. Abigail schläft, deshalb bin ich jetzt dran. Kann ich ihr etwas ausrichten?“

„Sie ist doch nicht etwa Krank?“

„Nein, nein, nur etwas überdreht. Aber du kennst sie ja, wenn einer von euch in Gefahr gerät.“

„Ducky, bitte spann uns nicht auf die Folter und erzähl von Anfang an. Habt ihr Ziva und was ist bei euch passiert?“, fragte Tim ungeduldig.

Der Pathologe brachte seine jungen Freunde schnell auf den neusten Stand. „Tja, mehr wissen wir im  Moment auch nicht. Ich werde Abigail sagen das du angerufen hast. Sie wird dich dann bestimmt zurück rufen. Bis später und grüße Thomas von mir und Mr. Palmer natürlich.“

Tim klappte sein Handy zu und sah seinen Kollegen an. Dann schüttelte er langsam den Kopf und seufzte einmal tief auf. „Sie wissen auch noch nicht neues“, teilt er ihm mit.

Tom Main, gehörte noch nicht so lange zum Team, aber in der kurzen Zeit hatte er alle kennen und schätzen gelernt. Wobei ihm Tony besonderes am Herzen lag. Ihn kannte er schon vom Schießplatz und mit ihm verstand er sich auch von allen am besten. Sie waren so etwas wie Freunde. Beide interessierten sich für Filme und alte Autos. Beide waren als Womannicer bekannt. Er wünschte Tony nach dem letzten anstrengenden Jahr alles Gute und hoffte für ihn, das er seine Ziva fand und mit Milena heile aus Israel zurück kam. Main warf Tim einen wissenden Blick zu. „Dann bleibt uns nur zu warten.“  

~~~***~~~

David hatte kaum den Raum verlassen als ihm schon das Ärzte Team entgegen kam. Er schickte sie zu seiner Tochter und lief schnell nach draußen um nach Gibbs und Tony zusehen. Doch die Beiden kamen ihm schon entgegen gehumpelt. „Einer verletzt? Was ist mir Offizier Yasmin Schardock?“

„Zu viele Fragen, David“, knurrte Gibbs ihn an. „Ist das Ärzte Team schon da?“

„Ja, ja, Sie sind schon bei Ziva. Kommen sie.“ Eli warf Tony einen prüfenden Blick zu. Dieser wurde von Gibbs mehr getragen als das er noch lief. Milena tapste neben ihn her, ohne jede Reaktion. Was war da draußen nur passiert?

Gibbs war froh endlich angekommen zu sein. Tony wurde an seiner Seite immer schwerer. Und Milena machte ihm Angst. „Tony? Wir sind da. Alles klar?“, fragte er seinen besten Mann.

„Alles bestens Boss“, kam es stockend von DiNozzo. Man hörte ihm an, das nicht alles *Bestens* war, aber Gibbs fragte nicht weiter nach, sondern steuerte einfach auf Zivas Bett zu. „Danke Boss, aber den Rest schaffen wir alleine, oder Mia?“, und als seine Tochter nickte, nahm er sie an die Hand und hüpfte humpelnd die letzten Meter auf Ziva zu.

David schickte mit ein paar hebräischen Worten das Notarztteam vom Bett, damit die Drei sich erst einmal finden konnten. Zivas Verletzungen waren schmerzhaft aber nicht lebensgefährlich, wie ihm der Notarzt bereits berichtet hatte.

Ziva hatte sich halb in ihrem Bett aufgerichtet und presste eine Hand auf ihre rechte Körperseite, die andere streckte sie ihnen entgegen. „Tony“, hauchte sie schwach. „Ich hab mir solche Sorgen gemacht.“

Tony hatte mittlerweile ihr Bett erreicht und ließ sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Bettkante nieder. Er war froh endlich das Gewicht von seinem Bein nehmen zu können. Jetzt wo das Adrenalin aus seiner Blutbahn gewichen war, schmerzte sein Fuß wieder unerträglich und auch sein Knie schien wieder anzuschwellen. „Du wurdest entführt und du machst dir Sorgen um mich? Oh Gott Ziva“, er war jetzt nicht mehr fähig zu sprechen.

„Ich ….“, sie stotterte leicht. „Ich habe die Schüsse gehört und da dachte ich…“, mehr zu sagen war sie nicht fähig.

Vorsichtig um ihr nicht noch mehr Schmerzen zu bereiten, nahm er ihr Gesicht zwischen seine Hände und zog sie in seine Arme. Sie war blass und hatte sichtlich Schmerzen. Ihr schönes Gesicht war zerschlagen und die Blutergüsse schillerten schon jetzt in allen Farben. Ihre Handgelenke wiesen blutige Fesslungsmale auf, aber sie lebte und das war die Hautsache. Tief atmete er ihren, ihr eigenen Geruch ein. Er hielt sie einfach fest. So fest wie er es verantworten konnte. Froh einfach nur ihre Nähe zu spüren, die er so lange vermisst hatte. „Ich liebe ich Ziva“, flüsterte er in ihr Ohr und hörte ihr leises Schluchzen.

Bisher hatte sie sich tapfer gehalten, aber nun konnte auch Ziva ihre Gefühle nicht mehr länger unterdrücken. Die vergangenen Tage lasteten schwer auf ihr. Als sie Mia angewiesen hatte zu fliehen, hatte sie mit ihrer Befreiung nicht mehr gerechnet. Sie hatte freiwillig ihren Tod auf sich genommen, hatte mit sich und der Welt abgeschlossen. Doch jetzt musste sie mit dem Leben erst wieder einmal klar kommen.

Plötzlich fühlte er eine Berührung am Arm. Milena war ebenfalls aufs Bett geklettert. Zögert saß sie ihnen gegenüber. „Komm her“, sagte ihr Vater und streckte seine Hand nach ihr aus. Langsam kam sie über das Bett gekrabbelt, dann war der Knoten gebrochen und sie schmiss sich mit Macht in die ihr angebotene Umarmung. Ziva weinte und presse die Kleine an sich. „Es wird alles wieder gut“, flüsterte Tony seinen beiden Frauen zu. „Alles wird gut.“

Dann bahnte sich das Ärzte Team wieder seinen Weg, „Entschuldigung, wir würden Miss David jetzt gerne ins Krankenhaus bringen. Möchten Sie mitkommen. Ihre Kopfverletzung sieht nicht gut aus. Und was ist mit ihrem Bein?“

Tony der Ziva und Mia immer noch im Arm hatte, nickte. „Ja, wir kommen beide mir. Ich kann meine Tochter jetzt nicht alleine lassen. Ist das okay?“

Der junge Arzt nickte ihm zu und bereitete den Abtransport vor.

~~~***~~~

Milena war nicht mehr dazu zu bewegen gewesen Ihre Mommy los zulassen und so kam es, das auf der Bahre die gerade in den Krankenwagen geschoben wurde zwei Personen lagen. Mia hatte sich ganz klein an Zivas Seite eingerollt. Die Notärzte hatten Tonys Kopfwunde notdürftig versorgt und sein gesamtes Bein in eine aufblasbare Schiene gepackt, dann hatten sie ihm in den Krankenwagen geholfen. Jetzt saß er auf einem Hocker in der Ecke des Wagens und besah sich das Schauspiel.  Bisher hatte Mia noch kein Wort gesagt. Sie reagierte aber sie sprach nicht. Sie hatte geweint als man sie von Ziva trennen wollte, aber sie hatte kein einziges Wort gesagt. Schock, hatte ihm die Sanitäter gesagt. Man konnte nur hoffen, dass sich das in den nächsten Stunden legen würde.

~~~***~~~

Gibbs sah den davon fahrenden Krankenwagen nach. „Eli, kann mich einer ihrer Männer ins Krankenhaus fahren?“

„Aber natürlich, Agent Gibbs.“ Ein paar hebräische Worte und ein junger Mann kam auf sie zu.

„Kommen Sie mit?“, fragte der Chefermittler Zivas Vater.

Doch David schüttelte den Kopf. „Ich muss erst nach Hause und Ruth informieren. Dann kommen wir nach.“

Gibbs lief schon dem Fahrer hinterher. „Gut, dann bringen sie doch bitte auch mein Team mit. Und David, wenn sie Samuel verhören, will ich dabei sein. Ich will seine Beweggründe verstehen“, als er Eli nicken sah, stieg er ins Auto ein. Sein erster Impuls war sein Handy zu nehmen und Ducky und Abbs selbst anzurufen, um sie vom erfreulichen Ausgang der Aktion in Kenntnis zu setzten. Doch dann entschied er sich spontan ihnen noch eine Stunde Zeit zu geben.

18. Kapitel

Die Fahrt ins Krankenhaus verlief schnell und ohne Komplikationen. Zivas Zustand war nicht bedrohlich, trotzdem hatten sie ihr zusätzlich zu dem Schmerzmittel, ein leichtes Beruhigungsmittel gespritzt um ihr die Fahrt so angenehm wie möglich zu machen. Sie spürte Mias kleinen warmen Körper neben sich. Die junge Frau hätte ihr gerne die Hand auf den Kopf gelegt, sie an sich gezogen und nicht mehr los gelassen. Doch sie war zu keiner Bewegung fähig. Sie wurde immer müder, hatte mühe ihre Augen offen zu halten. Sie sah noch einmal zu Tony herüber, der seltsam allein und verloren auf diesen Hocker aussah, dann schlief sie ein.

~~~***~~~

Während David nach Hause fuhr, war Gibbs bereits im Krankenhaus und wurde von einer Schwester, die nur gebrochenes Englisch sprach, zum Wartebereich geführt. „Seltsam, aber jedes Krankenhaus in egal welchem Staat der Welt, sah im Wartebereich gleich aus. Immer waren die Stühle unbequem. Immer hingen seltsame Bilder an den Wänden und immer standen Getränkeautomaten in unmittelbarer Nähe. Nur leider nahm dieser Automat keine Dollarscheine“, schoss es ihm durch den Kopf.  

Die Schwester hatte ihm gesagt er müsse auf einen Arzt warten, da die Drei noch in den Schockräumen behandelt wurden. Genervt sah er zum wiederholten male auf die Uhr. Indirekt genoss er die Ruhe vor dem Sturm, den Abby mit sich brachte, sobald sie hier erscheinen würde. Er brauchte dringend einen Kaffee, wollte aber seinen Platz nicht verlassen, solange er nichts Genaues wusste. Wieder fiel sein Blick auf die große Wanduhr. Wie lange war er jetzt schon hier? Eine halbe Stunde? Er hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Er überlegte gerade Tabitha anzurufen, als er einen Arzt auf sich zukommen sah. Gibbs setzt sich etwas auf und hoffte das dieser, ein besseres Englisch als die Schwester sprach.

~~~***~~~

David wurde schon an der Tür von seiner Frau abgefangen. Ihr Wangenknochen schimmerte in blau-lila Tönen, doch ihre Augen und ihr herzförmiges Gesicht zeigten keine Emotionen. Ganz sachlich sah sie ihn an. „Und?“, fragte sie ihn und erst jetzt, wo er ihr ein Lächeln schenkte, veränderte sich ihr Gesicht. Sie trat einen Schritt auf ihn zu und lehnte ihre Stirn an seine Brust. Vorsichtig schloss er seine Arme um sie. „Es geht den Beiden gut. Ziva ist verletzt, aber nicht lebensgefährlich. Ich wollte dich und die anderen holen.“

„Das ist gut“, murmelte sie an seiner Brust.

Er schob einen Finger unter ihr Kinn und bog ihren Kopf soweit zurück das er ihr in die Augen sehen konnte. Eine einzelne Träne lief ihr vor Erleichterung über die Wange und sie lächelte ihn an. Ziva war bei ihr in eine gute Schule gegangen, denn auch sie konnte ihre Gefühle gut verbergen. „Komm, sagen wir es unseren Gästen und fahren wir zu ihr.“

~~~***~~~

„Und Sie sind?“, begrüßte ihn der israelische Arzt.

Scheinbar kam der Mann sofort zu Sache, dachte Gibbs schmunzeln. Endlich mal ein Arzt nach seinem Geschmack. „Spezial Agent Jethro Leroy Gibbs, NCIS, Washington D. C.“, dabei streckte er dem Mann die Hand entgegen. „Ich bin der Vorgesetzte von Agent David und DiNozzo.“

Der Arzt ergriff die ihm angebotene Hand. „Dr. Jarod Schardim. Sie sind mit ihren Agents weit weg von Zuhause.“

Gibbs winkte ab. „Lange Geschichte. Wie geht es Ihnen?“

„Miss David hat einen Durchschuss unter dem rechten Rippenbogen erlitten. Ein Teil der Rippe wurde dabei abgesprengt, aber es hat nur eine kleine Fraktur gegeben und der Splitter konnte mit einer Schlinge entfernt werden. Der Schuss war gut platziert. Er wollte Ihr Schmerzen zuführen, Sie behindern, aber nicht schwer verletzen. Die stumpfen Traumata die Sie aufgrund massiver Schläge erlitten hat, sind nur oberflächlich und werden mit der Zeit verheilen. Ich würde Sie gerne einen Tag zur Beobachtung hier behalten. Ihr Körper ist aufgrund von Blutverlust und Wassermangel dehydriert. Wir verabreichen Ihr gerade eine Ringerlösung zur Rehydratation. Ihre Werte sind aber soweit stabil und wenn Sie die Nacht gut übersteht, steht einer Entlassung nichts mehr im Wege.“ Er schmunzelte leicht. „Im Moment teilt Sie sich das Bett allerdings mit Ihrer kleinen Tochter. Wir konnten das Mädchen nicht von Ihr trennen“, dabei warf er dem Ermittler einen belustigten Blick zu, sprach dann aber sofort ernst weiter. „Ich will ehrlich zu ihnen sein, das Kind macht mir etwas Kopfschmerzen. Rein körperlich fehlt Ihr nichts, außer ihrem eh schon gebrochenem Arm natürlich. Aber Sie hat einen Schock erlitten. Sollte sich Ihr Zustand nicht binnen einer Woche normalisieren, würde ich Ihnen raten, mit Ihr einen Kinderpsychologen aufzusuchen“, seine Stimme klang dabei ziemlich frustriert, doch dann fuhr er mit seiner Aufzählung fort. „Die Kopfwunde Ihres Agents haben wir mit ein paar Stichen genäht und er hat eine leichte Gehirnerschütterung. Er hat mir mitgeteilt das er mal eine Gehirnblutung hatte?“, als er Gibbs nicken sah, fuhr er fort: „Wir haben ein Schädel CT gemacht. Da brauchen Sie nichts befürchten. Es sieht alles gut aus. Sein Bein haben wir ebenfalls geröntgt. Er hat einen Bänderriss im Sprunggelenk, sowie eine Prellung unter der Kniescheibe. Die ältere Verletzung des Oberschenkels scheint soweit ganz gut verheilt zu sein. Ich denke die Platten und der Marc Nagel können bald entfernt werden. Ich habe Ihren Agent versucht zu erklären das eine Operation der Bänder, die schnellste Möglichkeit für Ihn ist, wieder auf die Füße zu kommen, aber er besteht auf die, warten Sie mal, wie hat er das doch gleich genannt?“, er legte kurz einen Finger ans Kinn und fuhr dann grinsend fort. „Ach ja, er besteht auf die unblutige Variante. Ich werde es jedenfalls in meinem Bericht, für den weiter behandelnden Arzt, vermerken.“

„Wo ist DiNozzo jetzt?“

„Meine Kollegen sind gerade dabei, sein Gelenk für den Heimflug zu stabilisieren. Sobald der Gips sitzt, werden wir ihn zu Miss David aufs Zimmer bringen. Wenn sie wollen können sie schon zu ihr. Raum 712. Ich muss jetzt weiter, es war nett sie kennen gelernt zu haben, auch wenn sie Umstände nicht die Besten waren.“ Und während er noch sprach, verabschiedete er sich schon von Gibbs und lies den Chefermittler alleine zurück. Erst jetzt könnte sich der Grauhaarige einen tiefen erlösenden Atemzug.

~~~***~~~

Kurze Zeit später stand Gibbs vor Zivas Zimmer. Langsam, um sie nicht zu wecken, sollte sie schlafen, öffnete er die Tür. Ziva saß allerdings leicht aufgerichtet im Bett und Milena lag eingerollt nehmen ihr.

„Komm rein Boss“, sagte die junge Frau und lächelte, soweit ihre Gesichtsverletzungen es zuließen, ihn an.

Und ihr Lächeln wirkte ansteckend auf ihn. Er zog sich einen Stuhl zum Bett und setzte sich zu ihr. „Wie geht es dir?“

„Gut. Jetzt geht es mir wieder gut.“
Ihr Gesicht war von blauen Flecken verunstaltet. Sie hatte mehrere Risse in der Unterlippe und ein Auge war vollkommen zugeschwollen. Über einen IV Anschluss bekam sie die vom Arzt erwähnte Flüssigkeit zugeführt, eine Hand hatte sie auf ihre schmerzende Seite gepresst, die andere ruhte auf Mia Kopf. Aber alles im allem sah sie zwar abgekämpft, aber doch glücklich aus.

„Tony?“

„Ist unterwegs Ziva“, er sah herüber zu Milena. „Schläft Sie?“

„Ja, sie ist vorhin eingeschlafen. Sie hat die ganze Zeit wie eine Löwin über mich gewacht“, sagte sie ihm mit einem Grinsen, doch dann wurde sie wieder ernst. „Gibbs, sie macht mir Angst. Milena hat die ganze Zeit nicht ein Wort gesprochen. Was ist mit ihr passiert? Als Sie von mir weg rannte, war Sie wie immer.“

„Yasmin hat ihr aufgelauert, dann gab es eine Schießerei, Tony wurde vor ihren Augen niedergeschossen und viel leider noch auf sie drauf. Sie dachte wohl er wäre Tot. Gott sei dank hat er einmal auf mich gehört und eine Schutzweste getragen. Aber seit dem spricht sie nicht mehr“, traurig sah er das kleine Mädchen an, als hinter ihm die Tür auf ging und eine Schwester Tony in einem Rollstuhl herein fuhr. Sie wollte ihn sofort zu dem freien Bett fahren, doch er bat sie ihn an Zivas Bett zubringen.

„Sie sollten sich aber hinlegen“, sagte sie Schwester in einem schlechten Englisch. „Der Gips muss noch trocknen.“

„Der Gips kann auch im sitzen trocken“, kam es von dem Braunhaarigen.

Gibbs sah zu, wie Tony zu Ziva Bett gefahren wurde. Grinsend stand er auf. „Ich denke, Ihr kommt alleine klar. Ich bin dann mal draußen und versuche irgendwie an einen Kaffee zu kommen. Bis gleich!“, damit stand er auf und verließ ohne eine Antwort abzuwarten, zusammen mit der Schwester, den Raum. Er wollte dem Paar etwas Privatsphäre verschaffen.

~~~***~~~

Ziva hatte die Hand von ihrer Wunde genommen und hielt sie Tony entgegen. Dieser ergriff ihre Hand und zog sie an seinem Mund und hauchte ihr einen Kuss auf die Finger.

„Ich liebe dich“, flüsterte er leise. „Wie geht es dir.“ Es war eine seltsame Distanz zwischen ihnen.

„Besser, jetzt wo ihr da seid. Und was ist mit dir?“, fragte sie vorsichtig. Sie hatte das Gefühl mit einem Fremden zu sprechen.

„Mir?“, fragte er und grinste sie dabei frech an. „Zivvvvaaaaa du kennst doch uns DiNozzos, so schnell haut uns nichts um“, mein Gott, wie sehr hatte er das vermisst. Dann hielt ihm nichts mehr in seinem Stuhl. Er wollte mehr von seiner Frau, als sie nur aus der Ferne zu sehen. Er stellte die Bremsen fest und stellte sich auf.

„Was tust du da?“, fragte sie überrascht und zog eine Augenbraue hoch.

„Aufstehen, ich komme jetzt zu dir. Schaffst du es noch ein Stückchen zu rutschen?“

Ziva biss die Zähne zusammen und rutschte mit Mia ein Stück weiter. „Reicht dir das? Das Bett ist etwas klein für drei Personen.“

„Eng ist doch gemütlich! Außerdem haben wir doch Übung in solchen Sachen, oder?“,  kam es von dem Braunhaarigen lachend, er hob seinen frisch gegipsten Fuß hoch und hüpfte um das Bett herum, um auf Ziva Seite zu kommen.

Jetzt musste auch Ziva lachen und hob schon einmal ihre Decke um Tony Einlass zu gewähren. Nach einigen Gestöhne und Gelächter, lagen sie endlich neben einander. Mia war von dem ganzen Krach nicht wach geworden, sondern hatte sich nur leise protestierend auf die andere Seite gerollt und war wieder fest eingeschlafen. So ganz passte Tony nicht ins Bett und er musste sich seitlich legen um überhaupt etwas Halt zu finden. Trotzdem hing er noch halb heraus und die Haltung tat seinem Bein nicht gut, denn er konnte trotz Betäubung den Schmerz pochen spüren. Vorsichtig hatte er einen Arm um Ziva gelegt und sie hatte ihren Kopf an seine Schulter gebettet. Zum ersten Mal seit Wochen fühlte sie sich wieder geborgen. Langsam viel die Verkrampfung von ihr ab. Dann fing sie leise an von Samuel zu erzählen und mit jeder Silbe die über ihre rissige Lippe kam, wurde ihr etwas leichter ums Herz. Zwischendurch warf sie immer mal wieder Mia einen Blick zu, um zu überprüfen ob die Kleine auch wirklich noch schlief. Dann erst erzählte sie Tony von der versuchten Vergewaltigung, und sie konnte spüren wie sich sein Körper versteifte. Ein Ruck ging durch ihren eigenen und sie lies ihren Tränen freien lauf.

~~~***~~~

Gibbs hatte alle Hände voll damit zu tun gehabt, Abby abzuhalten sofort in das Zimmer zu stürmen. Aber nach ein paar strengen Worten und Blicken hatte sie es verstanden und saß nun neben ihm und den Davids.

„Gibbs kannst du bitte Ducky sagen, das sein Schnürsenkel offen ist“, sagte da plötzlich die junge Kriminaltechnikerin.

„Warum sagst du es ihm nicht selber? Er sitzt neben dir Abbs“. fragte der Chefermittler verwirrt.

„Weil unsere liebe Abigail nicht mehr mit mir redet“, gab Duck nun zur Antwort.

Gibbs sah die Beiden verständnislos an, während Abby ihre Arme verschenkte.

„ICH habe mir nichts zu SCHULDEN kommen lassen“, sagte die Kriminaltechnikerin und blickte dabei Ducky böse an.

„Abigail, es stimmt, ich habe dir ein Beruhigungsmittel verabreicht. Aber das war nur zu deinem Besten. Du warst nicht in der seelischen Verfassung dieses Warten durch zustehen und du hast in einer Tour nach Timothy gerufen. Hatte ich dich in einen Nervenzusammenbruch laufen lassen sollen? Das konnte ich nicht verantworten“, versuchte sich der Gerichtsmediziner zu erklären, dabei warf er seinem Freund einen hilflosen Blick zu.

„Gibbs. Bitte teile deinem Freund mit, das ich ihm nie wieder vertrauen kann“, sagte sie vorwurfsvoll in Duckys Richtung, doch Jethro rollte nur mit den Augen, sprang auf und schlug laut gegen die Wand.

„Schluss, ein für alle Male. Schluss. Ihr könnt das Zuhause austragen, hier nicht.“
Seine Stimme donnerte über den Flur und machte deutlich was er von ihrem Gezanke hielt. Als eine Krankenschwester aufgeschreckt von dem Krach zu der Gruppe sah, schenkte ihr der Special Agent einen gnadenlosen Blick aus kalten eisblauen Augen.

Ruth, die zusammen mit ihrem Mann ebenfalls ungeduldig darauf wartete zu ihrer Tochter zu kommen, mischte sich nun ebenfalls ein. „Miss Sciuto. Bitte seien sie Dr. Mallard nicht mehr länger böse. Ich habe ihn davon überzeugt, das es für Sie das beste ist, wenn wir Ihnen ein Sedativ verabreichen. Also trage ich die Schuld, denn er wollte es Ihnen nicht geben, ich musst Ihn erst überzeugen.“

Abby die eigentlich Zivas Mutter sehr sympathisch fand, sah sich nun in einer Zwickmühle. Sie wollte mit Ducky keinen Ärger, aber sie wollte sich auch nicht mit Ruth verwerfen. Und noch wichtiger war, dass sie sich ihren silberhaarigen Fuchs nicht zum Feind machen wollte. Darum beschloss Abby fürs erste den Streit zu vergessen.

Die warf dem alten Pathologen noch einen unmissverständlichen Blick zu, der besagte das es noch nicht vorbei war, wandte sich dann aber ihrem Boss zu. „Meinst du nicht, Gibbs, die haben nun genug Zeit für sich gehabt? Können wir nicht schon zu ihnen?“, fragte sie darum schnell.

Gibbs sah auf die Uhr. Wie lange war Tony nun schon bei Ziva? Eine halbe Stunde? Das sollte doch fürs erste reichen. Darum nickte er ihr zu, hielt sie aber im nächsten Moment wieder auf. „Abbs, nach aber langsam, ja? Sie sind beide verletzt.“

Abby nickte schon im laufen und zog die anderen hinter sich her.

~~~***~~~

Langsam öffnete sie die Tür. „OHHH, seht nur“, flüsterte sie leise. Vier Köpfe sahen ihr über die Schulter und stimmten in ihr Lächeln ein. Der Anblick der sich ihnen bot, war auch so gut. Alle drei lagen in einem Bett, vorbei Tony mehr schlecht als recht, halb zur Seite heraus hing.

„Jetzt kommt schon rein“, begrüßte Tony sie vom Bett her. Er sprach leise um seine beiden Frauen nicht zu wecken. Gibbs und die anderen kamen schmunzelnd näher.

„Wäre es nicht einfacher und auch bequemer gewesen ihr hättet die beiden Betten zusammen geschoben?“, fragte Gibbs grinsend.

Tony wollte gerade etwas erwidern als Ziva sich in seinen Arm regte. Es dauerte noch ein paar Minuten dann war sie wieder voll da und begrüßte alle Anwesenden schwach aber mit einem Lächeln.

„Zivvvvvvvvvaaaaaa“, jauchzte Abby, lies die Tasche mit Zivas Kleidung auf den Boden fallen und lief aufs Bett zu. Dann hatte sie ihre Arme schon um Zivas Hals gelegt und zog sie, für ihre Verhältnisse sehr vorsichtig, an sich. „Ich wusste das du es schaffst“, flüsterte sie ihr ins Ohr.

Dann war ihre Mutter an der Reihe. Es wurden ein paar hebräische Worte gewechselt, dann nahm Ruth ihre Tochter in die Arme. „Ich liebe dich Ziva“, sagte sie leise. Zivas Vater sah dem Treiben aus einiger Entfernung zu. Er wusste er würde noch mit seiner Tochter ein klärendes Gespräch führen müssen, aber das konnte noch ein paar Tage warten. Zuerst einmal musste sie sich etwas erholen. Aber wenn  er genau überlegte, war er es der etwas Zeit benötigte um die neue, für ihn ungewohnte Situation, für sich zu klären.

Während Ziva noch von Ducky in den Arm genommen wurde, sprach Gibbs leise mit seinem Stellvertreter.

„Was ist mit Milena?“

„Sie reagiert auf alles, aber sie spricht nicht.“ Antwortete ihm Tony mit einem Blick zu seiner Tochter. „Der Arzt hat gesagt sie hat einen Schock und das es sich mit der Zeit wieder legen wird. Wir können nur abwarten und hoffen“, frustriert fuhr er sich durch Haar und verzog kurz schmerzhaft das Gesicht als seine Finger unbeabsichtigt an die frisch genähte Wunde kamen. „Habt ihr Samuel schon vernommen?“

Gibbs schüttelte den Kopf. „Dafür ist nachher auch noch Zeit.“

„Ich muss dabei sein, Boss.“

Gibbs schüttelte wieder den Kopf. „Nein ich denke nicht, dass du das musst. Die Gefahr ist vorbei. Ruh dich aus. Du bleibst heute Nacht hier und morgen werdet ihr entlassen. Dann sehen wir wie es Ziva geht und wann sie schon soweit ist, das wir fliegen können.“

„Nein, ich komme mit euch. Ich will aus seinem Mund hören warum er uns das angetan hat.“

„DiNozzo!“ Gibbs Stimme wurde nun lauter als er es beabsichtigt hatte und Ziva sah ihn groß an. Milena war von dem lauten Worten  nun auch aufgewacht und sah ziemlich verwirrt zu den Erwachsenen auf. Ziva hatte von dem Gespräch der Beiden so gut wie nichts mitbekommen. Doch jetzt war ihre Aufmerksamkeit geweckt. Wenn Gibbs so reagierte, plante Tony eine Dummheit. So weit kannte sie sich schon aus, bei den Beiden. „Was ist los?“, fragte sie daher Tony.

„Dein Vater und Gibbs wollen gleich Samuel verhören. Ich will dabei sein. Das ist alles“, dabei sah er Ziva direkt in die Augen, in der Hoffnung, dass sie ihn verstehen würde.

Und Ziva verstand nur zur gut was in ihrem Lebensgefährten vorging. Er wollte mit eigenen Ohren hören, warum Samuel sie beinahe vergewaltigt hatte. Einerseits hatte sie ebenfalls das Gefühl dabei sein zu wollen, andererseits wollte sie ihn nie wiedersehen und sie wollte sich auch nicht mehr von Mia trennen. Im Endeffekt wusste sie, dass ihr Körper noch viel zu schwach für einen Ausflug war. Aber sie hatte in Tonys Blick dieselbe Ruhelosigkeit gesehen und sie wusste, dass sie diese Sache nur abschließen konnten wenn er Samuel selber befragen konnte, sonst würde er vielleicht immer zwischen ihnen stehen. Ziva erwiderte Tony Blick nun fest, dann sah sie ihren Vater an, ihr Entschluss stand fest. „Bitte Papa, nimm ihm zum Verhör mit, aber bring ihn mir danach wieder.“

David der die ganze Zeit ziemlich verloren hinter seiner Frau gestanden hatte, sah seine Tochter zum ersten Mal richtig an und nickte ihr zu. „Okay, ziehen sie sich an. Wir nehmen sie mit.“

Tony atmete auf. Er warf seinem Boss einen vorsichtigen Blick zu. Doch dieser sah nicht wirklich böse aus.

„Du hast es gehört DiNozzo. Wir warten draußen.“ Damit trieb er erst einmal alle aus dem Zimmer.


19. Kapitel

Mia sah mit großen vor Schreck geöffneten Augen ihren Vater an. Sie wollte nicht das er schon wieder ging. Sie hatten doch gerade erst ihre Mommy gefunden, warum wollte er sie nun schon wieder verlassen. Sie hätte jetzt gerne ihre Puppe in die Arme genommen, aber leider hatte keiner der Erwachsenen daran gedacht ihr Puppe mitzubringen, Ihr war so kalt und ihre Arme waren so leer. Sie braucht etwas das sie festhalten konnte. Ängstlich robbte sie auf Ziva zu, während ihr Daddy aus dem Bett stieg und mit angezogenen Bein zum Schrank hüpfte. Ziva breitete ihre Arme aus und Milena kuschelte sich an sie. Das war schon besser, dachte sie sich und genoss die ihr angebotene Wärme.

Ziva die Tony bei seinem Weg zum Kleiderschrank zusah, schmiegte ihre Wange an Mias kleinen Kopf. So hatte sie sie auch gehalten, als sie damals nicht wussten ob Tony die Nacht überleben würde. Das Milenas linkes Knie in ihre Wunde drückte, nahm die gerne in kauf. Sie schloss ihre Augen und sog Mias Duft nach Gummibärchen und Kindershampo tief ein. Sie liebte dieses Kind wie kein anderes und wenn sie daran dachte das ihr vor ein paar Tagen versucht wurde einzureden das es das letzte Jahr nicht gegeben hatte, lief ihr jetzt noch einen Gänsehaut über den Rücken. Als sie vom Schrank her lautes Stöhnen vernahm, öffnete sie wieder ihre Augen und sah Tony mit seiner Jeans kämpfen.

„Haben wir hier irgendwo eine Schere? Ich bekomme die Hose nicht über den Gips.“  

„Ich schell nach einer Schwester. Du brauchst auch Krücken, oder willst du zum Mossad HQ hüpfen?“, fragte sie lächelnd und drückte den roten Knopf an ihrem Bett. Kurz darauf ging die Tür auf und die Schwester die Tony ins Zimmer gebracht hatte streckte ihren Kopf herein.

„Ich hatte gesagt sie sollen sich ausruhen und nicht durch die Gegend hopsen.“ Erklang es vorwurfsvoll in einem mehr als schlechtem Englisch, während sie Tony zusah der immer noch versuchte seine Hose über sein Bein zu ziehen.

Ziva lächelte sie nett an und sprach dann in ihrer Muttersprache ein paar Worte mit ihr. Die Schwester erbleichte sichtlich und verließ das Zimmer schnell wieder.

Der Braunhaarige zog eine Augenbraue hoch und warf Ziva einen fragenden Blick zu. „Was hast du ihr gesagt?“

„Nur das sie dir eine Schere und ein paar Krücken bringen soll und das du ein Gast von Direktor David vom Mossad bist. Das wirkt immer.“

„Warum haben alle immer Angst vor deinem Vater?“, fragte er seine Lebenspartnerin.

Ziva zuckte die Schultern. „Er ist die Macht hier. Er ist ein bisschen wie das Gesetz.“

Da ging auch schon wieder die Tür auf und die Schwester brachte die gewünschten Dinge und legte diese mit einem übertrieben freundlichen Lächeln aufs Bett.

Tony nahm die Schere, besah sich seine Hose und seufzte einmal tief. „Weißt du das das meine Lieblingsjeans sind?“, zögerlich setzte er die Schere an und machte den ersten Schnitt.

Ziva lächelte ihm vom Bett aus zu. „Wenn wir wieder zu Hause in D. C. sind, kann ich den Schnitt wieder nähen.“

Der Braunhaarige hörte kurz mit dem schneiden auf und warf ihr einen belustigten Blick zu. „Du kannst nähen?“

„Na klar, Standardausbildung beim Militär und Mossad“, sie zog eine Augenbraue hoch. „Du etwa nicht? Du warst auf einer Militärschule! Lernt man so was in Amerika nicht? Du musst doch wissen, wie du dir im Notfall, eine Wunde selbst nähen kannst!“

Tony schüttelte sich. „Brrrrr, hör auf Ziva. Alleine der Gedanke jagt mir schon einen Eisschauer über den Rücken.“

Seine Lebensgefährtin lachte befreit aus. Es war schön wieder mit ihm zusammen zu sein. So unterschiedlich sie auch waren, sie ergänzten sich perfekt. Kurze Zeit später stand Tony, mit bis zum Knie aufgeschnittener Hose, neben ihrem Bett.

„Mach was du tun musst, aber komm schnell wieder“, sagte sie und zog ihn zu sich herunter. Der Kuss war nicht lang, aber dafür fordernd. Tony küsste seine Tochter noch auf die Stirn, dann humpelte er zur Tür.

„Ich beeil mich.“

~~~***~~~

„Tja, Prinzessin, da sind wir zwei wohl ein paar Stunden alleine“, sagte Ziva und sah dabei Milena an. „Meinst du, du könntest dein Schweigen jetzt schon brechen? Oder sollen wir noch ein bisschen warten? Ich würde mich gerne mit dir unterhalten, jetzt wo wir alleine sind. Du könntest mir erzählen warum du immer noch einen Gipsarm hast und warum der plötzlich eine andere Farbe hat?“

Mia machte ihren Mund auf, als wenn sie etwas erwidern wollte, doch dann klappte sie ihn wieder zu und schüttelte den Kopf. Fast gleichzeitig steckte sie sich ihrer Finger in den Mund und fing an zu weinen.

„Oh je“, sagte Ziva, „aber, es ist nicht schlimm, wir haben ja noch Zeit.“ Es war nur seltsam das sie den tot ihrer Mutter vor einigen Monaten besser weg gesteckt hatte, als Ziva Entführung. Sie legte ihr Arme wieder um das kleine Mädchen und zog sie an sich. „Du brauchst nicht reden, wenn du nicht willst. Wir halten uns einfach gegenseitig fest, bis dein Daddy wieder da ist und das für uns Beide übernimmt.“

Mia nickte und schmiegte sich noch fester in ihre Umarmung.

~~~***~~~

Gibbs und Tony saßen im Konferenzzimmer und sahen gebannt zum Bildschirm der ihnen das Verhörzimmer zeigte. David hatte immer wieder Samuel nach seinen Beweggründen befragt, aber dieser hatte nur die schon bekannten Phrasen von sich gegeben. Er hatte alles nur wegen des Geldes getan, ein besseres Leben, ohne Gefahren, ohne Angst vor dem Morgen, das waren seine Ziele. Ziva und Milena hatte er nur als Mittel zum Zweck gesehen. Und da Yasmin ähnliche Beweggründe hatte, hatten sie sich praktischer weise einfach zusammen getan. Abby hatte das verlorene Konto auf den Cayman Inseln ausfindig machen können. Mittlerweile war es vom Mossad beschlagnahmt worden. David wollte das Geld einem Waisenhaus zur Verfügung stellen, somit konnte man das Blutgeld noch einem guten Zweck zuführen. Samuel würde werden Mordes, zweifacher Entführung, Körperverletzung und Landesverrat angeklagt und für den Rest seines Lebens hinter Gittern verschwinden. Yasmin und Dr. Sichel waren tot, der Fall war abgeschlossen. Trotzdem war Tony nicht mit zum HQ gekommen um nun untätig hier herum zusitzen. Ihm brannte noch etwas auf den Seele und das konnte er nur mit Samuel alleine klären. Als David das Zeichen gab, das das Verhör beendet war und die Kamera ausgeschaltet werden könne, schnappte sich DiNozzo seine Krücken und humpelte zur Tür.

„Was hast du vor, DiNozzo?“, rief Gibbs im nach.

„Ich muss Samuel noch etwas fragen.“

„Okay, aber nicht ohne mich.“

„Boss…“

„Nein, DiNozzo. Ich habe Verständnis dafür, dass du noch mir ihm persönlich sprechen musst, bevor du die Angelegenheit als „Erledigt“ betrachten kannst, aber du bist verletzt, also sieh mich als deinen Bodyguard. Wenn er dich nicht angreift, werde ich auch nicht eingreifen. Okay?“

Nachdem der Jüngere nickte, lief Gibbs im langsam nach. Eli kam ihnen auf dem Flur schon entgegen. Er nickte beiden zu und machte ihnen den Weg frei. Dann begab er sich in das Konferenzzimmer und gab dem Techniker die Anweisung sowohl die Audio als auch die Video Aufzeichnung abzubrechen. Egal was da drinnen passierte, er wollte keine Beweise sehen. Es fehlte ja noch das irgend so ein kleiner Pflichtverteidiger, dieses Belastungsmaterial gegen sie verwenden würde.

~~~***~~~

„Warum haben Sie versucht Ziva zu vergewaltigen?“, fragte Tony zum wiederholten male. Er saß halbseitig auf dem Tisch, vor Samuel, Gibbs hielt sich im Hintergrund auf. Beiden war sofort aufgefallen das die Überwachungsapparate ausgeschaltet waren. Das bedeutete sie hatten freie Hand.

Samuel, der bisher eisern geschwiegen hatte, spie die nächsten Worte in Tonys Gesicht. „Weil ich wissen wollte, was Michael an diesem Flittchen gefunden hat. Warum er sie plötzlich mir vorzog. Darum habe ich es getan.“

Tony war aufgrund der Äußerung ein Stück näher an ihm heran gerutscht. „Sie Schwein.“

„Was regen Sie sich auf? Sie wollen es doch wissen. Wollen Sie auch wissen wie Sie war? Sie hat sich mir freiwillig hingegeben. Sie fand es toll mal wieder einen richtigen Mann zwischen Ihren Beinen zu haben.“

Und obwohl er wusste, dass das alles nur Lügen waren, regte sich in Tony ein Gefühl der Hilflosigkeit. „Was wenn Ziva ihn belogen hätte, wenn sie wirklich für Samuel die Beine….nein, keine Frage. Ziva würde ihn nie belügen und sie würde auch nie mit einem Frettchen wie Samuel Verkehr haben wollen. Außerdem hatten ihnen die Ärzte bestätigt, das es zu keiner Vergewaltigung gekommen war. Gibbs und David waren schnell genug da gewesen um einzugreifen. „Sie lügen.“

„Können Sie das mit Bestimmtheit sagen, Special Agent Anthony DiNozzo?“

Nein, oder doch ja, denn er vertraute Ziva voll. „Wissen Sie das meine kleine Tochter seit der Entführung nicht mehr spricht? Was haben Sie dem Kind angetan?“

„Ich ihr? Sie mir wohl eher. Die kleine Göre hat mich zwei mal bis aufs Blut gebissen“, teilte er ihm aufgebracht mit.

Tony schmunzelte, das hörte sich schon eher nach Milena an. Doch dann sagte der ehemalige Fahrer etwas, was Tonys Wut zum überschäumen brachte.

„Seinen sie froh, das ihre Kollegen rechtzeitig da waren. Als nächstes wäre ihre Kleine daran gewesen.“

Tony vergaß sein Gipsbein, die Krücken, die Schmerzen, alles war einerlei. Mit drei Schritten war er bei Samuel und donnerte ihm seine Faust ins Gesicht. Der ehemalige Fahrer war von der Wucht des Schlages vom Stuhl gefallen und hielt sich mit einer Hand das Kinn. Mit dem Schlag war auch seine Wut verraucht und Tony rieb sich die schmerzende Hand.

„Bist du jetzt fertig, oder kommt noch was?“, fragte ihn sein Boss und als sein Erster nickte, wandte sich Gibbs zur Tür um die Wachposten herein zu lassen damit sie den Gefangenen abführen konnten.

Tony  wollte sich umdrehen, doch Samuel hielt ihn auf. „Ich schwöre Ihnen, ich finde einen Weg ihnen das Liebste zu nehmen.“ Diese Drohung saß. Tony schluckte und Gibbs bereute es sofort Samuel nicht erschossen zu haben. Dann waren die zwei Wachposten da, rissen den Gefangenen vom Boden hoch und brauchten ihn raus.

Gibbs sammelte Tonys Krücken vom Boden auf und hielt sie seinem Stellvertreter entgegen. „Mach dir jetzt keine Gedanken. Der Mossad hat ihn fest im Griff. Er wird nicht frei kommen und wenn ja, werden wir die Sache auf andere weise erledigen. Oder David wird uns helfen“, dabei klopfte er einem jüngeren Gegenüber auf die Schulter um ihn aus der Erstarrung zu befreien. „Komm jetzt, ich bring dich zurück zu Ziva.“

Als sie den Vorraum erreichten, kam ihnen David entgegen. „Alles geklärt?“, fragte er sie.

Gibbs nickte. „Sie haben die Drohung gehört?“

„Sie war laut genug das wir sie auch ohne Abhörfunktion verstehen konnten. Er wird im unterstem Loch unseres Gefängnisses schmoren. Es ist fraglich ob er noch einmal Tageslicht sehen wird. Machen Sie sich keine Gedanken“, kam es von David.

~~~***~~~

Die Fahrt zum Krankenhaus verlief schweigend, jeder hing seinen Gedanken nach. Gibbs hatte Tony noch zu seinem Zimmer gebracht und dafür gesorgt, das die beiden Betten zusammen geschoben wurden, dann hatte er sich verabschiedet. Tony hatte sich wieder, bis auf die Boxershorts und Shirt ausgezogen und war zu seinen zwei Frauen unter die Decke gekrochen. Mia schlief schon tief und fest zwischen ihnen. Sie hatten sich noch lange flüsternd über sein Gespräch mit Samuel unterhalten und Tony hatte ihr alles, bis auf die Drohung, bereit willig erzählt.

„Was ist mit deiner Hand passiert? Das hattest du doch vorher noch nicht?“, fragte Ziva ihn leise.

Tony sah nachdenklich auf seine Hand herunter. Die Fingerknöchel waren aufgeschürft und leicht geschwollen. Das war ihm bis jetzt noch gar nicht aufgefallen. Er überlegte kurz, wieviel er ihr erzählen sollte, dann entschied er ihr doch die Wahrheit zu sagen. „Er hat dich in den Schmutz gezogen und da sind die Pferde mit mir durch gegangen. Gebracht hat mir das eine Drohung von Samuel.“

„Und eine verletzte Hand“, sagte Ziva und führte seine Hand an ihren Mund und küsste die abgeschürften Knöchel. „Eine Drohung?“

„Ja, aber darum brauchen wir uns nicht kümmern, denn er wird nie wieder aus dem Bau heraus kommen. Das hat dein Vater versprochen.“

„Was für eine Drohung und komm mir jetzt nicht mit irgendwelchen Ausflüchten.“

Tony sah wieder auf seine Hand. „Er hat gedroht, mir das liebst auf der Welt zu nehmen“, Er legte einen Arm um sie und zog sie zu sich und Milena. „Aber ich werde das nicht zulassen. Niemals“, sagte er und nahm ihre aufgeplatzten Lippen vorsichtig mit seinen gefangen.

~~~***~~~

Am Morgen war Gibbs pünktlich um 8 Uhr wieder im Krankenhaus. Seine beiden Agents saßen schon fertig angezogen auf ihren Betten, Milena hing mit müden Augen an Ziva. Langsam näherte er sich den Betten und wuschelte Mia durchs Haar. Sie zeigte keine Reaktion. Gibbs seufzte und Tony schüttelte traurig den Kopf.

„Und? Wie war die Nacht? Kann ich euch mitnehmen oder müssen wir noch auf einen Arzt warten?

Beide grinsten ihn an. „Wir können los. Es geht ihr gut“, sagte Tony und warf dabei Ziva einen Blick zu. „Ihre Werte sind so weit okay und die Wunde sieht gut aus. Sie muss sich nur erholen, aber das kann sie auch im Haus ihrer Eltern.“

„Hey“, sagte seine Gefährtin darauf. „Meinst du nicht ich kann für mich alleine sprechen?“

Tony lachte. „Siehst du Boss, sie kann schon wieder meckern.“

Gibbs lies seinen Blick über Ziva schweifen. Sie sah wirklich besser aus. Die bleiche, ungesunde Gesichtsfarbe war gewichen. Die Schwellung ihres Auges zurück gegangen. Allerdings schimmerten die Prellungen immer noch gelb, grün, violett. „Was macht die Schussverletzung?“, und als Tony wieder für sie antworten wollte, hob Gibbs eine Hand in seine Richtung.

„Es geht mir wirklich gut, Gibbs. Ich habe alles was ich brauche bei mir“, sagte sie und legte ihr Kinn wieder auf Mias Kopf.

„Dann lasst uns gehen“, sagte Gibbs und übernahm das wenige Gepäck der Drei. Ziva stand vorsichtig vom Bett auf, hatte dabei eine Hand auf ihre schmerzenden Rippen gepresst und hielt Mia die andere entgegen.

Milena ergriff die Hand ihrer Mommy und lies sich vom Bett helfen. An liebsten hätte sie bei Ziva auf den Arm gewollt, aber sie wusste das sie das nicht durfte und zu ihren Daddy konnte sie auch nicht, der brauchte seine Hände zum laufen. Also musste sie auch laufen, ob sie wollte oder nicht. Seit gestern Abend schon versuchte die Kleine das Schweigen zu brechen, aber immer wenn sie ihren Mund aufmachte, wusste sie plötzlich nicht mehr was sie sagen wollte. Es war als wenn ihr die Worte abhanden gekommen wären.



20. Kapitel


Die Fahrt zum Anwesen der Davids verlief ohne viele Worte. Der große Bahnhof den Abby organisiert hatte, eher klein aus. Ziva war einfach noch viel zu schwach, um lange auf den Beinen zu bleiben und nach einer kurzen Begrüßungszeit, schickte ihre Mutter sie wie in Kind ins Bett, während sie Mia unter ihre Aufsicht nahm und Tony zu den anderen ins Wohnzimmer bat. Sie ging mit Mia in die Küche und setzte sich mit der Kleinen an den Tisch.

„Sollen wir etwas malen, Mia? Was meinst du?“, fragte sie das Kind und als sie von ihr ein Nicken vernahm, holt sie den Block und die Stifte. Milena sah sie mit großen fragenden Augen an. Dann sah sie zur Tür und wieder Zivas Mutter an. Diese war ratlos. Was wollte sie nur?
„Ich habe meine Tochter, deine Mommy ins Bett gesteckt. Sie ist noch viel zu schwach und muss sich noch erholen. Wir können sie später besuchen, wenn sie wieder wach ist und dein Daddy sitzt im Wohnzimmer und unterhält sich mit deinen Onklen und Tante Abby. Ist es das was du wissen willst?“

Wieder nickte das Kind. Dann griff sich Mia einen Buntstift und malte wild drauf los. Zehn Minuten später hatte sie ein Familienbild geschaffen. Tony, Ziva und sich selber in der Mitte, vor einem Haus mit einem großen Baum und einem Baumhaus. Als Ruth es aufnehmen wollte, um es sich genauer anzusehen, holte Mia plötzlich einen schwarzen Buntstift und übermalte das Idyllische Bild mit wilden Kreisen. Dann lehnte sie sich zurück und steckte sich ihre Finger in den Mund.

Ihre Arme waren so schrecklich leer und ihr war so kalt. Immer noch hatte ihr niemand ihre Puppe gegeben. Traurig sah sie zu Ruth hoch, dann schloss sie ihre Arme um ihren kleinen Oberkörper und wiegte sich hin und her.

Ruth schluckte schwer und wischte sich versteckt eine Träne aus den Augenwinkeln. Mia steckte irgendwo da drinnen. Sie musste nur den Ausgang finden. Plötzlich fiel Ruth etwas ein. Schnellen Schrittes lief sie in den Flur und griff zur Kommode auf der ihre Puppe lag. Als sie sich wieder umdrehte stand die Kleine schon hinter ihr und sah sie aus leuchtet grünen Augen an. Sie hatte ihre Arme der Puppe entgegen gesteckt und Ruth legte ihr sie hinein. Glücklich drückte sie ihr Gesichtchen an den kleinen Puppenkörper. Endlich hatte sie sie wieder.

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Eli David lief  nun schon geschlagene fünf Minuten vor der Tür seiner Tochter auf und ab. Eigentlich wollte er ihr noch etwas Zeit zum erholen geben, aber Ruth hatte ihm vorhin klargemacht das es für ein Gespräch Zeit wurde. Und damit meinte sie nicht in zwei oder drei Tagen, sondern sofort. Eli atmete einmal stöhnend aus, dann legte er seine Hand wieder auf die Klinke. Vielleicht schlief sie ja fest und würde sein klopfen nicht hören, dann könnte er ganz offiziell wieder nach unten gehen. Also nahm er all seinen Mut zusammen, hob die Hand und klopfte zaghaft an die Tür. Das leise „Herein“ hätte er beinah überhört, so schwach hörte sich ihre Stimme an. Langsam öffnete er die Tür.

„Komm herein Papa“, hörte er da seine Tochter sagen.

„Hallo Ziva, wie geht es dir?“, fragte er sie und schalt sich in Gedanken selber, das ihm nichts besseres eingefallen war, denn er konnte sehen das es ihr nicht gut ging. Ihr Auge sah schrecklich aus und auch der Rest ihres Gesichtes war grün und blau. Sie bewegte sich steif aufgrund der verletzten Rippen.

„Gut“, sagte sie mit einem leichten Lächeln. „Was gibt es Papa? Warum bist du hier?“

„Ich...ähmm ich....“, stammelte er. Warum viel ihm das jetzt nur so schwer? „Ziva, ich muss mit dir reden. Es versuchen zu erklären.“

Sie schüttelte den Kopf. „Brauchst du nicht. Ich weiß und versteh es.“

„Nein, ich denke nicht. Ich habe Fehler gemacht. Mit dir, deiner Mutter, Ari und auch mit Tali. Immer ging mein Beruf vor. An manchen Tagen hatte ich das Gefühl der Job frisst mich auch. Nach Talis Tod, gab es unsere Familie nicht mehr. Deine Mutter ging wieder arbeiten, du warst beim Mossad in der Ausbildung. Ari befand sich auf irgendwelchen Untergrund Aktionen und ich war zu dem Zeitpunkt schon Direktor und habe mich in der Arbeit vergraben. Irgendwann haben Ruth und ich uns wieder zusammen gerauft. Dann passierte Ari und später Michael und du kamst aus Amerika zurück und ich sah mich am Ziel. Ich hatte dich wieder in meiner Nähe. Aber du warst so zurückhaltend. So ganz anders als früher. Und dann kam Somalia.“ Ziva hob ihre Hand und wollte ihn unterbrechen, doch Eli schüttelte mit dem Kopf. „Nein, lass mich ausreden. Ziva wenn ich gekonnt hätte, ich hätte dich aus der Wüste gerettet, aber mir waren politisch die Hände gebunden. Ich weiß auch das ich mit der Aussage bei deinem Vorgesetzten  nicht weit kommen würde, aber er hat auch keinen Geheimdienst zu führen. Gott sei dank haben dich Tony und dein Team gerettet. Dafür werde ich ihnen noch ein Leben lang dankbar sein, auch wenn ich es nicht offen sagen kann. Ziva du bist mein Kind. Das letzte, das mir noch geblieben ist. Ich möchte das du glücklich bist. Und wenn das nicht hier in Israel seinen kann, dann musst du eben in Amerika glücklich werden. Ich werde dir da keine Steine in den Weg legen“, während er sprach hatte er begonnen ihre Hand zu streicheln. „Ich habe deinen Mann nun kennen gelernt. Es ist ein guter Mann. Sein Herz schlägt an der richtigen Stelle. Ich werde deiner Heirat mit ihm zustimmen Ziva.“

Zu erstenmal während seine Ansprache, sah er seiner Tochter ins Gesicht. Zivas Augen waren feucht. Vorsichtig nahm er ihr Gesicht in seine Hände und gab ihr einen zärtlichen Kuss auf die Stirn. „Ich liebe dich, mein Engel“, sagte er und Ziva lies ihren Tränen freien lauf.

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5 Tage später

Sie wurde nur langsam wach. Die Sonne stand schon hoch am Himmel. Hinter sich spürte sie Tonys warmen Körper und kuschelte sich instinktiv wieder näher an ihn. In seiner Nähe würde ihr nie kalt werden, dachte sie mit einem Lächeln. Seine Temperaturen kamen immer einem Ofen gleich. Vorsichtig streckte sich Ziva im Bett. Ihre Rippen schmerzten bei unbedachten Bewegungen immer noch sehr, aber ansonsten hatte sie sich in den vergangenen Tagen gut erholt. Die Schusswunde verheilte gut, ihr Auge war wieder vollständig ab geschwollen und die Prellungen verblassten langsam. Auch Tony ging es besser und je weniger ihm seine Blessuren schmerzten, je mehr jammerte er herum. Nur um Milena machte sie sich große Sorgen, sie sprach immer noch nicht. Meistens saß sie ganz nah bei ihr oder ihrem Vater und hielt ihre Puppe fest im Arm. Als sie aus dem Krankenhaus kamen und von allen herzlich empfangen wurden, hatten sie angenommen das Mia beim Anblick ihrer Puppe ihre Stimme wieder finden würde, doch die Kleine hatte nur stumm Puppe entgegen genommen und sie seitdem nicht mehr losgelassen.
Diesmal würden sie nicht herum kommen mit Mia zu einem Kinderpsychologen zu gehen. Im Moment schlief sie allerdings noch im Nebenzimmer.

Sie waren immer noch im Haus ihrer Eltern. Morgen würde es wieder heim gehen. Das Team hatte dank Vance die Erlaubnis bekommen so lange in Israel zu bleiben, bis Ziva wieder reisefähig war. Die Heimreise würden sie in einem Navy Flugzeug antreten. Langsam um ihre Rippen nicht zu reizen, drehte sie sich auf die Seite. Ihre Fingerspitzen fuhren über Tonys nackten Oberkörper, sie spielte mit einzelnen Haaren auf seiner Brust.

„Mmhhhmmm“, hörte sie da seine verschlafene Stimme.

Sie beugte sich vor und drückte ihm einen zärtlichen Kuss auf die Lippen. Dann lies sie langsam ihr Hände recht und links an seinem Körper herunter wandern, bevor sie ihren Händen mit dem Mund folgte und seinen Körper mit kleinen, leichten Küssen über zog. Wieder hörte sie Tony stöhnen, doch diesmal war es nicht länger ein Stöhnen des allmählichen aufwachens, es war viel eher ein erregtes Stöhnen. Die Geräusche eines Mannes auf der Suche nach mehr. Ziva lachte leise. Jetzt war sie an seiner Boxershorts angelangt. Sie lies ihr Hand langsam über den Stoff streichen und hört ihn nach Luft schnappen. Weiter ging ihre Reise. Zärtlich strich sie über die lange Narbe am Oberschenkel. Ihre Finger umkreisten seine Knie, wanderten dann an seinem linken Bein weiter über das Schienbein, herunter zum Knöchel. Rechts wurden ihre Bewegungen kurz von dem Gips gebremst der seinen Unterschenkel umschloss. Doch dann fanden ihre Finger einen Weg unter den Gipsverband und sie hörte Ihren Gefährten wieder stöhnen.

„Oh Gott Ziva, mach weiter, nicht aufhören. Ohhhhhhhjjjjaaaaaaaa bitteeee. Mein Gott, ich halt das nicht mehr lange durch. Nicht aufhören habe ich gesagt. Bitte Ziva quäle mich.“

Im Hintergrund hörte er ihr leises Lachen, während sie ihm mit ihren Fingern unter seinen Gips kratzte. „Oh Gott wie das immer juckt“, kam es da wieder von ihm.

Aber Ziva war dem Spiel schon wieder leid geworden und  arbeitete sich nun an seinen Beinen nach oben. Tonys Stöhnen und stockender Atmen begleitete sie dabei. Als sich ihre Finger um seine Brustwarzen drehten, öffnete er zum ersten mal an diesen Morgen die Augen. Augen so grün wie ein Gebirgssee sahen sie erwartungsvoll an. Seine Hände umfassten ihre Oberarme und er zog sie langsam näher. Zivas Rippen protestierten kurz, doch sie versuchte die Schmerzen zu verdrängen. Tonys Lippen fanden ihre und seine Hände fuhren nun ihren Rücken herunter.

„Bist du dir sicher“, fragte er, eine Stimme war dunkel, vor Verlangen.

„Ja“, wisperte sie zurück. „So sicher wie noch nie in meinem Leben. Liebe mich Tony. Las mich vergessen.“

Bisher hatten sie sich nur gehalten, sie hatten sich geküsst, gestreichelt, aber geliebt hatten sie sich noch nicht. Zuerst war sie aufgrund ihrer Verletzungen dazu auch gar nicht in der Lage gewesen, dann wollte Tony sie, aufgrund der Vorkommnisse, nicht bedrängen. Das sie jetzt die Initiative ergriff, machte ihn sehr glücklich. Es war herrlich sie wieder so nah zu spüren. Ihr Geruch, ihre Haut, Ihr Haar, alles war ein Geschenk. Und auch Ziva schien es so zu gehen, denn ihre Bewegungen wurden fordernder. Sie schob eine Hand seinen Körper herunter und unter das Gummi seiner Shorts. Sie hörte mit Genugtuung sein Stöhnen. Tony schob seine Hände in ihr Haar und zog ihren Kopf wieder näher zu sich. Sein Kuss war heiß, leidenschaftlich und Ziva ergab sich ihm völlig.

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Einige Zeit später lagen sie durch geschwitzt nebeneinander im Bett. Ziva hatte ihren Kopf auf Tonys Schulter gelegt und strich mit ihren Finger über den noch nicht ganz verblassten  Bluterguss, der noch gut sichtbar seine linke Brust zierte. „Das war verdammt knapp, wenn du keine Weste getragen hättest...“, doch weiter lies er sie nicht reden.

„Hör auf Ziva, ich hatte aber eine Schutzweste an. Mir ist nichts passiert und dir Gott sei Dank auch nicht“. „Nichts was nicht mit der Zeit heilen würde“, fügte er in Gedanken dazu. Er gab ihr noch einen Kuss auf die Stirn, dann löste er sich aus ihren Armen und setzte sich auf den Bettrand. „Wie spät ist es eigentlich?“, fragte er sie.

Die Brünette warf einen Blick auf ihr Handy. „Oh, es ist schon 11:00 Uhr durch. Wie kommt es das Mia noch schläft? Sie weckt uns doch sonst jeden Tag?“, fragte sie ihn verwirrt.

Tony war alarmiert und stand vom Bett auf. Auf einem Bein hüpfte er die fünf Schritte