Autor: Marah Jade

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Rating: FSK 16
Genre: Action, Drama, Romanze, Whump
Charaktere: Jethro Gibbs, Tony DiNozzo, Ziva David, Tim McGee, Abby, Ducky, Tobias  und ein paar andere Charaktere.
Pairing: TIVA und ein bisschen McAbby und Gibbs mit OC.

Inhalt: Dies ist die direkte Fortsetzung von „Ein Geschenk zur Weihnachtszeit und A New Year“. Es ist wichtig die vorangegangene Story zu kennen. Es spielt ungefähr sieben Wochen später. Tony ist noch immer etwas lädiert. Er und Ziva leben zusammen. Es kommt zu unvorhergesehenen Ereignissen. Ein neuer Fall, eine alte Bekannte und ein neuer Lebensabschnitt. Ein bisschen Tony whumpig (TIVA)…………


Disclaimer: Alles nur ausgeliehen: Alle Rechte an den Fernseh-Serien NCIS ihren Charakteren und Handlungssträngen gehören Donald P. Bellisario, Belisarius Productions, CBS und Paramount.
Die Story und die nicht in den Serien erwähnten Personen und Orte sind meiner Fantasie entsprungen. Mögliche Ähnlichkeiten mit lebenden Menschen oder realen Ereignissen sind reiner Zufall und nicht von mir beabsichtigt!!!

Diese Geschichte ist nicht für die freie Verbreitung im Netz vorgesehen. Sollte jemand Interesse daran haben diese Story auf anderen Seiten zu posten oder zu verlinken, bitte vorher bei mir melden!






Milena



1. Kapitel

„Aaarrggghhhh, verdammt noch mal!“ fluchte DiNozzo los. „Ich bin den Scheiß so leid. Das glaubt mir keiner….“ Doch sein klagen hörte niemand. Vorsichtig setzte er sich wieder aufs Bett zurück. Der Satz *ich mach es mal eben* hatte neue Dimensionen erreicht. Nichts ging mal eben und jeder Gang musste gut überlegt sein.

Gleich nach Neujahr hatte er mit der Reha begonnen. Ziva hatte ihn zwar jedes freie Wochenende besucht, aber die vier Wochen waren ihm trotzdem endlos vor gekommen.  Seit einer Woche war er nun wieder Zuhause. Allerdings nicht in seiner Wohnung sondern in Zivas. Hier hatte er auch die Zeit zwischen dem Krankenhaus und der Reha verbracht. Denn hier gab es im Gegensatz zu seiner Wohnung einen Aufzug. Mittlerweile hatte er schon fast alle seine DVDs hier. Abby war so nett und hatte sie ihm geholt. Und trotzdem fühlte er sich  nicht wohl. Solange Ziva da war, war alles in Ordnung. Doch sobald sie morgens ins Büro fuhr, war es mit seiner Geduld zu ende. Und spätestens nach dem Frühstück drehte er am Rad. Er wollte wieder arbeiten. Er wollte beschäftigt sein. Er wollte nicht gelangweilt hier herum liegen. Das Leben mit Ziva war toll, aber es half ihm nicht über seine Unzufriedenheit hinweg.

Zwei mal die Woche ging er nun zu einer Physiotherapie. Strecken, Beugen, drehen…. Und was brachte es? Nur Geld in die Kasse der Therapeutin. Aus Wut und Frust schlug er mit der Faust aufs Bett. In der letzten Reha Woche hatten sie ihm von der Klettschiene befreit. Nicht aber von den Krücken. Der Bruch heilte schlecht. Nächste Woche stand ein neuer Röntgentermin bevor. Dann würde man sehen, hatten ihm die Ärzte gesagt. Im Moment durfte er das Bein nur mit maximal 20 kg belasten. Sie hatten ihm auch sagt: Es bräuchte Geduld, die Heilung schreite voran, sechs Wochen Schiene wären ganz normal…… Aber er hatte keine Geduld mehr. Sein Problem war, das sein Kopf auf Hochtouren lief während sein Bein sich eine Auszeit nahm. Er hatte es satt, er hatte es so satt. Er hatte gestern Abend versucht Ziva dazu zu bewegen, das sie ihn heute morgen mit zum Navy HQ nahm. Er hätte dann zu Abby gehen können. Gibbs hätte ihn gar nicht sehen brauchen… Aber leider war seine Freundin stur geblieben. Und so stand ihm wieder ein Tag auf dem Sofa bevor. Langeweile pur.

Jetzt unternahm der den zweiten Versuch an diesem Morgen aus dem Bett zu kommen. Seitdem sie die Schiene entfernten, hatte er das Gefühl kein Knie mehr zu haben. Durch die sechs Wochen Streckverband war das Gelenk versteift. Nichts was ein bisschen Physiotherapie nicht wieder beheben konnte *ja sicher*…. Doch jetzt zwei Wochen später tat sich da noch nicht so viel. Der Oberschenkel war damals knapp über dem Knie gebrochen  und bei der darauf folgenden Knieverletzung waren Muskeln, Bänder und Sehnen zu schaden bekommen. Aber auch das war scheinbar ganz normal, hatte ihm die Therapeutin gesagt. Wahrscheinlich würde ein Meniskusschaden zurück bleiben aber die Beweglichkeit würde mit der Zeit wieder kommen. Also weiter Beugen, Strecken, Drehen, ….. *Zähne zusammenbeißen* bla bla wuff wuff…..  Sie hatten alle gut zu reden. Aber es war sein Bein und sein Leben. Er wusste dass er undankbar war und er wusste auch das er sein Umfeld nervte. Aber er war so wütend…… Er hatte das Gefühl kurz vor einer Explosion zu stehen. In dem Moment knurrte sein Magen. Und Hunger hatte er auch noch, er musste dringend was essen.

Also setzte er wieder die Krücken aus. Und wuchtete sich hoch.
„Na geht doch.“ Brummte er und machte sich auf Richtung Badezimmer. Jetzt duschen, anziehen und dann ab in die Küche. Wie er Ziva kannte hatte sie ihm schon die Kaffeemaschine und sein Müsli vorbereitet. Auf Bagels musste er leider verzichten….. Bis zum Bäcker war es ihm definitiv zu weit. War das eigentlich Selbstmitleid. Was er hier fabrizierte? Wahrscheinlich, aber es war ihm egal. Er hätte  vor Wut in eine Tischplatte beißen können.
In der Dusche stand ein Hocker. *Sein Hocker. Toll, wie ein alter Mann… Aber immer noch besser als auf einem Bein stehend das Gleichgewicht zu halten… Also Boxershorts aus und rauf auf dem Hocker*. Nachdenklich fuhr er über die 15 cm lange Narbe die seinen noch etwas kümmerlichen Oberschenkel zierte. Es war nicht seine erste und es würde wahrscheinlich auch nicht seine letzte sein, aber trotzdem… ach er wusste auch nicht was er denken sollte. Irgendwie kam er mit der ganzen Situation nicht klar.

Nachdem er geduscht und wieder mit einer Jogginghose und einem Shirt bekleidet war, ging er langsam zur Küche. Wie vermutet hatte Ziva schon vor gearbeitet. Alles stand bereit für ihn. Er hatte sich gerade gesetzt als es an der Haustür schellte.
*Wer konnte das jetzt sein?* bestellt hatte er nicht. Und Ziva auch nicht, soweit er es wusste. Also schnappte er sich seine Krücken die an der Theke lehnten und machte sich auf  zur Tür.  Er hatte mal gerade die Hälfte des Weges hinter sich gebracht als es zweimal hinter einander stürmisch schellte.
„Verflucht noch mal, ich komm ja schon!“ schrie er quer durch den Raum *alter Mann ist doch kein D-Zug*. Dann hatte er die Tür erreicht und öffnete diese. Grüne Augen, seinen nicht unähnlich blitzen ihn freundlich an.
„Junior?!“ sagte Anthony DiNozzo Senior und mustere seinen Sohn ganz genau.
„DAD!?“ entfuhr es dem Jüngeren. „Was machst du denn hier?“
„Darf ich erst einmal reinkommen oder wollen wir unser Gespräch auf dem Flur führen?“
Tony gab die Tür frei und bat seinen Vater herein.
„Wie geht es dir?“
„Gut Dad“
„Tony, ich habe heute früh noch mit Ziva gesprochen. Es geht dir nicht gut.“
„Wenn du es sagst? Und warum kommst du erst jetzt?
„Du warst im Krankenhaus und dann vier Wochen in der Reha.“
„Ich war aber zwischen Weihnachten und Neujahr zuhause. Du hast nur einmal angerufen und da war ich noch im Bethesda.“ Kam es vorwurfsvoll von Tony.
„Junior, du weißt doch, die Geschäfte, das kann man sich nicht immer so aussuchen. Aber willst du dich nicht wieder setzen?“
Tony konnte ihn nur fassungslos ansehen, dann packte er seine Gehhilfen wieder fester und machte sich auf den Weg zurück zu seinem Frühstück.  
„Küche“, war alles was er zu seinem Vater sagte.
Er lehnte die Krücken wieder an die Theke und setzte sich aus einem Barhocker.
„Wenn du einen Kaffee willst, bedien dich. Tassen stehen über der Spüle im Schrank.“ Sagte Tony und widmete sich wieder seinem Müsli. Im Hintergrund hörte er seinen Vater klappern. Dieser nahm sich einen Kaffee und setzte sich neben seinen Sohn.
„Also, wie ist die Lage?“
Tony schmiss genervt den Löffeln neben seine Müslischale.
„Wie es mir geht, willst du wissen? Das siehst du doch, ich springe herum  wie ein junges Reh.“ Frustriert fuhr er sich durch die Haare.
„Ich hatte sechs Wochen einen Streckverband. Mein Knie ist versteift und ich kann das Bein immer noch nicht richtig belasten. Die Physiotherapie ist was für den Arsch. Mir ist langweilig. Und Gibbs lässt mich nicht ins Büro kommen. Reicht dir das?“
DiNozzo sen. sah seinen Sohn fest an.
„Diese Gejammer kannst du nur von deiner Mutter geerbt haben, denn ich bin ein steh auf Männchen. Aber du brauchst immer einen Tritt in den Hintern.“
„Warum bist du hier, Dad? Bist du hier um mich nieder zu machen? Dann las dir gesagt sein, du triffst niemanden der steht, denn ich liege schon auf dem BODEN!.“
„Ich bin hier weil du Hilfe brauchst.“
„Wie kommst du darauf dass ich DEINE Hilfe brauche? Mir geht’s gut.“
„Klar Junior.“ Und grüne Augen blitzten in warnend an. „Ich habe für heute Abend einen Tisch im Callas bestellt und werde euch um 19 Uhr abholen lassen. Ziva weiß schon bescheid.“
„Dad, muss das sein, ich bin nicht in der Stimmung für ein Familienessen.“ kam es von seinem Sohn.
„Anthony, es ist mir egal in welcher STIMMUNG du dich befindest. Ich versteh dein Problem nicht. Du lebst, du hast die Frau die du wolltest. Du hast dir „nur“ das Bein gebrochen. Das  vergeht. Also WO IST DEIN PROBLEM?“
„MEIN PROBLEM; DAD? Du siehst mein Problem nicht? Ich will mein altes Leben zurück. Ich will ein gesundes Bein. Ich will arbeiten. Im Außeneinsatz. Keine Akten.....“
„Du ist undankbar und selbstherrlich, mein Sohn:“ Mit diesen Worten stand er auf und ging zur Tür.
„Wo bist du abgestiegen?“ rief Tony ihm hinterher.
„Im Adams House, wie immer wenn ich mal in der Stadt bin.“
„Soll ich dir ein Taxi rufen?“
„Nicht nötig, ich habe einen Mietwagen mit Fahrer der draußen auf mich wartet. Also bis heute Abend Junior. Und äähhh, ich dulde dein Fernbleiben nicht.“
„Tschau Dad.“
In Gedanken überprüfte Tony schon einmal seine Finanzen. Konnte er sich den Besuch seines Vaters überhaupt leisten? Das Hilton war teuer und wenn er an den Mietwagen mit Fahrer dachte, wurde ihm richtig heiß. Wahrscheinlich würde er wieder an seine Urlaubskasse gehen müssen. Und die Tischreservierung im Callas erst. Ein im Moment voll angesagtes Restaurant. Hier kurzfristig einen Tisch zu bekommen war unmöglich, es sei denn es waren Bestechungsgelder geflossen. Er sollte also für heute Abend ein paar Dollar mehr einstecken. Nur für den Fall das er die Rechnung zahlen müsste.




2. Kapitel

Mittlerweile war er mit seinem Frühstück fertig. Mühsam stand er auf und humpelte in den Flur. Vor dem Spiegel blieb er stehen…. Wann war er das letzte Mal beim Frisör gewesen? Von seinem Frisör sprach er ja gar nicht, der was zu weit weg. Aber ein Frisör musste heute mal reichen, wenn sie heute Abend ins Callas wollten….. Er wusste, dass es in dem Shopping Center hier im Viertel, einen gab und bis dahin würde er ja wohl noch laufen können. Außerdem konnte er dort dann auch noch eine andere Kleinigkeit erledigten. Die Therapeuten hatten ihm ja gesagt das kleine Spaziergänge erlaubt, ja sogar förderlich, waren.

Er warf schnell einen Blick aus dem Fenster. Die Wege waren Schneefrei und nicht vereist. Aber er würde Handschuh mitnehmen müssen, denn die Temperaturen lagen immer noch im Minus bereich. Der Winter hatte Washington dieses Jahr fest im Griff. Neuer Tatendrang machte sich in ihm breit. Und er ging leise vor sich in pfeifend ins Schlafzimmer um sich um zuziehen.

Ziva stand unterdessen bei Abby im Labor. Sie unterhielt sich mit der jungen Goth gerade über Tonys Fortschritte und fuchtelte dabei mit ihren Armen wild durch die Gegend. Pure Ohnmacht war ich ihrem Gesicht zu lesen.

„Oh Abby, er ist im Moment so unzufrieden. Mit der Situation, mit sich selber, mit Gott und der Welt. Ich weiß echt nicht mehr was ich noch machen soll. Er schließt mich aus seinem Leben aus, ich kann ihn nicht mehr erreichen. Er braucht eine Aufgabe. Zuhause kommt er auf die blödsinnigsten Ideen. Gestern zum  Beispiel hat er in der Küche die Hängeschränke um geräumt. Als ich das Brot suchte, fand ich Konserven. Im Fach der Gewürze stand der Kaffee!“

„Was hast du gemacht?“ fragte Abby grinsend.
„Ich hab ihm gesagt dass das meine Wohnung und meine Küche ist und somit ich sage wo was steht. Darauf hin ist er aufgestanden und schlafen gegangen… ohne ein Wort zu sagen.“
„Wwwwoowwww, das hat es wohl nur noch schlimmer gemacht, oder? Er hat im Moment eine schwere Nuss zu knacken.“ Sagte Abby mitfühlend.

„Na meinst du denn ich nicht? So hab ich mir unser Zusammenleben nicht vorgestellt. Ich weiß dass sein Bein ihm Probleme bereitet. Aber das wird vorbei gehen. Warum kann er nur nicht auf die Ärzte hören. Sie sagen ihm immer wieder er muss Geduld haben…. Aber Tony schaltet voll auf stur. Will alles über das Gelenk brechen…“
„Knie“
„Waasss?“ fragte die Brünette verdutzt.
„Es heißt er will alles über das Knie brechen, Ziva, nicht Gelenk.“
„Siehst du. das ist es auch.“ Sagte sie aufgebracht. „Er verbessert mich nicht mehr. Ich kann erzählen was ich will, er nimmt alles nur noch hin. Wie bekomme ich meinen Tony wieder?“ Traurig sah sie ihre Freundin an.

„Vielleicht müssen wir Gibbs mal zu ihm schicken. Er hat so seine Art mit Tony zu reden. Vielleicht weckt ihn das wieder aus?“

„Mhhmm, heute Abend gehen wir jedenfalls mit seinem Vater essen.“
„Ohhh“, sagte Abby „Tonys Vater ist wieder da?“ Und hüfte dabei auf der Stelle.
„Ja und er will etwas mit Tony besprechen, was hat er allerdings nicht erzählt.“
„Und du weißt nicht was?“
„Nein, er tat sehr geheimnisvoll.“
„Oh Schade, dabei bin ich doch so neugierig.“ Sagte Abby mit einem Schmollmund.

„Aber sag einmal wie geht es eigentlich mit dir und Marten, deinen Pfleger?“
Abby sah sie kurz an und schüttelte den Kopf.
„Geschichte, Ziva. So wirklich haben wir auch nie zusammen gepasst. Wir hatten zwar dieselben Interessen, aber ich konnte mit ihm nicht fachsimpeln. Da ist Tim ganz anders, Mit ihm kann ich mich über alles Mögliche unterhalten und nicht nur über Gothic Themen.“

In dem Moment schellte plötzlich Zivas Handy. Sie klappte es auf.
„David“ sie hörte kurz zu und ihr Gesicht verfinsterte sich zusehends.
„Du bist WO?“ bellte sie in den Hörer. „Wie bist du dahin gekommen? Warum hast du nicht gewartet? Es hätte dich jemand fahren können! Nein, Nein ich kann jetzt nicht zu dir kommen um dich nach Hause zu fahren. Nein. Du hast den Weg einmal geschafft dann wirst du ihn auch zurück schaffen.“ Wieder trat eine Pause ein. „Dann nimm dir ein Taxi.“ Und mit diesen Worten klappte sie ihr Handy zu.
Abby stand die ganze Zeit wie erstarrt dabei. War das ihr Tiger? Was war mit ihm?

Ziva starrte frustriert auf das Handy. Sie fasste es nicht. Er hatte sich zu Fuß zum Frisör aufgemacht. Zu Fuß… das Center war ungefähr 3 Kilometer entfernt. Sie hatten ihn kleine Spaziergänge erlaubt, keine Kilometermärsche. Und jetzt hing er da fest, weil er nicht wusste wie er mit seinem Bein wieder nach Hause kommen sollte. Am liebsten hätte sie ihn jetzt umgeboxt. Sie verstand ihn nicht. Er musste mittlerweile doch wissen wie sie reagierte wenn sie sich sorgte. Konnte er nicht einmal einfach nur machen was man ihm sagte. Immer diese Extratouren…. Sie war es leid. Er hatte sich die Sache eingebrockt, sollte er doch zusehen wie er da wieder raus kam. Mit ihr jedenfalls nicht.

Abby hatte sie schon fast vollständig vergessen, als diese sie leicht am Arm berührte.
„War das Tony? Was ist passiert?“
„Er ist zu Fuß zum Shopping Center und sucht jetzt jemanden der ihn wieder nach Hause fährt.“ Erklärte sie nüchtern.
„Und du willst ihm nicht helfen?“ fragte Abby. Ziva schüttelte nur stumm den Kopf.
„Dann mach ich es.“ Sprach sie, nahm ihr Handy und wählte seine Nummer.

„Hey Tony, ich bin’s Abby, was hältst du davon wenn ich dich zum Mittagessen einlade? Wo bist du? Ja verstehe. Das ist ja super, dann treffen wir uns gleich da. Bis gleich Tiger!“ grinsend legte sie auf.
„Weißt du Ziva, Tony hat einfach ein Problem Schwäche zu zeigen. Jetzt meint er wieder Herr der Lage zu sein und ich bring ihn dir auch heile nach Hause.“
Die Brünette schaute ihre Freundin verdutzt an. „Du hast recht, ich glaube ich rede jetzt doch mal mit Gibbs“. Sie drehte sich um und machte sich auf dem Weg nach oben, während Abby ihre Autoschlüssel nahm und sich auf den Weg machte Tony einzufangen.

Gibbs hörte das vertraute *Pling* des Aufzuges. Sekunden später stand Ziva vor seinem Tisch.
„Boss, ich muss mit dir reden“
Ohne von einem Kaffeebecher hoch zusehen, fragte er: „Worum geht’s?“
„Tony!“
„Was hat DiNozzo jetzt wieder angestellt?“ fragte er schmunzelnd und sah Ziva dabei an.

„Oh, es geht gar nicht wirklich darum was er angestellt hat, sondern viel mehr darum was ich gleich mit ihm anstelle!“ Sagte Ziva aufgebracht.
„Ich weiß Gibbs, du hast es ihm untersagt jetzt schon zur Arbeit zu kommen. Aber bitte mach eine Ausnahme. Ich weiß sonst nicht mehr weiter. Hier hab ich ihn unter Kontrolle. Ihn alleine Zuhause zu wissen, ist die Hölle.“
Gibbs schüttelte schmunzelnd seinen Kopf. „Also was hat er wieder angestellt?“
„Er ist zum Frisör gelaufen und hat sein Bein überbelastet. 3 Kilometer. Jetzt hängt er dort fest und weiß nicht mehr alleine nach Hause zu kommen.“ Ziva sah wie ihr Boss seine Augenbrauen hob. Gibbs war nicht viel anders als sie, auch er machte sich Sorgen um seinen Stellvertreter.
„Mach dir keine Sorgen, Gibbs. Abby ist schon auf dem Weg zu seiner Rettung. Und das war nur das Highlight von Heute. Er ist jetzt seit einer Woche wieder hier und es wird von Tag zu Tag schlimmer mit ihm. Bitte, Gibbs.“

„OK, bring ihn Morgen wieder mit. Er kann Schreibtischarbeit verrichten, keine Außeneinsätze und ich werde es ihm persönlich sagen. Wann meinst du ist er wieder daheim?“
„Ich denke in zwei Stunden oder so.“
„Gut. Dann fahr ich nachher mal meinem Senior Agent besuchen. Aber jetzt nehmt euer Zeug. Wir haben einen neuen Fall. Und damit schmiss er Ziva den Autoschlüssel zu und lief mit Kaffeebecher, McGee und Ziva im Schlepptau, Richtung Aufzug.

Am Tatort erwartete sie ein Bild des Schreckens. Ein Auto war von der Straße abgekommen und einen Abhang herunter gestürzt. Es sah aus wie in normaler Unfall. Nur wies der Fahrer mehrere Einschusslöcher auf. Seine Begleiterin war scheinbar ebenfalls erschossen worden. Danach erst hatte sich der Wagen überschlagen. Auf der Rückbank sahen sie einen Kindersitz. Ziva warf McGee einen  entsetzten Blick zu. Dieser schüttelte beruhigend den Kopf und deutete zu den Rettungssanitätern. Die Brünette atmete auf. Das Kind lebte also. Doch was war das für ein Leben. Beide Elternteile tot. Gibbs riss sie aus ihren Gedanken.
„Ihr werdet nicht fürs rum stehen bezahlt. Ziva Fotos, McGee Beweismittel sichern, Tony Skizzen…“ Die beiden jungen Agents sahen sich verdutzt an. Gibbs stutzte kurz. Drehte sich dann um. Im weggehen rief er: „Ziva Fotos und Skizzen. Ich werde mich mal nach Zeugen um hören.“

Tim lächelte seine Kollegin an. „Ich fasse es ja nicht aber er vermisst ihn!“
„Ich weiss, darum wird Tony auch ab morgen wieder ins Büro kommen“
„Ehrlich? Und Gibbs erlaubt das?“
„Ja, er will es ihm nachher persönlich sagen.“ Sagte sie ihm grinsend und machte sich an die Arbeit. Tim stand noch etwas unschlüssig herum, lief dann aber in die andere Richtung um nach Beweisen zu suchen.

Gibbs gesellte sich zu Ducky. „Hast du schon was für mich?“
„Mein lieber Jethro, das einzige das ich dir jetzt schon sagen kann ist, dass die beiden seit ungefähr 5 Stunden tot sind und das sie nicht durch den Unfall starben.“ Dabei deutete er auch die zahlreichen Schusswunden.

„Was ist mit dem Kind?“ fragte Gibbs.
„Ein Mädchen, Milena, 4 Jahre. Hat wie durch ein Wunder überlebt. Nur durch ihr Weinen wurde der Wagen überhaupt gefunden. Die Jugendfürsorge hat sich ihrer bereits angenommen.“
„Ich geh sie mir mal kurz ansehen.“ Sagte Gibbs und machte sich auf den Weg.

Am Wagen der staatlichen Fürsorge, sah er eine dunkelhaarige Frau stehen. Sie hatte ein Telefon am Ohr. Als sie kurz darauf auflegte sagte er: „Ich bin Special Agent Leroy Jethro Gibbs, vom NCIS. Wir ermitteln im Fall des erschossenen Navy Angehörigen, Captain Jack Lenger und seiner Frau Sarah. Ich wollte nur kurz einen Blick auf die einzige Zeugin, die Tochter, werfen.“
Die Frau streckte ihm die Hand entgegen. „Hallo, ich bin Tabitha Wearly, die zuständige Sozialarbeiterin.“
*Sie macht einen freundlichen Eindruck und sieht auch sonst gut aus. Nicht ganz schlank und nicht allzu groß, aber schöne hell graue Augen und dunkle Haare. Nett* dachte sich Gibbs.

„Wie geht es der Kleinen und wie geht es mir ihr nun weiter?“
Langsam gingen sie zusammen auf das Kind zu.  
„Oh sie hat nur ein paar oberflächliche Kratzer. Nichts ernstes. Wir versuchen gerade heraus zu finden ob sie noch Verwandte hat. Aber bis jetzt sieht es schlecht aus. Die Großeltern verstorben und ihre Mutter war ein Einzelkind.“
„Was ist mit dem Vater?“ fragte Gibbs.
„Captain Lenger war nicht der Vater. Nur der Stiefvater und eine Adoption hat nie stattgefunden.  Der leibliche Vater ist aber registriert. Allerdings weiß er noch nichts von seiner Vaterschaft. Die Mutter hatte seinen Namen nur für den Fall ihres Todes benannt. Wir versuchen gerade seine Adresse heraus zu bekommen.“ Dann waren sie bei dem Kind angekommen.

Gibbs ging in die Hocke. „Hey, ich bin Jethro. Wie heißt denn du?“
Grosse grüne Augen blickten ihn unter braunen Locken an. Sie hielt ihre Puppe fest umklammert und hatte sich zwei Finger zum nuckeln in den Mund gesteckt.
„Milena“ nuschelte sie undeutlich.
„Hallo Milena, das ist aber ein schöner Name. Kannst du wohl für mich mal kurz deine Finger aus dem Mund nehmen?“ Sie tat worum er sie bat. „Wie alt bist du?“
Sie hielt ihn vier Finger hin. „Also vier Jahre. Kannst du dich erinnern was passiert ist?“ Sie nickte.
„Es war plötzlich laut und dann flogen wir mit dem Auto und Mama sagte ich soll die Augen zumachen und erst wieder aufmachen wenn sie es mir sagt. Ich war artig, ich hab sie zugelassen, die ganze Zeit.“ Jetzt fing sie leise an zu weinen. Auf ihrer rechten Wange hatte sie ein paar Kratzer. Sie sah so jung und unschuldig aus. Gibbs öffnete seine Arme und die Kleine presste sich hinein. Die Sozialarbeiterin schüttelte nur mit dem Kopf.
„Sie scheinen ein gutes Händchen mit Kindern zu haben. Bei uns war sie völlig unzugänglich. Wollte sich noch nicht einmal anfassen lassen. Haben sie Kinder, Agent Gibbs?“

„Ich hatte, eine Tochter, Kelly, sie ist leider schon vor langer Zeit gestorben.“ Kam es gepresst von dem Chefermittler. Mit der einen Hand drückte er das kleine Mädchen an sich und mit der anderen strich er ihr beruhigend über den Rücken und flüsterte ihr dabei leise Worte ins Ohr.
„Das tut mir leid“, sagte Tabitha. Gibbs hatte in dem Moment selbst Probleme. Milena erinnerte ihn so sehr an seine eigene Tochter das er nur schwer die Tränen zurück halten konnte. Langsam aber sicher hörte das schluchzen auf und er rückte wieder etwas von ihr ab.

„Gut, wir werden sie jetzt erst einmal im Vincent Heim unterbringen….“, doch weiter kam sie nicht, weil Milena sich plötzlich aufschreien an Gibbs klammerte.
„Du kommst doch mit? Ja? Bitte lass mich nicht alleine.“ Weinte sie. Gibbs Herz schnürte sich zusammen. Ihr schluchzen wurde immer lauter.

„Hey, hey Milena pass mal auf. Du brauchst hier keine Angst mehr zu haben. Du fährst jetzt mit der netten Tante hier mit und ich verspreche dir, ich komm dich besuchen. Ja? Haben wir einen Deal?“ Um ihr Aufmerksamkeit zu erreichen hatte er ihr ganz leicht einen Klaps auf den Hinterkopf gegeben. Sofort waren Ihre Tränen versiegt und sie sah ihn aufmerksam an. Gibbs stutzte kurz, seltsam aber auf DiNozzo hatten diese Kopfnüsse immer dieselbe Wirkung.
„Deal“ kam es pipzig von der Kleinen. Dann streckte sie Tabitha die Hand hin und lies sich widerstandslos wegführen. Im vorbei gehen bedankte sich die Sozialarbeiterin noch einmal bei Gibbs. *Na ja, dachte sich dieser, dann hab ich ja auch die Gelegenheit eine gewisse dunkelhaarige Sozialarbeiterin wieder zu sehen!*




3. Kapitel

Als Gibbs zum Tatort zurück kam, war schon alles für den Aufbruch zusammen gepackt. Sie wartete nur noch auf ihn um zum Navy HQ zurück zu fahren.
„Ziva, McGee ihr müsst heute mal mit Ducky fahren, ich will noch kurz bei Tony vorbei. Und wenn ihr im Navy Yard seid, macht Feierabend. Wir machen morgen weiter.“ Sagte er, setzte sich in seinen Dienstwagen und fuhr los. Tim und Ziva grinsten sich an.

Tony hatte es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht. Für heute hatte er wahrlich genug erlebt. Abbys Anruf war für ihn, ein Geschenk des Himmels gewesen. Ihr brauchte er nicht gestehen dass er sich übernommen hatte. Sie war einfach gekommen um mit ihm Zeit zu verbringen und nett zu Mittag zu essen. Jedenfalls hatte sie ihm das mehrfach versichert. Im Anschluss hatte sie ihn Zuhause abgesetzt und war denn schnellstens wieder ins Büro gefahren. Immerhin hatte sie ihre Mittagspause um ein paar „MINUTEN“ überzogen.

Tony war zurück zur Wohnung gehumpelt, hatte sich wieder bequeme Kleidung angezogen und noch kurz vor dem Spiegel halt gemacht. Der Frisörbesuch hatte sich wirklich gelohnt. Er sah wieder halbwegs vorzeigbar aus. Danach hatte er sich auf dem Sofa ausgestreckt, sein Bein hochgelegt und zwei Tabletten gegen die Schmerzen genommen. Wenn Ziva nachher kam, würde er sich bei ihr entschuldigen müssen. Er hatte sich in letzter Zeit schrecklich ihr gegenüber benommen. Und dann heute sein Alleingang und der Anruf bei ihr, ihm wieder aus der Patsche zu helfen, hatte allem die Krone aufgesetzt. Er würde Abbitte leisten müssen, das war ihm klar. Und seine Ninja war in manchen Sachen unerbittlich. Gedanklich machte er sich schon einmal eine Liste seiner Verfehlungen, als sein Handy schellte.

„Ja?“
„Ich bin es Gibbs, bleib liegen Tony, ich hab den Ersatz-Schlüssel mit.“ Sagte er und legte aus.
Tony sah sich vorsichtig im Raum um. Waren hier irgendwo Kameras versteckt, konnte sein Boss durch Wände sehen oder woher wusste er das er sich gerade auf das Sofa gelegt hatte? Es war schon unheimlich. Er wusste auch immer bescheid wenn Tony mal etwas vor ihm verheimlichen wollte. Doch weitere Gedanken in dieser Richtung konnte er nicht mehr fassen, weil in dem Moment schon die Wohnungstür aufging.

„Hey, wie geht’s dir DiNozzo?“ fragte der Chefermittler und schmiss seinen Mantel auf das Sofa.
„Gut“, kam es vorsichtig von seinem Agent.
„Willst du auch einen Kaffee, Tony?“ Wie selbstverständlich ging er in die Küche zum Kaffeeautomaten.
„Ja, gerne Boss.“
Kurze Zeit später stand er wieder mit zwei Kaffeebechern im Wohnzimmer und lies sich gegenüber seines Agent auf dem Sessel nieder. Er nahm einen Schluck Kaffee lies ihn genüsslich über seine Zunge laufen.
„Diese Kaffee Maschine die du dir zugelegt hast, ist wahrer Genuss pur. Man braucht nur auf einen Knopf drücken und schon kommt herrlicher Kaffee raus.“
Jetzt musste sogar Tony lachen. „Boss, das ist ein Kaffee Vollautomat. Und das mit dem Knopf drücken klappt auch nur, weil Ziva das Ding jeden Morgen frisch bestückt. Aber du bist doch nicht wegen des guten Kaffees hier, oder?“

„Du hast recht. Was ist mit dir und Ziva?“
„Nichts, was soll mit uns sein?“ fragte Tony. Er hatte es doch gewusst. Gespräche mit Gibbs waren immer bedrückend und gerne wäre er auch jetzt davor geflüchtet. Denn sein Boss hatte ein Händchen dafür ihm, bis in die hinterste Ecke seiner Seele zu blicken.
„DiNozzo ich bin alt aber nicht blind. Ich weiß, das was los ist. Ziva vergräbt sich in ihre Arbeit oder flüchtet zu Abby in den Keller und du rufst noch nicht einmal an, um mit mir über deine Rückkehr ins Berufsleben zu feilschen. Also schieß los.“

„Das ist alles so ungerecht. Ich rackere mich in der Physio ab, aber es bringt einfach nichts. Mein Bein macht nicht das was es soll. Und komm mir jetzt nicht mit dem Spruch, das Leben geht weiter, ich habe eher das Gefühl, es läuft an mir vorbei. Diese ganzen guten Wünsche kann ich nicht mehr hören. Du brauchst Geduld, kommt Zeit kommt Rat, baaahhh ich will wieder aktiv sein, im Einsatz rennen nicht schleichen.“ Frustriert legte er sich den Unterarm über die Augen und der Druck auf seiner Brust wurde noch größer.

Gibbs hatte bis jetzt noch nicht einen Ton von sich gegeben sondern seinen Agent ausreden lassen.
„Du badest dich im Selbstmitleid, Tony und das werde ich nicht zulassen. Wäre es dir lieber gewesen sie hätten dich erschossen anstatt nur angeschossen? Möchtest du lieber das Ziva vor Kummer über dich Schwachkopf zergeht. Das sie an deinem Grab steht und weint? Willst du das?“
„Nein, natürlich nicht. Aber es ist so ungerecht.“
„Das Leben ist nie gerecht! Denk nur an Kate, war das gerecht für dich?“
„Natürlich nicht, aber dort konnten wir wenigstens was tun. Aber jetzt bin ich zum Nichtstun verdammt.“ sagte er und konnte dabei Gibbs nicht ansehen.
Jethro sah seinen jungen Freund ruhig an und holte dann zum Gegenschlag aus.
„Du hast Angst!“
„Neiiiinnn, ich hab doch keine Angst. Ein DiNozzo hat keine Angst!“ Dabei hatte er eine Hand auf seinem Oberschenkel liegen und rieb sich nachdenklich über die Narbe.

„Doch“, sagte er dann plötzlich. „Doch, du hast Recht. Ich habe Angst. Angst um mein Bein, Angst vor den Schmerzen. Angst vor der Unbeweglichkeit. Angst meinen Job nicht mehr verrichten zu können. Und auch Angst vor dem Allein gelassen werden.“ Jetzt war es raus. Der Druck auf seine Brust hatte etwas nachgelassen, Gibbs war während Tonys Monolog zu ihm gegangen. Jetzt hockte er sich vor ihm hin, sah ihn fest in die Augen und gab ihm eine sanfte Kopfnuss.  Sein Agent quiekte übertrieben auf und rieb sich den leicht schmerzenden Hinterkopf.

„Jetzt hör mir genau zu, DiNozzo. Du schaffst das, du hast schon andere, schlimmere Dinge überstanden. Da wirst du auch noch diesen Beinbruch durchstehen. Und was Ziva betrifft und deine Angst vor dem allein gelassen werden. Im Moment bist du auf dem besten Wege dazu, dass das passiert. Stoss sie nicht immer weg. Las dir helfen. Gesteh ihr deine Ängste. Lass sie wieder in dein Leben.“ Dabei hatte er seine Hand auf Tonys Schulter gelegt.
„Und was deinen Job angeht, deswegen bin ich eigentlich hier. Wir haben einen neuen Fall und ich könnte deine Hilfe dabei gebrauchen. Meinst du, du bist schon wieder fit genug, für ein bisschen Schreibtischarbeit?“ fragte er grinsend.

Sein Agent schluckte schwer, doch dann hellten sich seine Gesichtszüge auf.
„Klar, immer. Alles ist besser als hier herum zu liegen und die Wände an zu starren.“
„Gut, dann kommst du morgen wieder mit Ziva ins Büro. Keine Alleingänge, nur Schreibtischarbeit, Tony. Verstanden?“
„Klar und deutlich Boss!“
„Ich habe gehört dein Vater ist wieder in der Stadt?“
Tony sah ihn fragt an. „Wie machst du das immer Boss? Woher weißt du das schon wieder?“
Gibbs war zu seinem Sessel zurück gegangen und nahm einen weiteren Schluck von seinem Kaffee.
„Ich habe sein Telefonat mit Ziva gehört. Keine Zauberei, DiNozzo. Also?“
„Ja, er war heute früh hier und hat Ziva und mich für heute Abend zum Essen eingeladen.“
„Was will er?“
„Ich habe keine Ahnung. Aber er wohnt im Adams House und war mit einem Mietwagen samt Fahrer hier.... Das macht mir mächtig Angst.“
„Dein Konto ist voll genug?“ fragte Gibbs schmunzelnd.
„Ich hoffe es wird reichen.“ Gibbs kramte während ihres Gesprächs seinen PDA aus der Hosentasche und reichte ihm Tony.
„Du kannst damit je besser umgehen als ich. Also such dir die Daten von heute morgen raus. Da stehen die Namen und auch die Fotos der Toten.“

Tony hatte sich jetzt auf dem Sofa aufgesetzt und betrachtete die Daten. Bei dem Foto der jungen Frau stutzte er kurz. Sie kam ihm schon irgendwie bekannt vor. Allerdings waren ihre Gesichtszüge durch den Unfall etwas entstellt. Aber trotzdem. Diese Augen..... Schnell sah er sich den Namen an. Sarah Lenger, geborene Drabel. Oh Gott.... In dem Moment schellte Gibbs Handy.

„Gibbs, ja Tabitha. Alles OK mit Milena?“ Dann hörte er wieder zu. Plötzlich gilt sein Blick von seiner Kaffeetasse zu Tony herüber.
„Ja, ich habe verstanden. Ja, ich kenne ihn und sie werden es nicht glauben ich bin sogar im Moment bei ihm. Pause. Ich werde hier auf sie warten.“ Und mit diesen Worten legte er auf. Mit einem Grinsen im Gesicht sah er seinen besten Mann an.
„Jetzt DiNozzo, jetzt hast du wirklich ein Problem“.

Tonys Gesichtsausdruck war ein einziges Fragezeichen. Seine Ex war erschossen worden und sein Boss benahm sich sehr seltsam.
„Ich kann dir im Moment nicht folgen Boss, aber ich muss dir was sagen. Ich kannte die erschossene Frau. Ich war vor fünf Jahren oder so, mal mit ihr zusammen.“
„Das weiß ich schon DiNozzo.“ teilte Gibbs mit. Sein Agent sah ihn verblüfft an, sprach dann aber weiter.
„Ich habe sie in einer Bar kennengelernt. Sie war nett und ich war körperlich nicht auf der Höhe, du weißt die Lungenpest und Kate war gerade erschossen worden. Sie hat mir zugehört, war für mich da als ich jemanden zum reden brauchte.“

Beide waren so in ihr Gespräch vertieft das sie die Wohnungstür gar nicht hörten.
„Und als sie schwanger war hast du sie sitzen lassen und bist abgehauen!“ sagte Ziva von der Türzarge aus. Zwei Köpfe fuhren erschrocken herum.

„Nein“ sagt Tony „So war das nicht.“ Dann fiel ihm erst auf was sie da gesagt hatte.
„Schwanger? Wieso schwanger? Sie war schwanger? Von mir? Woher weißt du das? Das kann gar nicht sein. Wir haben, …. Na ja, wir haben aufgepasst.“
„Wie war es dann?“ fragte Gibbs.

Tony fuhr sich frustriert durchs Haar. „Sie hat mich verlassen. Ungefähr ein halbes Jahr nachdem wir uns kennen gelernt hatten. Sie sagte, sie müsste zurück zu ihrer Familie und das das mit uns eh nicht richtiges geworden wäre. Sie sagte sie wäre es leid Tag für Tag Angst zu haben das ich nicht mehr zu ihr zurück kommen würde. Sie hatte mich vor die Wahl gestellt. Entweder Sie oder meine Arbeit.“

„Und du hast dich für deine Arbeit entschieden und hast sie gehen lassen?!“ fragte Ziva.
„Hey ich war es der verlassen wurde. Ich. Ich war gekränkt. Ich habe überhaupt nach nichts mehr gefragt.“ kam es beleidigt von ihm.
Aber Ziva war nun in Rage. Wut blitzte aus ihren schokoladenfarbenen Augen. Sie baute sich ganz nah vor ihm auf, hob ihren Finger und hieb ihm den Zeigefinger vor die Stirn.
„Du hast sie gehen lassen. DU. Hast du dich nie gefragt warum sie dich so plötzlich vor die Wahl stellte? Du hast deine Arbeit ihr vorgezogen. Weißt du eigentlich wie armselig das ist? Wenn ich plötzlich schwanger werden würde..“ Sie stockte kurz. „Nicht das ich das vor habe!“ sagte sie sofort um die Fronten zu klären. „…. und dich darum bitten würde. Würdest du das mit mir dann auch so machen. Alles was du unbequem findest, entsorgst du... Willst du das? Das gleiche machst du nämlich im Moment. Du stößt mich weg. Aber das kriegst du in deiner sturen Arroganz gar nicht mehr mit. Du bist selbstherrlich.“ mit diesen Worten drehte sie sich um und entfernte sich etwas vom Sofa. Tony versuchte derweil auf die Beine zu kommen.
„Bleib sitzen“, kam da von Ziva der Befehl. Als er diesen überhörte, wurde sie lauter.
„Ich sagte du sollst SITZEN BLEIBEN, DiNozzo.“ Und gleich darauf, in normaler Lautstärke: „Draußen steht das Jugendamt. Ich wollte aber vorher mit dir reden und jetzt lass ich sie rein.“

Tony verstand nun gar nichts mehr. *Anthony du hättest heute im Bett bleiben sollen, denn der Tag kann kein gutes Ende mehr nehmen.* Waren seine Gedanken. Gibbs der bemerkte, das ein Erster nicht weiter wusste, half ihm auf die Sprünge.
„Herzlichen Glückwunsch, Tony. Du bist gerade Vater geworden. Wie fühlst du dich jetzt?“ fragte er mit einem schmunzeln im Gesicht.
„Durcheinander!“ sagte dieser mit großen Augen.
Ziva öffnete die Tür. Milena riss sich sofort los und flog auf Gibbs zu. Der sie auffing und auf seinen Schoss setzte. Die Sozialarbeiterin nickte Ziva und Gibbs zu und wandte sich dann an den jüngeren Mann.

„Agent DiNozzo, mein Name ist Tabitha Wearly, ich bin die, für ihren Fall zuständige  Sozialarbeiterin. Ich denke Miss David hat sie schon über unsere Erkenntnisse aufgeklärt?“ Tony sah kurz zu Ziva und nickte dann. Tabitha sah zu Gibbs und der stand mit Milena auf dem Arm auf.
„Komm Kleines, wir schauen mal ob wir was zu trinken für dich finden und ich könnte auch noch einen Kaffee gebrauchen.“ Und ging mit ihr in Richtung Küche.
Die Sozialarbeiterin wartete bis sich die Tür zur Küche schloss. Dann nahm sie das Wort wieder auf.

„Agent DiNozzo, Milena ist laut der Aussage ihrer Mutter, ihre Tochter. Uns liegt ihr Testament, notariell beglaubigt, vor. Dem war auch ein Brief an sie bei gelegt. Sie hat uns schriftlich hinterlegt das Kind im Falle ihres vorzeitigen Todes, ihnen zuzuführen.“ Damit reichte sie Tony den Brief.
„Sollten sie Zweifel haben, Agent DiNozzo, können sie natürlich einen Vaterschaftstest anberaumen. Das bleibt ihnen überlassen.“

Tony öffnete den Umschlag. Ziva beobachtete ihren Gefährten. Bis jetzt hatte er noch kein einziges Wort gesagt. Sie sah dass seine Hände zitterten als er den Brief aus dem Umschlag zog. Jetzt tat es ihr schon wieder Leid, das sie ihn so angefahren hatte. Immerhin war er noch körperlich angeschlagen. Aber es hatte sich so viel in ihr aufgestaut. Sie hatte nun mal ein hitziges Gemüt.

Tony kämpfte dagegen immer noch mit dem Brief, doch dann hatte er ihn aufgeklappt und las.

Liebster Anthony,

ich weiß gar nicht wie ich es dir sagen soll, aber wenn du diese Zeilen liest bin ich längst tot. Denn das waren meine Bedingungen an den Anwalt der mein Testament aufgenommen hat. Ich hoffe für mich, das es ein schneller tot war. Und das es meiner oder sollte ich besser sagen unserer Tochter gut geht.

Ich habe dir damals nicht die Wahrheit über mich erzählt. Meine Familie kam zwar aus Nebraska aber da lebten sie schon lange nicht mehr. Mittlerweile leben sie in New York. Du hast sicher schon mal was von Albert Drabel gehört? Drogen, Frauenhandel, Prostitution. Das ist mein Vater. Als wir uns kennen lernten war ich vor ihm auf der Flucht. Ich habe seine Verbrechen nicht mehr ausgehalten und ihn bei der Polizei angezeigt. Sie haben mir  Schutz versprochen. Doch leider hat das seine Killer nicht aufgehalten. Ich hatte es geschafft mir eine neue Identität zu beschaffen. Nie lange an einem Ort zu bleiben war mein Motto. Doch dann lernte ich dich kennen. Zu allem übel auch noch einen Bundesagenten. Du kamst mir vor wie die Erhörung meiner Gebete. Bei dir fühlte ich mich seit langen wieder sicher.

Doch dann hatten sie mich gefunden. Plötzlich wurde die Luft zum atmen zu eng und ich bemerkte das ich schwanger war. Mir war klar, dass wenn ich dir die Wahrheit erzählt hätte, du dich gegen meine Familie gestellt hättest und dann hätte ich dich verloren. Also hab ich dich vor die Wahl gestellt. Entweder ich oder dein Job. Damals war ich sicher, das du deinen Job allem vorziehen würdest. Hätte ich dir  aber gesagt das ich schwanger war, hättest du mich nicht gehen lassen. Also hab ich es dir verschwiegen. Und es hat geklappt. Du warst eingeschnappt in deiner Männlichkeit und ich konnte dich schweren Herzens zurück lassen. Es hat mir damals das Herz gebrochen. Ich habe ein paar Wochen später einen anderen Mann geheiratet.... Aber du sollst wissen, es war keine Liebe, nur Sicherheit für unsere Tochter.

Ich hoffe, dass du diesen Brief erst erhältst, wenn wir beide alt und grau sind. Aber für den Fall das mein Versteckspiel schneller vorbei ist als beabsichtigt, dann kümmere dich bitte um unsere Tochter. Denn wenn mein Vater erfährt, dass ich ein Kind habe, wird er nicht eher ruhen bis auch diese entweder bei ihm ist oder begraben wird.

Anthony du sollst wissen ich habe dich immer geliebt. Und jeden Tag wenn ich unsere Tochter sah, sah ich dich. Sie ist dir sehr ähnlich.

In Liebe,

Sarah.

Tony gab den Brief ohne ein Wort zu sagen an Ziva weiter die diesen nun ebenfalls aufmerksam las.



4. Kapitel

„Ich habe also eine Tochter?“

„Es sieht so aus Mister DiNozzo. Milena, vier Jahre, braune Haare und grüne Augen. Aber das dürfte ihnen ja nicht entgangen sein. Jetzt sehe ich das sie voll nach ihnen kommt.“ sagte sie mit einem Lächeln.

„Und wie geht das nun weiter?“

„Wenn sie den Wunsch haben ihre Tochter aufzunehmen, dann werden wir ihr Umfeld prüfen, aber ich denke dem steht nichts im Wege. Sie sind immerhin Bundesagent, da sollte ihr Leumund erstklassig sein. Brauchen sie etwas Bedenkzeit? Die können sie haben. Sie müssen sich auch neu organisieren. Wenn sie und Miss David weiter zusammen arbeiten wollen, brauchen sie für Milena eine Tagesmutter oder einen Kindergartentagesplatz. Sie braucht ein Zimmer. Gegebenenfalls müssen sie umziehen. Leben ihre Eltern noch?“

„Mein Vater“, sagte Tony.

„Gut, Großeltern sind immer gut für Kinder. Sie fühlt sich scheinbar auch stark zu ihrem Boss hingezogen.“

„Das liegt in der Familie“ kam es sarkastisch von Ziva und sie warf Tony einen schrägen Blick zu.

Tabitha lächelte. „Wollen sie in nächster Zeit Heiraten?“ Jetzt sah sie die Beiden aufmerksam an.

„Nein“, sagte Ziva.

„Ja“, kam es dagegen im selben Moment von Tony. Beide sahen sich verdutzt an.
„Wir haben noch nicht offen darüber gesprochen, in letzter Zeit war es etwas stressig bei uns.“ versuchte der Agent zu erklären und deutete auf sein Bein.

„Darf ich fragen was passiert ist?

„Eine Schussverletzung mit Oberschenkelbruch. Es heilt aber es dauert noch.“

„OK, also nicht bleibendes.“ In dem Moment kam Gibbs wieder mit Milena aus der Küche.
Die Kleine hatte wieder ihre Puppe in den Klammergriff genommen. Ging dann aber geradewegs zu Tony und streckte ihm ihre Hand entgegen.

„Ich heiße Milena und du bist mein richtiger Vater?“

Bei ihren Worten zuckte Tony leicht zusammen. Ganz schön frech die Kleine. Sein Boss hatte scheinbar schon mit ihr gesprochen. Er und ein Vater? Er konnte nicht besonders gut mit Kindern. Und  plötzlich war er Vater. Am liebsten wäre er jetzt geflüchtet. Ziva hatte schon recht. Wenn etwas unverhofftes passierte, rannte er immer davon. Aber diesmal würde er es allen beweisen dass ein DiNozzo auch durchhalten konnte. Immerhin ging es hier um SEIN Kind. Also schluckte er den Klos im Hals runter und nahm ihre kleine Hand in seine große.

„Ja, ich bin dein Dad, Milena. Das ist ein schöner Name.“ Kam es unbeholfen. Dann räusperte sich Tony. „Ähhmmm, wie äah, wie heißt denn deine Puppe?“

„Puppe“ sagte die Kleine und gab ein typisches DiNozzo Grinsen preis.

Gibbs und Ziva konnten sich ein Lachen nicht mehr verkneifen. Tony wirkte recht hilflos auf dem Sofa. „Na das konnte ja heiter werden.“ Er überlegte krampfhaft was er noch sagen konnte. Doch seine Tochter war nicht so auf den Mund gefallen, wie er. Die Kleine zeigte auf seine Krücken und fragte: „Brauchst du die zum laufen? Kannst du dann gar nicht mit mir spielen? Ich habe nämlich einen Drachen, von Mama, zum Geburtstag bekommen!“

Und mit diesen Worten fing sie an zu weinen. Plötzlich erinnerte sie sich wieder, warum sie überhaupt hier war. „Mama, ich will zu meiner Mama“, schluchzte sie.

Tony war nun völlig überfordert und blickte Hilfe suchend zu Ziva. Diese kam näher und setzte sich mit auf das Sofa.

„Deine Mama sieht uns zu Milena. Sie ist jetzt bei den Engeln im Himmel. Da hat sie es schön und keiner kann ihr mehr weh tun.“

„Da kann ich nicht hin?“

„Nein mein Schatz, das geht nicht aber sie schaut dir von oben zu und passt auf dich auf.“

„Wirklich?“ kam es von Milena.

„Großes Indianer Ehrenwort!“ sagte Ziva lächelnd.

„Und schau mal wenn das Bein deines Vaters wieder ganz heile ist, dann kann er zusammen  mit dir den Drachen steigen lassen.  Bis hoch in den Himmel und dann bist du ihr ganz nah.“
„Kommst du dann auch mit? Jetzt musste Ziva lächeln. „Ja, so machen wir das. Es braucht halt nur noch etwas Zeit.“ Tony war erleichtert. Man merkte das Ziva eine kleine Schwester gehabt hatte. Er konnte so gar nicht mit Kindern.

Tabitha stand langsam auf. „So ich denke es ist jetzt alles geklärt. Überlegen sie es sich in  Ruhe und rufen sie mich dann an. Milena ist erstmal im Vincent Heim untergebracht. Da wird es ihr gut gehen.“ Sie streckte ihre Hand aus. „Kommst du Milena?“

Das kleine Mädchen eilte auf sie zu. Drehte sich dann an der Tür noch einmal um und winkte den dreien zu. „ Bye, bis bald.“ Dann schloss sich die Tür.

Gibbs stellte seine Tasse auf den Tisch und stand auf. Er sah zu seinen Agents.
„Ich werde auch gehen. Ich weiß das ihr heute Abend noch eine Einladung habt und das es jetzt noch einiges für euch zu Besprechen gibt.“ Er schnappte sich seinen Mantel und ging Richtung Tür. „Seid morgen früh pünktlich. Es gibt viel zu tun. Wir müssen alles über Milenas Großvater, heraus finden.“ Rief er ihnen noch über die Schulter zu, bevor er ging.

„Vater! Ich bin Vater. Ich kann das noch gar nicht fassen.“ Kam es stockend von Tony. Etwas ängstlich sah er Ziva dabei an. Er wusste nicht wie sie die ganze Situation aufnehmen würde. Ihr Streit vorhin hatte ihm schwer getroffen. Er fühlte sich schuldig an diesem ganzen Dilemma. Und sie hatte ja auch recht gehabt. Ihre Beziehung stand auf wackligen Beinen. Und nun noch Milena!“

„Ich habe sie nicht allein gelassen, das musst du mir glauben.“

„Ich habe ihren Brief gelesen. Ich hatte unrecht. Es tut mir leid, das ich dich vorhin so angefahren habe.“

„Nein, in manchen hattest du ja recht. Ich war in letzter Zeit unausstehlich. Es tut mir auch leid, Ziva.“

„Hast du das vorhin ernst gemeint?“ fragte Ziva da.

„Was?“

„Das du mich heiraten willst. Oder war das nur so daher gesagt damit es sich für die Jugendamt Mitarbeiterin besser anhörte?“

„Nein, nichts ist mir bis jetzt wichtiger gewesen.“ Dabei sah er sie fest an und winkte sie zu sich. Ziva kam näher und setzte sich zu ihm auf das Sofa. Ihr Ärger und ihre Wut auf Tony waren schon längst verfolgen.

Heiraten? Das war für sie bisher nie von Bedeutung gewesen. Der einzige Mann beim dem sie in dieser Beziehung hätte schwach werden können war Michael. Aber der war nun schon lange tot. Und es hatte sich leider heraus gestellt das auch er, ihr gegenüber, nicht mit offenen Karten gespielt hatte. Und wenn Tony sie damals nicht gerettet hätte…..
Aber Tony heiraten? Den Schürzenjäger vom Dienst. Sie war Jüdin und wollte ihren Glauben auf keinen Fall aufgeben. Und er? Sie wusste noch nicht einmal ob er überhaupt einer Kirche angehörte. Aber war das überhaupt wichtig? Und dann noch das Kind. Würde sie die Kleine lieben können? Sie war niedlich ohne frage, aber konnte Ziva ihre Mama sein? Die wenige Zeit die sie mit ihr verbracht hatte, hatte bereits gezeigt das sie ganz Tonys Tochter war. Tony benahm sich ja jetzt noch manchmal wie ein Kleinkind. Dann hätte sie ja gleich zwei davon. Die Panik in ihrem inneren nahm immer mehr zu. Plötzlich spürte sie seine Hand an ihrer Wange. Die leichte Berührung beruhigte sie weitgehend. Sie wusste genau, wenn sie ihm jetzt in seine grünen Augen sah, war es um sie gesehen. Diesem Blick hielt sie nie lange stand. Vielleicht würde er sich ja ändern. Jetzt wo er Verantwortung übernehmen musste. Sollte sie es darauf ankommen lassen? Ja, beantwortete sie sich die Frage selber. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. So hieß es doch, oder? Und außerdem war sie ZIVA, sie würde bei den beiden schon für Ordnung sorgen.

Sie drehte ihrem Kopf in seine Richtung und wurde sofort von seinen grünen Augen gefangen genommen. Plötzlich spielte nichts mehr eine Rolle. Es gab nur noch das hier und jetzt. Zärtlich nahm er ihr Gesicht zwischen seine Hände und zog sie nah an sich heran. Ziva schluckte schwer, was kam jetzt?

„Ziva David. Willst du diesen Schwachkopf von einem Bundesagenten, mit kaputtem Bein und kleiner Tochter heiraten?“ fast ängstlich sah er sie dabei an.

Ein Heiratsantrag, sie konnte es kaum fassen. Tony lies ihr keine Zeit zum flüchten. *Also Augen zu und durch, David.* Immerhin war ihr Vater der Leiter des israelischen Geheimdienstes.

„Ja“, sagte sie und war selbst geschockt, das sie sich gerührt fühlte.

Tony zog sie noch näher an sich heran und küsste sie zur Besiegelung ihres gegenseitigen Versprechens. Als sie beide wieder zu Atem gekommen waren kramte der Agent in kleines rechteckiges Päckchen aus seiner Hosentasche und öffnete es. Ein schlichter goldener Verlobungsring mit einem kleinen eingearbeiteten Stein kam zum Vorschein. Ziva stockte. Bisher hatte sie es für eine spontane Reaktion gehalten. Aber scheinbar hatte er sich damit schon länger auseinander gesetzt.

Tony lächelte sie an als er sagte: „Eigentlich müsste ich mich jetzt vor dir hin knien, aber da ich dann wahrscheinlich nicht mehr hoch kommen würde, muss es auch im sitzen gehen.“  Und schob ihr den Ring auf den Finger.

„Er ist wunderbar. Wo hast du ihn her?“ fragte sie den Ring immer noch betrachtend. Er grinste sie schräg an. „Vom Juwelier im Center.“

„Oh Gott und ich war so grauslich zu dir.“

„Nein, mach dir da mal keine Gedanken, ich hätte auch Abby anrufen können, aber ich wollte mir unbedingt was beweisen. Leider ist das nach hinten aufgegangen.“

„Schlimm?“ fragte Ziva und sah zu seinem Bein.

„Nein, jetzt nicht mehr.“

„Tony, bevor wir heiraten müssen wir noch so einiges klären. Ich muss mich mit meiner Familie aussprechen. Und ich bin Jüdin. Und dann ist da ja auch noch Milena. Wir müssen erst sehen wie wir klar kommen. Wir lassen uns einfach etwas Zeit. Ist das ein Problem für dich?“

„Nein, es ist okay, wir sind ja nun verlobt. Was soll da noch groß passieren. Du meinst also wir sollen Milena aus dem Heim holen?“

„Ich habe zwar eine scheiß Angst davor, aber …“ Sie zuckte mit den Schultern. „Sie ist deine Tochter, wir können sie nicht im Heim lassen. Denkst du da anders?“

„Auch ich habe Ängste, Ziva. Kann ich ein guter Vater sein? Ich hatte nie ein gutes Vorbild.“ Mittlerweile lagen sie beide, Arm in Arm auf dem Sofa. Ziva drehte ihren Kopf und küsste Tony zärtlich.

„Wir werden da beide rein wachsen. Zur Not werden wir uns einfach Rat von Gibbs holen. Er kann dir bestimmt viel zeigen. Zusammen werden wir das schon schaffen. Als erstes werden wir die Tage das ungenutzte Zimmer ausräumen, damit sie ein Kinderzimmer bekommt. Dann brauchen wir ein Kindermädchen oder einen Ganztags-Kindergarten Platz. Und wir müssen sie jetzt, solange sie noch im Heim ist, häufig besuchen damit besonders du eine Beziehung zu ihr aufbauen kannst. Es gibt jetzt soviel zu tun Tony. Wir müssen ja auch noch ihren Großvater dingfest machen. Und du musst auch weiterhin zu deiner Physiotherapie. Denn immerhin hab ich ihr versprochen das du den Drachen mit ihr steigen lässt und eine David steht zu ihrem Wort.“ Sagte die lächelnd.

„Weißt du, ich konnte mich nie als Ehefrau und Mutter sehen, sondern immer nur als Mossad Offizier, Killerin, Spionin. Aber jetzt freue ich mich auf diese Herausforderung.“ Ziva kuschelte sich wieder an ihren Partner.

„Sag mal, wie spät ist es eigentlich?

„Kurz nach 18 Uhr. Warum? Oh Gott, dein Vater! Das hab ich ja jetzt ganz vergessen. Wann wollte er noch einmal seinen Fahrer schicken?“

„19 Uhr. Da bleibt uns noch genug Zeit“

„Genug Zeit? Ich will noch unter die Dusche und meine Haare muss ich auch noch machen.“ Mit diesen Worten sprang sie vom Sofa auf und lief in Richtung Bad. Tony sah ihr Kopfschüttelnd hinterher.

„Frauen!“ dachte er, machte sich dann aber auch auf um sich um zuziehen.



5. Kapitel


45 Minuten später schellte der Fahrer an der Tür. Tony sah seine Verlobte stolz an. Sie war eine schöne Frau und zog viele Blicke anderer Männer auf sich. Mit ihrem schwarzen eng anliegendem Kleid und dem hochgestecktem Haar sah sie einfach hinreißend aus. An ihren Ohren glitzerten die kleinen Ohrstecker, in Form des Davidsterns, die sie von ihm zu Weihnachten bekommen hatte. An ihrem Finger der neue Verlobungsring. Er beobachtete sie wie sie ihren Mantel anzog.

„Fertig Tony, können wir?“

„Klar, ich warte nur auf dich“, antwortete er mit einem Lächeln und machte sich mit seiner Verlobten auf den Weg zum Wagen.

Wenig später waren sie vor dem Callas angekommen. Der Fahrer öffnete ihnen die Tür. Half Ziva beim aussteigen, während sich Tony mit seinen Krücken abmühte.

„Brauchst du Hilfe?“

„Nein, ich komm schon klar.“ Grummelte dieser.

Ziva sah ihm zu. Tony hatte sich heute für einen schwarzen Giorgio Armani Anzug mit einem weißen Hemd entschieden. Sehr klassisch. Das Jackett war etwas kürzer geschnitten und hätte ihr einen Blick auf sein wohl geformtes Hinterteil erlaubt, wenn er nicht, wegen der Kälte, einen dicken Mantel getragen hätte. Der Gedanke daran schenkte ihr ein warmes Bauch flattern. Ziva schloss schnell zu ihm auf und flüsterte ihm ins Ohr: „Komm las uns das schnell hinter uns bringen, damit wir wieder nach Hause können, Pelzarsch!“ Dabei zwickte sie ihm in das genannte Körperteil. Tony warf ihr einen amüsierten Blick zu.

Das Callas war im Moment das angesagteste Lokal der Stadt. Sie waren kaum durch die Tür als sie seinen Vater schon auf sich zukommen sahen.

„Ziva, du siehst heute wieder wunderschön aus. Und dein Haar. Reizend.“ begrüßte er sie.

„Junior! Ich freue mich dass ihr meine Einladung angekommen habt. Weißt du eigentlich was du an Ziva zu schätzen hast?“

„Sei beruhigt Dad, das weiß ich“, sagte sein Sohn.

„Wo ist unser Tisch?“ Es behagte ihm nicht hier vor alle Augen, mit seinen Krücken herum zu humpeln.

„Gleich hier Junior“. Und damit ging er auf den Tisch zu, hielt Ziva den Stuhl hin und sie setzen sich. Als Tony die Preise in der Speisekarte sah, fragte er sich ob sein Erspartes für diesen Abend wirklich reichen würde. Bis der erste Gang kam unterhielten sie sich über dies und das. Dann wurde sein Vater plötzlich ernst.

„Anthony, ich weiß das du damals die Hotelrechnung und den Flug nach Monte Carlo gezahlt hast.“ Als sein Sohn ihn fassungslos ansah, erklärte er weiter. Ich habe Al, Prinz Omar Ibn Alwaan getroffen und wollte mich bei ihm bedanken. Du kannst dir vielleicht sein erstauntes Gesicht vorstellen. Da wusste ich das nur du das gewesen seien kannst. Wie hast du erfahren das die Firma Pleite gegangen ist?“

„Ich bin Ermittler, Dad. Es ist mein Job so was zu wissen. Außerdem war es für mich ein leichtes an die Daten zu kommen. Ich brauchte nur ein bisschen meinen PC streicheln und schon hat der mir all die Daten …, Auuuuaaa! Ziva!“ empört sah er sie an. Sie hatte ihm unter dem Tisch vor sein gesundes Schienbein getreten.

„Er will damit sagen das er Zündschnur gerochen hat und McGee darauf hin alles heraus finden musste.“ Sagte Ziva und schmiss ihrem Verlobten einen trotzigen Blick zu. Sie mochte es gar nicht, wenn Tony sich mit falschem Fell schmückte.

Tony rieb sich immer noch sein Schienbein und war zu verdutzt über Zivas Verrat, als das er sie hätte verbessern können. Sein Vater sprang für ihn ein.

„Es heißt Lunte, Ziva. Nicht Zündschnur. Aber ich habe auch so verstanden was du mir sagen wolltest.“

Ziva sah zwischen den beiden DiNozzos hin und her. Vater und Sohn. Wie ähnlich sie sich doch waren. Abby erwähnte mal das die beiden auch hätten geklont seinen können. Wenn es hart auf hart ging hielten sie zusammen.

Auf was hast du dafür verzichtet?“ fragte Tonys Vater.

„Auf eine Schiffsreise mit meinen alten Kommilitonen. Aber mach dir nicht daraus, ich bin für so was eh zu alt.“

„Ich wollte mich heute mit meiner Einladung bei dir bedanken, dass du mich da aus der Verlegenheit gerettet hast. Und ich habe dir das Geld und noch ein kleines Dankeschön auf dein Konto überwiesen.“

„Nein das musst du wirklich nicht.“ sagte Tony.

„Doch ich denke das muss ich.“ Als er den verständnislosen Blick seines Sohnes sah fügte er schnell hinzu: „Es geht der Firma wieder gut. Wir hatten ein, zwei gute Geschäfte. Die Krise liegt weit hinter uns.“

„Oh Dad, das freut mich echt zuhören.“ Und innerlich viel ihm ein Stein vom Herzen, musste er also doch nicht an seine Reserven. „Dann ist vielleicht jetzt der richtige Moment dir auch was mitzuteilen. Du bist Großvater!“

Anthony DiNozzo Seniors Blick aus grünen Augen wanderte sofort zu Ziva. Diese fuhr erschrocken auf und unbewusst presste sie ihre Hand auf ihrem flachen Bauch.

„NEIN!“ kam es entsetzt von ihr. „Nein, nein nicht ich..... ich bin nicht schwanger.“ stotterte sie und schnell versuchte sie zu erklären.

„Tony ist Vater eines vierjährigen Mädchens mit Namen Milena. Ihre Mutter ist tot und wir werden sie zu uns nehmen. Wir haben es erst vorhin erfahren.“

„Mein Gott, vier Jahre? Ich bin Großvater seit vier Jahren und weiß das nicht?“

„Tröste dich Dad, ich bin auch seit vier Jahren Vater und weiß es erst seid heute.“ Sein Gesicht sprach dabei Bände.

„Gibt es eigentlich aktuell eine Großmutter für Milena?“

„Nein, Vicky hat mich zusammen mit meinem letzten Cent verlassen.“

„Oh das tut mir Leid. Vicky? Ich dachte ihr Name wäre Phoebe gewesen.“

„War er auch, Vicky war neu und wir haben sowieso nicht zusammengepasst.“

„Hast du Vicky auch geheiratet?“

„Nein Junior, irgendwann muss auch ich mal dazulernen!“ sagte sein Vater grinsend.

„Wann kann ich meine Enkelin kennen lernen?“ kam es interessiert von ihm.

„Wie lange wirst du in der Stadt bleiben?“

„Zwei Wochen?“

„Gut da lässt sich dann bestimmt was einrichten.“ sagte Tony

Anthony sen. Blick war derweilen an Zivas Hand hängen geblieben.

„Hab ich da noch was verpasst?“ fragte er. Ziva schenkte ihm ein warmes Lächeln.

„Wir haben uns verlobt, heute.“

„Oh!“ Tonys Vater sprang auf und eilte um den Tisch auf sie zu. „Das freut mich ja so ungemein für euch.“ Sagte er, schlug seinem Sohn anerkennend auf die Schulter und zog Ziva anschließend in seine Arme. Dann dreht er sich zu dem Ober um und rief: „Bringen sie uns bitte eine Flasche ihres besten Champagners. Wir haben eine Verlobung zu feiern.“

„Dad, mach nicht so einen Aufstand.“

In dem Moment als der Ober das Gewünschte brachte schellte Tonys Handy.

„DiNozzo?“

„Aa ha, sie sind das also?!“ sagte die Stimme dann wurde aufgelegt.

Tony schaute verdutzt sein Telefon an.
„Wer war das?“ fragte Ziva.

„Keine Ahnung, vielleicht falsch verbunden?“

In dem Moment sah Ziva im Augenwinkel einen roten Punkt, der sich über dem Tisch auf Tony zu bewegte. Sofort sprang sie auf, drehte sich zu den anderen Gästen um und schrie: „Bundesagenten, auf dem Boden, sofort alle.“ Die meisten leisteten ihr ohne Widerstand folge. Nur die beiden Tonys sahen sie verständnislos an.

„Tony, Zielfernrohr, runter mit dir.“ Jetzt bemerkte er junge Agent auch den roten Punkt und lies sich zusammen mit seinem Vater unter den Tisch fallen. Keine Sekunde zu früh. Wo Tony gerade noch gesessen hatte schlug nun eine Kugel in die Polsterung des Stuhls ein. Eine zweite traf den Tisch. Ziva und Tony schmissen den Tisch um, um mehr Deckung zu haben, Tonys Hand fuhr zu der Stelle an der normalerweise sein Pistolenhalfter hing. Der war natürlich nicht da, da er ja offiziell noch krank geschrieben war.

„Ruf Gibbs an und gib mir deine Pistole“, brüllte Tony über das Geschrei der anderen Gäste hinweg. Ziva öffnete ihre Tasche, gab Ihrem Partner ihre Waffe, nahm das Telefon und wählte Gibbs Nummer.

„Gibbs?“

„Wir brauchen Hilfe“, rief sie ins Handy. „Wir werden beschossen. Scharfschützen und Maschinengewehre. Im Callas.“ Dann duckte sie sich unter den nächsten Schuss hinweg.

„Seit ihr OK?“

„Ja noch.“

„Ich bin sofort da“, sagte ihr Boss und legte auf.

Tony hatte in dessen den Schusswechsel aufgenommen.
„Der Tisch bietet uns nicht mehr lange Schutz. Wir müssen sehen das wir dahinten zu dem Mauervorsprung kommen.“

Ziva schmiss ihm einen abschätzenden Blick zu. „Schaffst du das?“

„Das werde ich wohl müssen.“

„Dad, bei drei rennst du ohne anzuhalten mit Ziva zu der Mauer. Ich gebe euch Feuerschutz.“

„Oh nein, das kannst du dir falten, Tony. Ich bin der bessere Schütze und ich bin schneller. Also wirst du mit deinem Vater zusammen zu dem Mauervorsprung laufen.“

„Knicken, nicht falten Ziva.“

„Waass?“

„Egal, nicht weiter wichtig“, sagte Tony schnell.

Sein Vater hatte die ganze Zeit noch kein Wort gesagt. Jetzt kroch er auf seinem Sohn zu hockte sich vor ihm und hielt ihm seine Hand entgegen. „Komm, lass dir helfen.“

Tony lies sich von seinem Vater auf die Beine ziehen und legte ihm einen  Arm um die Schulter.

Ziva fing an zu zählen. „Eins, zwei, drei!“ Dann gab sie einen schnellen Schusswechsel ab und die beiden Männer liefen so schnell es Tony möglich war Richtung Mauer. Ziva warf einen schnellen Blick über die Schulter und gab noch ein paar Schüsse ab. Dann hatten sie beiden die vermeintliche Sicherheit erreicht und warfen sich hinter die Mauer. Ziva raffte ihr Kleid etwas höher, gab noch einmal eine schnelle Schussfolge ab und rannte dann den beiden DiNozzo Männern hinterher.

Sie hatte gerade die Mauer erreicht als eine Kugel ihren Oberarm streifte.

Etwas unsanft wurde sie hinter die Mauer geschleudert und landete auf ihren Knien.

„Alles klar bei euch beiden?“ fragte Ziva blickte kurz zu ihrer Wunde und sah dann nach den beiden Männern.

„Bei uns schon“, sagte der Agent mit Schmerz verzerrtem Gesicht. „Aber du bist verletzt, du blutest.“

„Das ist nur ein Streifschuss, nicht der Rede wert.“

Tony Senior war etwas blass um die Nase. Sein Sohn saß mit dem Rücken an der Mauer und hatte sein verletztes Bein ausgestreckt.

„Wirklich alles ok?“ hackte Ziva nach.

„Ja ja, wo bleibt nur Gibbs?“ Aber kaum hatte er es gesagt, hörte er auch schon Sirenen. Wenig später kam Polizei und ein NCIS Team in den Raum.

„DAVID, DINOZZO“, rief Gibbs. „Wo seit ihr? Es ist sicher. Es waren zwei Schützen und sie sind ausgeschaltet.“

Ziva stand hinter der Mauer auf. „Hier Gibbs“, sagte sie. Die Polizei geleitete die übrigen Gäste aus dem Restaurant, das nur noch aus Trümmern bestand. Wie durch ein Wunder gab es keine weiteren Verletzte oder Tote zu beklagen. Gibbs und McGee gingen langsam auf die Mauer zu.

„Ruf einen Krankenwagen, Tim. Ziva ist verletzt“, rief Tony ihnen zu.

„Ja“, sagte dieser und zückte sofort sein Handy. Er wunderte sich, denn wenn Tony ihn beim Vornamen nannte, musste er entweder sehr um Ziva besorgt sein, oder es ging im selber schlecht.

Ziva ließ sich nun wieder hinter der Mauer neben Tony auf dem Boden nieder. Jetzt wo das Adrenalin aus ihrem Blut war, merkte sie auch ihre Schussverletzung. Ihr Verlobter reichte ihr sein Taschentuch, vorsichtig legte sie es auf die Wunde und drückte zu. Tony sah sie aufmerksam an.

„Es ist nur ein Kratzer DiNozzo kein Grund aus zufloppen!“ sagte die Brünette.

„Flippen, Ziiivvaaa“ sagte Tony lächelnd und etwas von seiner Anspannung war sofort verflogen. „Es heißt -kein Grund aus zuflippen, nicht floppen-.“

Ziva legte ihren Kopf an seine Schulter und atmete erleichtert durch. Scheinbar hatte Tony seinen Humor wieder gefunden.

Wenige Minuten später kam der Krankenwagen an. Während Zivas Wunde versorgt wurde, wandte sich DiNozzo Senior an seinen Sohn der immer noch auf dem Boden saß.  

„Also wenn es bei euch immer so aufregend zu geht, muss ich mir das mit den zwei Wochen noch überlegen“, sagte er grinsend. „Aber jetzt mal im Ernst. Was hast du angestellt, das jemand dich sogar dafür töten will?“

„Ich habe keine Ahnung, Dad“

„Mhhm gut, wie du meinst. Willst du eigentlich da unten sitzen bleiben oder soll ich dir hoch helfen?“ Und zum zweiten Mal an diesem Abend hielt er ihm seine Hand hin. Tony grinste und lies sich helfen. Tim übergab ihm seine Gehhilfen.

„Alles klar Tony?“ fragte Gibbs.

„Ein bisschen angeschlagen, aber ansonsten geht es mir gut.“

„Das sieht aber nicht so aus. Geh mit Ziva und lass dich durchchecken.“

„Das ist nicht nötig, es geht mir wirklich ….“

„DiNozzo, das ist ein Befehl. Also los. Geh zu dem Sanitäter. Sonst bring ich dich persönlich ins Krankenhaus.“ sagte Gibbs aufgebracht..

„Ja Boss“, kam es nörgelnd von seinem Agent. Doch er machte sich, stärker hinkend als zuvor, auf zu dem Krankenwagen.




6. Kapitel

Gibbs wandte sich an Tonys Vater. „Guten Abend, Mr. DiNozzo. Können sie mir schon mal sagen was hier genau passiert ist?“

„Tut mir leid, aber ich habe keine Ahnung. Juniors Handy schellte und im nächsten Moment ging die Schießerei los. Wenn Ziva nicht so schnell gewesen wäre..“ Er fuhr sich durch die fast weißen Haare. „Der Laser Punkt war schon fast auf Tonys Brust angekommen. Er hätte sterben können! Mein Sohn, Agent Gibbs.“ Der ältere Mann war völlig fassungslos. Gibbs war schon ein paar Mal mit DiNozzo Senior zusammen getroffen, aber bisher hatte er ihm immer als coolen, aalglatten Geschäftsmann kennen gelernt. So aufgewühlt hatte er ihn noch nie gesehen. Vielleicht wusste er ja nun, was er an seinem Sohn zu schätzen hatte.

„Kann dieser Überfall mit ihren Geschäften zu tun haben? Haben sie Feinde?“

„Wo denken sie hin. Sicherlich habe ich auch Feinde, das bringt der Beruf so mit sich. Aber dieser Überfall? Nein, wenn sie es auch mich abgesehen hätten, wäre ich jetzt tot. Ich saß die ganze Zeit im Schussfeld. Nein, es war Anthonys Handy das schellte und der Laser Point verfolgte seine Bewegungen nicht meine. Er sollte sterben, nicht ich.“

„Tony lebt Mr. DiNozzo. Sie können hier nichts mehr tun. Fahren sie in ihr Hotel. Wir werden uns bei ihnen melden.“ Damit wollte sich Gibbs abwenden, doch er wurde von DiNozzo Senior aufgehalten.

„Ich will erst wissen wie es meinem Sohn und seiner Verlobten geht. Danach bin ich weg.“ Und schon ging er auf den Krankenwagen zu. Gibbs stutzte kurz. Verlobte? Es geschahen noch Wunder. Wer hätte das gedacht.

Ziva kam ihnen entgegen gelaufen. Ihr Arm hatte einen festen Verband bekommen. Aber sonst schien die Verletzung nicht weiter schlimm zu sein.

„Wie geht’s dir?“

„Es ist nur ein leichter Streifschuss, ein Kratzer Gibbs, nicht wildes. Aber ich fahre mit Tony ins Krankenhaus.“

Jetzt war Gibbs alarmiert. „Also doch, was ist das Problem?“

„Er ist an der Mauer etwas unsanft aufgekommen. Der Doc sagt, vielleicht ist es nur eine Prellung, es kann aber auch sein das sein Knie was ab bekommen hat. Feststellen können sie das nur durch ein Röntgenbild.“

Sie gingen zusammen mit Ziva zum Krankenwagen. Der Grauhaarige sprach den Sanitäter an und bat ein paar Minuten Zeit um seinen Agent über den Überfall zu befragen. Mr. DiNozzo war schon bei seinem Sohn.

„Hey Tony, wie geht es dir?“

„Ganz gut Boss, ich glaube nicht das viel passiert ist. Aber die lassen sich hier nicht umstimmen. Dabei ist Ziva angeschossen worden und mich wollen sie mitnehmen,“ kam es frustriert von seinem Agent.

„DiNozzo, hör mir zu. Du fährst da jetzt mit und damit Basta. Aber davor, erkläre mir was hier passiert ist?“

Tony sah seinen Boss nachdenklich an. „Mein Handy schellte und eine Stimme sagte: „Sie sind das also! Oder so ähnlich. Ich weiß nicht mehr genau. Dann hat Ziva den Laser Point entdeckt und alle aufgefordert sich hin zulegen und dann fing die Schießerei auch schon an. Alles andere hast du ja noch mitbekommen.“

„Tja, mehr kann uns leider dein Vater auch nicht mitteilen.“

„Konnte man noch was aus dem Schützen heraus bekommen?“

„Nein leider, der ist tot. Was sagt dir dein Bauchgefühl DiNozzo?“

„Mein Bauchgefühl sagt mir das das was mit Sarahs Vater zutun hat.“

„Wenn das so ist, dann hat er seine Enkelin gefunden.“ Gibbs strich sich über die Augen. „Ich sage im Kinderheim Bescheid und lass Milena ins HQ bringen. Du lässt nach deinem Bein sehen und dann kommst du mit Ziva ins Navy Yard. Es ist jetzt zu gefährlich bei euch Zuhause. Wir werden alle im Yard bleiben. Ich schick euch McGee mit. Bis später Tony.“

Damit drehte er sich um, um Tim zu informieren und Tabitha anzurufen. Tonys Vater legte seinem Sohn noch einmal die Hand auf die Schulter und ging dann auch zu seinem Wagen. Für ihn war der Tag wahrlich anstrengend genug gewesen.  


Drei Stunden später.

Das -Pling- des Aufzuges lies Gibbs aufsehen. Neben ihm saß Tabitha Wearly mit der schlafenden Milena auf dem Schoss. Die Kleine hatte sich wieder zwei Finger in den Mund gesteckt und war genüsslich am nuckeln. Mittlerweile war es in dem Großraumbüro  menschenleer. Das nächste was zu hören war, war das metallene klacken von Krücken auf dem Boden. Die drei Agents kamen um die Ecke. Zivas Arm lag in einer Schlinge und Tonys Bein wieder in einer Schiene, wie Gibbs mit entsetzen feststellte. Tim ging langsam hinter den Beiden her.

„Was ist passiert? Fragte der Chefermittler leise um Milena nicht zu wecken und noch bevor Tony überhaupt den Mund öffnen konnte, fing Ziva schon an zu erzählen.

„Tony ist bei seinem Hechtsprung die Kniescheibe raus gesprungen. Sie ist schon wieder eingerenkt worden. Aber die Bänder sind über dehnt oder gerissen. Das können sie erst genau feststellen, wenn das Knie wieder ab geschwollen ist. Der bereits beschädigte Meniskus ist auf alle Fälle gerissen. Kann sein das er daran noch operiert werden muss aber im Moment wird das Knie durch eine Schiene stabilisiert.“ teilte Ziva ihrem Boss mit.

„Und die ältere Verletzung?“ hackte der Chefermittler nach.

Ziva schenkte ihm ein Lächeln. „Alle Platten und Schrauben sind an Ort und Stelle, nichts ist verschoben.“

Gibbs warf seinem ersten Mann einen prüfenden Blick zu. „Schaffst du das hier DiNozzo? Oder soll ich dich wieder ins Krankenhaus bringen lassen. Wir können dich bewachen lassen, das sollte kein Problem sein.“ Als er keine Reaktion erhielt ging er einen Schritt auf ihn zu. „Hat es dir die Sprache verschlagen, Tony?“

„Nein Boss, ich will mithelfen das Schwein zu fassen.“ Dabei warf er einen schnellen Blick zu Milena aber die schlief noch tief und fest. In dem Moment schellte Tonys Handy. Er schaute kurz aufs Display, dieselbe Nummer wie im Callas. Der junge Agent nickte Gibbs zu. Der gab McGee ein Zeichen und dieser setzte sich sofort an seinem PC. Dann nahm Tony ab.

„DiNozzo?“

„Hallo Agent DiNozzo. Schön einmal mit ihnen persönlich zu sprechen. Ich hoffe sie verzeihen mir das ich ihren netten Abend unromantisch unterbrechen lies? Aber wo wir gerade davon reden. Wie geht es ihrem Bein, Tony? Ich darf sie doch Tony nennen? Immerhin sind sie der Vater meiner Enkelin. Ich habe gehört das die Ärzte ihnen die Kniescheibe wieder einrenken mussten? War das eigentlich sehr schmerzhaft?“

Tony warf Gibbs einen Blick zu. Woher konnte er das so schnell wissen. Das würde ja bedeuten er war im Krankenhaus gewesen und hatte sie beobachtet.

„Es war aus zuhalten“, sagte Tony darauf. McGee machte mit der Hand ein Zeichen, das Tony ihn länger in ein Gespräch ziehen sollte. Er brauchte wohl noch etwas mehr Zeit um den Standort festzustellen.

„Was wollen sie von uns.“

„Ich dachte das wäre klar. Wenn sie nicht gewesen wären, hätte ich damals meine Tochter zurück bekommen. Aber wegen ihnen ist sie weiter vor mir geflohen. Und jetzt nach dem ich sie gefunden und gleichzeitig verloren habe, erfahre ich das ich auch noch eine Enkelin habe. Aber sie, sie sind mir im Weg. Ich werde Milena bekommen, Sie soll Sarahs Platz einnehmen. Sie ist noch jung, sie kann ich noch formen. Aber nun Agent DiNozzo muss ich leider die Leitung unterbrechen. Sie werden von mir hören.“ Mit diesen Worten legte er auf.

Dieser Mann war wahnsinnig, seine Argumentationen sind nicht nachzuvollziehen.

„McGee, hast du was?“ rief Gibbs.

„Nein, Boss, leider. Er hat zu schnell aufgelegt. Ich konnte nur die Funkzelle feststellen. Das ist, warte ich hab es gleich….“ Nervös flogen seine Finger über die Tastatur. „Da…. er ist hier, Boss, irgendwo am HQ.“ sagte McGee alarmiert.

Der Chefermittler hatte plötzlich ein ungutes Gefühl im Bauch. „Sofort runter in Abbys Labor. Da ist kugelsicheres Glas. Los. Alle.“ befahl Gibbs. „Tim ruf Ducky und Palmer an und sag ihnen sie sollen vorsichtig sein und schick ihnen ein paar Agents zu Bewachung vorbei. In dem Moment schlug die erste Kugel neben Tonys Kopf ein.

„RUNTER“, brüllte Gibbs.

Innerhalb von Sekunden lagen alle auf dem Boden. Die nächsten drei Kugeln prallten ebenfalls in das Holz. Von dem Krach angelockt erschien das Wachpersonal an der Tür. Gibbs brüllte ihnen zu: „Licht aus. Machen sie das verdammte Licht aus.“ Der Wachmann tat wie geheißen und kurz darauf hörten die Schüsse auf.

Alle blieben noch ein paar Minuten auf dem Boden um wirklich sicher zu sein. Milena war durch den Krach wach geworden und fing bitterlich an zu weinen. Tabitha hatte ihre Mühe sie zu beruhigen. Dann gab der Chefermittler das Kommando zum Aufzug vor zu rücken. Ziva kümmerte sich um Tabitha und Milena und McGee und Gibbs schnappten sich jeder einen Arm von Tony und schleppten Ihn zum Aufzug. Als sich die Türen schlossen schlug Gibbs wütend gegen die Wand. Milena die sich eigentlich schon beruhigt hatte, fing darauf hin wieder zu weinen an. Der Schlag hatte sie erschreckt. Sofort tat ihm sein Ausbruch Leid, doch da öffneten sich auch schon wieder die Türen zu Abbys Labor.

„Gibbs, Gibbs, Gibbs“ rief ihnen eine aufgebrachte Abby entgegen. „Was ist da oben passiert? Der Wachdienst hat sich gerade gemeldet und erzählt dass bei euch Schüsse gefallen sind. Alles in Ordnung mit euch?.“ fragte Abbs und schaute aufmerksam von einem zum anderen. „Ziva, Tony was ist denn mit euch geschehen. Ihr seid ja verletzt.“ Und schon liefen ihr wieder die Tränen über die Wangen. Ihr Blick suchte McGee, doch der stand mit ausdrucklosem Gesicht und half Tony zu einem Stuhl.

„Nichts wildes Abby“, sagte Ziva und nahm mit diesen Worten die Schlinge ab. So konnte die besser agieren. „Nur ein Streifschuss und Tony hat eine raus gesprungene Kniescheibe….“

„Oh Gott, oh Gott, oh Gott.....“

Jetzt schaltete sich Tony ein.

„Abbs, beruhig dich. Jetzt müssen wir zusehen das wir das Schwei.....“, es folgte ein schneller Blick zu seiner Tochter. „Ähhää, den Mistkerl kriegen.“ Abby schaute immer noch panisch durch die Runde. Tony kam eine Idee, wie er sie kurzfristig ablenken konnte. Er winkte Milena zu sich und war überrascht dass die Kleine das auch sofort tat.
„Abbs schau mal, darf ich dir Milena vorstellen, meine Tochter.“  „Milena das ist sozusagen deine Tante Abby, eine ganz liebe Freundin von mir,“

Jetzt war die Labortechnikerin wirklich geschockt. Tony hatte eine Tochter? Ihr Tiger? Seid wann? Sie ging vor dem Kleinen Mädchen in die Knie. „Hey, ich bin Abby und wir werden sicherlich ganz viel Spaß miteinander haben.“

„Hallo, ich bin Milena und das ist Puppe.“ Sagte die Kleine, gefolgt von einem riesigen Gähnen.

Abby sah die Junge Frau, die dabei war, an. Noch immer liefen ihr die Tränen runter, doch mittlerweile war sie nicht mehr so hysterisch. Sie wollte jetzt nur noch wissen wer die Frau bei dem Kind war. Die Mutter?

„Oh, tut mir leid, ich hab mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Tabitha Wearly, von der Jugendfürsorge. Ich bin irgendwie in diese Sache mit hinein geschlittert.“ dabei warf sie einen Blick zu Gibbs, der ihr sofort zu nickte.

„Oiiiihhh“, dachte sich die Goth und blickte aufmerksam zu ihrem Boss. Na Gott sei dank hatte sie nichts mit Tony zu tun.

„Wenn sie wollen können Sie sich und Milena da drüben ins Nachbarlabor zum schlafen hin legen. Dort gibt es einen Futon.“ Abby griff hinter sich und hielt Milena ihr Stoffnilpferd vor die Nase. „Schau, das ist Bert. Wenn du magst kannst du ihn mitnehmen und als Kissen benutzen.“ Dabei drückte sie ihn feste an sich, bis Bert ein riesigen Pupslaut von sich gab.
„Siehst du, Bert würde sich freuen wenn du ihn mitnimmst.“

Milena kicherte. „Was hat er denn da gemacht?“ fragte sie.

„Das macht Bert immer wenn er sich freut. Stimmt´s Tony?“ rief sie ihrem Freund zu.

Der junge Ermittler lachte, er konnte sich noch gut an die Geräusche erinnern die Bert bei seinem letzten Kissenabenteuer von sich gegeben hatte und er nickte seiner Tochter zu. Abby drückte Milena Bert in, zu ihrer Puppe, in die Arme.

„Danke das ist nett von ihnen, ich denke wir sind beide ziemlich erschlagen.“ Dabei lächelte sie gezwungen und strich über Milenas Kopf. Abby wollte ihr gerade den Raum zeigen als Gibbs sich einmischte.

„Lass mal, ich mach das. Kommen sie Tabitha ich zeig ihnen alles. Komm Milena ja?“
Damit verließen die drei den Raum.

Alle sahen ihnen staunend hinterher. Gibbs und diese Tabitha? Trotz aller Unruhe war das ein schöner Gedanke für Abby. Ihr silberhaariger Fuchs hätte schon ein bisschen Glück im Leben verdient. Doch da kam Gibbs auch schon wieder.

„Und nun zu dir, Abby, was zum Teufel machst du eigentlich noch hier? Weißt du eigentlich wie spät es ist?“ Dabei hatte er sie an den Oberarmen gepackt und vor sich gehalten.

„Nicht schimpfen Gibbsman, aber bei mir zu Hause tanzen im Moment die Schaben Samba und der Kammerjäger hat meine Wohnung aus gegast. Das ist lebensgefährlich, da konnte ich heute Nacht nicht schlafen.“ Kam es kleinlaut von der Goth.

„Warum hast du mich nicht gefragt?“ fragte Gibbs leise und zog sie nun in seine Arme. „Du hättest doch bei mir schlafen können.“

Sie sah ihn an. „Zwischen meinen Babys..“ und blickt dabei zu ihren Computern und Maschinen. „….fühl ich mich auch wohl. Und außerdem bist du ja jetzt auch hier!“ dabei strahlte sie ihn an.

Gibbs zog sie noch etwas näher an sich heran und gab ihr eine Kuss auf die Stirn.
„So, ich denke wir legen uns jetzt alle schlafen. Dann können wir morgen früh gleich anfangen, Abbs hast du noch ein paar Decken für uns?“

„Klar, Gibbsman.“ Und sie lief los um die Decken zu holen.

„Tony, kommst du mit dem Boden klar?“ fragte ihn der Chefermittler. Nicht das es eine andere Möglichkeit gegeben hätte. Aber er machte sich jetzt doch langsam Sorgen. Sein bester Mann war vorher schon nicht fit gewesen, aber nun war sein Bein wieder verletzt worden. Außerdem stand er auf der Abschussliste. Würde er den Druck aushalten?

„Klar Boss.“ kam es müde von dem jungen Agent. „Ich brauche nur jemanden der mir herüber hilft, denn meine Krücken liegen noch oben.“

In diesem Augenblick brauchte Abby einen riesigen Schwung Decken die sie alle nach und nach auf dem Boden ausbreitete. McGee stand mit vor der Brust verschränkten Armen an der Tür und machte keine Anstalten ihr zur Hand zu gehen. Gibbs ging auf Tony zu.

„Ach DiNozzo, kann es sein das du uns noch was sagen willst?“

„Ähh Boss?“ kam es fragend von Tony.

Gibbs nickte mit seinem Kopf in Richtung Zivas Hand, sagte dazu aber keinen Ton. Tony folgte seinem Blick. Und dann dämmerte es ihm was sein Boss meinte. „Ach das, ja, aber wir haben eigentlich gedacht, es in netterer Atmosphäre zu berichten. Ziva und ich haben uns verlobt.“ teilte Tony allen grinsend mit.

Abby lies die restlichen Decken fallen und hüpfte auf die beiden zu. „Verlobt, Verlobt.... wie schön.“ Und schon zog sie beide in eine feste Knochen brechende Umarmung. Der Rest des Teams gratulierte etwas verhaltener. Während Abby sich von Ziva in aller Ausführlichkeit die Einzelheiten berichten lies, streckte Gibbs seinem Ersten die Hand entgegen.

„Herzlichen Glückwunsch Tony.“ sagte er und sein Lächeln war breit und ehrlich. „Aber denk immer daran, tu ihr nicht weh. Denn dann kriegst du es mit mir zu tun.“ Brummte er ihn leise zu. „Obwohl ich denke Ziva wird auch spielend selber mit dir fertig.“ Mit diesen Worten zog er seinen verblüfften Agent hoch und half ihm auf die ausgebreitete Decke. Ziva konnte sich kurze Zeit später von Abby frei machen und ließ sich ebenfalls neben ihm nieder. Tony streckte seinen Arm aus und zog sie an sich.

„Ich hatte noch gar keine Zeit, wie geht es deinem Arm?“

Sie lächelte ihn an und gab ihm einen kurzen Kuss. „Alles in Ordnung. Ich spüre die Wunde kaum. Der Streifschuss war wirklich nur oberflächlich. Mach dir keine Sorgen. Und deinem Bein?“

„Es geht. Das Knie pocht und mein Spurt im Lokal hat ihm nicht gut getan. Aber die Schiene hilft.“ Er zog sie wieder näher an sich und küsste ihre Stirn. „Wir sind schon ein klasse Pärchen. Bein kaputt, Arm kaputt…“, dabei grinste er sie schief an. „Lass uns schlafen. Ziva. Wir müssen morgen fit genug sein diesen Durchgeknallten zu finden. Ich hoffe nur McEingeschnappt kann dann über seinen Schatten springen und mit Abby zusammen arbeiten. Zusammen sind sie schneller und besser. Weiß er eigentlich das Abby sich von Marten getrennt hat?“

„Ich glaube nicht, aber ich weiß es auch nicht genau.“ Kam es von Ziva.




7. Kapitel


Abby lag auf ihrer Decke, ein paar Meter von Tim entfernt.

„Timmy?“

„Mhhmmm?“

„Schläfst du schon?“

„MMMhhhmmm!“

„Ich muss dir noch was sagen“

„*seufzten*, Abbs was gibt es denn noch?“

„Tim, das mit Marten...“

„Ich will es nicht hören.“

„Ich muss es aber sagen..“

„Warum Abby?“ Jetzt hatte sich Tim auf die Ellenbogen aufgelehnt.

„Es war ein Fehler, es tut mir leid. Du bist der beste Freund den ich habe. Ich will gar keinen anderen. Mit dir kann ich alles machen, sogar auch reden. Marten war in der Beziehung eine Niete.“

„Ahhhaa, in der anderen Beziehung wohl nicht? Da bin ich dann wohl die Niete, oder was?“

„Nein, auf keinen Fall.“ jetzt fing sie an zu weinen.

„Ich, ich..“ schluchzte sie auf. „Ich liebe dich. Das ist mir erst jetzt klar geworden. Ich war durch Tonys Verletzung so durcheinander. Das entschuldigt es nicht. Ich weiß. Aber vielleicht erklärt es so manches. Verzeihst du mir?“

„Oh Abbs, wie soll ich dir das verzeihen? Was passiert bei dem nächsten Kellner der dir gefällt, läufst du dann wieder mit fliegenden Fahnen über?“

„Timmy“ kam es schluchzend.

„Weißt du, ich kann dich einfach nicht weinen sehen. Komm her Abby“ und er nahm sie in die Arme und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Ich liebe dich ja auch Abbs, aber damit ist das noch nicht vergeben. Ist das klar?“

Sie nickte. Tim zog sie fester an sich und sagte dann leise. „Und jetzt lass uns schlafen. Außerdem haben wir hier Zuhörer.“ Und deutete damit in Richtung der anderen Agents.

Ziva und Tony die nur wenige Meter entfernt lagen grinsten. Da war die Lage von McEifersüchtig ja wieder im Lot, dachte sich Tony.

Drei Stunden später wurde Tony langsam wieder wach. Was hatte ihn geweckt? Ziva lag friedlich schlafend in seinen Armen. McGlücklich und Abby konnte er ebenfalls sehen und Gibbs war nicht zu überhören. Lag er doch leise schnarchend nur wenige Meter entfernt. Im Nachbarbüro war kein Licht an. Also schliefen Tabitha und Milena ebenfalls. Also was hatte ihn geweckt? Er wollte sich gerade wieder zurückfallen lassen als er ein leises schluchzen hörte. Also doch. Vorsichtig um Ziva nicht zu wecken schob er sie von sich. Wieder das weinen. War das Milena? Um es heraus zu finden würde er nachsehen müssen. Und genau da fing sein Problem auch schon an. Aufstehen.

Also schob er sich über den Boden bis er den Schreibtisch erreicht hatte und zog sich daran hoch. Beim zweiten Versuch stand er. Super. Eine Aktion geschafft. Er hielt sich an dem Tisch fest und prüfte kurz wie weit er sein Bein belasten konnte. Sein Knie sendete eine Schmerzwelle nach der anderen durch seinen Körper. OK, das war definitiv nicht so gut. Scheiße, warum waren seine Krücken auch oben geblieben. Wieder das schluchzen. Das war Milena, keine Frage. Er musste zu ihr.

„Zähne zusammenbeizen, Anthony und los.“ Sagte er leise zu sich selbst.

Mühsam, sich an Tischplatte und Wand abstützend humpelte er dem Weinen entgegen. Im Nachbarbüro was sie nicht, aber aus dem Toilettenraum daneben kam gedämpftes Licht. Langsam öffnete Tony die Tür. Seine Tochter sah zusammengesungen auf dem Boden, ihr Puppe fest umklammert, weinte sie fast lautlos, von kurzen aufschluchzen abgesehen, vor sich hin.

„Hey Milena, was ist denn passiert?“ Er hielt sich immer noch an der Türzarge fest und entlastete sein Bein. Die kleine sah ihm mit verweinten Augen an.

„Ich will zu meiner Mama!“ Dann schluchzte die wieder herzzerreißend auf.

Oh Gott dachte sich Tony was mach ich nur hier. Ich weiß gar nicht wie das geht. Ein Kind trösten?!

„ÄÄhhhäää, Kleines, ich hab hier ein Problem. Ich würde gerne zu dir kommen, aber ich schaff das nicht alleine. Meinst du, du könntest zu mir kommen damit wir uns hier an die Tür setzen können?“ Als sie nickend aufstand, hüpfte er zwei Schritte auf sie zu und lies sich dann an der Wand herunter. Sie kam langsam auf ihm zu.

„Tut das weh?“ fragte sie und deutete auf die Schiene die sein Knie fest umschloss.

„Wenn ich sitze nicht so sehr, nur laufen kann ich im Moment nicht gut.“

„Das geht aber wieder weg?“

„Ja“, dann streckte er ihr seine Arme entgegen. „Komm jetzt her, ja?“

Was tat er hier eigentlich? Er hatte bisher noch nie ein Kind auf dem Schoss gehabt. Kinder und überhaupt keine Kinder fand er immer schrecklich. Aber Milena rührte etwas in ihm. Sie weckte wirklich seine Vatergefühle.

Als sie neben ihm stand, ging sie in die Hocke und krabbelte auf seine Beine. Er stöhne einmal leise auf als sie aus versehen eine empfindliche Stelle an seinem Oberschenkel erwischte. Sie sah ihn entsetzt an.

„Ich tu dir weh!“

„Ist schon gut.“ Nach kurzem beidseitigem Gezappel hatten sie eine Stellung gefunden die es beiden erlaubt bequem zu sitzen.

„So ist es nun besser?“

„Du bist schön warm“, antwortete sie darauf.

„Das sagt Ziva auch immer“.

„Darf ich dich Daddy nennen? Bei mir im Kindergarten haben alle einen Daddy, nur ich nicht. Jack wollte nie dass ich ihn so nenne. Er mochte mich nicht besonders.“

„Ich wäre stolz wenn du mich Daddy nennen würdest. Und wie darf ich dich nennen? Milena? Oder hast du einen Spitznamen?“

Jetzt kicherte sie. „Einen Spitznamen? Was ist das?“

Tony war fassungslos. Sie wusste  nicht was ein Spitzname war?

„Mhhmmm, lass mich mal überlegen wie ich es dir erkläre. Ich heiße Anthony aber alle nennen mich Tony. Verstehst du, das ist mein Spitznahme.“

„Meine Mama hat mich immer nur Milena genannt. Und Jack rief mich gar nicht. Ich habe so was nicht.“

„OOOkkkkaay, dann werden wie jetzt zusammen einen Spitznamen für dich suchen. Jedes Kind sollte einen haben. Aber wie wollen wir dich nennen?

„Hat Ziva auch so einen Namen?“ fragte Milena.

„Nein, nicht das ich wüsste aber ihr Name ist auch sehr kurz. Was soll man an dem auch noch abkürzen. Obwohl, ich nenn sie häufiger Bella. Das ist italienisch und heißt „Schöne“.“

„Oh, das hört sich schön an. Italienisch?“

„Ja weißt du meine Großeltern, und damit deine Urgroßeltern kamen aus Italien. So ein bisschen italienisch liegt uns also in den Genen.“ Erklärte er schmunzelnd.

„Kann ich das auch lernen?“

„Klar, wenn du etwas größer bist, ist das kein Problem. Aber jetzt lass uns mal nach einem Namen für dich suchen. MMhhhmmm warte mal, für eine Lena bist du viel zu niedlich.“ Dabei knuffte er sie in die Seite und wuschelte durch ihre braunen Locken. „Ach ich hab es, was hältst du von Mia?“

„Das hört sich schön an. Was sagst du dazu Puppe?“ Sie tat so als halte sie ein Zwiegespräch mit ihr und verkündete dann. „Ja, Puppe sagt Mia ist ein schöner Spitzname.“

„Na wenn Puppe das sagt…“ antwortete Tony ernst. „Dann also Mia“
„Was meinst du Mia, sollen wir beide nun versuchen noch ein bisschen zu schlafen? Ich fände es schön wenn ich hier bei dir bleiben könnte, denn den ganzen Weg zurück zu Ziva schaff ich mit meinem Bein nicht mehr. Meinst du das geht?“

„Klar Daddy. Ich versuch deinem Bein auch nicht weh zu tun.“ Dabei steckte sie wieder ihre zwei Finger in den Mund, presste ihre Puppe an sich und machte die Augen zu. Tony sah sich SEIN kleines Mädchen an. Die vertrauensvoll bereit war in seinen Armen zu schlafen. Er küsste die Zärtlich auf den braunen Lockenkopf und angelte mit der anderen Hand nach dem Lichtschalter. Morgen früh würde er die Nacht auf dem kalten Boden garantiert bereuen. Aber um sich zu bewegen war er einfach zu müde.

Gibbs lag schon länger wach und lauschte den Schlafgeräuschen seiner Mitstreiter. Seine Gedanken gingen immer wieder zu Tabitha hin. Was war es nur das er sich so sehr zu ihr hingezogen fühlte. Sie war eigentlich gar nicht sein Typ. Keine roten Haare, für seinen Geschmack auch etwas zu rund um die Hüften. Aber als er sie an dem Van zum ersten Mal sah, da war ein Funke über gesprungen. Das konnte und wollte er auch gar nicht abstreiten. Und je länger er sie beobachtete je fester wurde sein Gedanke sie für sich zu gewinnen. Er hatte abends ein Gespräch von ihr und Ziva belauscht. Auch sie war alleine. Keine Familie, kein Lebenspartner. Vielleicht würde er sie im Abschluss an diesem Fall zum Essen einladen. BBQ am heimischen Kamin. Seid Shannons Tod hatte er sich nicht mehr so komisch gefühlt. Hatte er sich verliebt? Er hatte noch dreimal geheiratet und jede Ehe war ein Fiasko gewesen. Die eine mehr, die andere weniger. Aber verliebt hatte er sich, nach seiner ersten Frau, nie mehr. Vielleicht hatte er sich ja geändert und der Gedanke brachte ihm eine neue warme Welle. Jetzt musste er über sich selbst grinsen. Er benahm sich wie in Schuljunge vor seinem ersten Date.

Plötzlich hörte er Geräusche. Ziva quälte sich vom Boden hoch und ging in Richtung Bad. Dann blieb die plötzlich stehen, verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich an die Zarge. Gibbs stand auf und dehnte seine schmerzenden Knochen. So langsam wurde er zu alt für den Dreck.

Als Ziva ihn bemerkte deutete sie ihm an leise zu sein. Was er dann sah, war schon seltsam. Tony saß auf den Boden, Milena auf seinem Schoss. Er hatte die Arme um sie und ihre Puppe geschlungen und sein Kopf ruhte auf ihrem. Jetzt war es nicht mehr zu übersehen das es sich hierbei um Vater und Tochter handelte. Die gleichen Haare- und Augenfarbe, der Mund im Schlaf leicht geöffnet, typisch DiNozzo. Gibbs lächelte Ziva zu.

„Mach Abby und Tim wach. Das ist etwas, was sie auf keinem Fall verpassen dürfen. Und wecke auch Tabitha auf, vielleicht sollte sie dies auch sehen. Damit dem Jugendamt die Entscheidung nicht so schwer fällt. Scheinbar haben wir DiNozzo alle verkannt.“

Ein paar Minuten später standen alle in der Tür und sahen auf die noch immer schlafenden herunter. Dann konnte Abby plötzlich ein quietschen nicht mehr unterdrücken. Ihr Tiger mit einem kleinen Kind im Arm, das war auch einfach zu süß. Davon allerdings wachten die Beiden auf. Erschrocken fuhren zwei Paar grüne verschlafene Augen über die aufgelaufene Menge.

„Morgen“ krächzte Tony, mit vom Schlaf rauer Stimme „Was macht ihr denn alle hier?“

„Falls du es noch nicht bemerkt haben solltest, DiNozzo, du blockierst das Bad.“ Sagte Gibbs mit lachendem Gesicht. Tabitha kam nun ebenfalls um die Ecke.

„Hallo Milena, komm mal von deinem Vater runter, damit er aufstehen kann und wir ins Bad können.“ Sagte sie und streckte ihr dabei die Hand hin.

Als er von dem Gewicht seiner Tochter befreit war, stöhnt Tony auf. „Ich könnte hier ein bisschen Hilfe gebrauchen. Ich glaube nicht dass ich noch meine Beine spüre. Wahrscheinlich werde ich nie wieder richtiges Gefühl in meinen Beinen haben.“

Ziva bewertete sein Genörgel mit einem rollenden Blick und während Tony noch weiter herum jammerte packen Gibbs und Tim ihn unter den Achseln und zogen ihn ruckartig hoch.

„UUUUhhhiiiii, Boss du hast recht, es geht doch noch. Ich fühle meine Beine wieder.“ Dabei hatte er ein dämliches Grinsen aufgesetzt.

Ziva übernahm die Seite von McGee und zusammen schafften sie DiNozzo wieder zu seinem Stuhl in Abbys Labor.

„Die bist manchmal so ein Idiot, Tony“, sagte Ziva und küsste den vor ihr sitzenden Agent. „Aber die Aktion mit Milena war süß. Was ist passiert und wie bist da hingekommen?“

„Ich bin von ihrem weinen wach geworden und bin zu ihr gegangen. Mehr schlecht als recht, das gebe ich ja zu, aber ich habe es geschafft. Und sie hat sich von mir trösten lassen. Ziva, das war toll. Sie hat mir gegen über soviel Vertrauen gezeigt. Obwohl sie mich ja kaum kennt. Sie hat mich sogar gefragt ob sie mich Daddy nennen darf. Und zum Schluss haben wir für sie noch einen Spitznamen gesucht. Du kannst sie nun Mia nennen.“ Kam es schwärmerisch von DiNozzo.  „Zivaaaaa ich glaube du bekommst Konkurrenz. Ich habe mich verliebt. Ist das ein Problem für dich?“ fragte er lachend.

Ziva wuschelte ihm durch das frisch gestutzte Haar. „Du Kindskopf!“ war alles was sie dazu sagte.




8. Kapitel

Kurze Zeit später kam der Wachdienst und meldete, dass die oberen Stockwerke gesichert waren und dass, wie nicht anderes zu erwarten war, keine Beweise gefunden wurden. Das Navy Yard war großzügig abgesperrt worden und Zugang bekamen im Moment nur Mitarbeiter mit Sicherheitsfreigabe. Alle anderen, wie Putzfrauen, Botenjungen, Postmännern u.s.w. wurden heute wieder nach Hause geschickt.

Das Team machte sich zusammen auf zum Großraumbüro. Tony wurde dabei von Gibbs gestützt, Tabitha hatte Milena auf dem Arm. Kaum gingen die Türen des Fahrstuhls zum auf, wurden sie auch schon von ihren aufgebrachten Kollegen empfangen. Die zerschossenen Scheiben waren mittlerweile getauscht. Nur ein paar Löcher in den Wänden und im Mobiliar zeugten noch von dem Übergriff am Abend zuvor. Gibbs beantwortete kurz und einsilbig die Fragen seiner Kollegen. Doch nach kurzer Zeit wurde es ihm zu bunt und er jagte alle an ihre Arbeitsplätze zurück, bevor er sich mit einem „Ich bin kurz weg“ verabschiedete.

Tony saß auf seinem Bürostuhl und steckte immer wieder Gedanken verloren seinen Zeigefinger in das Loch, in Höhe seines Kopfes, wo gestern die erste Kugel eingeschlagen war. Dann zog er ihn raus, klopfte von außen dreimal mit dem Finger dagegen, bevor er seinen Finger wieder im Loch versengte. Natürlich befand sich schon lange keine Kugel mehr dort. Diese weilte bereits zur Analyse in Abby Labor. Genauso wie die Patronenhülsen die sie im Umkreis gefunden hatten. Abbs untersuchte sie im Moment auf DNA Spuren und Fingerabdrücke, obwohl keiner der Anwesenden den Täter bezweifelte, brauchten sie trotzdem handfeste Beweise. Irgendwie waren sie in einer Sackgasse angekommen. McGee quälte zum wiederholten Mal seinem PC auf der Suche nach etwas, das sie beim ersten mal übersehenen hatten. Sie mussten diesen Kerl bald finden. Schon alleine um die Laune ihre Bosses zu steigern. Denn die rutschte immer mehr in den Keller. Es war zum verzweifeln.

„Las das, Tony.“ Sagte Ziva. Sie hatten ihren Kopf auf ihre Hände gestützt und sah ihn genervt an. .

„Was?“ erklang es unschuldig. Und wieder klopfte er dreimal gegen die Wandverkleidung und steckte den Finger hinterher.

„Das!“ kam es von der Brünetten und sie zeigte auf seine Hand.

„Och, das ist halt meine Art die Sache zu verarbeiten.“ Und wieder klopf, klopf, klopf und plopp den Finger hinterher.

Man hörte sie tief einatmen. „Wenn du das nicht sofort lässt, schneid ich dir den Finger ab. Ist das klar?“ fragte sie und fuhr sich über die Haare. Die Hochsteckfrisur von Abend, war schon lange einem strengen Zopf gewichen.

McGee sah von einem zum anderen und sprang dann auf. Die Luft wurde ihm hier zu eng zum atmen. „Ich bin kurz bei Abby.“ Sagte er und machte sich gar nicht erst die Mühe auf den Aufzug zu warten, sondern nach die Treppen.

Tony warf ihr einen skeptischen Blick zu, so als versuchte er abzuschätzen ob sie das erst meinte. Dann nahm er sein Spiel wieder auf. Klopf, klopf, klopf und er hob den Finger um den wieder mit einem lauten Plopp in das Loch zu stecken, doch weiter kam er nicht, denn seine Freundin war schon aufgesprungen, hatte sich seinen Finger ergriffen und das Gelenk so schnell verdreht, das er erst gar keinen Schmerz spürte, erst als sie langsam zudrückte.

„Auuuuaaaaaahhhh, Ziva du tust mir weh.“ Quiekte er.

„Was meinst du wie weh es tut, wenn du keinen Finger mehr hast den du da hinein stecken kannst.“ Zischte sie leise in sein Ohr. Ihr Kollege versuchte sich erst gar nicht ihr zu wieder setzten. Er wusste, dass er gegen sie im Nahkampf keine Chance hatte. In dem Moment hörten sie hinter sich eine Stimme.

„Wenn du ihn nicht sofort los lässt Ziva,  kette ich euch beide Draußen nackt an den nächsten Baum.“ Ertappt fuhren die Beiden auseinander und DiNozzo rieb sich sein schmerzendes Gelenk. Gibbs ging schnell an ihnen vorbei. „Ich hol mir jetzt erst einen Kaffee und zeigt Miss Wearlhy wo sie und Milena was zum Frühstück bekommen. Wenn ich zurück komme besprechen wir wie es hier weiter geht.“ Und kaum hatten die drei den Raum verlassen, fing Tony von neuem an zu quengeln.

„Du hast mir den Finger gebrochen!“ beschwerte er sich, immer noch das Gelenk haltend.

„Pass auf das ich dir gleich nicht auch noch, das Bein breche.“ Zischte sie zurück.

„Da kommst du ein paar Wochen zu spät, Ziiivvvaaaaaaa.“

Ziva seufzte einmal tief, dieser Mann brachte sie abwechselnd zur Weißglut oder in himmlische Höhen. Wie würde es werden täglich mit ihm zusammen zu sein? Ein ganzes Leben lang? Vielleicht würde sie ihn irgendwann einmal erschießen. Die Situation setzte ihnen allen zu. Aber während die einen ins Grübeln verfielen oder mit Mord drohten, mutierten andere zurück ins vorpubertäre Kindesalter.

Müde sah sie an sich herunter, sie trug immer noch ihr Abendkleid. Außerdem musste sie auch nach ihrer Armverletzung sehen. Also stand sie auf und ging rüber zu Tonys Aktenschrank, wo er seine Ersatzhemden aufbewahrte. Sie kam sich in ihrem Abendkleid plötzlich seltsam deplatziert vor. Sie hatte zwar in ihrem Schrank eine Ersatz Jeans und Turnschuh aber keine Oberteile. Kurz darauf wurde sie fündig und zog ein dunkelrotes Hemd hervor.

„Ich geh mich mal kurz umziehen“, teilte sie ihm, noch immer ein wenig verstimmt, mit und machte sich auf den Weg zur Damentoilette. Ein paar Minuten später kam sie zurück. Das Hemd hatte sie locker über dem Bauchnabel verknotet.

„Es steht dir gut, mein Hemd“, sagte er und grinste die dabei frech an. Vergessen war ihr Konflikt von gerade. Ziva schüttelte innerlich mit dem Kopf. Eins musste man ihm lassen, nachtragend war Tony nicht.  

„Meinst du?“

„Oh jaaaaa, komm doch mal näher.“

Langsam kam sie auf Tony zu. Dieser schlang sofort seine Arme um ihre Taille und zog sie an sich.  Ziva beugte sich runter und sie küssten sich...  Bis Tony plötzlich einen leichten Schlag auf den Hinterkopf spürte. Sofort schossen sie auseinander, der sitzende DiNozzo und die stehende David. Gibbs stand direkt hinter ihnen und hatte Milena auf dem Arm. Diese kicherte vor sich hin.

„Ahhhaaaaa, Boss.“ Stöhnte Tony und rieb sich über den Hinterkopf. „Ich wünschte du würdest damit aufhören.“

„Dann benimm dich auch so. DiNozzo, kannst du dich noch daran erinnern was wir ausgemacht haben? Nein? Dann werde ich dir helfen. Kein Geknutsche in meinem Büro! Und wo seid ihr hier? Also bitte haltet euch daran.“

Milena streckte derweil ihrem Vater die Arme entgegen. Tony schaut kurz panisch zu seinem Boss, doch dann fasste er sich wieder und nahm seine Tochter von Gibbs entgegen. Vance hatte sich oben auf der Empore hingestellt, wechselte einen bedeutenden Blick mit Gibbs und deutete ihm nach oben zu kommen.

„Du machst dich DiNozzo“, sagte der Chefermittler anerkennend und ging zur Treppe.

„Hast du Ziva doll lieb?“ fragte seine Tochter.

„Ja ich liebe sie sehr.“

„Wird sie meine neue Mommy?“

Jetzt brauchte Tony eine kurze Bedenkpause. „Ich arbeite daran. Du wirst noch etwas warten müssen bis ich das geklärt habe. Aber ich denke meine Chancen sehen ganz gut aus. Würde dir das gefallen?“ die letzten Sätze hatte er nur noch geflüstert.

„Oh ja, dann wären wir eine richtige kleine Familie.“ dabei hatte sie ihre Arme um einen Nacken geschlungen und drückte ihn feste.

Tony war erst etwas überrumpelt, aber dann schloss der ebenfalls seine Arme um das Kind zog es an sich. Ziva stand in einiger Entfernung und beobachtete Tony genau. Sie war positiv überrascht, denn sie hätte nie gedacht das er sich so um seine Tochter kümmern würde.  Auch Tabitha hatte dieses kleine Intermezzo genau gesehen. Ihre Entscheidung stand schon fest. Sie würde nicht gegen DiNozzo sprechen. Es kam ihr vor als wenn die Beiden sich gesucht und gefunden hatten.

In dem Moment kamen Gibbs und Vance die Treppe runter.  Vance stellte sich als erstes der Sozialarbeiterin vor. Dann kam er zum Thema und drehte sich wieder zu Gibbs um.

„Wo ist Agent McGee?“ fragte Vance als erstes.

„Er passt auf Abby auf“, antworteten Tony und Ziva zusammen.

„Gut, dann also an den Rest des Team.“ Dabei nahm er den Zahnstocher aus dem Mund und drehte ihn zwischen seinen Fingern. „Ich habe ihnen ein sicheres Versteck beschafft. Inklusive eines Großrechners mit Server für ihren Computer Fachmann. Sie können also die Ermittlungen von dort aus weiterführen. Ich werde ihnen ein Team zur Bewachung des Anwesens zur Verfügung stellen. Miss Sciuto, Dr. Mallard und Mr. Palmer werden allerdings hier bleiben.

Der Fokus des Killers liegt auf seiner Enkelin und ihren Vater. Ich denke nicht, dass er sich auf das restliche Team bezieht. Miss Wearly sie muss ich leider bitten sich meinen Agents anzuschließen, schon wegen der Kleinen. Agent DiNozzo, sie sind noch für weitere Wochen krank geschrieben, aber da die beiden Attentate ihnen galten, werden sie mitgehen. Agent David, ich denke sie kann ich nicht überreden hier zu bleiben, darum werden sie zusammen mit Agent McGee als Verbindungsmann fungieren. Sie werden uns also auf dem Laufenden halten. So und nun würde ich sagen, suchen sie Agent McGee und dann fahren sie. Wir haben schon ein paar Agents zu ihren Wohnungen geschickt um ihnen ein paar Sachen einzupacken.“ Mit diesen Worten sah er jeden im Umkreis fest an, steckte sich seinen Zahnstocher wieder in den Mund und ging zurück zur Treppe.

„Also ihr habt es gehört. Ziva, sag Tim bescheid, er muss sich von Abby trennen. Wir treffen uns dann unten bei den Trucks. Ich geh schon einmal vor, Tabitha haben sie Lust mich zu begleiten?“ Neugierig sah sie ihn an. Doch seine Augen waren nicht zu lesen. Sie sah kurz zu ihrem Schützling.
„Milena, magst du mit deinem Vater zusammen nachkommen, damit ich Agent Gibbs begleiten kann?“

Die Kleine nickte, Tony streckte die Arme nach Mia aus und sie eilte zu ihm. Er schmiss Ziva einen Blick zu und hob kurz seine Augenbrauen. Sie verstanden sich auch ohne Worte. *Was ging da zwischen ihrem Boss und Tabitha vor?*

Die Türen des Aufzuges schlossen sich und kaum war er angefahren, legte der Chefermittler auch schon den Schalter zum Nothalt um. Die Sozialarbeiterin sah ihn aufmerksam an, nicht sicher was sie nun zu erwarten hatte.

„Miss Wearly“ fing er an. Tabitha schenkte ihm ein Lächeln.

„Hey Jethro, wir hatten uns doch schon auf Tabitha geeinigt, oder?“

„Ja, also Tabitha, ich möchte mich nur kurz in Ruhe mit ihnen über Milena unterhalten. Ich möchte wissen wie Tonys Chancen stehen, das Mädchen zu adoptieren.“

Tabitha zog es ein Stückchen näher an den Grauhaarigen. Dieser Mann zog sie unweigerlich an. So richtig erklären konnte sie es sich auch nicht. Aber sie fühlte sich in seiner Nähe sicher.

„Ich denke es sieht gut aus. Das Bild das ich mir bisher von ihm machen konnte war positiv. Ich werde es in meinem Bericht befürworten. Aber es wird noch etwas dauern. Zuerst wird er Milena zur Pflege bekommen und wenn dann alles gut geht kann er sie nach einer gewissen Zeit adoptieren.“

„Dann bin ich ja beruhigt.“ Mittlerweile standen sie ganz nah beieinander. Gibbs streckte seine Hand aus und strich ihr eine lose Haarsträhne hinter das Ohr. Tabitha legte ihre Hand dabei auf seine. Dann zog er sie vorsichtig an seine Brust. Sein Kopf kam ihren immer näher und plötzlich fanden sich ihre Lippen. Der Kuss der vorsichtig begann, wurde immer leidenschaftlicher und Gibbs zog Tabitha in seine Arme. Für die Sozialarbeiterin hätte das jetzt ewig weiter gehen können aber es hörte viel zu früh auf.

„Ich weiß, jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, aber wenn wir das hier beendet haben, würdest du dann mal mit mir ausgehen?“ kam es stockend von dem Grauhaarigen.

„Ich glaube...“ sie leckte sich über die Lippen. „Ich glaube ich würde noch mehr mit dir tun als  essen zu gehen. Und meine Freunde nennen mich übrigens Tab oder Tabby. Wenn du also magst?“

„Gerne, Tab“ sagte er grinsend und legte den Notausschalter um. Der Aufzug nahm wieder Fahrt auf und in wenigen Minuten waren sie unten in der Tiefgarage angekommen.

Das Team hatte sich schon um die Trucks versammelt.

„Mensch Boss, musst du immer den Aufzug als Besprechungszimmer benutzen. Wir mussten quer durchs Gebäude um einen anderen Aufzug zu finden.“ nörgelte Tony sofort los.

Doch Gibbs gab ihm keine Antwort, sondern ging sofort hinüber zu Abby und Ducky die ebenfalls gekommen waren um sich zu verabschieden. Kurze Zeit später setzte sich der Konvoi in Bewegung. Abby stand weinend in der Tiefgarage und winkende den Wagen hinterher. Ducky trat zu ihr, zog sie in seine Arme und strich ihr aufmunternd über den Rücken.

„Schhhtttt... nicht weinen Abigail, es wird schon alles gut gehen und du wirst sehen, sie sind schneller wieder hier als du denkst.“ Abby nickte, konnte aber seinen Worten nicht ganz glauben schenken.

Eine halbe Stunde später kamen sie an der geheimen Adresse des Verstecks an. Es war ein abgelegenes aber gut überschaubares Grundstück. Das Sicherungsteam ging sofort, als Gibbs und sein Team das Haus betraten, auf ihre Positionen. Vance hatte nicht zuviel versprochen in der Mitte des großem Wohnzimmers war eine Computeranlage aufgebaut, bei deren Anblick Tims Augen zu leuchten begannen. Verstohlen strich er über den Plasmabildschirm und den Rechner. Addierte schon einmal im Geiste die Leistung hoch, als er von Gibbs aus seinen Träumereien gerissen wurde.

„Ziva du kontrollierst das Erdgeschoss, Tim schau dir die Kellerräume genaustens an. Ich übernehme die obere Etage und Tony du bleibst bei Milena und Tabitha.“ Sagte Gibbs. Er erntete noch ein „Geht klar Boss“ von seinen Agents, dann brachen bis auf Tony, alle auf. Dieser setzte sich auf das Sofa und bat die beiden es ihm gleich zu tun. Mia machte sich sofort von Tabitha los und eilte ihrem Vater entgegen. Ihre anfängliche Scheu hatte sie seit letzter Nacht ihm gegenüber vollkommen abgelegt. Die Sozialarbeiterin konnte sich nur wundern. Agent DiNozzo hatte sich einen Platz in Milenas Kinderherz erkämpft.

Während das Kind sich zu ihm aufs Sofa fallen lies, verzog Tony leicht das Gesicht. Sein Bein machte ihm seit letzter Nacht wieder mehr zu schaffen. Vielleicht hätte er es doch nicht so sehr belasten dürfen. Hauptsächlich schmerzte das neu verletzte Knie. Doch jede Erschütterung schickte eine neue Schmerzwelle durch seinen Körper. Tabitha hatte das leichte zusammen zucken des jungen Agent mitbekommen. Sie schnappte sich ein großes Kissen von dem gegenüberstehenden Sessel und legte es auf das kleine Tischchen.

„Kommen sie, legen sie ihr Bein hoch, Agent DiNozzo.“

„Nennen sie mich doch Tony“

„Okay, Tab oder Tabby, ganz wie sie wollen.“ Sagte sie und streckte ihm ihre Hand entgegen. Dann half sie ihm sein Bein auf das Kissen zu legen.

„Tut es sehr weh?“ fragte seine Tochter leise.

Tony bemerkte erst jetzt dass er bei der Aktion wieder sein Gesicht verzogen hatte. Schnell schenkte er ihr ein Lächeln.

„Nein Mia, es ist schon in Ordnung. Ich muss mich nur ein bisschen ausruhen, dann geht es gleich auch wieder besser.“ Mit einer Hand kramte er dabei in seiner Hosentasche. Irgendwo musste er doch die verfluchten Tabletten haben, die er im Krankenhaus für den Notfall bekommen hatte.

Gibbs kam von oben runter. Er hatte nichts Verdächtiges feststellen können. Bevor er sich ins Wohnzimmer zu den anderen begab, machte er einen kurzen Abstecher in die Küche und kam mit einer Flasche Wasser wieder, die er sofort an seinen Stellvertreter weiterreichte.

„Hier, schluck sie mit Wasser, dann setzt die Wirkung schneller ein!“

Tony nahm mit einem verdutzten Gesichtsausdruck die Flasche entgegen. Dann wollte der weiter nach den Tabletten suchen, als er zum zweiten Mal von Gibbs aufgehalten wurde.

„Sie sind in deiner Hemdtasche!“

Tonys Augen nahmen einen überraschten Ausdruck an, während er mit seiner Hand schon auf dem Weg zu seiner Brusttasche war. Wie machte Gibbs das nur immer. Der braunhaarige Agent war sich sicher, das er bis jetzt noch nicht einmal, ihm gegen über, die Tabletten erwähnt hatte. Und doch hatte sein Boss nicht nur gewusst was er suchte, sondern auch wo er es fand. Dieses Mysterium würde Tony wohl nie lösen.

Auch die anderen beiden Agents kamen in dem Moment wieder. „Alles gesichert, Boss.“ Sagte McGee.

„Gut, dann setzt dich an deine Wunderkiste und schau nach was du alles über unseren Attentäter heraus finden kannst. McGee bekam das Lächeln gar nicht mehr aus dem Gesicht, an so einen Rechner zu arbeiten hatte er sich schon lange gewünscht.





9. Kapitel

Drei Stunden waren sie jetzt schon in dem Haus. Seit drei Stunden waren sie zum Nichtstun verdonnert. Wobei nichts tun nicht ganz stimmte. Denn Ziva stand die ganze Zeit am Fenster oder war draußen bei dem Wachpersonal um nach Auffälligkeiten zu suchen. Tim saß vor seinem Baby, Gibbs und Tabitha waren in der Küche um etwas zu essen zu machen und Tony war zusammen mit seiner Tochter auf der Couch eingeschlafen. Plötzlich gab der Computer eine Folge von Warntönen ab. McGee wurde aufmerksam und auch durch Tony ging der Ruck des erwachens.  

„BOSS?!“ rief Tim aufgeregt. „Boss, ich hab hier was gefunden“

Fast augenblicklich öffneten sich die Türen zur Küche. Das Essen war vergessen.

„Was, McGee? Hol Ziva und dann berichtest du.“

Kurze Zeit drauf hatten sich alle um den Wohnzimmer Tisch versammelt. Tony war nun auch wieder wach. Nur seine Tochter schlief noch fest an seine Seite gekuschelt. Aber für sie war es auch besser, wenn sie nicht alles mit anhören musste.

„Also zu erst hat es nicht gut ausgesehen mit meiner Recherche. Ich kam einfach an den Firewalls nicht vorbei, aber dann hab ich mich bei der CIA eingehackt, die haben nämlich nur einen McIntosh AS 44125 und den konnte ich problemlos….“

„McGee!“ unterbrach ihn die laute Stimme seines Bosses.

„Aber…..das. ÄHHÄÄ… willst du gar nicht wissen, Boss, ich versteh schon. Also das hab ich über Albert Drabel heraus finden können.“ Und sofort erschien ein Bild eines älteren Mannes mit Halbglatze auf dem Monitor. „Er ist 59 Jahre alt, war viermal verheiratet und wurde dreimal geschieden. Aus seiner ersten Ehe stammt Sarah ab. Seine erste Frau ist bei der Geburt gestorben und er hat das Kind dann alleine groß gezogen, wenn man von seinen kurzen Ehen einmal absieht.“ Alle drei Agents sahen ihren Boss plötzlich an.

„WAS?“ rief Gibbs. „Es gibt tatsächlich auch noch andere die viermal geheiratet haben. JA.  TOLL. UND.  Seid ihr jetzt fertig mich an zu starren? Also weiter McGee.“

„ÄÄhhmm…. Geht klar Boss. ÄÄÄhhhmm… wo war ich stehen geblieben“, dabei strich er sich durch die Haare und räusperte sich.

„Ja, Albert Drabel hat sich mit jeglicher Art von Verbrechen beschäftigt. Prostitution, Drogenhandel, Menschenraub, Mord… die Liste geht hier noch endlos weiter. Er wurde mehrmals fest genommen, konnte sich aber immer mit Deals oder Kronzeugen Aussagen aus der Affäre ziehen. In den letzten paar Jahren ist es ruhig um ihn geworden. Sein Vermögen umfasst mehrere Millionen Dollar und ist auf verschiedenen Konten in der Schweiz verteilt.“

„Kannst du ihm den Geldhahn abdrehen, Tim?“ fragte Gibbs.

„Ja, das sollte kein Problem sein. Ich kann die Konten beschlagnahmen. Aber das was er bereits für sich bereit gelegt hat, da komm ich nicht mehr dran. Und wenn ich das hier richtig sehe, hat er in der letzten Woche zusammen gerechnet fast 5 Million Dollar abgehoben. Und ich denke mal ich weiß auch wofür er das Geld brauchte.“

Tim klickte mit der Maus… und sofort erschien eine Art Steckbrief mit einem Foto von Tony auf dem Bildschirm. Sinngemäß stand darauf, das es für die lebende Ergreifung von Milena sowie für den Tot des Special Agent Anthony DiNozzo eine Belohnung in Höhe von 4 Mio. Dollar gab.

Jetzt waren alle im Raum sprachlos. Die erste die ihre Stimme wieder fand war Ziva.

„ Oh Gott, jetzt ist jeder noch so kleine Ganove hinter Tony und Milena her.“
Gibbs sah nun rot. Der wollte Tony ans Leder, seinem Agent. Aber da musste er erst einmal an ihm vorbei. Und so einfach ließ sich ein Leroy Jethro Gibbs nicht überrumpeln.

„Tim, nimm sofort Tonys Steckbrief aus dem Internet. Sperre alles was du habhaft werden kannst. Kreditkarten, Handys, Ausweise und was dir sonst noch alles einfällt. Schreib ihn zur Fahndung aus. Für Mord, Entführung, Drogenhandel und Anstiftung zu einem Mord an einem Bundesagenten. Mach ihm das Leben so schwer, wie es nur eben geht. Schick sein Bild an Fornell vom FBI, an die CIA, dem DEA, alle Polizeistationen und auch an Interpol. Ich will das der Bastard nicht mehr einen Schritt machen kann ohne aufzufallen. Lass sein Bild auch öffentlich aushängen und auf Milchtüten drucken. Laßt uns eine Hetzjagd eröffnen.“ Denn wenn er meinem Team mit Krieg droht, dann soll er ihn haben. „Wir schlagen zurück. Und McGee, gut gemacht“

Tim sah ihn an: „Alles werde ich nicht hin bekommen aber ich werde versuchen, soviel wie möglich umzusetzen.“ Mit diesen Worten machte er sich sofort an die Arbeit.
Das ganze Team war schockiert. Ziva lief mittlerweile wieder von Fenster zu Fenster, Tim tippte heftig auf seiner Tastatur, Gibbs hatte sich zu Tony, Milena und Tabitha aufs Sofa gesetzt und strich sich immer wieder frustriert durch die Haare.

„Tja, DiNozzo, wer hätte das gedacht, du bist ja ganz schön was wert!“ sagte Gibbs mit einer Spur von Galgenhumor in der Stimme.

„Boss, er will doch nur mich. Er will euch nicht und Tabitha erst recht nicht. Lass uns mit ihm verhandeln, bring mich hin. Ich krieg das schon hin. Irgendwie!“

Ziva warf Gibbs einen verzweifelten Blick zu. Das Angebot von Tony würde er doch wohl nicht annehmen? Tony war noch nie ein Ass im Nahkampf gewesen und jetzt war er verletzt und konnte noch nicht einmal richtig gehen.

Gibbs sah seinen Stellvertreter lange an, so als wöge seine Chancen ab.

„Tony, selbst wenn du nicht noch verletzt wärst, würde ich dich nicht ausliefern. Das müsstest du doch mittlerweile wissen. Wir bleiben alle hier, hier sind wir sicher. Draußen stehen gute Männer. Er kommt hier nicht an dich oder an Milena heran.“
In diesem Moment schellte plötzlich Tonys Handy. Gibbs schaut auf die Nummer und gab Tim ein Zeichen zur Rückverfolgung.

„Geh ran, Tony“, sagte der Chefermittler dann.

„DiNozzo“, meldete sich Tony.  

„Ahh, Tony, schön wieder einmal Ihre Stimme zu hören. Ich hoffe Ihnen und meiner Enkelin geht es soweit noch gut?“

„Es geht so…“, sagte Tony weiter.

„Und wie geht es Ihrem Bein? Erzählen Sie doch mal?“

Tony ging nicht weiter auf ihn ein. „Was wollen Sie von uns?“

Am anderen Ende war ein Lachen zu hören. „Sie wollen also nicht mit mir Smalltalk betreiben? Gut, wenn Sie nicht wollen, kommen wir gleich zum Thema.“ Im Hintergrund hörte man Stimmen, Geräusche und gedämpftes Gestöhne. Dann wurde das Handy weiter gereicht. Kurz darauf meldete sich eine andere Stimme.

„Junior? Bist du das?“

„DAD? Dad, wie ist das passiert? Bist du verletzt?

„Nein, es geht mir gut. Ich war auf den Weg zu meinem Wagen und dann ging alles ganz schnell. Das nächste, das ich gesehen habe war der Keller hier.“

„Dad, verhalt dich ruhig, wir holen dich da raus.“ sagte sein Sohn.

„Anthony, …...“ weiter kam er nicht, Man hörte ein Handgemenge und dann. „TONY, geh nicht darauf ein, hörst du, geh nicht darauf ein....“ dabei war die Stimme seines Vaters immer leiser geworden. Das Handy hatte scheinbar wieder den Besitzer gewechselt.

„Was haben Sie mit meinem Vater gemacht?“ brüllte der junge Ermittler in das Telefon.

„Tony, Tony, ich denke Sie sind jetzt bereit mit mir zu verhandeln? Ich möchte, das Sie in genau drei Stunden, von jetzt an, mit meiner Enkeltochter zum Washington Monument kommen. Ich werde Sie dort mit ihrem Vater erwarten. Und wir werden dann tauschen.infach tauschen, nicht mehr und nicht weniger. Dann sind wir quitt, Sie können gehen und ich werde Sie nicht weiter behelligen. Und bitte kommen Sie ohne ihr Team, nur damit wir uns  verstanden haben.“ Und damit war die Leitung tot.

„Tim?“ fragte Gibbs „Hast du den Standort ermitteln können.

„Negativ, wahrscheinlich hat er die Leitung über einen Stör-Satelliten laufen lassen. Er muss einen Computerfachmann dabei haben.“ Sagte er bewundernd.

Der grauhaarige Chefermittler warf seinem ersten Mann einen traurigen Blick zu. „Ich hab deinen Vater gestern Abend nach Hause geschickt. Wenn ich nur mit gedacht hätte, dann hätte ich wissen müssen, dass es so endet. Ich hätte ihn mit hierher nehmen müssen…“, fassungslos über sich selber schüttelte der den Kopf. Seine drei Agents waren ebenfalls fassungslos. Gibbs hatte gerade gegen seine eigene Regel verstoßen. *Entschuldige dich niemals, das zeigt nur deine Schwäche*. Dieser Fall musste ihm wirklich an die Nerven gehen.

Tony schluckte: „Schon gut Boss. Das konnte keiner ahnen, auch du nicht. Es hätte auch aus Tims Familie jemand sein können.“

„Nein, du bist sein Fokus, also musste es jemand von dir sein. Und dein Vater war greifbar. So ein Fehler darf nicht noch einmal passieren, das schwör ich euch.“

Gibbs grübelte.

„Ok, wir müssen jetzt überlegen wie wir weiter vorgehen werden. Wir haben nur noch zwei Stunden für die Planung. Ziva, wie sieht es mit deinen Scharfschützenfähigkeiten aus?“

„Gut genug für dieses Schwein.“ Kam es prompt von der brünetten Agentin.

„Gut dann werden du und ich, uns auf die Lauer legen. Die Übergabe soll am Monument  stattfinden. Dort sind immer Touristen. Wir werden also keine direkte Schussbahn haben. Das hat er sich gut ausgedacht. Wir müssen sehen das wir einen Teil der Anlage indirekt...“

„abgesperrt bekommen, in dem wir eine Baustelle aufbauen.“ vollendete McGee grinsend den Satz. „Ich rufe Direktor Vance an und bitte Ihn ein Team dementsprechend auszustatten und zu beauftragen.“

Gut, wenn wir da sind, hältst du dich verdeckt im Hintergrund auf und deckst Tony. Dich hat er bisher noch nicht zu Gesicht gekommen, darum hoffe ich das du unerkannt bleibst. Und nun zu dir Tony.“ Gibbs schluckte und sah seinen ersten Mann an.

„Es tut mir leid, das ich dich verletzt so einem Risiko aussetzen muss, aber solange er Milena nicht hat, seid ihr relativ sicher. Zur eigentlichen Übergabe darf es nicht kommen. Ziva und ich werden seine Helfer.....“

„ rund um Tonys Vater ausschalten und euch den Rücken frei halten.“ vollendete die Brünette seinen Satz.

„Ich will Drabel lebend haben, aber zur Not werden wir ihn auch ausschalten. Wir werden sehen wie es sich entwickelt. Meinst du, du schaffst das?“

„Bekomm ich meine Waffe?“

„Klar ich schick dich doch nicht unbewaffnet auf so eine Mission.“

Tony blickte auf seine friedlich schlafende Tochter runter. Dann nickte er.

„Ich will sie nicht verlieren. Beide nicht. Ich habe zwar nicht das beste Verhältnis zu meinem Vater, aber dieses Schicksal sollte ihm erspart bleiben.“

Gibbs war stolz auf sein Team. Sie ergänzten sich perfekt. „Was ist mit deinem Bein? Soll ich Ducky anrufen damit er dir ein besser wirkendes Schmerzmittel vorbei bringt? Und Tony, sei ehrlich. Es hängt zuviel davon ab.“

Tony überlegte nun wirklich. Sollte er das Schmerzmittel verweigern? Die Tabletten hatte den Schmerz etwas verdrängt, aber bei der kleinsten Bewegung pochte sein Knie aufs Neue. Die Schiene half zwar etwas, aber wenn es hart auf hart kommen würde, wollte er so fit wie möglich sein. Also fasste er sich und ganz DiNozzo untypisch, sagte er: „Ja, lass ihn kommen.“  

Gibbs hob sofort sein Telefon an und wählte die Nummer des Pathologen. Es folgte ein kurzes Gespräch. Und eine halbe Stunde später kamen Ducky und Abbs verdeckt durch die Hintertür herein.

„Was machst du hier Abby?“ fragte Gibbs streng. „Ich wüsste nicht dass ich dich angefordert habe.“

Abby hüpfte von einem Bein auf das andere. „ Es freut mich auch dich zu sehen, Gibbsman und ich bin so froh das es euch allen gut geht. Naja, so halbwegs jedenfalls.“ sagte sie mit einem Blick auf Tony. „Ich hab es im Labor nicht mehr ausgehalten. Diese Ungewissheit hat mich schier verrückt werden lassen. Gibbs, ich habe so ein schlechtes Gefühl bei der Sache, ich konnte nicht mehr anders.“

„Und ich hatte dann ein Einsehen mit ihr und hab sie mit genommen.“ Half Ducky aus.

„Duck, es ist schon gefährlich genug das du hier bist, aber Abby hätten wir außen vor lassen können. Aber jetzt ist sie nun mal hier.“ Und schon verwandelte sich sein grimmiges Gesicht in ein lächelndes und er breitete seine Arme aus und Abby stürzte sich hinein.

„Director Vance hat uns von eurem Plan erzählt. Ducky und ich bleiben hier am PC und über Funk mit euch in Verbindung. Dann sind wir in Sicherheit und bekommen trotzdem alles mit.“
Gibbs sagte nichts, gab ihr nur einen Kuss auf die Stirn und flüsterte ihr zu: „Wenn ich gleich weg bin, kümmere dich ein bisschen um Tabitha. Ja?“. Abby strahlte ihn an und nickte begeistert.

„Ducky kümmere dich bitte erst um DiNozzo.“ Sagte Gibbs und nahm von einem der begleitenden Agents die Waffen im Empfang. Zwei Scharfschützen Gewehre, mehrere Handfeuerwaffen, darunter auch Tonys eigene Waffe sowie einige Messer und für jeden eine Schutzweste.



10. Kapitel


Der Gerichtsmediziner kam mit seiner braunen Arzttasche auf den jungen Agent zu.
„Hallo Anthony, Director Vance hat mir schon berichtet was dich in den nächsten Stunden erwarten wird. Ich habe darauf hin mit deinem Arzt im Krankenhaus Kontakt auf genommen um mir ein Bild machen zu können. Er sagte mir auch, das dein Bruch nicht gut heilen würde und du dir bei dem Überfall eine neue Knieverletzung zugezogen hast. Wie lange ist die Schussverletzung jetzt her? Fünf Wochen?“

Tony schüttelte den Kopf: „Sieben Wochen, Ducky“

„Oh sieben Wochen schon? Mein Gott, wie schnell doch die Zeit vergeht. Da fällt mir gerade ein, ich kannte mal einen Polospieler der sich auch so einen Oberschenkelbruch....“

„Ducky, könnten wir erst hier....“ dabei nickte er runter zu seinem Bein.

„Oh ja, verzeih mir Anthony. Gut, dann mein lieber Junge, lass mal die Hose runter damit ich mir dein Bein ansehen kann.“ Zusammen mit Duckys Hilfe löste er die Schiene und zog seine Hose ein Stück nach unten. Die OP Narbe verheilt gut?“ Tony nickte. Wie automatisiert wanderte seine Hand zu der Narbe und legte sich schützend darüber. In dem Moment betrat Abby den Raum.

„TONYYYYY ich hab dich schon überall gesucht.“ rief sie und sprang lachend auf ihn zu. Dann entdeckte sie sein Knie und bremste abrupt ab. „Oh mein Gott Tony, das sieht ja schlimm aus. Damit kannst du nicht an dem Einsatz teilnehmen.“ Staunend stand sie vor ihm. Tony schmiss nun zum ersten mal seit dem Krankenhaus einen Blick auf sein Knie. Was er dort sah, lies auch ihn schlucken. Gut sah das wirklich nicht aus. Das Knie war dunkelblau verfärbt und dick angeschwollen.

Vorsichtig um ihm nicht noch mehr Schmerzen zu bereiten, glitten die Finger des Arztes über das verletzte Gelenk. Trotzdem verzog der junge Agent hier und da sein Gesicht, wenn der Arzt eine besonders empfindliche Stelle berührte. Während der gesamten Prozedur, hielt Abby Tonys Hand fest umklammert und verzog mitfühlend ihr Gesicht.

„Ohh das sieht aber nicht gut aus. Tja, dein Arzt hatte mir schon so was prophezeit. Bänder, Kniescheibe und Meniskus….dazu der kaum verheilte Bruch. Du hättest im Krankenhaus bleiben sollen, Anthony.“ Resigniert half der Pathologe ihm wieder in Hose und Schiene. „Also in Absprache mit deinem Arzt hab ich ein Mittel dabei, das auf Morphium Basis wirkt. Schlag schon einmal deinen Ärmel hoch. Denn, damit es sofort seine Wirkung entfalten kann muss ich es dir in die Vene spritzen.“

„Hooohhh halt, von Morphium hab ich noch nie was Gutes gehört. Wie sieht das mit den Nebenwirkungen aus? Bin ich noch Herr meiner Sinne? Kann ich logisch denken? Und zur Not meine Waffe bedienen? Das müssen wir vorher erst klären, sonst geht es auch ohne.“ Sagte Tony und hatte als Zeichen seiner Abwehr die Arme vor der Brust verschränkt.

„Das brauchst du alles nicht befürchten. Dein Kopf wird klar sein, nur dein Nervenkostüm wird etwas auf Eis gelegt. Und das heißt dann wieder das du keine bzw. kaum Schmerzen spüren wirst. Allerdings hält die Wirkung nur drei maximal vier Stunden an. Aber das dürfte ja reichen.“

„Kann ich in der Zeit schmerzfrei auftreten?“

„Ich denke ja, aber ich würde dir das nur im äußersten Notfall empfehlen. Ich möchte nicht das sich deine Verletzung noch verschlimmert.“

Tony krempelte seinen Hemdärmel hoch und Ducky injizierte ihm das Mittel direkt in die Blutbahn. Nur Minuten später setzte die Wirkung ein und er merkte wie der Schmerz zurück gedrängt wurde.

Abby beobachtete ihren Tiger ganz genau. Seine zerfurchte Stirn glättete sich langsam. Tony hatte seinen Kopf in den Nacken gelegt und lächelte als er Abbs Finger auf seiner Stirn spürte. „Ich lass dich jetzt mal ein bisschen alleine und seh mal nach deiner Tochter.“ Sagte sie und drückte ihm einen Kuss auf die Wange.

Ziva stand bei Gibbs und blickte während Duckys Untersuchung immer wieder zu Tony. Eigentlich wollte sie das Gewehr auf ihre Bedürfnisse einstellen, aber so richtig bei der Sache war sie nicht.

„Geh schon zu ihm, das kannst du auch gleich noch machen“, sagte Gibbs verständnisvoll.

Der Arzt war mittlerweile fertig und spritzte DiNozzo gerade das Schmerzmittel. Ziva legte die Waffe auf den Tisch und ging zum Sofa. Ducky sah auf.
„Ziva, meine Liebe. Jethro sagte mir du wärst auch verletzt? Brauchst du was?“

„Nein Danke. Mir geht’s gut. Es ist wirklich nur ein Kratzer. Ich spüre ihn schon gar nicht mehr.“ Um ihm zu zeigen dass das auch stimmte, wackelte sie mit ihrem Arm. „Ich will nur kurz mit Tony reden.“ Sagte sie und ging weiter auf das Sofa zu.

Tony hatte sich mittlerweile auf der Couch ausgestreckt. Seine Augen waren geschlossen. Er machte einen ruhigen Eindruck. Nur das leichte zucken seiner Wangenmuskulatur zeigte an das er nicht so entspannt war, wie er wirkte.

„Hey“, sagte Ziva und da öffneten sich grüne Augen. Sie setzte sich neben ihm auf die Couch, nahm seine Hand in ihre und schaute auf diese. Sie war groß aber schmal und die Finger waren sehr lang und schlank. Sie liebte es die Stelle zwischen Daumen und Zeigefinger zu liebkosen. Das zauberte bei ihm immer ein Lächeln ins Gesicht. So auch heute. Wenn sie an die nächsten Stunden dachte, lief ihr ein kalter Schauer den Rücken runter. Sie zeigte nicht gerne Schwäche oder Gefühle. Bei Tony war das anders. Wenn sie mit ihm über Ihre Gefühle sprach, fühlte es sich richtig an.

„Ich habe Angst, Tony. Angst um dich, um Milena und sogar um deinen Vater. Ich weiß nicht ob es Gibbs und mir gelingen wird alle  Komplizen auszuschalten. Und dann ist da noch der Internetaufruf zu deinem Mord. Was ist wenn dich irgend so ein kleiner Ganove erkennt und dich hinterrücks umbringt. Tim hat die Anzeige zwar entfernt, aber wir wissen nicht wie lange sie schon im Netz stand.“

„Bambino wird mir den Rücken frei halten und du wirst die andere Seite gut beschützen. Was soll da noch geschehen?“ fragte Tony und setzte sein schönstes DiNozzo Grinsen auf.  

„Ich weiß es nicht und genau das macht mir zu schaffen. Ich bin es gewohnt gefährliche Einsätze auszuführen. Aber da hatte ich auch noch nie jemanden um den ich mich sorgen muss. Nun ist alles anders geworden.“

„Ziva, es wird nichts passieren. Es wird genauso ablaufen wie Gibbs sagte. Wir nehmen Drabel gefangen und befreien meinen Vater. Na komm schon, wo ist meine kleine Ninja? Kommt sie freiwillig raus, oder muss ich sie holen?“ Er sah seiner Verlobten in ihre schokoladenfarbenen Augen und küsste sie zärtlich.
„Wenn das alles vorbei ist, dann machen wir Urlaub, Ziva. Nur wir beide.“ Dann fiel sein Blick auf Milena die mit ihrer Puppe im Arm so verloren aus sah. „Vielleicht aber auch zu dritt, wir werden sehen. Und dann können wir über unsere Hochzeit, über Mias Adoption und deine Familie in Ruhe sprechen. Versprochen.“

Ziva drückte sich noch einmal in seine Arme und im aufstehen fasste sie ihre Haare zu einem festen Zopf zusammen, der ihr bei der Arbeit nicht im Weg seien würde. Sie blieb noch kurz bei ihm stehen, beugte sich runter und flüsterte in sein Ohr: „Pass ja auf deinen Hintern auf. Ich liebe deinen Pelzarsch!“ und damit drehte sie sich um und widmete sich ganz der Aufgabe die vor ihr lag.

Eine halbe Stunde später waren alle Vorbereitungen getroffen und der Zeitpunkt der Übergabe stand kurz bevor. Director Vance hatte sich vor kurzem noch via Videokonferenz gemeldet und dem Team ein gutes Gelingen gewünscht. Nun waren sie Aufbruch bereit. Abby und Ducky verabschiedeten sich von jedem. Wobei Abby ein bisschen länger bei Tim verweilte. Als sich das Team zu den Wagen begab, zog der Pathologe die quirlige Kriminaltechnikerin wieder in seine Arme. „Oh Abigail, nicht schon wieder weinen. Es wird alles gut gehen du wirst sehen und schneller als du denkst hältst du deinen Timothy wieder in den Armen.“ Doch Abby lies sich so schnell nicht von ihrem schlechten Bauchgefühl abbringen.

„Irgendwas wird heute noch geschehen, Ducky, ich fühle es. Irgendwas wird noch geschehen.“ Diesen Satz wiederholte sie wie in Mantra, während ihr Schminke und Tränen über die Wangen liefen.

Das Team fuhr getrennt zum Washington Monument. Ziva und Gibbs wurden in einiger Entfernung raus gelassen. Sie wollten in einem hochgelegenen alten Fabrikgebäude ihren Stützpunkt beziehen. Tim war bereits mit einem Touristenbus vorgefahren. Das war am unauffälligsten und so konnte er schon einmal die Umgebung sichten. Tony und Milena wurden in einem Taxi, der Fahrer war allerdings ein Agent, zum Washington Monument gefahren. Mit dem Wagen konnten sie bis fast an den Obelisken ran fahren. Milena hatte die ganze Fahrt über kaum gesprochen. Sie verstand noch nicht was genau vorging, aber sie konnte die allgemeine Anspannung spüren. Und das machte ihr Angst. Außerdem hatte Miss Wearly ihr gesagt das sie lieb und artig sein sollte und auf alle Fälle immer auf ihren Vater hören sollte. In den letzten Minuten hatte sie immer wieder ängstlich in Tonys Richtung gesehen. Es war als wenn sie etwas sagen wollte sich aber nicht traute.

„Mia“, sagte Tony, „Was ist, willst du mir erzählen was dich bedrückt?“

„Ich will nicht weg von euch?“

„Wer sagt denn das du weg musst?“

„Ich habe gehört wie Onkel Jethro gesagt hat, das der böse Mann deinen Vater hat aber mich will. Ich will aber nicht zu ihm. Willst du denn unbedingt deinen Vater wieder haben oder kannst du nicht dafür mich behalten? Ich mag dich.“ Dabei sah sie ihn zaghaft an.
Tony konnte sich nun ein Lächeln nicht mehr verkneifen.

„Ich hab dich doch auch lieb, Mia aber meinen Vater auf irgendeine Weise auch. Und wir tun nur so als wenn wir dich, gegen ihn austauschen. In Wirklichkeit soll der böse Mann keinen von euch beiden haben. Wir fahren nachher alle zusammen wieder nach Hause und du kannst dann deinen Grandpa kennen lernen. Was sagst du dazu?“ versuchte er sie etwas abzulenken.

„Oh ich habe auch einen Opa?“

„Klar…mein Vater ist dein Opa, und du hast auch zwei Onkel, eine Tante und Ziva und mich. Reicht dir das fürs erste?“ Sie nickte begeistert. Doch Tony wurde nun wieder ernst.
„Pass auf Mia, wenn wir gleich ankommen, dann musst du immer bei mir bleiben. Und wenn ich sage „Lauf“ dann läufst du so schnell du kannst weg. Und wenn ich sage „auf den Boden“ dann lässt du dich fallen. OK?“

„MMMHHhhmmmm“

„Ist das ein Ja?“

„Daddy, aber ich will dich nicht alleine lassen!“

„Mia, wenn ich sage LAUF, dann machst du das auch. Hast du mich verstanden? Das ist für uns alle sehr wichtig.“

„Okay“, kam es da niedergeschlagen von seiner Tochter. „Aber wo soll ich denn hin rennen?“

„Auf alle Fälle weg von mir und dem bösem Mann. Wenn du Onkel Tim siehst, dann rennst du zu ihm. Wenn nicht, renn einfach weg und such dir einen Polizisten. Und dann sagst du wie du heißt und das du zum NCIS willst. Zu Jethro Gibbs. Kannst du das behalten? Sie sah ihn an, holte tief Luft und sprach ihm nach.

Plötzlich klopfte es an der Trennscheibe zur Fahrgastzelle. Der Fahrer sagte durch die Gegensprechanlage: „Machen Sie sich bereit, wir sind gleich da, Agent DiNozzo.“
Tony nickte im zu. Er spürte wieder den vertrauten Druck seiner Waffe, die an der gewohnten Stelle unter seiner Achsel hing. Dann fuhren seine Finger über die Schutzweste die er unter seiner normalen Jacke trug. Auch Mia trug so eine Weste. Sie hatten die kleinste besorgt die zu finden war, aber auch diese war ihr noch viel zu groß. Sie mussten Ihr die Weste mit Klebeband verschließen, da die Klettverschlüsse nicht passten. Aber nun saß sie einiger maßen und Ihr Körper war bis zu den Knien geschützt. Da sie einen Kindermantel aus Teddyplüsch trug fiel auch die Länge nicht auf.

„Wir sind da“, sagte da der Fahrer. „Tun Sie so als wenn Sie mich bezahlen würden.“

Tony tat es, nahm seine Krücken und stieg zusammen mit Milena aus. Gemeinsam gingen sie in Richtung Obelisk. Der junge Ermittler blickte einmal in die Runde. Die Idee mit der gestellten Baustelle schien zu glücken. Der Obelisk war teilweise mit roten Flatterband abgesperrt, Nur wenige Touristen befanden sich in unmittelbarer Reichweite.

Tapfer lief Mia neben ihren Vater her. Er hätte sie gerne an die Hand genommen, aber er brauchte seine Hände um sich selbst fort zu bewegen.
„Du musst ganz nah bei mir bleiben, hörst du?“

„Ja, Daddy“ kam es zaghaft und sie stampfte neben ihm her. Ihre Puppe wieder fest an ihre Brust gepresst.

Tony griff in seine Brusttasche und setzte die Brille, mit eingebauter Kamera auf. In seinem rechten Ohr steckte ein Micro. So waren sie alle miteinander verbunden.
Plötzlich vernahm er Gibbs Stimme.

„DiNozzo, McGee? Könnt ihr schon was sehen?“

„Negativ, Boss“ kam es fast gleichzeitig von den beiden Agents.

„Ziva und ich haben auch noch nicht ausfindig machen.... Moment da tut sich jetzt was. Ein hellblauer Lieferwagen, auf 13 Uhr, Tony?

„Ich sehe ihn Boss. Kannst du Drabel ausmachen?“

Da schaltete sich Ziva in das Gespräch ein. „Gibbs, er kommt jetzt raus. Das muss er sein, der mit dem Hut. Ich sehe auch deinen Vater, Tony. Es scheint ihm gut zugehen. Sie kommen jetzt auf euch zu.“

„Wie viele Kumpane siehst du noch?“ fragte Tony.

„Vier, nein fünf.“ sagte Gibbs. „Ziva, sobald er in Tonys Sichtweite ist, erledigen wir seine Komplizen. Verstanden!“

„Geht klar.“ Gibbs fing leise an zu zählen. Eins, zwei, drei, … Dazu hörte Tony das leise Ploppen der Schalldämpfer. Unbewusst zählte er selber mit.
„Auftrag ausgeführt, der Rest liegt jetzt bei euch.“ sagt Gibbs. „Wir beobachten weiter und schalten ihn zur Not von hier aus aus. Rette deinen Vater, DiNozzo.“

„Achtung Tony, er kommt jetzt direkt auf dich zu.“ meldete sich Tim.

„Ok Bambino, ich sehe ihn.“ Jetzt konnte er auch seinen Vater sehen. Es schien ihm so gut zu gehen. Tony und Milena standen unbeweglich und warteten. Drabel kam immer näher, verbarg sich aber hinter DiNozzo Senior.

„Dad? Alles Okay mit dir?“ rief der junge Agent seinem Vater zu.

„Ja Junior, mir geht es gut. Allerdings spüre ich eine Waffe im Genick.“

„Was passiert jetzt?“

„Tony, Tony, Tony. Sie haben mir übel mitgespielt, wissen sie das?. Meine Konten gesperrt. Ich habe keinerlei Zugriff mehr.  Meine Organisation... nur noch Schall und Rauch.“ Mann hörte ein leises lachen. Dann wurde sein Vater ein Stück nach vorne gestoßen.  
„Aber ich mache mir nichts aus Geld und die Leitung der Firma hatte ich schon lange meinem Nachfolger versprochen. Sie sehen also, ich werde in Zukunft viel Zeit haben, mich um meine Enkeltochter zu kümmern. Sie müssen mir glauben, ich war sehr geschockt als ich hörte, das meine Tochter tot sei. So war das nicht geplant. Wissen Sie, ich habe den Killer auf ihrem Nichtsnutz von einem Ehemann, angesetzt. Er sollte mir Sarah ZURÜCKBRINGEN.  Nicht töten. Sie sehen, man findet heute einfach kein gutes Personal mehr. Alles muss man selber machen.“ Jetzt trat er etwas aus dem Schatten von Tonys Vater hervor. „Aber nun ist alles wieder okay. Denn ich weiß, das meine Tochter ein Kind hatte. Hallo Milena, ich bin dein Opa.“

„Du bist nicht mein Opa, du bist der böser Mann. Das da ist mein Opa.“ piepst Mia. Tony zog sie wieder hinter sich.

„Egal, wir werden uns schon an einander gewöhnen. Und jetzt wenn ich bitten darf schicken sie sie zu mir.“

„Nie!“

„Wie? Sie sind nicht in der Lage zu verhandeln. Schicken SIE SIE ZU MIR.“ schrie er ihm entgegen.

„Schicken sie erst meinem Vater her.“ Noch immer hielt Drabel Tony Senior wie ein Schutzschild vor sich.

„Erst wenn das Kind hier ist. Sonst töte ich uns alle und alle in unserer Umgebung.“ Sagte er hasserfüllt.

Tony beugte sich zu Mia runter. „Weisst du noch was wir besprochen haben?“ flüsterte er ihr zu und Mia nickte. Dann nahm er sie so weit es ihm möglich war in die Arme. „Geh“, sagte er.

*****

Gibbs und Ziva hatten bisher noch keine Chance auf eine freie Schussbahn gehabt. Aber sie hatten beobachten können das ein NCIS Team sich der ausgeschalteten Komplizen angenommen hatte. Tim hatte sich unauffällig immer näher an Tony heran geschlichen. Dann beobachteten alle wie sich das kleine Mädchen langsam auf Drabel zu bewegte.

*****

Abby, Tabitha und Ducky, die durch Tonys Brille alles mitbekamen, hielten den Atem an. Tab fuhr sich durch die Haare. „Das kann er doch nicht zulassen?“

„Mein Tiger, lässt das auch nicht zu. Und Gibbsman schon gar nicht.“ rief Abbs aufgebracht. Sie hatte sich schon fast alle Nägel abgekaut. Diese Spannung brachte sie um. Der Pathologe stand hinter ihr und hatte ihr zur Beruhigung eine Hand auf die Schulter gelegt.
„Sie schaffen das schon, Abigail.“

„Ja“ seufzte sie. „Sie müssen es schaffen.“

*****

Mia hatte schon fast die Hälfte des Weges hinter sich. Tonys Vater war ebenfalls auf dem Weg. Nur war er viel schneller als sie und schon fast bei seinem Sohn angekommen.

*****

Gibbs nickte Ziva zu. Die Bahn war frei.

*****
Drabel bemerkte plötzlich das Milena immer langsamer wurde, außerdem hatte er schon länger keinen Kontakt mehr zu seinen Männern gehabt. Irgendwas stimmte hier nicht. Er richtete seine Waffe auf Tony. „Sagen Sie ihr, Sie soll sich beeilen, sonst garantiere ich für nichts mehr.“ Dabei öffnete er etwas seinen Mantel und ließ Tony einen Blick auf die Bombe werfen, die er am Körper trug. Gleichzeitig schrie er Milena zu: „Komm schneller“.

*****

Dann passierte alles gleichzeitig. Tony schrie „LAUF“, Mia rannte so schnell sie konnte in die nächste Menschenmenge. Im gleichen Augenblick schrie er in das Micro. „Bombe Boss, Drabel trägt eine Bombe.“

*****

McGee war nur noch weinige Meter vom Obelisken entfernt. Er hatte seine Hand bereits an der Waffe. Er sah das Tony etwas ins Mirco schrie. Aber bei ihm kam nur noch statisches Rauschen an. „Störsender“, war sein erster Gedanke. Die Störungen waren schon die ganze Zeit da, aber jetzt wo Drabel so nah an Tony stand, konnte er fast nichts mehr verstehen und dann war das Micro tot.

*****

Gibbs fuhr sich ans Ohr, was war das gewesen? War das Tony? „DiNozzo, meld dich. Was  ist da los bei euch? McGee, Meldung.“ Doch die Leitung war Tot. Jetzt mußte er eine Entscheidung treffen und er nickte Ziva zu. Fast gleichzeitig schossen sie, sahen Drabel fallen und im nächsten Moment erschütterte eine Explosion den Ort des Geschehens.  Ziva keuchte auf. Angst machte sich in ihr breit. „Tony, TONY?“ rief sie in ihr Micro. Doch sie erhielt keine Antwort. Hatten sie zu lange gewartet? War ihr Schuß zu spät gekommen? Und woher kam plötzlich die Bombe?

*****

DiNozzo Senior wurde noch bevor er den Knall hörte von der Druckwelle erfasst und riss im Fallen seinen Sohn mit um. Dann brach Panik aus. Überall schrien Menschen.  Alles rannte wie wirr durch die Gegend.

*****
Tony hatte ´Bombe´ins Mirco geschrien. Scheinbar aber nicht mehr rechtzeitig genug. Der junge Mann hörte das leise Ploppen der Gewehre und dann wurde sein Vater von der Druckwelle der Explosion erfasst. Die Kugel die ihn traf spürte Tony nicht mehr, denn um ihn herum wurde es schlagartig dunkel.

*****

Tim versuchte sich gegen den Strom zu stellen um zu Tony zu gelangen. Bisher wusste noch keiner genau was passiert war.




11. Kapitel

„Nein, nein, nein“ sagte Abby immer wieder. „Ducky, nein, nein, nein.... das kann doch nicht sein. Ich hatte von Anfang an ein schlechtes Gefühl bei der Sache“,  weinend saß sie vor dem dunklen Bildschirm. Sie hatten noch die Schießerei mitbekommen, gesehen wie Drabel schoss und fast gleichzeitig von zwei Kugeln getroffen wurde. Dann hatten sie die beiden Tonys zu Boden gehen sehen, etwas war explodiert und dann war es dunkel geworden. Tony musste bei der Wucht der Explosion wohl seine Brille verloren haben. Warum allerdings auch das Micro ausgefallen war, konnte sie nicht sagen. Sie konnten nicht anderes tun als warten. Tabitha stand aufgewühlt am Fenster und betete das keinem was passiert war.

*****

Ziva und Gibbs waren mittlerweile auf dem Weg zum Tatort. Der Chefermittler hatte sofort, nach dem das Micro ausgefallen war, via Handy ein anderes Team zwecks Übernahme angefordert.
Tim hatte es endlich geschafft zum Tatort vorzudringen. Dabei musste er sich geben die davon rennenden Touristen stellen. Von Milena sah er nichts, aber er sah DiNozzo Senior, der halb über seinen Sohn lag. Nun trafen auch Gibbs und Ziva ein. Tim wollte Drabels Lebenszeichen überprüfen. Aber von der Leiche war nach der Explosion, so gut wie nichts über geblieben.
Ziva fiel neben den beiden Tonys auf die Knie.
Das Bild das sich den drei Agents bot, war wie aus einem Horrorstreifen. Tony lag ausgestreckt auf dem Boden und rund um seinen Kopf sammelte sich Blut.

Gibbs erstarrte, sein Blick fiel auf Tony. „Wie bei Kate“, waren seine Gedanken. Er hatte das Gefühl sein Innerstes würde sich umkrempeln. Er wollte nicht schon wieder einen seiner Leute verlieren und schon gar nicht Tony. Er  bemerkte das seine Augen feucht wurden, doch er konnte so gar nichts dagegen tun. Immer wieder kamen ihm die Bilder von Kate Tod in den Sinn. Wie sie zusammen über das Dach gerannt waren. Wie sie sich vor ihm geschmissen hatte und mit ihre Schutzweste die Kugel, die für ihn bestimmt war, aufgefangen hatte. Wie sie sich lächelnd wieder aufgerichtet hatte nur um Sekunden später von einer zweiten Kugel in den Kopf getroffen zu werden. Der Schuss damals war glatt durch gegangen und hatte Tonys Gesicht mit ihrem Blut bespritzt. Er konnte sich noch genau an den verlorenen Blick seines Ersten erinnern, aus dunkel umrandeten Augen und holen Wangen. Er war noch lange nicht fit genug für so einen Einsatz gewesen, hatte damals noch mit den Nachwirkungen der Lungenpest gekämpft. Und doch hatte Gibbs ihn mitgenommen, weil er ihn dann besser unter Kontrolle hatte. Doch in Wirklichkeit hatte er es selbst gar nicht erwarten können das DiNozzo zurück kam. Er fehlt im Team an allen Ecken und Enden. Er vermisste die kleinen Streitigkeiten zwischen Tony und Kate, seine Streiche gegen McGee und auch die Kopfnüsse die er ihm immer gab. Kurz um er hatte den jungen Mann vermisst und war froh gewesen das er sich entschieden hatte vor Ablauf seiner Krankschreibung  zurück in den Dienst zu treten. Doch plötzlich riss Ziva ihn aus der Erstarrung. Sie hatte Tonys Puls gesucht und gefunden. Schwach, kaum spürbar aber doch da.

„Er lebt, Gibbs. Tony lebt noch, ruf einen Krankenwagen.“ Rief sie ihm zu, zog ihre Jacke aus und versuchte damit vorsichtig die Blutung an seinem Kopf zu stillen. Dabei redete sie die ganze Zeit auf ihrem Verlobten ein. „Kannst du mich hören Schatz, es wird alles wieder gut. Wir haben Drabel und Mia lebt, ihr ist nichts passiert. Tony, hey, du musste das hier schafften hörst du.. Denk an deine Tochter. Sie hat jetzt nur noch dich...“ Dabei war ihre Stimme immer leiser geworden bis sie fast nicht mehr zu hören war.

Jetzt war seine Erstarrung gebrochen und der Chefermittler zückte sein Handy, wählte den Notruf und brüllte in den Hörer:„Bundesagent angeschossen, Wir brauchen hier SOFORT einen Krankenwagen.“

Mittlerweile war auch Tonys Vater wieder aufgewacht. Mit Gibbs hilfe setzte er sich auf. Außer ein paar leichte Abschürfungen von dem Sturz, hatte er keine Verletzungen davon getragen. Er fasste sich an die Stirn.

„Was ist geschehen? Mein Sohn?“ Dabei sah er sich hektisch nach ihm um.

„Er wurde getroffen, aber er lebt. Mehr kann ich auch noch nicht sagen.“ sagte Gibbs.
„Brauchen Sie einen Arzt Mr. DiNozzo?“

„Nein, nein, mir geht es gut. Drabel hat sich vorbildlich wie in Gentleman benommen. Ich wurde gut gehandelt.“ Dann fiel ihm plötzlich das kleine Mädchen wieder ein. Sein Enkelin. Das erste Zusammentreffen hatte er sich anders vorgestellt.
„Habt ihr das Kind gesehen?“ fragte er.

Jetzt waren Sirenen zu hören. Mehrere Krankenwagen und die Feuerwehr bahnten sich ihren Weg durch die auf geschreckte Menschenmenge. Ein paar leichte Verletzungen waren durch herum fliegende Splitter entstanden. Und einige Touristen saßen mit einem Schock auf dem Boden. Aber um einen größeren Schaden zu verursachen, war die Detonation zu klein gewesen. Die Bombe die sich Drabel an den Körper gebunden hatte, sollte seine Lebensversicherung sein, doch sie hatte im Endeffekt genau umgekehrt funktioniert.

Ein Notarzt Team kam auf sie zu gerannt.
„Was gibt’s?“

„Schussverletzung“, stammelte Ziva.

„OK, Mam. Mein Name ist Jack und meinen Kollegen hier, können Sie Marc nennen. Sie müssen ihn jetzt bitte los lassen und etwas zurück treten, damit wir unsere Arbeit tun können.“

Schweren Herzens tat sie was der Notarzt sagte. Eine einzelne Träne lief ihr über die Wange. Plötzlich stand Tonys Vater neben ihr und nahm sie in den Arm. Zusammen sahen sie dem Notfallteam bei DiNozzos Erstversorgung zu.
Die beiden Sanitäter waren ein eingespieltes Team. Während der eine die Kopfwunde behandelte und einen Druckverband anlegte, legte der andere Tony einen IV Anschluss und schloss ihn an diverse Geräte an. Sie rissen Tonys Jacke auf und zogen seine Schutzweste herunter. Sie klebten ihm Messpunkte auf die nackte Brust. Dann wurde er auf eine Bahre gelegt und schnellstens zum Rettungswagen gebracht.
„Wenn Sie wollen kann einer mitfahren“, rief Jack ihnen zu. Ziva sah kurz zu Gibbs. Und dieser nickte ihr zu. Sie lies Tonys Vater los und rannte zum Wagen. Dann schlossen sich die Türen und sie fuhren mit Blaulicht los.

Gibbs stand immer noch wortlos da. DiNozzo Senior kam langsam auf ihn zu.

„Mister DiNozzo? Wir müssen Milena suchen.“

„Ja, Ja, Sie haben recht. Kommen Sie, Sie ist in diese Richtung weg gerannt.“ Sagte Tonys Vater.

„Tim, du fährst zum Versteck und bringst Abbs und Ducky zum Bethesda. Kümmere dich ein bisschen um Abby, sie wird mit den Nerven am ende sein. Tabitha soll im Navy Yard auf mich warten. Wenn wir Mia hier nicht finden, dann müsste sie nach Tonys Plan dort auftauchen. Sie soll sich ihrer annehmen, sollte die Kleine schneller seien als wir.“

Während McGee sich auf den Weg machte, suchten Gibbs und Anthony Senior die Gegend nach Mia ab. Doch finden konnten sie sie nicht. Sie konnten nur hoffen, dass die Kleine sich an alles erinnern konnte und dies auch anwendete.

Milena rannte immer noch. Sie hatte das Monument schon lange hinter sich gelassen. Aber die Angst saß noch zu tief und sie hatte auch noch keinen Polizisten gefunden. Irgendwann hatte sie ihre Puppe verloren. Sie hatte kurz überlegt um zu drehen und sie zu suchen, sich dann aber an die Anweisung ihre Vaters erinnert. Sie sollte so schnell als möglich zum Yard zurück. Also hatte sie schweren Herzens ihre Puppe aufgegeben und sich weinend wieder aufgerafft. Sie passte kaum noch auf wo sie hin rannte. Bis sie plötzlich mit jemanden zusammenstieß. Zwei große Hände packten sie und hinteren sie daran zu fallen.

„Hoppla, junge Dame. Wohin denn so eilig?“ hörte sie eine freundliche Männerstimme fragen. Verwirrt blickte sie hoch. Der Mann war schon alt. Er hatte so graue Haare wie der Boss ihres Vaters.

„Sind Sie ein Polizist?“ fragte sie.

„Nein, aber suchst du einen?“

„Ich brauch sofort einen Polizisten. Mein Daddy sagt ich soll einen suchen.“ sie seufzte. „Dann muss ich jetzt weiter.“ Sie wollte gerade weiter rennen, aber der Mann lies sie nicht los.

„Warte mal. Warum sollst du zur Polizei?“ Er war neugierig geworden. Außerdem erinnerte die Kleine ihn stark an seine eigene Tochter als sie in diesem Alter gewesen war.

„Der Böse Mann hat meinen Opa und mein Daddy ist ein Agent und er hat gesagt Lauf und ich bin gelaufen. Ich muss zu Onkel Jethro zum NCIS Hauptquartier.“ Das war der Text den sie auswendig gelernt hatte. Sie schluckte. „Und ich hab meine Puppe verloren und mein Daddy......“ Jetzt weinte sie rettungslos.

„Na komm, ich werde zwar nicht schlau aus deiner Geschichte aber ich bring dich zur Polizeiwache an der nächsten Ecke. Dann kannst du denen alles in Ruhe erzählen.“

Nach einiger Zeit brachen Gibbs und Tony Senior ihre Suche nach Mia auf.
„Wir können jetzt nur hoffen das Sie sich zu helfen weiß und zum HQ kommt.“ sagte Gibbs und Anthony Senior nickte bestätigend.

„Gut dann würde ich sagen, trennen wir uns. Ich fahre zum HQ und Sie fahren zu Ziva und Tony ins Bethesda.“ Gibbs nickte dem älteren Mann zu. Im Endeffekt wollte er auch nichts anderes, als zu Tony ins Krankenhaus. Sich Gewissheit verschaffen das sein Stellvertreter überleben würde. Aber vorher musste er ins Yard. Tabitha und hoffentlich auch Milena abholen.

„Ja, ich muss wissen wie es meinem Sohn geht!“ sagte er und rannte schon zu einem Taxi.

Ziva war in die linke Ecke des Krankenwagens verbannt worden. Sie hatte ihre Hand auf Tonys Unterschenkel liegen. Sie wollte einfach den Kontakt mit ihm nicht verlieren. Die beiden Sanitäter kümmerten sich immer noch um die Schusswunde. Die Apparate piepsten mal schneller dann wieder langsamer.
Jack griff an ihr vorbei nach dem Funkgerät.

„Hier R1 an Bethesda.“ Man hörte ein statisches Rauschen. Doch dann.

„Bethesda hört“

„Wir haben hier einen Bundesagenten mit Schussverletzung. Ihr solltet einen OP Raum bereit halten. Sein Blutdruck ist aufgrund des Blutverlustes instabil. Wir haben ihm schon Plasma und Adrenalin gegeben. Die Werte sind aber immer noch im unteren Bereich. Wir sind in schätzungsweise fünf....“ doch weiter kam er nicht, weil plötzlich nur noch ein durchgehendes Piepen zu hören war.

„Scheiße, Bethesda, Herzstillstand. Wir reanimieren.“ damit lies er das Funkgerät fallen und gab seinem Kollegen genauste Anweisungen. Der Defibilator wurde aufgeladen.
„150 und zurück treten.“ Schlagartig zog Ziva ihre Hand zurück. ZACK Tonys Körper beugte sich auf. Tom sah zum EKG.
„Immer noch Nulllinie. 250, zurück treten.“ ZACK, der nächste Stromstoß fuhr durch den Körper des verletzten Agents.

Für Ziva war die Welt stehen geblieben. Sollte es das gewesen sein? Sollte es so enden. Tony durfte nicht sterben. Gibbs würde es nicht zu lassen. Hätte sie doch nur darauf bestanden das der Chefermittler mit Tony fuhr. Aber sie wusste auch so das dass nichts hätte ändern können. Selbst wenn er das hier überleben würde. Was hatte die Kugel angerichtet. Welches Zentrum hatte sie getroffen und was war beschädigt? Würde er für den Rest seines Lebens ans Bett gefesselt sein, nicht gehen und sprechen können? Sie hatte diese Art der Verletzung schon bei ein paar ihrer Mossad Kollegen gesehen. Starke Männer und nach einer kleine Kugel nur noch sabbernde Stücke Fleisch. Nur am Rande bekam sie mit das Marc zwischen Toms Stromstößen mit der Herz-Lungenmassage begonnen hatte.

„Das reicht Jack, das wird nichts mehr.“ sagte er zwischen zwei Atemstößen. „Jack, hör auf. Hörst du.“

„Nein“, rief dieser. „In meinem Wagen stirbt mir während meiner Schicht keiner, das lass ich nicht zu. Ich lass mir doch meinem Feierabend heute nicht vermiesen. Einmal noch, Marc. Los, aufladen auf 300, jetzt, zurück treten.“ ZACK wieder beugte sich Tonys Körper hoch. Jack sah zur EKG Anzeige. Nullinie.

„Scheiße..“ , er wollte gerade seine Hand ausstrecken um den lästigen Piepton auszuschalten. Als plötzlich.. piep,,,,,,,,,,,piep.......piep, piep, piep. Jack sah Ziva an. „Wir haben ihn wieder Miss, hören Sie? Er ist wieder da.“ Dabei klopfte er begeistert seinem Kollegen auf die Schulter.
Ziva konnte es kaum fassen. Tony hatte es wirklich geschafft.

Der Wagen hielt und die Türen wurden aufgerissen. Dann ging alles ganz schnell. Tony wurde raus gehoben und in einen Schockraum gebracht. Ziva die hinterher wollte wurde von einer Schwester daran gehindert und zu einem Warteraum gebracht.

„Miss, setzen Sie sich. Sobald man was genaues weiß, wird man Sie informieren. Sie sind wer?“

Ziva schluckte. Sie hatte das Gefühl ein Deja Vue zu erleben. Es war genau wie beim letzten mal. Wieder saß sie auf einem weißen Plastikstuhl im Krankenhaus und wartete.

„Miss?“ Endlich erwachte sie. „Miss, wie heißen Sie und wie stehen Sie zu Agent DiNozzo?“

„Oh, mein Name ist Ziva David, Special Agent vom NCIS und ich bin seine Koll..... nein, ich bin seine Verlobte.“ Dabei spielte sie die ganze Zeit Gedanken verloren mit ihrem Ring.

„Ok, Miss David. Sobald wir was wissen schicke ich einen Arzt zu ihnen. Kommen Sie solange klar?“ besorgt sah sie die junge Agentin an. „Soll ich noch jemanden informieren?“

„Nein, es wissen schon alle bescheid und sind auf dem Weg hier her.“ Und genau in dem Moment kamen auch McGee mit Abby und Ducky an. Abby war, wie nicht anders zu erwarten, vollkommen aufgelöst. Jetzt hieß es wieder einmal warten.

*****
An der Hand eines Polizisten betrat Mia das NCIS HQ.
„Hallo“ sagte der Polizist zu dem Wachmann. „Ich weiß, es hört sich jetzt seltsam an, aber diese Kleine hier behauptet ganz dringend zu einem Special Agent mit Namen, Jethro Gibbs zu wollen. Arbeitet hier jemand mit diesem Namen?“

Bevor Sam der Wachmann überhaupt antworten konnte, hörten sie eine Männerstimme rufen: „Das geht in Ordnung. Ich bin Jethro Gibbs. Und das ist die Tochter meines Mitarbeiters.“ Mia riss sich los und stürzte sich in seine Arme.

„Onkel Jethro, ich hab alles behalten. Ich bin wieder hier. Wo ist mein Daddy?“ weinte sie an seine Schulter. Jethro dankte dem Polizisten für seine Hilfe und ging mit Mia auf dem Arm zum Aufzug.

„Komm, lass uns Tabby holen und dann fahren wir zu deinem Vater.“

*****

Ziva hielt die Ungewissheit kaum noch aus. Immer wieder sah sie zu den OP Flügel. Tony war jetzt schon über zwei Stunden dahinter verschwunden. Vor ein paar Minuten war sein Vater im Krankenhaus angekommen. Völlig ausgelöst hatte er ihr erzählt, dass sie Milena nicht gefunden hatten und ihre letzte Chance darin  bestand auf die Kleine zu vertrauen und zu hoffen, das sie sich an Tonys Vorgaben erinnerte.

„Ich bin mir sicher das Mia das schafft.“ sagte Ziva und versuchte sich und Tonys Vater zu beruhigen. „Was neues von meinem Sohn?“ fragte diese. Ziva schüttelte nur traurig den Kopf, streckte ihre Hand nach ihm aus und zog ihm auf den Stuhl neben sich.

Das öffnen des Fahrstuhls bekam sie gar nicht mit. Erst als Milena auf sie zu rannte blickte sie auf.

„Ziva, Ziva“ rief sie leise weinend. Gibbs und Tabitha liefen rasch hinter ihr her.

Ziva breitete ihre Arme aus und zog Mia auf ihrem Schoß. „Ich wusste das du das schaffst, mein Schatz“, flüsterte sie in Milenas Ohr und gab ihr einen Kuss auf die brauen Locken.

„Kommt Daddy jetzt auch zu Mommy in den Himmel?“ fragte sie zwischen ihrem schluchzen.

Die Brünette atmete tief durch. „Ich weiß es nicht, mein Schatz.“ Dann zog sie Mias Kopf an ihre Schulter und wiegte sich mit dem Kind leicht hin und her.

Gibbs blickte über seine Truppe. Ziva mit Mia auf dem Schoß, Tim mit der hysterisch vor sich hin schluchzenden Abby und Ducky der etwas abseits bei Tonys Vater saß. Gibbs zog Tab hinter sich her und auf seinen Freund zu.

„Hey Duck, weiß man schon was?“

„Nein, nur das die Kugel über dem rechten Auge eingetreten ist und es keine Austrittswunde gibt. Tonys Kreislauf ist auf dem Transport hierher, einmal in den Keller gesackt und sie mussten ihn Reanimieren. Wir wissen noch nicht welchen Schaden die Kugel angerichtet hat.“ sagte er leise, damit Mia es nicht mitbekam.

„Und was sagst du als Arzt? Wie sehen seine Chancen aus? Und sei ehrlich.“

Tab hatte einen Kopf an Jethros Schulter gelehnt. Sie konnte das alles kaum fassen. Gestern Morgen hatte sie sich noch Sorgen um ihren nächsten Urlaub gemacht und heute wurde sie beschossen, war auf der Flucht vor einem Gängsterboss und fürchtete um das Leben eines jungen Mannes den sie eigentlich gar nicht kannte, der ihr aber in der kurzen Zeit ans Herz gewachsen war. Das Leben war  schon seltsam. Sie saß hier in einem Krankenhaus, an der Seite eines gut aussehenden Mannes, mit seiner seltsamen Familie und es fühlte sich richtig an. So richtig gut. Sie fühlte sich geehrt, das sie hier seien durfte und hoffte das sie vielleicht eines Tages ein Teil dieser Familie sein konnte.

Endlich gingen die Türen auf und ein asiatisch aussehender Arzt kam ihnen entgegen. Alle sprangen sofort auf. Tim hatte seine Mühe Abby aufzuhalten, damit sie den Arzt nicht an sprang.

„Sie gehören zu Agent DiNozzo?“

„Ja, er ist mein Sohn.“ sagte Tony Senior.

„Und mein Name ist Leroy Jethro Gibbs ich bin sein Vorgesetzter, das ist seine Verlobte Ziva David, und der Rest meines Teams.“

„Okay, setzen wir uns doch alle erst einmal hin.“ sagte der Mediziner und stellte sich vor. „Mein Name ist Hong Lee. Ich bin sein behandelnder Arzt.“

Mia hatte sich wieder in Zivas Arme geflüchtet und verbarg ihr Gesicht in den braunen Haaren der jungen Agentin.

„Also, die Kugel ist über dem rechten Auge in den Schädel eingedrungen. Wir können von Glück sagen das ihr Agent über einen starken Knochenbau verfügt. Der Schädelknochen hat die Kugel so zu sagen daran gehindert weiter einzudringen. Er hat sie gebremst und umgeleitet. Sie hat dann nach etwa zwei Zentimeter wieder den Schädelknochen durchschlagen und ist zwischen Knochen und Haut bis hinter das Ohr gewandert und dort  unter der Haut stecken geblieben.“
Dr. Lee machte eine Pause damit seine Worte sich setzen konnten. Gibbs blickte zu Ducky. Er konnte mit dem ganzen Fachgesültze nicht wirklich was anfangen und hoffe auf den Pathologen.

„Dr. Lee, mein Name ist Dr. Mallard ich bin ebenfalls Mediziner. Die Kugel ist also in die rechte Hemisphäre eingedrungen, was genau hat sie beschädigt?“

„Tja, das werden wir erst wissen wenn ihr Agent wieder aufwacht. Sie müssen sich das so vorstellen. Das menschliche Gehirn ist, wie mein Kollege hier schon erwähnte, in zwei Hemisphären unterteilt. Die Linke und die Rechte.
Die linke Gehirnhälfte ist für das logische Denken, die Sprache, das Schreiben und Rechnen verantwortlich. Die rechte Hälfte kontrolliert die körperlichen Fähigkeiten, die Einsicht und die Vorstellungskraft sowie die linke Hand. Jetzt hatte Mister DiNozzo das große Glück das die Kugel nur wenig Gehirnmasse beschädigt hat.“ Wieder legte er eine Gedankenpause ein.

„Und was heißt das nun genau für meinen Sohn?“ fragte Tonys Vater.

„Im besten Fall hat er ein schweres Schädel Hirn Trauma und muss nur die Folgen der Schussverletzung überstehen.“

„Und im schlechtesten Fall?“ fragte Ziva.

„Nun, jedes Schädel-Hirn-Traum birgt die Gefahr einer Gehirnblutung. Dann kann es zu einer ganz Körper Lähmung kommen, bis hin zu einem Ausfall der Inneren Organe. Aber das sind im Moment nur Spekulationen. Wir müssen abwarten.“

„Was ist mit seinem Knie?“ erkundigte sich DiNozzo Senior.

„Oh ja, verzeihen Sie aber die Verletzung wird im Moment als zweitrangig behandelt. Sein Kreislauf ist zu instabil um im Moment noch eine OP zu überstehen. Wir müssen jetzt erst abwarten bis seine Vital Werte sich bessern. Dann müssen wir da noch mal ran. Die Kreuzbänder  sind gerissen, ebenso der Meniskus. Aber das ist nur ein kleiner Eingriff. Wir haben sein Bein wieder geschient.“ Damit stand er wieder auf. „Wenn Sie wollen kann immer einer bei ihm bleiben.“ Gibbs nickte Ziva zu. Sie gab Mia an Tabitha weiter und ging mit dem Arzt zur Intensivstation.




12. Kapitel

Eine Schwester hatte Ziva in einen Besucher Kittel geholfen und sie dann zu Tonys Bett gebracht.
„Mein Name ist Conny, wenn was seien sollte, rufen Sie, ich bin hier auf dem Flur. Er müsste eigentlich in kürze aufwachen. Reden sie ruhig mit ihm, für Patienten mit Schädelverletzungen ist es wichtig vertraute Stimmen und Geräusche zu hören.“ Damit verließ sie den Raum und Ziva war mit Tony alleine.
Er war bleich und die Geräte piepten um die Wette. EKG, EEG, Blutdruck alles war verkabelt. Seinen Kopf zierte ein riesiger Verbandsturban. Sie zog sich einen Stuhl ans Bett.

„Tony, kannst du mich hören? Ich brauche dich, nein, wir brauchen dich. Hörst du!“
Sie nahm seine Hand in ihre und strich wieder über die Stelle zwischen Daumen und Zeigefinger. „Du darfst nicht schlapp machen, wir haben noch so viel zu erledigen. Wir wollen heiraten, deine Tochter aufwachsen sehen…“, sie überlegte kurz, vielleicht würde ihm ja ein Schock aus der Bewusstlosigkeit reißen, „…und vielleicht auch eigene Kinder haben.“ Doch von dem Verletzten war keine Regung zu vernehmen. „Tony bitte wach auf.“

Nach zehn Minuten wechselte sie sich mit Tonys Vater ab. Er hatte seinen Sohn  noch nie in so einer Verfassung gesehen. So hilflos und verletzlich. Jetzt konnte er verstehen was Agent Gibbs damals gemeint hatte, als er ihn vorwurfsvoll fragte: „Wo waren Sie, als Ihr Sohn fast an der Lungenpest gestorben wäre?“ War es damals auch so schlimm gewesen? Oder sogar noch schlimmer, weil Anthony bei Bewusstsein war und man ihn hatte Leiden sehen?

Auch Gibbs hing seinen Gedanken nach, als er auf dem Stuhl neben seinem Bett saß. Tony war etwas Besonderes. Er hatte das schon in Baltimore gespürt, als er ihn zu ersten Mal gesehen hatte. Ein junger Ermittler des PD, selten ernst. immer einem flapsigen Spruch auf den Lippen, aber als es hart auf hart kam, stand er seinen Mann an vorderster Front. Kein Soldat nein, obwohl er als Junge auf einer Militärschule war, aber er hatte gutes Potenzial für einen erstklassigen Ermittler und der war er auch geworden. Ihn jetzt hier so zu sehen, setzte Gibbs besonders zu. Als er aufstand um seinen Platz mit Ducky zu tauschen, musste er sich eine Träne weg blinzeln. Zum Abschied ging er noch einmal herüber zu der leblosen Gestalt und flüsterte ihm seine magischen Worte ins Ohr. *Du musst das hier schaffen, das ist ein Befehl, Tony*. Dann lies er einen Freund den Pathologen rein.

Ducky ging als erstes herüber zum Bett und nahm sich Tonys Krankenakte zur Hand. „Na Anthony mein Junge, du hältst uns ja ganz schön auf trapp. Mhhmm, mal sehen was deine Wert so aussagen.“ Aufmerksam las er die Berichte. „Oh, wenn man bedenkt wo die Kugel dich getroffen hat, sieht dein EEG gar nicht mal so schlecht aus.“ Er warf noch einen Blick in die Akte. „Und das mit deinem Bein kriegen wir auch wieder hin, noch eine OP, noch ein paar Wochen Krücken und du springst wieder durch die Gegend. So aber jetzt muss ich gehen, Abigail wartet schon ganz ungeduldig darauf, das sie endlich zu dir kann. Machs gut mein lieber Junge, wir sehen uns wenn du wieder wach bist.“

Gibbs hatte mit der Stationsschwester verhandelt das Abby zusammen mit Tim kurz nach Tony sehen durfte. Auf ihrem Einwand hin, dass bitte nur immer einer den Raum betreten sollte, hatte er nur geantwortet das er Miss Sciuto aufgrund ihrer emotionalen Gemütsfassung nicht alleine gehen lassen konnte. Nach einem Blick zu Abby hatte die Schwester genickt und beide waren hinein gegangen. Er wäre lieber selber mit ihr zusammen reingegangen, aber er wollte Tim die Ausgabe nicht wegnehmen. Der Chefermittler schaute von draußen durchs Türfenster zu. Die eh schon aufgelöste Abby brach weinend in McGees Arme zusammen und wurde nur kurze Zeit später, von ihm wieder heraus geführt.

Mia hatte sich, nachdem Ziva von Tony kam, wieder auf ihren Schoß gesetzt und weinte leise und still. „Ziva?“

„Ja.“

„Daddy ist tot.“ Kam es erschütternd sachlich von der vierjährigen.

„Dein Daddy ist nicht tot, wie kommst du denn darauf?.“ fragte Ziva und bekam kaum den Klos in ihrem Hals herunter geschluckt.

Milena sah sie aus Tonys Augen traurig an. „Alle die reingehen und wieder herauskommen weinen. Sogar Onkel Jethro ist traurig.“ Jetzt musste Ziva schlucken, Mia war erst vier Jahre alt aber sie hatte ihr Umfeld schon fest im Blick. Es sah ja auch wirklich so aus, als wenn sie sich alle einzeln von Tony verabschieden wollten.

„Möchtest du zu deinen Vater? Dann kannst du dich selbst überzeugen das er nur schläft!“ Sie versuchte dem Kind Hoffnung zugeben, wobei sie selbst nicht wusste ob sie davon genug für zwei aufbringen konnte. Mia nickte. Ziva stand  auf um Schwester Conny um Erlaubnis zu fragen. Eigentlich waren Kinder auf der Intensivstation nicht erlaubt, aber die Schwester zeigt Verständnis, ermahnte sie aber leise zu sein. Sie nahm Mia an die Hand und ging mit ihr ins das Intensiv Zimmer. Leise gingen sie näher und setzten sich zusammen auf den Stuhl an Tonys Bett.

„Siehst du er schläft nur. Hörst du das leise Piepen, das zeigt seinen Herzschlag an und die Linie dort..“ dabei zeigte sie auf einen Bildschirm zu ihrer Linken. „…spiegelt seine Atmung wieder. Dein Daddy lebt. Er ist verletzt, aber er lebt. Jetzt muss er nur noch aufwachen und wieder gesund werden. Und dabei werden wir beide ihn helfen.“

„Wie?“ fragte die Kleine mit einem Gähnen, dabei rieb sie sich durch die Augen.

„In dem wir ihn, solange er hier bleiben muss, immer besuchen. Wir können ja für ihn zusammen backen und ihm Süßigkeiten mitbringen. Dein Daddy liebt süße Donuts. Das wird ihn bestimmt schnell wieder auf die Beine bringen.“

„Ich mag die auch gerne.“ kam es zaghaft von dem Kind.

„Na siehst du, da haben wir doch etwas was wir zusammen machen können.“ Sagte Ziva und  gab der Kleinen einen Kuss auf die braunen Locken.

In dem Moment ging die Tür auf und die Schwester kam um Tonys Werte zu kontrollieren. Sie ging um das Bett, drückte hier einen Knopf, stellte dort einen Tropfer neu ein und notierte schlussendlich alles in seiner Akte. Dann dreht sie sich zu den Beiden um.

„Sie sollten jetzt auch gehen. Die Kleine ist müde.“ Sagte sie mit einem lächeln.

Ziva sah runter zu Mia, sie hatte es sich an ihrer Schulter bequem gemacht und sich zwei Finger in den Mund gesteckt. Es war ihr schon aufgefallen das sie das immer tat, wenn sie müde wurde.

„Ja, sie haben recht.“ Vorsichtig stand sie auf, nahm Mia auf den Arm und verließ das Zimmer.

„Ich will Puppe.“ kam es da ganz leise, bereits im Halbschlaf, von Milena.

„Wir werden Puppe finden.“ sagte Ziva und dann war es um ihre Standfestigkeit geschehen. Die junge Frau nahm das unglückliche kleine Mädchen fest in den Arm und ließ nun auch ihren bisher mühsam zurück gehaltenen Tränen freien lauf.

Gibbs hatte alle nach Hause geschickt. Tim mit Abby und Tabitha mit Mia. Sie würde sie heute mit zu sich nehmen. Um einen Heimplatz wollte sie sich morgen kümmern. Die Kleine hatte geweint und um sich geschlagen, sie wollte jetzt nicht fort. Doch Tab hatte Stärke bewiesen und sich durchgesetzt. Sie waren alle müde, es waren zwei lange Tage gewesen. Und sie konnten eh nichts anderes tun, als warten. Ziva und Gibbs blieben im Bethesda und wechselten sich bei Tony ab. Die OP war nun schon fünf Stunden her. Vor ein paar Minuten hatte die Schwester ein einsehen gehabt und auch den Chefermittler in das Zimmer gelassen. So saßen sie nun zu zweit um Tonys Bett und warteten.

Plötzlich vernahmen sie ein leises Stöhnen. Beide sprangen sofort zu dem Bett. Ziva legte leicht ihre Hand an seine Wange und Tony bewegte die Finger.

„Er wacht auf, endlich“ Gibbs drückte den Notruf.

„Hey Tony, aufwachen hörst du. Schlafen kannst du noch wenn du alt bist. Komm schon streng dich an, DiNozzo.“

„Verstanden Boss“ kam es da leise und kaum zu versehen von dem Verletzten, was Ziva und auch Gibbs ein Lächeln auf das Gesicht zauberte.

Da ging die Tür auf und Dr. Lee kam. Schnellen Schrittes trat er ans Bett.

„Hallo Agent DiNozzo, können Sie mich hören?“

„MMMhhmmm“ machte Tony.

„Gut. Ich werde Sie jetzt kurz untersuchen. Sie sollten versuchen solange wach zu bleiben. Können Sie die Augen öffnen?“

Tony öffnete die Augen nur einen Spalt um sie gleich wieder zu schließen. Zu groß waren die Schmerzen, die das grelle Licht ihm bereitete. Er versuchte seine Hand zu heben um sie über die Augen zu legen, aber sein Körper war wie Blei.

Der Arzt verstand ihn aber auch so.
„Schwester, machen Sie das Licht aus. So, jetzt versuchen Sie es noch einmal.“

Kurz drauf schaute Ziva in Tonys Schmerz verhangene grüne Augen und schenkte ihm ein Lächeln.

„Hey, da bist du ja wieder“ das waren genau die gleichen Worte mit denen sie ihn auch nach der OP nach der Beinverletzung begrüßt hatte. Und wenn er nicht so müde gewesen wäre, hätte er ihr vielleicht auch geantwortet, aber alleine wach zu bleiben kostete ihm seine letzte Kraft.

Der Arzt nahm seine linke Hand. „Spüren Sie das?“ und pickte mit einem Kulli in den Handrücken.

Tony versuchte zu nicken, aber sofort stampfte eine Horde Elefanten durch seinem  Schädel. Den Kopf zu bewegen war also keine gute Idee.
„Ja“ flüsterte er und seine Stimme war kaum zu verstehen. Eine Schwester hielt ihm einen Strohhalm hin, den er dankend an nahm. Die kühle des Wassers tat seinem rauen Hals gut.
Jetzt hatte der Arzt die Bettdecke hochgeschlagen. Wieder dieses gepicke, zuerst in den rechten Fuß, dann in den linken.

„Na das sieht doch gut aus.“ sagte der Arzt. „Scheinbar keine Aussetzer in der Motorik. Das ist doch schon mal was. Agent DiNozzo, können Sie dem Licht für mich folgen.“ dabei leuchtete er in Tonys Augen. Tony versuchte es doch dann schloss er plötzlich seine Augen.

„In meinem Kopf tanzen Elefanten um die Wette, alles dreht sich und mir ist schlecht.“ Kaum hatte er es ausgesprochen, fing er auch schon an zu würgen. Man drehte ihn auf die Seite und die Schwester hielt ihm eine Schale hin. Nach ein paar Minuten lies der Würgereiz nach und sie konnten ihn zurück ins Kissen legen. Sofort nahm Ziva wieder seine Hand in ihre. Gibbs sah den Arzt fragend an.

„Ihr Agent hatte scheinbar größeres Glück als wir angenommen haben. Im Moment hat er nur mit den Anzeichen einer Gehirnerschütterung zu kämpfen. Wenn nichts Unvorhersehbares geschieht können wir ihn vielleicht morgen schon auf eine normale Station verlegen.“ An Tony gewannt fuhr er fort; „Ich gebe ihnen jetzt noch was gegen die Schmerzen und dann können Sie wieder schlafen.“ sagte Dr. Lee und spritzte ein Mittel in den IV Anschluss.
Ziva streichelte die ganze Zeit Tonys Hand. Sie war glücklich.... und sie war sich sicher, jetzt würde er es schaffen. Da legte Gibbs seine Hand auf ihre Schulter.

„Komm, lass uns nach Hause fahren. Tony schläft jetzt und wir wissen dass es ihm besser geht. Du musst dich ausruhen, es war ein langer Tag und wir kommen morgen früh wieder her.“

Ziva löste ihren Blick von Tony und sah herüber zu ihrem Vorgesetzten.
„Nein, ich möchte lieber hier bleiben. Ich kann ihn jetzt nicht alleine lassen.“

„Doch, du kannst und das ist jetzt ein Befehl Agent David. Du musst schlafen sonst brichst du hier zusammen und damit hilfst du ihm nicht.. Also komm jetzt.“
Ziva stand langsam auf. Gibbs hatte recht, sie war müde. Bereitwillig folgte sie ihm zu seinem Wagen.




13. Kapitel

Früh am anderen Morgen holte Ihr Boss sie wieder von Zuhause ab und zusammen fuhren sie zum Krankenhaus. Als sie zur Intensivstation kamen, kam ihnen schon eine junge Krankenschwester entgegen.

„Guten Morgen, zu wem wollen Sie?“

„Zu meinem Kolleg.., nein zu meinem Verlobten, Anthony DiNozzo.“

„Oh, Mr. DiNozzo! Da können Sie im Moment nicht rein, bitte warten Sie hier.“ Gibbs wurde sofort hell hörig.

„Gibt es ein Problem, Schwester?“

„Nein, Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Ihr Agent ist vor einer Stunde aufgewacht und wird gerade untersucht. Sobald der Arzt fertig ist, werde ich ihn zu ihnen schicken.“

„Danke Schwester“. Sagten die beiden Agents fast gleichzeitig.

Fünfzehn Minuten später kam eine Ärztin auf sie zu.
„Hallo, Sie sind vom NCIS? Ich bin Dr. Yasmin Miller. Ich habe die Tagesschicht heute.“

„Ja, wir sind Agent David und Gibbs. Was können Sie uns über Anthony DiNozzos Zustand  sagen?“ Gibbs kam wie immer sofort zur Sache.

Die Ärztin räusperte sich. „Also ihrem Agent geht es den Umständen entsprechend gut. Wir sind selbst überrascht aber der Kopfschuss hat keine bleibenden Schäden verursacht. Er spürt alle seine Gliedmaßen und hat auch so keine Probleme sich zu Recht zu finden. Aber um Langzeitschäden auszuschließen, haben wir für heute Nachmittag noch eine CT Aufnahme angesetzt. Im Moment hat er noch starke Kopfschmerzen, aber keinen Würgereiz mehr. Was schon einmal ein großer Fortschritt ist. Wenn bei der Aufnahme keine weiteren Verletzungen sichtbar werden, kann er noch heute auf die normale Station.“ Mit diesen Worten deutete sie auf sein Zimmer und sagte: „ Wenn Sie wollen können Sie jetzt zu ihm. Sie wissen wo sie die Kittel finden?“

Gibbs nickte ihr zu und machte sich mit Ziva zusammen auf zum Schrank um sich einen neuen desinfizierten Kittel rauszunehmen. Zusammen betraten sie Tonys Zimmer.

„Er ist immer noch so blass“, dachte Ziva während ihre Augen Tony besorgt scannten. Seine Augen waren geschlossen und sein Mund wie immer beim schlaffen leicht geöffnet. Er war immer noch an alle möglichen Geräte angeschlossen. Nur die akustischen Geräusche waren ausgestellt. Wahrscheinlich wegen seiner Kopfschmerzen. Sein Kopf war noch immer großzügig bandagiert. Die Brünette machte sich gerade darüber Gedanken ob sie ihm wohl die Haare ab rasiert hatten, als sie plötzlich in seine grünen Augen blickte.

„Na ausgeschlafen?“ fragte sie lächelnd, während sie wieder seine Hand streichelte.

„Für dem Moment ja.“ kam es leise von ihrem Freund.

„Wie geht es dir Tony?“ jetzt schaltete sich auch Gibbs ein.

„Gut Boss“ kam es von dem Verletzten.

„DiNozzo.......“ sagte Gibbs. Tony schluckte.

„Okay Gibbs ich hab es verstanden. Mein Kopf platzt jede Minute aufs Neue und mein Magen fährt Achterbahn. Reicht dir das als Beschreibung?“

Ziva beugte sich vorsichtig über ihn und gab ihm einen zärtlichen Kuss auf die Stirn. „Besser?“ fragte sie.

„Mmhhmm, nein, aber vielleicht kannst du es ja noch einmal versuchen?“, fragte Tony, hielt ihr seinen gespitzten Lippen hin und Ziva lies sich nicht zweimal bitten.

Gibbs hatte sich wieder auf den Stuhl an DiNozzos Bett gesetzt. Und beobachtete belustigt seine beiden Agenten. Er fragte sich gerade wie es wohl heute Morgen Tabitha ging, als er Tonys Stimme vernahm.

„Hey Boss, erzähl doch mal... was nach meinem Abschuss ... noch so passiert ist. Haben wir Drabel? Und geht es Mia... und meinem Vater gut? Zwischen durch hatte er ein paar Pausen machen müssen. Seine Stimme war schwach und das sprechen strengte ihn an.

„Versuch lieber noch ein bisschen zu schlafen Tony, du hörst dich nicht gut an und das hier kann warten. Nur kurz, deiner Tochter und deinem Vater geht es gut. Und wenn du heute Nachmittag verlegt wirst, dann können wir dir deine Tochter vielleicht kurz rein schmuggeln“
sagte Gibbs grinsend.

„Oh Boss komm....schon. Lass mich nicht..... so hängen. Ich muss wissen.....wie es ausgegangen ist.“

„Nein, du schläfst jetzt noch etwas und wir kommen dann heute Abend noch mal vorbei. Vielleicht liegst du dann schon wieder auf der normalen Station.“ während er sprach hatte er die ganze Zeit seinem Agent die Hand auf die Schulter gelegt und drückte diese gelegentlich. Er war froh, dass die Schussverletzung keine bleibenden Schäden verursacht hatte. Im ersten Moment als er Tony in seinem eigenen Blut am Boden sah, hatte er an Kate denken müssen. Aber Tony lebte. Er würde wieder werden. Der junge Mann war der Sohn für ihn, den er nie hatte.

„OK Boss“, kam es müde von dem Verletzten. Gibbs verließ schon einmal den Raum, damit sich die beiden in Ruhe von einander verabschieden konnten. Ziva beugte sich über ihren Verlobten und küsste ihn zärtlich erst auf die Stirn, dann auf die Nase und zum Abschluss auf den Mund.

„Wir kommen nachher wieder.“ sagte sie und verschwand durch die Tür. Tony schloss erschöpft die Augen und war schon eingeschlafen bevor die Tür ins Schloss fiel.

Gibbs brachte Ziva zurück zu ihrer Wohnung und befahl ihr sich noch etwas auszuruhen. Die nächsten Tage würden noch anstrengend genug für alle werden. Er selber fuhr ins HQ um sich bei den anderen über den weiteren Ablauf des Einsatzes zu informieren.

Ziva geisterte durch ihre Wohnung. Um sich noch einmal hinzulegen war sie zu nervös. Arbeiten gehen durfte sie auch nicht und so gab es nicht viel was sie tun konnte. Also versuchte sie zu lesen, aber immer wieder musste sie dabei an Tony denken und was für ein unverschämtes Glück er wieder einmal hatte. Um sich abzulenken kramt sie den halben Vormittag in ihrer Wohnung rum. Bis sie plötzlich auf einen Stapel Bilder stieß. Bilder vom letzten Team BBQ bei Gibbs im Garten. Bilder aus glücklicheren Zeiten. Gibbs, bewaffnet mit einer Zange und einem Bier am Grill. Abby und sie selber, in kurzen Hosen und Trägertops, lachend am Tisch. Sie konnte sich noch daran erinnern als wenn es erst gestern gewesen wäre. Der Tag war heiß geworden. Über 30 Grad. McGee hatte die Fotos gemacht, darum war er auch selbst, nur auf wenigen zu sehen. Ducky hatte sich mit Palmer unter den einzigen Sonnenschirm gesetzt und sie schienen mal wieder zu streiten. Das nächste Foto zeigte Tony in kniekurzer Kakihose und einem hellen, engen T-Shirt, wie er rücklings auf dem Boden lag. Sie wusste noch, er hatte sie geärgert und sie hatte ihn auf die Schulter geboxt. Dabei war der eh viel zu kleine Campingstuhl unter ihm zusammen gebrochen und Tim hatte den Fotoapparat griff bereit in der Hand gehalten. Ziva schmunzelte. Damals im Sommer waren sie noch gar kein Paar gewesen aber geknistert hatte es auch da schon. Wenn sie dieses Jahr ihr Teamfest abhielten, würde die Runde um zwei Personen größer werden. Tabitha würde wahrscheinlich dabei sein und ganz bestimmt auch Milena. Ziva räumt die Bilder, bis auf das von Tony, wieder weg und nahm ihr Telefon zur Hand. Nach ein paar Mal schellen meldete sich Abby.

„Hey Abby“

„Ziva, ist was mit Tony?“

„Nein, ihm geht es gut. Als ich ihn vor ein paar Stunden verlassen habe, schlief er tief und fest. Ich ruf wegen was anderem an. Hast du Zeit und Lust dich mit mir im Park zutreffen?“

„Klar, aber was wollen wir da? Es hat vorhin wieder angefangen zu schneien.“ Sagte Abby.

„Weißt du, ich dachte wir könnten mal versuchen Mias Puppe zu finden?

„Oh ja, das ist eine klasse Idee. Schade das Timmy zu Gibbs ins Büro musste, sonst hätte er uns helfen können.“ Kam es von der Kriminaltechnikerin. „In einer Stunde am Obelisken?“

„OK Abby, bis gleich.“

Dann wollen wir doch mal sehen ob wir Puppe nicht finden können, dachte sich Ziva, während sie ihre Wohnung verließ.

Vier Stunden später saßen beide Frauen durchgefroren, bei einer Tasse Tee auf Zivas Sofa. Mias Puppe hatte sie trotz intensiver Suche nicht finden können.

~~~~**~~~~

Als sie am Abend wieder kamen war Tony wirklich schon runter auf der normalen Station. Dr. Lee teilte ihnen mit, das seine Werte sehr gut aussahen und er nur noch Ruhe und Schlaf brauchte. Als Ziva das Zimmer betrat staunte sie nicht schlecht, Es war ein Privatzimmer, nett eingerichtet und großzügig geschnitten. Die Brünette sah Gibbs an, aber der zuckte nur mit den Schultern. Tony lag im Bett und sah ihnen lächelnd entgegen. Er zog Ziva mit einer Hand runter aufs Bett und gab ihr einen Begrüßungskuss.

„Hey, Bella!“

Ziva lachte. „Bella? Seid wann bin ich deine Bella?“

„Oh schon ganz laaannnge....“, sagte er grinsend.

„Na dir scheint es ja schon wieder gut zu gehen.“ meinte Gibbs.

„Ja Boss, sieht ganz so aus. Mein Schädel brummt zwar noch wie ein ganzer Bienenstock, aber ich lebe. Und kann es selbst kaum fassen. Und mein Vater scheinbar auch nicht, schaut euch um, das ist alles sein Werk. Scheinbar meint er was gut machen zu müssen.“

„Nein, ich denke er liebt dich, wenn auch auf seine Art. Er meint es nur gut.“ sagte Ziva. Sie saß immer noch glücklich lächelnd auf der Bettkante.

Tony sah an seinem Boss vorbei. „Wo habt ihr Mia versteckt? Ihr wolltet sie doch mitbringen?“

„Wir wollten, aber deine Ärztin meinte wir sollten damit noch bis morgen warten. Tut mir leid. Schatz.“ Sagte seine Verlobte, auch sie vermisste das kleine Mädchen schon.

„Schade.“ Sagte Tony. „Ich hab mich auf sie gefreut. Hat sie alles sonst gut überstanden?“

„Tabitha meint, solange die schlimmen Erlebnisse nur von kurzer Dauer sind, dann verdrängen Kinder so was schnell. Nur das Gute bleibt. Von ihrem bösen Opa spricht sie gar nicht, aber von ihrer abenteuerlichen Reise zum Navy Yard, das sie ihre Puppe verloren hat und dich nicht sehen darf. Das macht sie unglücklich. Abbs und ich haben den halben Tag im Park ihre Puppe gesucht. Aber leider konnten wir sie nicht finden. Dein Vater versucht eine neue oder andere aufzutreiben. Mal sehen ob ihr Glück hat.“ Teilte im Ziva mit.

„Mein Vater kümmert sich um ihre Puppe?“ Wunderte sich Tony und als die Brünette nickte, konnte er seinen skeptischen Blick nicht zurückhalten. „So Boss, du hast mir heute Morgen was versprochen. Also bitte, ich warte.“

„Wie weit kannst du dich erinnern?“

„Ich habe zu Mia gerufen dass Sie laufen soll und dann hab ich einen gewaltigen Schlag gegen den Kopf bekommen und war sofort ausgeknockt.“ sagte Tony.

Gibbs und Ziva erzählten ihm darauf beide wie es weiter gegangen war. Anschließend erzählte Gibbs nicht ohne Stolz wie Milena zurück zum Navy Yard gekommen war und das sie sich dabei genau an die seine Anleitung gehalten hatte.

Schnell wurde dem Grauhaarigen klar, dass das Gespräch Tony erschöpfte und er nur mit Mühe ein Gähnen unterdrücken konnte. Also verabschiedeten sie sich frühzeitig. Doch bevor sie gehen konnten, mussten sie ihm noch versprechen, dass sie Morgen auf alle Fälle seine Tochter mit bringen würden.

~~~***~~~

Der nächste Tag verlief für Ziva schleppend. Sie saß im Büro und wartete im Endeffekt auf den Feierabend damit sie zu Tony ins Bethesda konnte. Tim nahm gerade alle Konten und sonstigen Akten von Drabel unter die Lupe. Offenbar waren alle Geld Bewegungen nachvollziehbar. Nur etwa 1 Million Dollar fehlten. Die hatte Drabel kurz vor seinem Tod noch bar abgehoben. Wo sie allerdings geblieben waren, war nicht zu sagen. Ducky hatte sich der Leichen und Leichteile angenommen, aber auch hier gab es Auffälligkeiten. Abby war noch damit beschäftigt die DNA zu überprüfen.

Dafür hatten sie aber scheinbar Tonys Steckbrief im Netz noch rechtzeitig gefunden und deaktivieren können. Jedenfalls konnten sie keine weiteren Aktivitäten in diesem Bereich feststellen. Trotzdem hatte Gibbs zur Sicherheit zwei Agenten ins Krankenhaus geschickt. Ziva hatte schon zweimal mit DiNozzo telefoniert. Es ginge ihm gut hatte er ihr immer wieder versichert und das er sich schon sehr auf ihren Besuch und auf Mia freute. Zwei Stunden früher als gewöhnlich lies Gibbs heute Feierabend machen.

„Geh nach Hause Tim, nimm Abby mit und seit morgen pünktlich wieder im Büro.“ sagte Gibbs.

McGee stellte sich vor ihm hin. „Boss, wann können Abbs und ich, Tony besuchen? Ich kann Abby kaum noch aufhalten. Du kennst Sie doch. Sie will sich selber davon überzeugen das es ihrem Tiger gut geht.“ sagte Tim.

„Morgen“ war alles was Gibbs dazu sagte, bevor er seine Jacke nahm und Ziva mit sich winkte.

Sie fuhren zum Waisenhaus und holten Mia ab. Tabby hatte heute leider ihren freien Tag wie der grauhaarige Chefermittler mit Bedauern feststellte. Auf dem Weg zum Auto hatten sie Milena zwischen sich genommen. Sie hüpfte die ganze Zeit vor Aufregung auf und ab. Ihre Puppe war jetzt erst einmal vergessen. Dank Gibbs Fahrweise waren sie schon nach kurzer Zeit am Krankenhaus.

Als sie das Zimmer betraten saß Tony zum ersten Mal aufrecht im Bett, der große Kopfverband war ab und die  beiden Wunden, eine seitlich an der Stirn und die andere hinter dem Ohr, wurden nur noch von zwei großen Pflastern geschützt. Als er sah wer in sein Zimmer kam, strahlte er seine Tochter an. Diese war nicht mehr zu halten und rannte zu seinem Bett. Flink war sie darauf geklettert.

„Daddy“ rief sie. „Daddy, ich habe dich so vermisst.“ Und schon hatte sie ihre Arme um seinen Hals geschlungen.

Tony verzog schmerzhaft sein Gesicht, sagte aber nichts und erwiderte die Umarmung.
„Ich dich auch, Kleines. Ich dich auch. Ab jetzt kannst du ja mit Ziva jeden Tag zu mir kommen. Natürlich nur wenn du magst.“

„Oh ja, das wäre schön“, sagte sie und schaute ihn mit ihren großen DiNozzo Augen an. Er drückte sie noch einmal kräftig. Es war schon seltsam wie schnell man sich an ein Kind gewöhnen konnte. Vor einer Woche hätte ihm die Vorstellung Vater zu werden, in die Flucht geschlagen. Und  nun konnte er es kaum erwarten dass Mia bei ihm und Ziva einzog. Und wenn er seine Freundin so anschaute, hatte er auch gegen ein gemeinsames Kind nichts mehr einzuwenden. Sie würden es schon meistern.

Tony streckte seine Hand nach Ziva aus und als sie in seiner Reichweite kam zog er sie auf seine andere Bettseite und küsste sie, trotz Gibbs Gegenwart, leidenschaftlich. Mia fing an zu kichern und hatte sich ihre Hand vor dem Mund geschlagen.

„Weißt du schon wann ich hier wieder raus kann, Boss?“

„Da dein Knie noch operiert werden muss, musst du dich wohl noch ein paar Tage gedulden.“ Sagte dieser grinsend. Kannte er doch seinen besten Mann. Tony hielt es nie lange in einem Krankenhaus aus.

„Mein Knie? Ich dachte das wäre schon erledigt. Ich habe kaum noch Schmerzen!“ sagte DiNozzo und fühlte durch der Bettdecke nach der Schiene.

„Das kommt daher weil du auch nicht läufst. Aber warte ab, wenn sie dich morgen wieder auf die Beine stellen, werden die Schmerzen schon zurück kommen. Ich kenne mich leider mit solchen Verletzungen aus, Tony. Das muss operiert werden.“

„Ich kann darauf verzichten“ sagte Tony und schloss kurz seine Augen.

Er öffnete sie wieder und kniff sie diesmal fest zusammen.  Seine Stirn legte sich in Falten. Dann öffnete er die Augen wieder. Mit einer Hand strich er sich über die Stirn. Sein Kopf schmerzte plötzlich immer mehr. Er war kaum noch fähig einen klaren Gedanken zu fassen. Leise stöhnte er auf.

Ziva und Gibbs sahen ihn besorgt an. „Tony, alles klar?“ fragte Ziva.

„Hey DiNozzo, was ist los?“ kam es von seinem Chef.

„Boss.....“ kam es stockend von seinem ersten Mann. „Ich weiß nicht, aber ich kann nicht mehr richtig sehen und mein Kopf bringt mich um.“

„Ziva da stimmt was nicht, hol einen Arzt.“ sagte Gibbs und drückte gleichzeitig den Notalarmknopf. Die junge Agentin sprang vom Bett und rannte aus dem Zimmer. Milena saß noch bei Tony. „Daddy? Daddy was ist denn? Rief sie weinend.
Mittlerweile kam auch schon Ziva mit Dr. Miller zurück.

„Was ist genau passiert?“ fragte sie die beiden Agents während sie zu Tonys Bett rannte. Gibbs erklärte es kurz, während Ziva versuchte Tony zu beruhigen. Immer wieder schloss und öffnete er seine Augen. Seine rechte Hand fuhr hektisch über seine Bettdecke. Seine linke Hand lag unbeteiligt und ruhig neben seinem Körper. Mia hatte sich weinend zu Gibbs geflüchtet und sah ängstlich zu ihrem Vater.

Die Ärztin leuchtete Tony mit ihrer Taschenlampe in die Augen. Doch er zeigte keine Reaktion. „Los, los, los.“ Schrie Dr. Miller. „Wir brauchen sofort eine CT Aufnahme. Gleichzeitig schmiss sie die Infusionen aufs Bett und löste die Bremsen. Mit Hilfe einer Schwester wurde Tony Bett aus dem Zimmer geschoben. Ziva, Gibbs und Milena blieben verstört zurück.




14. Kapitel

Es dauerte etwa vier Stunden bis sie Tony zurück in das Intensivzimmer brachten und ihn wieder an die Geräte anschlossen. Gibbs hatte in der Zwischenzeit Tabitha angerufen und sie gebeten Mia abzuholen. Die Kleine wollte zwar nicht, aber so war es für alle besser. Mia hatte genug erlebt und gesehen in den letzten Tagen.

„Was ist passiert?“ wollte Gibbs wissen.

Dr. Miller sah sie mitleidig an. „Ich weiß gar nicht wie ich es sagen soll. Aber das Schädel-Hirn-Traum hat zu einer subduralen Gehirnblutung führte. Wir mussten die Blutung veröden und das Blut abpumpen. Der Druck war aber schon zu  groß, sodass der Nervus opticus beeinträchtigt wurde. Das führt zu einer temporären Amaurose. Gleichzeitig hat sich auch eine leichte Parese der linken Hand eingestellt.“
Fachsimplerei, Gibbs wusste schon warum er Ärzte nicht ausstehen konnte.

„Was bedeutet dass und zwar so, das ich es auch VERSTEHEN KANN?“ fragte er wütend und baute sich drohend vor der Ärztin auf.

Die Ärztin schluckte. „Durch die Blutung kommt es zu einer zeitweisen Blindheit und zu einer Einschränkung der Beweglichkeit seiner linken Hand. Es tut mir leid, aber es hatte bis gerade noch so gut ausgesehen. Damit konnte nun wirklich keiner rechnen. Wir haben Ihn vorerst in ein künstliches Koma gelegt. Wie lange kann ich Ihnen noch nicht sagen.“

„Wird er das überstehen?“ fragte Ziva.

„Wir müssen erst sehen was seine Werte machen und der Druck auf das Gehirn muss fallen. Vorher kann und will ich Ihnen keine Versprechungen machen. Ich lass Sie jetzt erstmal alleine.“ sagte sie und ging aus dem Zimmer.

Während sich Ziva zu Tonys Bett begab, holte der Chefermittler sein Handy heraus.
„Ducky? Ich bin es. Komm sofort ins Krankenhaus. Ja, Ja, Tony hatte eine Gehirnblutung.“ ohne auf eine Antwort zu warten legte Gibbs auf und trat ebenfalls zum Bett. Ziva war bleich, aber sie hatte sich im Griff. Gibbs beugte sich über seinen ersten Mann.

„Tony, ich weiß nicht ob du mich hören kannst, aber du musst das hier packen. Das ist ein Befehl. Hörst du? Ein Befehl. Denk ein bisschen an deine Tochter. Sie braucht dich.“ Am liebsten hätte er ihm zur Bestätigung eine Kopfnuss gegeben, aber aufgrund seiner Verletzung fiel das natürlich aus.

Eine halbe Stunde später kam Ducky im Bethesda an. Gibbs musste ihn noch Zuhause erwischt haben. Denn er hatte noch nicht sein obligatorisches Hemd mit Fliege an, sondern trug zu seiner Baumwollhose nur einen Pullover und sah auch sonst noch recht verstrubbelt aus.

„Ziva, Jethro, ich bin so schnell gekommen wie ich konnte. Was ist denn nun genau passiert.“ fragte der Pathologe und nahm sich Tonys Krankenakte zur Hand.

„Ich hatte die Hoffnung das du uns das sagen kannst.“ kam es von dem Grauhaarigen.
Ducky konzentrierte sich kurz auf die Akte, dann näherte er sich Tony.

„Mhhhmmm, unser armer Junge hatte eine Gehirnblutung aufgrund einer geplatzten Arterie. Der Druck auf den Sehnerv war sehr groß. Aus diesem Grund wird er wahrscheinlich erstmal  Blind aufwachen. Auch kann die Motorik seiner linken Hand  beeinträchtigt sein. Ihr müsst wissen, die rechte Gehirnhälfte ist für die linke Hand zuständig. Aber das kann er wieder erlernen. Wir müssen halt warten wie stark die Behinderung ausfällt.“

Jethro sah seinen ältesten Freund traurig an. „Und seine Augen, Duck, was ist mit seinen Augen?“

„Die Blindheit wird nur vorübergehend sein. Sie geht vorbei sobald der Druck auf den beschädigten Gehirnteil sich zurück bildet. Sie haben ja das Blut schon abgepumpt und der Rest wird vom Körper absorbiert.“

„Wie lange kann das dauern?“

„Das ist unterschiedlich, es kann innerhalb weniger Stunden oder auch erst nach einigen Jahren vorbei sein. Wir müssen jetzt abwarten, Jethro.“

Ziva hatte die ganze Zeit nicht gesagt, sondern weiter Tonys Hand gestreichelt. Jetzt wiederholte sie einfach Duckys Wort. „Jahre? Ducky, Jahre? Wie soll er das durchstehen?“
Der ältere kam auf ihre Bettseite und legte ihr mitfühlend seine Hand auf die Schulter.

„Ziva meine Liebe, wir…, wir werden ihm dabei helfen und es muss ja nicht so lange dauern. Anthony schafft das schon.“

Die Brünette bezweifelte das allerdings. Nur zu genau war ihr noch der Streit mit Tony, von vor zwei Tagen im Gedächtnis. Er war schon nach sieben Wochen der Untätigkeit nicht mehr zu ertragen gewesen. Wie sollte es da jetzt anders sein. Körperlich fit, aber unfähig zu sehen. Sie würde ihn noch nicht einmal ins Navy Yard mit nehmen können. Wie sollte er sich alleine in ihrer Wohnung zurechtfinden. Und wie sollte es mit Milena weitergehen. Würden sie sie trotzdem adoptieren können? Würde Tony sie auch weiterhin heiraten wollen oder würde er sich verkriechen und ihre Hilfe ablehnen.

Gibbs sah seinen Freund an. „Bekommt er mit wenn wir hier mit ihm reden?“

„Oh“ sagte dieser. MMhhhmmm, ich denke mal, das Unterbewusstsein wird in irgendeiner Form aktiv sein. Keine ganzen Sätze, aber Geräusche, Musik, Gefühle.“

„Gut.“ sagte Gibbs. „Ich will nicht, dass er die nächste Zeit länger als ein paar Stunden alleine ist. Wir beide werden jetzt noch einmal mit der Ärzten reden. Und Ducky, wenn du gleich ins Büro kommst, sag den anderen Bescheid und auch seinem Vater.“ Sagte Gibbs.
„Ich brauch einen Kaffee.“ Und entgegen seiner Art drehte er sich noch einmal um und fragte: „Möchtest du auch einen Ziva?“

„Nein danke, geh nur.“ Und somit verließ er zusammen mit seinem Freund das Zimmer und lies Ziva mit Tony alleine.

Die Tage vergingen nur schleppend. Das gesamte Team wechselte sich bei Tony ab. Selbst sein Vater übernahm mehrmals eine Schicht. Er fand es schrecklich seinen Sohn so hilflos zu sehen. Aber Anthony DiNozzo Senior hatte dadurch auch seine familiäre Ader entdeckt. Er kümmerte sich vorbildlich um seine Enkeltochter. Und Melina Ihrerseits hatte sich in ihren Opa verliebt. Er besuchte sie jeden Tag im Waisenhaus, ging mit ihr im verschneiten Park spazieren und hatte es, mit Hilfe seiner Sekretärin, geschafft eine Puppe auf zutreiben die der verlorenen aufs Haar glich. Als er ihr sein Geschenk mitbrachte, brauchte er dazu nichts sagen. Er hatte dem kleinen Mädchen die Tüte gegeben und sie hatte ihm nach dem ersten Blick hinein angestrahlt. Das war dem alten Herrn Dank genug. Mia hatte die Puppe aus der Tüte genommen und sofort fest in die Arme geschlossen. Dabei hatte sie immer wieder: „Puppe, Puppe ist wieder da“, gesagt.

Gibbs vermutete zwar, das sein schlechtes Gewissen ihn dazu trieb. Denn immerhin hatte er die Kindheit seines Sohnes kaum mitbekommen. Das wollte er jetzt nachholen. Mia hatte viele Fragen über ihrem Vater. Und ihr Opa erzählte ihr alles was er wusste. Das einzige das einen Schatten auf die Kleine warf, war der Umstand das sie nicht zu ihrem Vater durfte. Aber sie kam trotzdem jeden Tag mit Tab und Jethro ins Bethesda. Wenn Gibbs bei Tony war, schaute Mia zusammen mit Tabitha von draußen, durch das Türfenster, zu.

Ziva verbrachte jegliche Freizeit bei ihrem Verlobten. Sie erzählte ihm die neusten Vorkommnisse, von seiner Tochter,  seinem Vater und vom Team. Davon das sie sich alle um ihn sorgten und er nicht alleine war.

Und auch wenn die Prognosen nicht gut aussahen, Tony war ein Kämpfer. Er erholte sich, langsam aber stetig. Seine Vital Werte stiegen, Das EEG wurde kräftiger. Die Gehirnfunktionen nahmen wieder zu. Am fünften Tag entschieden sich die Ärzte ihn langsam aus dem künstlichen Koma zu holen. Jetzt hieß es nur noch warten, denn den Rest musste der junge Mann alleine schaffen.

~~~***~~~

Als er das erste Mal wieder zu Bewusstsein kam, war sein Verstand in Watte gehüllt. Er hörte dass jemand zu ihm sprach, er fühlt dass seine Hand gehalten wurde. Er versuchte sich bemerkbar zu machen, versuchte den Kopf zu heben. Aber die darauf einsetzenden Schmerzen ließen seinen Verstand wieder schwinden und er glitt zurück ins Nichts.

Beim zweiten Mal funktionierte sein Verstand besser. Er wusste nicht wie lange er wieder bewusstlos gewesen war, aber jetzt fühlte sich sein Kopf klar an. Nur groß bewegen durfte er ihn nicht. Die kleinste Anstrengung über die Nackenmuskulatur hinweg, schickte kleine Schmerzblitze durch sein geschädigtes Gehirn. Jemand sprach. War das Ziva? Es klang seltsam gedämpft, sodass er die Stimme nicht richtig erkennen konnte. Er fühlte wie dieser jemand über sein Gesicht strich. Er fühlte Wasser auf seinem Gesicht. Regnete es? Wo war er? Lag er im freien? Er versuchte die Augen zu öffnen, aber auch hierfür war der Kraftaufwand im Moment noch zu groß. In der Hoffnung, dass die Zeit