Autor: Marah Jade

Banner: agentES
Beta Leserin: agentES
Rating: FSK 16
Genre: Actionabenteuer, Drama
Pairing: TIVA


Inhalt: Während seiner Zwangsversetzung zum FBI geht Tony, gegen Gibbs Willen, als Drogenkurier Undercover. Auf seinem letzten Flug fliegt seine Tarnung auf, die Maschine wird sabotiert und stürzt über den Wäldern von Kanada ab. Gibbs, sein Team und Fornell setzen alles daran ihren Agent zu finden. Doch ein Blizzard zieht auf und sie sind mit ihrer Suche nicht die Einzigen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. TONY WHUMP (ohne ein bisschen diesmal)


Disclaimer: Alles nur ausgeliehen: Alle Rechte an den Fernseh-Serien NCIS, ihren Charakteren und Handlungssträngen gehören Donald P. Bellisario, Belisarius Productions, CBS und Paramount.
Die Story und die nicht in den Serien erwähnten Personen und Orte sind meiner Fantasie entsprungen. Mögliche Ähnlichkeiten mit lebenden Menschen oder realen Ereignissen sind reiner Zufall und nicht von mir beabsichtigt!!!

Diese Geschichte ist nicht für die freie Verbreitung im Netz vorgesehen. Sollte jemand Interesse daran haben, diese Story auf anderen Seiten zu posten oder zu verlinken, bitte vorher bei mir melden!




Flug ins Ungewisse



1. Kapitel

Hampton stand auf dem kleinen privaten Flugplatz und sah über seinen Maschinenpark. Mittlerweile hatte er mehr als 20 dieser kleinen, leichten Kuriermaschinen angeschafft. Das Geschäft lief blendend. Nach außen hin die Fassade eines freien Kurierdienstes, doch nach innen Drogenschmuggel im großen Stil. Die Drogen kamen von Chile über einen Militärflughafen in Alaska und wurden dann über die Kanadische Grenze gebracht. Von dort übernahmen seine Teams die weitere Verteilung der Ware. Ein Team bestand aus zwei Personen. Dem Piloten und seinen Begleiter. Doch nicht alle seine Männer wussten von der kriminellen Tätigkeit. Einige hatte er auch nur zur Tarnung seiner Identität angeheuert. Diese, wie der junge Pilot der gerade startete, folgten wirklich den Routen der Holzfäller Camps oder der entlegenen Ansiedlungen und erledigten ihre Arbeit. Und während von ihnen die normale Post eingesammelt wurde, erledigte der zweite Mann in der Maschine den Drogentransport.

Die kleine einmotorige Aviat 1 A Husky wackelte zum Abschied noch einmal mit den Flügeln, dann war sie in den Wolken verschwunden. Er hatte sich damals extra für diese Maschinen entschieden, denn der Rumpf der Flugzeuge bestand aus einem mit witterungsbeständigen Kunststoff PET bespanntes Stahlrohrgerüst. Aufgrund ihrer Leichtbauweise hatte sie für das geringe Fluggewicht eine relativ hohe Leistung und das wiederum ergab eine optimale Kurzstart- und Landefähigkeit. Also genau das, was eine gute Kuriermaschine ausmachte. Als er seinen Assistenten auf sich zukommen sah, riss er seine Gedanken von den Fliegern und drehte sich zu ihm um.

„Wer ist er? Habt ihr es schon herausfinden können?“, fragte Hampton und sah dem kleinen, einmotorigen Flugzeug hinter her, das gerade noch einmal zwischen den Wolken aufblitzte.

„Es war nicht einfach, seine Tarnung war fast perfekt, aber halt nur fast“, teilte ihm Peters grinsend mit.

„Also wer ist er?“ Hampton hauchte sich in die Hände. Mittlerweile hatten sie gute 10 Grad unter Null.

„Ein NCIS Agent, in Diensten des FBIs. Anthony DiNozzo jr., ein Field Agent. Wir mussten wirklich lange suchen bis wir ein Loch in dem Zaum seiner Deckidentität gefunden haben.“ Stolz lag in seiner Stimme.

Sein Boss warf Peters einen abschätzenden Blick zu. „Sag MacKenzie Bescheid, sie sollen ihn beseitigen lassen“, sagte er und drehte sich zur Tür um.

„Wir haben das schon im Angriff genommen, Boss“, kam es eifrig von seinem Mittelsmann.
Doch der Angesprochene drehte sich nicht mehr um, sondern hob nur um sein Verstehen zu signalisieren die Hand.

~~~***~~~

„Wann kommt Daddy zurück?“, fragte Milena zum sechsten Mal in den letzten zwanzig Minuten. Ziva lächelte. Sie wusste, was Tonys Tochter damit verfolgte. Sie wollte einfach Zeit totschlagen.

„Ich habe dir doch schon gesagt, dass er heute Nacht zurückkommt und wenn du morgen früh wach wirst, kannst du ihn wecken. Was hältst du davon.“

Mias Gesicht hellte sich auf. „Au ja, das wird ein Spaß. Aber.....“

„Nein, kein „Aber“ mehr Mia. Jetzt wird geschlafen. Morgen musst du wieder in den Kindergarten.“ Ziva drückte ihr Puppe und Peppo in die Arme und zog die Bettdecke hoch bis zu ihren Schultern. Sie gab Mia einen Kuss auf die Stirn. „Schlaf schön Kleines.“ Dann stand sie auf, machte die kleine Nachtlichtlampe an und im Nu galoppierten kleine Pferdchen über den Deckenhimmel. Sie liebte dieses Kind und bald würde sie, so Gott wollte, ein Schwesterchen oder ein Brüderchen dazu bekommen. Ziva war schwanger. Mittlerweile im siebten Monat. Leise schloss sie die Tür, ging ins Wohnzimmer und setzte sich auf das Sofa. Mit einem Seufzen zog sie ihre Beine auf die Couch. Ihre Niere machte ihr zu schaffen und sie hatte Wasser in den Beinen. Eine Folge ihres letzten Abenteuers, wenn man so wollte. Die damals teilweise kollabierte Niere hatte sich zwar erholt, war aber seit der Schwangerschaft anfällig und ihre Eiweißausscheidungen waren kritisch erhöht. Die Ärzte hatten ihr eine Risikoschwangerschaft bescheinigt und sie über die Risiken einer Tot- oder Frühgeburt aufgeklärt. Das war jetzt vier Monate her, denn davor ging es ihr eigentlich blendend und die Beschwerden hatten erst nach dem dritten Monat angefangen. Mittlerweile konnte sie im Stehen ihre Füße kaum noch sehen.

„Hallo du“, sagte sie. „Mmh, was meinst du, kannst du mich vielleicht heute mal zur Feier der Rückkehr deines Vaters schlafen lassen?“ Zärtlich strich sie über ihren dicken Bauch und als Antwort bekam sie einen Fußtritt. „Hey Kleines warte noch etwas, wenn dein Daddy gleich kommt, dann kannst du loslegen und ihm zeigen, wie stark du schon bist.“

Es wurde wirklich Zeit das Tony zurückkam. Seine Zwangsversetzung von einem halben Jahr war schon vor einem Monat abgelaufen, aber da er sich in einem Undercoverauftrag befand, wurde seine Zeit beim FBI mit Zustimmung von Direktor Vance verlängert. Bei dem Auftrag ging es um Drogenschmuggel im großen Stil und aufgrund seiner Vergangenheit beim P. D. Baltimore war er für das FBI besonders wichtig gewesen. Also hatten sie ihm eine passende Vergangenheit gestrickt und als Expolizisten, Dean Hunter, in den Ring eingeschleust.

Gibbs hätte dem Einsatz nicht zugestimmt, aber da Tony strafversetzt worden war, lag es nicht mehr in seiner Obrigkeit. Nach der langen Verletzungszeit, die ihrem Mann sehr zugesetzt hatte, hatte er freudig das Angebot des FBIs angenommen. Es war eine gelungene Abwechslung zwischen all der Akten- und Computerarbeit. Der Einsatz sollte nichts Dramatisches beinhalten. Tony sollte die Szene nur ausspionieren und Informationen für eine eventuelle Zerschlagung des Rings sammeln. Das war nun fünf Monate her und Ziva hatte seitdem keinen Kontakt mehr zu ihm, aber von seiner Kontaktperson beim FBI war sie immer auf dem Laufenden gehalten worden. Es ging ihm gut und der Auftrag verlief für alle Parteien zur Zufriedenheit. Doch trotz der guten Prognosen machte sie sich um ihn Sorgen. Immerhin hatte ihr Mann in den letzten zwei Jahren viel mitgemacht. Sein Oberschenkelbruch machte ihm an manchen Tagen immer noch zu schaffen und ein leichtes Hinken war geblieben. Seine Schulter, die ihm auf brutalste Weise ausgerenkt worden war, war wieder vollkommen beweglich. Jedenfalls hatte ihr das der Verbindungsmann mitgeteilt, denn als Tony, überraschender Weise sofort nach ihrem Hochzeitsurlaub gehen musste, trug er seinen rechten Arm noch in einer Schlinge. Ziva griff sich ein Kissen und schloss die Arme darum. Sie vermisste ihn so sehr, dass es langsam weh tat. Außerdem hatte sie das Gefühl, dass es Zeit wurde. Die Geburt würde laut ihrer Ärztin nicht mehr lange auf sich warten lassen. Durch ihre Risikoschwangerschaft war sie schon seit Wochen gezwungen zu Hause zu bleiben. Aber heute würde das alles vorbei sein. Wahrscheinlich war Tony schon auf dem Rückflug von Kanada. Beschwingt durch ihre Gefühle, zog sie ihre Füße wieder von der Couch und machte sich auf den Weg in die Küche, um sich ihre nächste Flasche Wasser zu holen. Aufgrund ihrer Nierenschwäche musste sie viel trinken. Aber die Prognosen für die Zeit nach der Schwangerschaft standen gut, dann sollten sich auch ihre Werte wieder erholen.

~~~***~~~

Tony lehnte in seinem Sitz und genoss den letzten Flug. Nur noch einmal musste er seine Rolle spielen, dann konnte er sich davon verabschieden. Er sehnte sich nach Hause. Ein halbes Jahr hatte er seine Familie nicht gesehen. Der anfängliche Reiz der Undercover Mission des FBIs war schnell verflogen. Doch es war immer noch besser, als sich sechs Monate mit Agent Sacks herum ärgern zu müssen. Also hatte er dankend angenommen und bis jetzt war auch alles gut gelaufen und er hatte dem FBI jede Menge brauchbares Informationsmaterial übermitteln können. Als die kleine Maschine anfing zu bocken, warf Tony alias Dean Hunter, einen Blick nach vorne.

Der junge Pilot Mike, der die einmotorige Aviat 1 A Husky flog, warf immer wieder einen irritierten Blick zu den Instrumenten. Irgendwas stimmte mit dem Öldruck nicht. Der 180 PS starke Vierzylinder-Boxer-Motor stotterte und bockte. Unter den weit ausladenden Tragflächen des Schulterdeckers war in unmittelbarer Nähe nur weiß verschneites Waldland zu sehen. Sie befanden sich auf dem Rückflug nach Toronto und waren irgendwo im Bereich der großen Seen. Sein einziger Passagier saß hinter ihm im zweiten Sitz der Maschine.

„Was ist los Mike?“, fragte sein Begleiter.

„Ich habe keine Ahnung, aber irgendwas stimmt mit dem Öldruck nicht“, teilte der Pilot ihm mit und widmete seine ganze Aufmerksamkeit wieder den Instrumenten. In dem Moment fiel der Ölmesser plötzlich auf null und im selben Augenblick hörte der Motor auf zu laufen.

„Dean, schnall dich an. Das wird hier gleich ungemütlich.“

Der Angesprochene starrte auf den bewegungslosen Propeller. Dean war seine Deckidentität. Tony fuhr sich durchs Haar. Angstschweiß sammelte sich auf seiner Stirn, obwohl die Temperaturen auch in der Leichtbaumaschine fast den Nullgrad erreichten. Der Propeller stand senkrecht, als wäre er eingefroren. Urplötzlich war Stille eingetreten. Die Maschine zitterte und schien mitten in der Luft stehen zu bleiben. Automatisch drückte der Pilot die Nase der Maschine, damit er genügend Fluggeschwindigkeit behielt. Während Tony sich anschnallte, nahm Mike das Funkgerät auf.

„Mayday, Mayday. Flug Charlie Brava 1.4 auf dem Weg nach Toronto meldet...“, doch weiter kam er nicht, da er beide Hände für den Steuerknüppel brauchte und das Funkgerät fallen ließ.

Tony schluckte und griff an dem Piloten vorbei nach dem Sprechgerät. „Mayday, Mayday“, wiederholte er ohne Unterlass aber er bekam keine Antwort. Die Leitung blieb tot.

„Ich versuche gleich zwischen die Bäume zu kommen. Das wird nicht einfach. Am besten nimmst du deinen Kopf zwischen die Beine“, kam es von Mike und die Maschine rumpelte über unsichtbare Luftwellen.

Tony beobachtete den Piloten. Dessen Gesicht war angespannt und nur das Spiel der Wangenmuskulatur verriet seine innere Erregung. Die eine Hand umklammerte den Steuerknüppel, die andere hastete vom Gashebel zum Propellerstarter, zum Höhenruder und zu den anderen Schaltern und Hebeln. Ein rascher Blick nach Draußen verhieß nichts Gutes. Die grünen Spitzen der Kiefern kamen immer näher an die Schneekufen des kleinen Kurierflugzeuges.

„Achtung Dean, gleich knallt es, nimm jetzt den Kopf runter und ein Gebet könnte nicht schaden“, kam die Anweisung von dem Piloten.

Tony hatte noch nie solche Angst gehabt. Das Gefühl der Hilflosigkeit wütete in seinem Inneren und er betete tatsächlich. Um sein Leben, um das von Mike und darum, dass er seine Familie wieder sehen konnte. Während Mikes Augen verzweifelt umher irrten und nach einer noch so kleinen Lichtung spähten, hielt er die Nase der Maschine gefährlich hoch, um den Gleitflug soweit wie möglich auszudehnen. Aber in dem grün weißen Teppich war keine Lücke zu entdecken. Dann beugte der Pilot sich vor, umklammerte das Höhenruder mit den Fäusten und blockierte das Seitenruder mit den Füßen. Eine Hand schoss zum automatischen Feuerlöscher, der den Motor mit einer schaumähnlichen Masse zudecken und jeden von dort ausgehenden Brand im Keime ersticken sollte. Im allerletzten Moment riss er das Höhenruder an den Bauch.

„Jetzt Dean“, kam die Anweisung und Tony zog seinen Kopf zwischen seine Beine.

Die Maschine krachte in die Bäume. Tony hörte einen Schrei, dann ging alles ganz schnell. Es gab ein großes Krachen und Brechen und dann schien die ganze Welt nur noch aus Blitzen in allen Farben und zuckenden Lichtern zu bestehen. Danach herrschte Grabesstille, die nur durch das leise Aufklatschen des von den Kiefernzweigen fallenden Schnees unterbrochen wurde. Doch das bekamen die beiden Insassen nicht mehr mit, da sich die Dunkelheit über sie gesenkt hatte.

TBC.........



"Hallo an alle zahlreichen Schwarzleser. Schön, dass ihr vorbeischaut, die vielen Klicks freuen mich. Wenn jetzt der ein oder andere noch ein winziges Feedback hinterlassen würde - ich wäre der glücklichste Mensch auf Erden"

2. Kapitel

Die einzige Empfindung, die zu ihm durchdrang, war die Kälte. Ihm war fürchterlich kalt. Seine Finger und Zehen waren steif gefroren. Dafür flammte in seiner rechten Seite der Schmerz auf und ein Stöhnen glitt über seine Lippen. Mühsam versuchte er die Augen zu öffnen, schloss sie aber gleich wieder als der Schwindel über ihn kam und ihn die Dunkelheit ein zweites Mal verschlang.

~~~***~~~

Ziva wurde von der Türglocke geweckt. Aufgeschreckt sah sie auf die Uhr. Sie musste beim Warten auf Tony eingeschlafen sein, stellte sie belustigt fest. Die Schwangerschaft schlauchte sie ganz schön und sie wuchtete ihren aufgeblähten Körper in die Höhe. Endlich kam ihr Mann. Irgendwie hatte sie auch ein bisschen Angst vor seiner Reaktion, denn immerhin hatten sie sich jetzt 6 Monate nicht gesehen und ihre Körpermaße glichen dem eines Elefanten. Da ihr Kreuz sich leicht bemerkbar machte, legte sie eine Hand in den Rücken und watschelte zur Tür. Doch nicht Tony stand davor, sondern Gibbs mit finsterem Gesicht.

„Nein“, sagte Ziva und ihre Hand glitt automatisch zu ihrem Bauch. „Was ist passiert?“

„Wir wissen es noch nicht genau. Darf ich hereinkommen?“

„Natürlich, entschuldige. Ich vergesse meine Manieren.“

Als sie wenig später wieder im Wohnzimmer auf ihrer Couch saß und Gibbs ihr gegenüber Platz genommen hatte, sah sie ihn abwartend an.

„Ziva, wir….“, begann er und unterbrach sich selber. „Fornell hat sich gemeldet. Tonys Maschine ist irgendwo in den kanadischen Wäldern notgelandet. Das Letzte, dass sie aufgefangen haben, war ein Funkspruch des Piloten, dann brach der Kontakt ab.“

Angst schnürte ihr fast die Kehle zu. „Ihr habt also einen ungefähren Anhaltspunkt wo sein Flugzeug herunter gekommen ist?“, fragte sie hoffnungsvoll und unterdrückte das Zittern ihrer Stimme.

Gibbs sah sie lange schweigend an. „Ja, innerhalb eines Radius von 500 Kilometern.“

Diesen Satz musste seine Agentin erst einmal verdauen. 500 Kilometer in dichtem Waldgebiet. Das war die berühmte Nadel im Heuhaufen. Sie schluckte und verdrängte die Tritte ihre Kindes, die ihre Bauchdecke zum wölben brachte. Das Kleine bemerkte die Aufregung seiner Mutter. „Wie geht es jetzt weiter?“

„Fornell hat mir Tony soeben offiziell wieder übergeben. Somit ist er wieder NCIS Angehöriger und wir können auf unsere Satelliten zurückgreifen. Sofern er noch sein Handy hat, finden wir ihn auch.“ Aufmunternd legte er ihr seine Hand auf die Schulter. „Ich habe das Team schon zusammen gerufen. Abby versucht ihn dort zu orten und Tim hilft ihr.“

Ziva nickte und stand langsam auf.

„Was hast du vor?“, fragte ihr Boss.

„Ich wecke Mia und komme mit.“

„Nein, du bist nicht umsonst seit Wochen krankgeschrieben. Du kannst da eh nichts machen.“

„Doch ich kann euch helfen und hier würde ich nur durchdrehen.“

Gibbs sah die junge Frau lange an, dann nickte er langsam. „Okay, zieh dich um. Ich wecke Mia.“

Während Ziva sich ins Schlafzimmer begab, ging Gibbs ins Kinderzimmer und setzte sich auf die Bettkante. Vorsichtig strich er der Kleinen über die Wange.

„Hey Mia, aufwachen. Wir brauchen deine Hilfe.“ Es dauerte einige Zeit, bis er eine Reaktion erhielt, doch dann räkelte sie sich in den Kissen. „Hallo Süße“, sagte er und lächelte sie an. Milena gähnte.

„Ist Daddy schon da?“, fragte sie verschlafen.

Ihr Onkel schüttelte den Kopf. „Das dauert noch ein bisschen. Komm zieh dich an, wir fahren ins HQ. Wir brauchen deine Mommy dort.“

Unsicher sah sie ihn an. „Daddy kommt nicht, oder?“

Gibbs zog sie aus den Decken und nahm sie auf den Arm. Müde legte sie ihren Kopf an seine Schulter. „Vielleicht dauert es noch etwas länger, aber er kommt, Milena. Dein Daddy kommt immer wieder zurück“, sagte er und strich ihr über den Rücken und mehr um sich selbst zu beruhigen, fügte er noch einen Satz hinzu. „Tony ist ein Stehaufmännchen. Wir werden ihn finden.“

~~~***~~~
MacKenzie ging langsam auf Hampton zu.

„Peters sagte, du wolltest mich sprechen?“

„Hast du dich dieses Agents angenommen?“

„Peters hatte schon was in die Wege geleitet“, teilte er seinem Boss mit.

„Also? Wie sieht es aus?“, fragte Hampton.

„Die Maschine ist in den Wäldern bruchgelandet, Boss.“

„Sind die Insassen tot?“

MacKenzie druckste etwas herum. „Wir wissen es nicht.“

„WAS?“

„Ja, Peters hat der Maschine sowie dem Agent einen Peilsender verpasst. Die Maschine ist definitiv notgelandet, der zweite Peilsender ist scheinbar nicht mehr aktiv oder er wird von dem ersten überlagert. Wir müssen noch etwas abwarten, bevor wir sicher seinen können.“

„Wen haben wir in der Nähe?“, fragte ihn sein Boss.

„LeFrey!“, antwortete MacKenzie und ein leichter Ekelschauer lief ihm über den Rücken.

„LeFrey“, wiederholte Hampton genüsslich. „Das scheint mir doch der richtige Mann für diesen Job zu sein. Erteile ihm den Auftrag. Er soll nach dem Agent sehen und ihn mundtot machen, sollte er den Absturz überlebt haben“, und mit einem hinterhältigem Grinsen fügte er hinzu. „Sag ihm, wir lassen ihm völlig freie Hand. Hauptsache er bringt mir einen Beweis.“

„Was ist mit dem Piloten?“, wollte MacKenzie wissen.

„Was soll mit ihm sein. Weg damit.“

MacKenzie schüttelte sich innerlich. LeFrey war ein Sadist der schlimmsten Sorte und seine bevorzugten Souvenirs waren die Augen seiner getöteten Klienten. „Geht klar Boss, ich kümmere mich darum.“ Während er auf den Computerraum zu ging, dachte er an Hunter oder DiNozzo. Er hatte selten Mitleid, aber dieser Agent war eigentlich ein angenehmer Zeitgenosse gewesen und er hatte gerne seine Freizeit mit ihm verbracht. Freundlich, gewitzt, gutaussehend und immer einen flotten Spruch auf den Lippen, so würde er Tony beschreiben. Einen Verfolger wie LeFrey wünschte er nicht seinem stärksten Feind.

~~~***~~~

Als Tony das zweite Mal zu sich kam, bemerkte er wieder die Kälte, aber jetzt ging es seinem Kopf schon besser und er konnte seine Umgebung erkennen. Er befand sich noch immer in der Maschine und er steckte bis zur Hüfte im Schnee. Sein rechtes Auge war verkrustet und als er mit der Hand darüber strich, hatte er geronnenes Blut an den steifen Fingern. Irgendwo musste er sich den Kopf angeschlagen haben, aber durch die Kälte war die Blutung schon gestoppt worden. Das Atmen fiel ihm schwer und seine rechten Rippen brannten. Wahrscheinlich hatte er sich eine oder auch mehrere gebrochen. Mike, schoss es ihm plötzlich durch den Kopf.

„Mike? Mike? Kannst du mich hören?“ Doch eine Antwort bekam er nicht.

Er musste sehen, dass er aus der Maschine kam und nach ihm sehen. Vielleicht konnte er dem Piloten noch helfen. Mühsam begann er mit seinen bloßen Händen den Schnee von seinen Beinen zu kratzen. Endlich hatte er sie soweit freigelegt, dass ein Bewegen möglich war. Tony wusste nicht wie lange er in dieser Haltung gesessen hatte, aber seine Beinmuskulatur wollte ihm kaum gehorchen. Nur unter äußerster Kraftanstrengung gelang es ihm, sich durch das zerstörte Seitenfenster nach draußen in den Schnee fallen zu lassen. Der Abstand war nicht hoch und doch reichte es aus, ihn an den Rand einer Ohnmacht zu bringen. Schwer atmend und gegen einen erneuten Blackout ankämpfend, lag er im Schnee. Erst jetzt merkte er, dass sein eh schon lädiertes rechtes Knie wieder pochte und merkwürdig steif war. Überall roch es nach auslaufendem Kerosin, aber der Löschschaum hatte ein Explodieren der Maschine verhindert.

Seine Kleidung, die aus einer Jeans, einem grauen Rollkragenpullover und einer Skijacke bestand, war mittlerweile vollkommen durchnässt. Die Kälte kroch ihm über den Rücken. Nach einer gefühlten Ewigkeit drehte er sich unter Stöhnen auf die Knie und robbte auf alle Viere zurück zum Flugzeug. Erst jetzt fiel ihm auf, dass die Tragflächen verschwunden waren und auch das Dach nur noch aus Plastikfetzen bestand. Die gesamte rechte Seite des Leichtbauflugzeuges war aufgefetzt. Irgendwas musste sie dort gestreift haben. Der Baum oder die Äste waren wahrscheinlich auch für seine rechtsseitigen Verletzungen verantwortlich. Mit einem wackeligen Gefühl in den Beinen zog er sich auf die Füße. Sofort schossen ihm Schmerzen durch die rechte Seite und er hatte Mühe auf den Füßen zu bleiben. An der Maschine entlang hangelnd bewegte er sich in Richtung des Piloten. Doch das was er da sah, war das Grauen. Jetzt wusste er auch, warum der Pilot nicht auf seine Rufe reagiert hatte. Mike hatte mit seinem Körper die grausame Wucht des Aufpralls mit dem Wald abgefangen. Sein Oberkörper war fast nicht mehr als solcher zu erkennen und sein Kopf fehlte völlig. Resigniert ließ Tony sich neben der Maschine wieder in den Schnee sinken. Den rechten Arm presste er dabei an seinen Körper. Die gebrochenen Rippen schmerzten unsäglich, bei jeder noch so kleinen Bewegung. Wie sollte es jetzt weitergehen?

Plötzlich fiel ihm sein Handy ein und mit zitternden Fingern versuchte er es aus seiner Anoraktasche zu ziehen. Als er es dann endlich in der Hand hielt, musste er wütend feststellen, dass es keinen Netzempfang gab und das Funkgerät, im vorderen Teil der Maschine, war auch nur noch Schrott. Wenn die Flugsicherheit ihren Notruf nicht aufgefangen hatte, würde ihn auch niemand suchen. Von Oben sehen, konnte man die Absturzstelle wahrscheinlich nicht. Dafür war der Wald zu dicht. Aussichtsloser konnte seine Situation kaum sein. Doch sein Überlebensinstinkt war geweckt. Er musste sehen, dass er an seine Tasche und aus den nassen Klamotten kam. Vorsichtig kämpfte er sich durch den Tiefschnee zum hinteren Teil des Leichtflugzeuges. Gott sei Dank war hinten die Maschine noch vollständig in Ordnung und sein Gepäck und Mikes kleine Reisetasche waren noch an Ort und Stelle. Mit zitternden Händen begann er sich aus der Kleidung zu schälen. Aufgrund seiner Rippenverletzung konnte er den rechten Arm nur unter extremen Schmerzen bewegen, so dauerte die Aktion etwas länger, aber zum Schluss hatte er etwas Trockenes an. Er stopfte die nassen Sachen zurück in die Tasche. Danach durchsuchte er das Flugzeugwrack nach etwas Brauchbarem und fand einen Erste-Hilfe-Koffer, eine Landkarte, eine Signalpistole und sieben Schuss Munition, sowie einen Kompass, sechs Energieriegel und ein Einmann-Zelt für den Notfall. Zusammen mit seiner eigenen Waffe, die er noch immer am Hosenbund trug und dem Messer, sah das gar nicht mal so schlecht aus. Er stopfte alles zusammen in seine Tasche und zog sich den Riemen über die Schulter. Der Ruck fegte durch seine Rippen wie ein Tornado und ließ ihn laut aufstöhnen. Als er den Schmerz wieder einigermaßen unter Kontrolle hatte, ging er noch einmal zum Cockpit. Es tat ihm leid, Mike so ohne Schutz den wilden Tieren zu überlassen, aber er sah keine Möglichkeit dies zu verhindern. Der Boden war hart gefroren und selbst wenn nicht, war er nicht in der Verfassung, ihm ein Grab auszuheben.

„Ich hol dich hier raus Mike und bring dich zurück zu deiner Familie“, flüsterte er der Leiche zu.

Dann zückte Tony den Kompass und versuchte sich an die einfachsten Pfadfinderregeln zu erinnern. Langsam machte er sich durch den Tiefschnee auf den Weg in Richtung Süden.

TBC..........



Ich freu mich auf eure Reviews........ LG Micha

3. Kapitel

Als die Fahrstuhltüren zu ihrem Labor aufgingen, sah sie zum ersten Mal seit geraumer Zeit von dem Computerbildschirm auf. In ihren Augen stand eine leichte Panik, aber ansonsten hatte sie sich erstaunlich gut im Griff.

„Gibbs, das wurde aber auch Zeit“, war alles was sie sagte, bevor sie sich wieder Tim und dem Computer zu wandte. Ihre Finger tanzten mit seinen über die Tasten um die Wette.

Der Grauhaarige, der die wieder eingeschlafene Mia auf dem Arm trug, näherte sich seiner Kriminaltechnikerin. „Habt ihr schon was gefunden?“

Abby schüttelte resigniert den Kopf. „Wir haben Satellitenzeit beantragt, aber das Ding ist erst in zehn Stunden wieder in Reichweite. Solange kann ich nur versuchen, ihn über das Handynetz zu suchen. Und da der Empfang scheinbar gleich null ist… ist das ein PROBLEM“, sagte sie laut, zügelte sich aber gleich wieder und deutete ihm, Mia ins Nachbarlabor zu bringen. Dort hatte sie für Notfälle immer einen Futon liegen. Gibbs kam gerade wieder als sich die Aufzugstüren ein weiteres Mal öffneten und Ziva den Raum betrat.

„Hallo Abby“, kam es müde von der Schwangeren, als sie das Labor betrat.

„Ziva“, kam es von McGee zur Begrüßung.

Die Brünette nickte ihn gequält zu.

„Ziva, ich wusste das du kommst. Du würdest unseren Tiger nie im Stich lassen“, sagte Abby und hüpfte auf sie zu.

Die junge Frau schüttelte den Kopf. „Natürlich nicht Abbs. Auch schwanger kann ich euch helfen. Was soll ich tun?“, fragte sie in der Hoffnung das Abby Herrin der Lage war.

Doch diese schüttelte nur traurig den Kopf. „Wir können im Moment gar nichts machen.“ Sie wollte gerade weiter sprechen, als sich der Fahrstuhl wieder meldete. „Mein Gott, das ist ja heute hier wie im Taubenschlag“, sagte sie in Gibbs Richtung, doch dieser zuckte nur mit den Schultern.

Tobias Fornell, in Begleitung von Agent Sacks, betrat das Labor. Zwei Augenpaar prallten aufeinander... keiner gab nach.

„Was wollen sie hier Tobias?“, raunte Gibbs ihn an.

„Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht zu überbringen.“

„Bitte Gibbs, bitte lass ihn erst die gute Nachricht sagen“, wisperte Abby an seiner Seite.

„Sie haben es gehört“, kam es da von Gibbs.

Fornell warf einen schrägen Blick auf die schwangere Ziva. „Die gute ist, wir können ihn orten, er hat einen Sender und wir haben die Peilmarken dazu.“

Gibbs runzelte die Stirn, doch McGee sprach aus, was er dachte.

„Woher haben Sie diese Information?“, fragte Tim.

Sacks, der bisher schweigend hinter seinem Boss gestanden hatte, meldete sich nun auch zu Wort. „Von unserem zweiten Mann im Ring. Er hatte den Auftrag bekommen, DiNozzo zu beseitigen.“ Als er Zivas Blick auffing, zuckte er nur mit den Achseln.

„Fornell, Konferenzraum, SOFORT“, donnerte die Stimme des grauhaarigen Ermittlers durch den Raum und er stampfte an dem FBI Mann vorbei in Richtung Aufzug.

~~~***~~~

Als sich die Aufzugstüren schlossen, ließ Ziva sich langsam auf einen Stuhl gleiten. Eine Hand hatte sie dabei auf ihrem Bauch liegen. Das Baby drehte vor Unruhe Purzelbäume in ihrem Bauch.

„Darf ich mal?“, fragte Abby und deutete auf ihren Bauch. Ziva nahm ihre Hand weg und ließ die junge Kriminaltechnikerin nun ihre Hand drauflegen. Wie auf Kommando trat das Baby nach ihr. Abby quiekte auf und drückte leicht gegen den Tritt.

„Das wird bestimmt ein Junge und ein großer Footballspieler“, sagte sie grinsend. „Ich versteh nicht wie du das aushältst, also ich würde es sofort wissen wollen. Hast du dir schon einen Namen überlegt?“

Ziva verneinte. „Wenn Tony wieder da ist, dann überlegen wir uns einen Namen. Nicht eher.“

Abby sah sie traurig an. Und was, wenn ihr Tiger nicht….. doch daran wollte sie gar nicht denken. Trotzdem lösten sich langsam ein paar Tränen und liefen ihr über die Wange.

Ziva indessen wandte sich nun Agent Sacks zu.

~~~***~~~

Der Aufzug hatte sich kaum in Gang gesetzt als Gibbs schon den Nothaltschalter umlegte.
„So Tobias. Nun erzählen sie mir mal was sie wissen? Und woher kommt plötzlich dieser zweite Mann?“, fragte er in einen wesentlich versöhnlicherem Ton als noch gerade vor versammelter Mannschaft.

„Wir hatten von Anfang an zwei Agents eingeschleust. Doch leider kam einer bei einem Unfall ums Leben. Trevor war also bereits ein ganzes Jahr Undercover, als wir Tony ins Rennen schickten. Und bevor sie fragen, DiNozzo wusste nichts von Trevor, aber er von DiNozzo schon.“ Abwartend warf er einen Blick zu dem Grauhaarigen, aber der schwieg ihn nur an. „Auf alle Fälle hat Trevor dem Flugzeug und Tonys Tasche einen Peilsender verpasst. Er hat uns die Marken durchgegeben.“

„Trevor? Welche Position hat er inne?“, fragte in Gibbs.

Fornell räusperte sich. „Trevor MacKenzie, er ist Hampton rechte Hand und somit ganz oben an der Spitze.“

„Dann lief es doch auch mit einem Mann scheinbar ganz gut für euch. Warum habt ihr Tony noch zusätzlich Undercover gebraucht?“

Fornell wischte sich plötzlich einen nicht sichtbaren Flecken von seinem langen Mantel. Dann seufzte er einmal ganz tief und schnaubte durch die Nase. „Als Ablenkung für Trevor, der kurz vor der Entdeckung stand“, sagte er leise und spähte schräg zu dem Ermittler. „DiNozzo hat einfach die richtige Art Aufmerksamkeit auf sich zu beziehen.“

In dem Moment wurde er von zwei starken Armen gegen die Aufzugswand gedrückt und auf die Zehenspitzen gehoben. Schlagartig blieb ihm ein teil seiner Luft weg.

Gibbs Augen hatten sich zu Strichen verengt. „Sie haben ihn da reingeschickt, damit er die Prügel einfängt. WANN hatten sie vor mir diese Kleinigkeit mitzuteilen?“ brüllte Gibbs seinen Freund an.

„Mein Gott, Jethro, ich dachte dein Ziehkind hätte sich langsam frei geschwommen“, erwiderte Tobias gepresst in der persönlichen Anrede, in der Hoffnung den Chefermittler damit etwas versöhnlicher zu stimmen, aber Gibbs ging darauf nicht ein.

„Tobias, als ich sie vor etwas mehr als einem halben Jahr bat, Tony für sechs Monate einen Posten zu beschaffen als Ausleihe, oder was auch immer. Da tat ich das nicht, damit sie ihn Undercover verheizen. Ich wollte ihn hier aus Vance Schusslinie bekommen. Und was machen sie?“

„Der Auftrag war Narrensicher. Es hätte nichts passieren dürfen. Ich versteh das auch nicht“, versuchte er sich entschuldigend zu erklären.

Nur langsam ließ ihn der Grauhaarige wieder auf die Füße nieder und fuhr sich frustriert durch die Haare, während sich Fornell an den Hals faste und tief Luft holte. „Ihr habt ihn sozusagen sofort nach seinen Flitterwochen eingefangen. Er war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht arbeitsfähig.“

„Der Zeitpunkt passte hervorragend zu seiner Tarnidentität. Verletzter Ex Polizist. Keiner spielt das so überzeugend wie DiNozzo. Außerdem hatte er echte Wunden vorzuzeigen. Das machte die Angelegenheit noch glaubwürdiger.“

„Das ist mir egal. Er war nicht fit für so einen Auftrag.“

„MacKenzie hat auf ihn aufgepasst und sich auch privat mit ihm angefreundet.“

„Na was daraus geworden ist, können wir ja jetzt sehen“, erwiderte der Grauhaarige sarkastisch.

„Er hat sich hervorragend bewährt, Jethro. War das nicht das, was ihr Direktor mit ihm vor hatte?“, und mit einem großen Grinsen fügte er hinzu. „Dein Junge macht einen großartigen Job. Durch ihn und Trevor sind wir nur Stunden davor, das ganze Unternehmen auffliegen zu lassen. Sie können stolz auf ihn sein.“

Bei diesen Worten linderte sich Gibbs Mine wieder etwas. „Ich werde in ihren Freudentaumel mit einsteigen, wenn Tony wieder wohlbehalten auf seinem Platz im Büro sitzt und keine Sekunde eher.“ Mit diesen Worten legte er den Schalter wieder um und der Aufzug setzte sich in Bewegung.

~~~***~~~

Ziva warf Sacks einen schrägen Blick zu. „Was war eigentlich die schlechte Nachricht?“, fragte sie ihn gerade, als sich die Aufzugstüren öffneten und die zwei Sturköpfe wieder preis gab.

„Ja?“, sagte jetzt auch Gibbs. „Ich war von der Guten schon so erbaut, dass ich an die Schlechte gar nicht mehr gedacht habe.“

„Nein bitte, ich will sie gar nicht hören“, kam es von Abby, sie hielt sich die Ohren zu und fing leise an zu singen. Gibbs stellte sich neben sie, zog sie in seinen Arm und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.

„Also Fornell, wir hören.“

Der Angesprochene atmete tief durch. „Ein gewisser LeFrey ist damit beauftragt worden Tony, falls er den Absturz überlebt haben sollte, zu suchen und zu töten. Er folgt ebenfalls den Peilsendern. Wir haben also nicht mehr viel Zeit um DiNozzo da raus zu holen.“

Im Labor war es schlagartig ruhig geworden, nur Abby Schluchzen durchdrang die Ruhe. Gibbs beugte sich über sie und gab ihr einen Kuss auf die Schläfe, dann drückte er sie Tim in die Arme. „Okay. Abby, ich möchte, dass du alles über diesen LeFrey herausfindest. Auch die kleinste Kleinigkeit. Alles“, als er sie verstehend nicken sah, fuhr er fort. „Tim, du lässt dir vom FBI die Peilsenderdaten geben und siehst zu, dass wir Tony in dem Dickicht finden.“
Der Chefermittler warf einen Blick auf die Kanada Karte die Abby an die Wand geklebt hatte. Das Land war riesig und stark bewaldet, selbst wenn man nur den Bereich der großen Seen nahm. Was, wenn er verletzt war? Dort gab es Bären und Wölfe. „Und Tim, ruf Ducky an, er soll sich bereit halten.“ Doch kaum hatte er den Satz ausgesprochen, revidierte er ihn auch sofort wieder. „Nein, welche Temperaturen herrschen da zu Zeit?“

„Tiefster Winter. Temperaturen zwischen minus 10 bis minus 20 Grad“, teilte ihm Agent Sacks mit.

„Also nicht Ducky, sag Palmer Bescheid. Jetzt kann er mal zeigen ob wirklich ein Agent in ihm steckt, oder ob seine ganze Spielerei mit Tony nur Show ist. Und wenn du das alles erledigt hast…“

„….fahr ich nach Hause und pack meine Sachen“, vollendete Tim den Satz und sah seinen Boss nicken.

„Ziva?“

„Ja Gibbs?“

„Du rufst…“

„….bei der Flugleitstelle der Navy an und lass euch für den nächsten Flug buchen? Fünf Personen?“, fragend sah sie ihn an.

Gibbs warf Fornell einen fragenden Blick zu. „Ich denke doch ihr begleitet uns?“, und als er Tobias nicken sah, nahm er Zivas Blick wieder auf und schenkte ihr ein kurzes Lächeln. Sie hatte noch nichts verlernt und sie versuchte auch gar nicht sich mit ins Spiel zu bringen. Anerkennend nickte er ihr zu.

„Meine Herren, gehen wir packen.“

~~~***~~~

Tony wusste nicht wie lange er schon unterwegs war, er wusste nur, dass er nicht mehr viel weiter kommen würde. Durst peinigte ihn schon seit ein paar Stunden und er hatte begonnen, Schnee zu lutschen, das aber hatte nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Er hatte Kopfschmerzen und ihm war schlecht, seine gebrochenen Rippen schmerzten ohne Unterlass und durch das Laufen im Tiefschnee spürte er auch seine alte Oberschenkelverletzung mehr als sonst, von seinem Knie ganz zu schweigen. Häufig versank er bis zu den Hüften und musste sich jedes Mal mühsam wieder daraus hervorkämpfen. Schneeschuhe wären jetzt von Nöten gewesen, aber so etwas stand ihm leider nicht zur Verfügung. Es wurde Zeit, dass er sich das Zelt für die Nacht aufbaute. Leider hatte er keine Handschuhe dabei, weswegen seine Finger mittlerweile steif und gefühllos waren.

Unter stöhnen ließ er sich auf die Knie fallen und öffnetet mit steifen Fingern den Verschluss vom Zeltgestänge. Eine Stunde und unzählige Versuche später, schlug er den letzten Hering in den Schnee und krabbelte frierend in das kleine Einmann-Zelt. Er war hundemüde und wollte nur noch die Augen schließen, aber gleichzeitig wurde ihm klar, dass er das auf keinen Fall durfte. Sollte er einschlafen, würde er wahrscheinlich morgen nicht mehr aufwachen. Draußen hatte das Wetter umgeschlagen und es schneite heftig. In Nu war das Zelt von einer weißen Decke umgeben.

Plötzlich hörte er ein bekanntes Geräusch. Ein Hubschrauber, schoss es ihm durch den Kopf. Das Geräusch sorgte dafür, dass neue Kraft durch seine müden Glieder fuhr. Tony suchte die Signalpistole und krabbelte so schnell er konnte aus dem Zelt.
„HIER, HIER BIN ICH“, schrie er dem Helikopter hinterher und schoss die Pistole ab.
„HIER Verdammt.“ Doch natürlich hörten sie ihn nicht. Noch einmal schoss er in die Luft. Dann wurden die Geräusche leiser und starben schließlich völlig ab. Plötzlich hatte er keine Kraft mehr und rutschte erschöpft und mutlos auf die Knie. Sie hatten ihn nicht gesehen. Niemand würde ihn hier sehen. Er selber hatte ja Mühe gehabt, den Helikopter zu finden, in dem Dickicht von Tannennadeln und Ästen. Er war alleine, ganz alleine. Frustriert boxte er in den Schnee und bereute es fast sofort als ein feuriger Schmerz durch seinen Oberkörper schoss. Mit schmerzverzerrtem Gesicht presste er den rechten Arm gegen seine Rippen und holte keuchend Luft.  

Nach kurzer Zeit robbte er zurück zu seinem Zelt. Dort kauerte er sich in die hinterste Ecke, steckte seine steif gefrorenen Finger zwischen die Oberschenkel und rollte sich soweit es ging zusammen. Seine Rippen protestierten aufgrund der unbequemen Lage, irgendwo in der Ferne hörte er einen Wolf heulen. Er dachte an zu Hause, an Ziva und Milena und an das Baby, das vielleicht seinen Vater nie kennenlernen würde, sollte er hier in der weißen Wüste erfrieren.

~~~***~~~

LeFrey sah interessiert auf seinen PDA. Er liebte die Jagd und je anstrengender diese war, je mehr Freude hatte er daran. Grinsend schaute er sich noch einmal das Bild der betreffenden Person an. Sportlich und durchtrainiert, so war es ihm am liebsten. Dann schaltete er das Gerät auf den Peilsender um und startete den Motorschlitten. Die Jagd konnte beginnen.

TBC..................

4. Kapitel

Tabitha stand im Türrahmen und sah ihrem Lebensgefährten beim Packen zu. Wenn jemand packen konnte, dann ihr Gunny. Jedes Kleidungsstück wurde in der richtigen Größe zusammen gelegt und kam an den für ihn vorgesehenen, optimalen Platz. Man merkte ihm seine Auslandseinsätze an. Doch dieses Mal waren seine Bewegungen langsam und unkonzentriert und sie konnte sich vorstellen woran das lag. Als sie sah, wie er die Tasche schloss, ging sie langsam auf ihn zu.

„Du wirst ihn finden. Ich bin mir da ganz sicher.“ Ihre Arme schlossen sich um seine Hüften.

„Ich weiß nicht. Diesmal ist es anders. Wir haben nur die Peildaten und du darfst nicht den Absturz vergessen. Ich weiß nicht was wir vorfinden werden. Und das macht mir Angst.“ Während er sprach, hatte er ihr ihre dunklen Haare aus der Stirn gestrichen und seine Stirn an ihre gelehnt. Wenn es jemanden gab, bei dem er sich fallen lassen konnte, dann bei ihr.

Tab strich ihm beruhigend über den Rücken. „Hey, wer bist du? Wo ist mein Gunny? Wo ist der Gibbs den ich kenne? Du fliegst da jetzt hin und du holst deinen Jungen zurück“, sagte sie und boxte ihm leicht gegen die Schulter. „Und jetzt schau nicht so verwundert. Meinst du ich hätte es nicht bemerkt? Ich weiß, dass du zu Tony eine besondere Beziehung hast. Zu ihm und zu Abby“, fügte sie grinsend hinzu. „Und ich finde die Beiden sind jetzt alt genug, dass du sie ihr Leben leben lässt.“ Als sie seinen verständnislosen Blick sah, sprach sie schnell weiter. „Hol ihn zurück. Ich, nein, wir warten gerne auf dich.“ Verwirrt über ihr „WIR“ sah er sie an. „Ziva braucht ihren Mann und Mia ihren Vater. Tony ist schon viel zu lange fort.“ Noch immer ruhte sein Blick auf ihr. „Und dann, lass uns unser eigenes Projekt wagen.“ Lächelnd zog sie seine Hände auf ihren Bauch.

Jethros Augenbrauen zogen sich überrascht in die Höhe. „Du bist schwanger?“

Mit einem unguten Gefühl im Magen nickte sie und sah ihn unsicher an. War es richtig, es ihm jetzt schon zu sagen? Wollte er überhaupt noch ein Kind? Ein Kind mit ihr?

Langsam löste sich die Starre die ihn befallen hatte. Sie war schwanger? Er konnte es kaum glauben. Sollte er tatsächlich noch einmal die Chance bekommen eine Familie zu haben. Ein Kind?

„Oh mein Gott“, schoss es Tabby durch den Kopf. Er sagt nichts. Er zeigt keine Reaktion. Er will das alles nicht. Panik machte sich in ihr breit. Plötzlich hatte sie kaum noch die Kraft sich auf ihren Beinen zu halten. Ihre Knie zitterten und schlagartig wurde ihr schlecht. „Ich.... ich....“, stammelte sie. „Ich werde meine Sachen packen und wenn du wieder kommst, bin ich verschwunden“, sagte sie und dreht sich, um ihre Tränen zu verbergen, von ihm weg.

Diese Worte waren der Schlüssel zu seinem Antrieb. Was redete sie denn? Schnell machte er einen Schritt auf sie zu und hielt sie am Arm zurück, „Nicht, bleib.“

„Du bist nicht böse?“, fragte Tab vorsichtig und ein leichtes Lächeln schlich sich zurück auf ihre Gesichtszüge.

„Warum sollte ich dir böse sein?“ Hilfesuchend sah er sich um. „Ich…es fällt mir schwer über meine Gefühle zu reden“, kam es von ihm zerknirscht. „Du machst mich zu einem glücklichen Menschen“, sagte er und zog sie zärtlich in seine Arme. „Ein Kind? Ich kann das noch gar nicht fassen. Ich werde noch einmal Vater“, stammelte er vor sich hin und erntete von ihr ein Lächeln, während sie sich enger in seine Arme kuschelte. Jethro sah über ihren dunkelhaarigen Scheitel hinaus in den neuen Tag. Das Leben meint es scheinbar wieder gut mit ihm, dachte er grinsend. Nun musste er nur noch Tony finden, dann würde wieder alles gut werden.

~~~***~~~

Sie kreuzten gerade eine Schlechtwetterfront und die Maschine fiel zum dritten Mal kurz hintereinander in ein Luftloch. Gibbs saß auf seinem Segeltuchsitz und hatte den Kopf in den Nacken gelegt. Seine Augen waren geschlossen, seine Atmung beruhigt, doch er schlief nicht. Neben ihm saßen McGee und Palmer, ihm gegenüber Fornell und Sacks sowie die Marines. Als die Maschine wieder absackte, griffen Tim und Sack fast gleichzeitig zu ihren Spuckbeuteln. Gibbs schmunzelte hinter geschlossenen Augen. McGees Magen war einfach zu schwach für solche Unternehmungen. Palmer hingegen schien es blendend zu gehen und er nahm den Flug wie eine Achterbahnfahrt, nach jedem Loch, stieg ihm ein Grinsen ins Gesicht.

Sie waren alle in wetterfeste Kleidung geschlüpft und saßen in einer Militärmaschine, die sie zur Canadian Forces Base nach Trenton bringen sollten. Von dort aus würden sie in kleinere Flugzeuge wechseln müssen, die sie dann direkt in die weiße Hölle Kanadas bringen würden. Direktor Vance hatte es tatsächlich geschafft, den Sec Nav davon zu überzeugen, ihnen eine kleine militärische Einheit, bestehend aus sechs Marines, zur Unterstützung mitzugeben. Woher sein plötzlicher Sinneswechsel kam, war Gibbs schleierhaft, denn vor nicht einmal einem halben Jahr wollte er Tony noch aufgrund *schwerwiegender Differenzen* aus dem Staatsdienst entlassen und nun half er freiwillig bei dessen Rettungsmission mit.

In Trenton würden dann noch einmal ein paar Canadian Rangers zu ihnen stoßen. Der letzte Funkspruch war genau über dem Queen Elizabeth II Wildlands Provincial Park aufgefangen worden. Dank des Peilsenders wussten sie jetzt auch ungefähr wo Tony sich befand und da das Ziel sich bewegte, konnten sie davon ausgehen, dass der Agent noch lebte. Sofern seine Leiche nicht von wilden Tieren gerade verschleppt wurde. Aber an solch finstere Gedanken wollte Gibbs jetzt gerade nicht denken. Ziva und Abby waren mit Ducky zu Hause geblieben. Gibbs hatte ihnen versprochen über Satellitentelefon mit ihnen sofort Kontakt aufzunehmen, sollten sie die Maschine oder Tony finden.

~~~***~~~

Seltsam dumpfe Laute drangen an sein Ohr. Es dauerte eine Zeit bis ihm klar wurde, dass er nicht tot, dafür aber doch wohl eingeschlafen war. Seine Armbanduhr zeigte ihm, dass der Morgen schon ein paar Stunden her war. Vorsichtig setzte er sich auf und hustete sich die Bronchien frei. Es ging ihm nicht besser, aber auch nicht wesentlich schlechter. Sein Magen meldete sich laut zu Wort. Mit steifen Fingern zog er einen Energieriegel aus der Tasche und aß ihn widerwillig. Es kratzte in seinem Hals und zwischen gelegentlichem Husten, machte er Pläne für den Tag. Wenn er jeden Tag nur einen Riegel aß, dann hatte er Proviant für sechs Tage. Vielleicht würde es ihm auch möglich sein, einen Hasen zu schießen. Dann konnte er sich einmal richtig satt essen. Während er jeden Bissen zwanzigmal kaute bevor er ihn schluckte, studierte er die mitgenommene Karte. Er hoffte, dass er sich irgendwo in der Nähe des Lake Simcoe befand. Von dort bis zu den ersten dichter bewohnten Siedlungen war es nicht weit. Vielleicht drei oder vier Tagesmärsche bei gutem Wetter. Wenn Mike allerdings durch den Crash etwas von ihrer Route abgekommen war, dann konnte er sich auch genauso gut im Nationalpark befinden. Je mehr er darüber grübelte, umso unsicherer wurde er. Aber es brachte nichts. Er musste weiter. Mühsam kletterte er aus seinem Zelt und stellte fest, dass dieses bis zur Hälfte unter Neuschnee begraben war. Wahrscheinlich war das seine Rettung für die Nacht gewesen. Heute Nacht würde er versuchen Brennholz zu finden um ein Feuer in Gang zu bringen. Dann hätte er es warm und er würde sich etwas Schnee zu warmem Wasser schmelzen können.

Zwanzig Minuten später war er wieder zum Abmarsch bereit. Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als er sich den Taschengurt über die Schultern zog und dabei merklich die Luft anhielt. Tony warf einen Blick auf den Kompass und nahm wieder seinen Weg Richtung Süden auf.

~~~***~~~

Zwei Stunden später, diesmal hatte er extra auf die Uhr geachtet, musste er sich eine Pause gönnen. Er schmiss die Tasche in den Schnee und ließ sich, ein paar Meter weiter, schwer atmend an einen der unzähligen Baumstämme nieder. Dann machte er eine kurze Bestandsaufnahme. Sein Husten wurde immer schlimmer, das eh schon lädierte Knie verweigerte ihm immer häufiger den Gehorsam und sackte einfach unter ihm zusammen. Sein rechtes Auge und der darunter liegende Wangenknochen schmerzten und als er etwas Schnee nahm um die Stelle zu kühlen, bemerkte er, dass die Stelle an seiner Stirn wieder blutete. Tony wühlte in seiner Tasche nach dem Verbandskasten und suchte nach einem Pflaster. Nach dem zweiten erfolglosen Versuch, ließ er es sein. Bei der Kälte klebten die Pflaster einfach nicht. Also nahm er sich eine Mullbinde und wickelte sich diese mehrfach über das Pflaster und die Stirn, dann zog er seine Mütze wieder darüber und versuchte seine schmerzende Gesichtshälfte weiterhin mit Schnee zu kühlen. Wie lange würde es wohl dauern bis seine Finger die ersten Erfrierungen aufwiesen? Tony bereute es zutiefst, dass er keine Handschuhe eingepackt hatte. Sein Magen brachte sich gerade geräuschvoll in Erinnerung, als er nicht weit von sich entfernt eine Bewegung wahrnahm. Tony wusste nicht, was er erwartet hatte, aber mit dem was er zu sehen bekam, hätte er nie gerechnet und der pure Anblick jagte ihm einen Schauer nach dem anderen über den Rücken.

~~~***~~~

„Warum passiert uns das immer, Mommy?“, fragte Milena während sie auf dem Bürostuhl ihres Vaters saß, sich im Kreis drehte und dabei immer abwechselnd ein Bein hochhob.

Ziva sah sie etwas länger an und wusste nicht was sie darauf sagen sollte. Wie erklärte man einem kleinen fünfjährigen Kind das Schicksal? Gibbs hätte dafür sicherlich eine Erklärung gewusst, aber Ziva war ratlos.

„Mommy, was passiert mit Daddy, wenn Onkel Jethro ihn nicht findet?“, fragte die Kleine da gerade und riss sie aus ihren Gedanken.

„Schatz, er findet ihn und das trifft nicht nur uns. Sieh mal, in dem Flugzeug war noch ein anderer Mann. Auf den wartet bestimmt auch eine Familie. So schlimm es auch ist, aber Abstürze passieren eben. Da kann man nichts gegen machen“, sagte sie, japste plötzlich auf und legte sich eine Hand auf den Bauch.

„Strampelt er wieder?“, fragte Mia und Ziva nickte ihr zu.

Mia hörte auf mit ihrer Dreherei und kam auf Ziva zu. Sie stellte sich genau vor sie und legte ein Ohr an ihren Bauch. „Hallo kleiner Bruder. Ich bin deine große Schwester und wenn du da mal irgendwann heraus kommst, dann können wir auch mal was zusammen spielen.“ Während sie sprach streichelte ihr Hand über Zivas gewölbten Bauch, wie sie es schon häufiger gesehen hatte.

„Woher weißt du, dass es ein Junge wird?“, fragte Ziva belustigt.

„Das ist doch ganz einfach, Mommy. Jungen bekommen Schwestern und ich bin eine Schwester, also bekomm ich einen Bruder“, teilte Mia ihr naseweis mit.

Zivas Lachen erhellte das noch recht leere Büro. „Na wenn das so ist“, sagte sie noch immer lachend und zog die Kleine in ihre Arme.

~~~***~~~

Keine zehn Meter von ihm entfernt stand ein Wolf. Wäre die Situation nicht so ernst gewesen, hätte Tony sich damit begnügt ihn zu studieren. Denn das Erscheinungsbild war mehr als prächtig. Der Wolf hatte ein fast weißes Fell, nur kleine Stellen zeigten eine dunklere Schattierung. Er war groß und sein Blick starr, während er Tony nicht aus den Augen ließ. Die Lefzen hatte er hoch gezogen und zeigte dabei sein grausiges Gebiss. Langsam kam er auf seine vermeintlich leichte Beute zu und riss Tony damit aus seiner Starre.

Kalter Schweiß lief ihm die Schläfen herunter und brannte in den vielen Schnittwunden, die die Äste auf seinem Gesicht hinterlassen hatten. Mit einer Hand versuchte er so langsam wie möglich an seine Tasche und die da drin befindliche Waffe zu kommen, mit der anderen zog er sich am Baumstamm in die Höhe. Sein Gesicht war verzerrt und er keuchte schwer, während der Schmerz der Bewegung über ihn hinweg rollte. Was sollte er tun? Konnte er ihn vertreiben? Oder war er gezwungen, auf dieses herrliche Tier zu schießen? Wie war nur die Verhaltensweise von Wölfen? Er schalt sich selbst einen Narren, dass er im Biologie Unterricht nicht besser aufgepasst hatte. Plötzlich fiel ihm etwas ein und sein Blick ließ kurz von dem Wolf los und suchte den Horizont ab. Jagten Wölfe nicht im Rudel? Doch dieser schien Gott sei Dank allein zu sein. Langsam, aber unausweichlich kam der Wolf mit gefletschten Zähnen auf ihn zu. Zum ersten Mal fiel Tony auf, dass er nicht nur schön, sondern auch sehr groß war. Neben ihm lang ein längerer, frisch abgefallenen Ast. Diesen nahm er hoch, denn seine Waffe hatte er noch immer nicht in der Hand.

„HAU AB“, schrie er dem Wolf zu, hustete und klatschte mit dem Ast auf den Schnee. Doch das schien dem Wolf nicht zu beeindrucken.
„HHHÖÖÖÖÖ FORT. LOSSSS VERSCHWINDE.“ Doch auch jetzt ließ sich der Wolf nicht von seiner Fährte abbringen. Wie hatte er ihn nur gefunden? Doch dann fiel ihm das Blut wieder ein. Wahrscheinlich hatte er damit den Schnee voll getropft und somit selbst eine herrliche Spur gelegt.
Wieder machte Tony einen Schritt auf den Wolf zu und schwang dabei, laut aufheulend, den Ast hoch über seinen Kopf, als plötzlich der Boden unter ihm nachgab und ihn bis zu der Hüfte verschluckte. Er saß in der Falle.

~~~***~~~

Kaum war die Maschine gelandet, holte Gibbs auch schon sein Handy hervor und wählte Abbys Nummer. Als sie abnahm, glitt ein Grinsen über sein Gesicht.

„Das wurde auch langsam Zeit, wir dachten schon euer Flugzeug wäre auch abgestürzt“, kam es empört von seiner Kriminaltechnikerin.

„Wir sind in schweres Wetter geraten, Abbs, der Pilot musste ein wenig ausweichen. Aber jetzt sind wir da. Sind Ziva und Milena bei dir?“

„Jepp, sie sind hier im Yard, aber gerade mit Ducky Frühstück besorgen.“

„Gut. Also, was hast du für mich?“ Wie immer kam er sofort zur Sache.

„Okay, der Steckbrief von Jacques LeFrey liest sich wie ein Drehbuch zu Freddy Krügers Nightmare on Elm Street“, sagte Abby und schüttelte sich dabei.

„Abbs, komm zum Punkt.“

„Klar, Gibbsmann. Also. Jacques LeFrey, wurde am 14.08.1960 in Québec geboren. Er ist also ein sogenannter Frankokanadier. Über seine ersten zehn Lebensjahre kann ich dir nichts berichten, außer dass er dreimal den Kindergarten und zweimal die Junior High gewechselt hat. Aber dann geht es los. Seine Eltern kamen 1970 bei einem Wohnungsbrand ums Leben. Wie durch ein Wunder überlebte das einzige Kind unverletzt. Danach kam er zu seiner Großmutter väterlicherseits. Die alte Dame kam bei einem Treppensturz ums Leben. Die Zeit im Kinderwaisenhaus ist nicht mehr zu rekonstruieren, da das Heim 1978 bis auf die Grundmauern abgebrannt ist und der Direktor, als einzige Person dabei ums Leben kam. Fällt dir was auf Gibbs?“

„Er beseitigt unbequeme Personen.“

„Ja und das schon seitdem er zehn Jahre alt ist. Ich meine, was ist das für ein Typ?“, kam es von der Technikerin. „Andere Kinder in dem Alter spielen noch mit ihren Eisenbahnen.“

„Vielleicht geht das auch schon länger. So kranke Gestalten fangen meistens mit Tieren an. Wahrscheinlich sind im Umkreis der Familie immer mal wieder Haustiere verschwunden. Das werden wir nicht mehr heraus bekommen, aber mach weiter“, bat er Abby.

Diese holte tief Luft und sprach dann weiter. „Direkt nach der Volljährigkeit ist er ins Militär eingetreten. Er war bei den Joint Task Forces, das ist eine Spezialeinheit für Terrorismusbekämpfung und Geiselbefreiung. Dort hat er am Anfang wahnsinnig hohe Erfolgsquoten gehabt. Er hat mehrere Auszeichnungen bekommen. Doch 1995 muss irgendwas passiert sein und das Morden ging wieder von vorne los. 2000 wurde er dann aufgrund nicht genannter Differenzen unehrenhaft entlassen. Von da an verflüchtigt sich seine Spur. Bis er dann 2008 mit einer Reihe von Serienmorden, bei denen den Opfern die Augen entfernt wurden, in Verbindung gebracht wurde. Doch man konnte ihm nichts nachweisen und ließ ihn ein Jahr später wieder auf die Allgemeinheit los. Seitdem verdingt er sich als Gelegenheitsmörder.“ Sie machte eine kleine Pause. „Und das Mysteriöse ist, es gibt von ihm keine einzige körperliche Beschreibung und auch kein Bild. Findest du nicht auch, dass das sonderbar ist? Geradezu unheimlich, oder Gibbs?“, sagte sie und er konnte sie durch das Telefon fast sehen, wie sie ehrfürchtig mit den schwarzen Mächten rang. „Mehr habe ich nicht herausfinden können, Gibbs.“

„Abby, du hast alles gefunden was wir brauchen.“

„Gibbs?“

„Ja?“

„Hol Tony zurück. Ziva und Mia brauchen ihn und auch ich will meinen Tiger wiederhaben“, während sie sprach, hörte er aus der Ferne Burt das Nilpferd furzen.

Er konnte sie sich genau vorstellen, wie sie da stand, Burt im Arm und Tränen in den Augen. Wenn er ihr jetzt gegenüber gestanden hätte, hätte er sie in seine Arme gezogen und ihr einen Kuss auf die Stirn oder die Wange gegeben. Doch das konnte er aufgrund der Entfernung natürlich nicht, aber er konnte etwas anderes. „Schau mal in den Kühlschrank und gib Tabitha Bescheid“, sagte er und unterbrach die Verbindung.

~~~***~~~

Abby stand noch immer vor dem Kühlschrank, einen CafPow in den Händen und die Flüssigkeit genüsslich durch den Strohhalm ziehend, als Ziva das Labor wieder betrat.

„Hey“, sagte Ziva grinsend und deutete auf den Becher in Abbys Händen. „Wenn du den hast, dann hat Gibbs sich gemeldet. Wie weit sind sie?“

Abby blickte von ihrem Getränk auf. „Nur bis Trenton, weiter sind sie noch nicht gekommen.“ Als sie Zivas verstörten Gesichtsausdruck sah, drückte sie ihr Burt in die Arme.“ Sie zog ihre Lippe zwischen die Zähne. „Gibbs findet ihn und bringt ihn zurück, du wirst sehen.“

„Ja, ich weiß“, sagte Ziva und legte ihre Hand auf ihren Bauch.

~~~***~~~

Panik machte sich in dem Agent breit. So schnell er konnte, versuchte er aus dem Schnee zu kommen. Zuerst gelang es ihm ein Bein zu befreien, dann auch das nächste und dann eilte er immer wieder halb versinkend davon. Seine Atmung rasselte und pfiff. Der Wolf sah sich zu dem Spiel eingeladen und setzte seiner Beute nach. Tony rannte so schnell er konnte, doch er kam nur wenige Meter weit. Der Schnee war einfach zu nachgiebig und der Wolf, mangels Masse, klar im Vorteil. Als er die Tasche erreichte, erreichte ihn auch der Wolf und verbiss sich in seine rechte Wade.

TBC..................

5. Kapitel (06.09.11)          

LeFrey lief um das Flugzeugwrack. Da war nichts mehr zu machen und der Pilot, oder sagen wir mal das, was noch von ihm übrig war, hingen immer noch im Cockpit. Der Peilsender, den er in der Hand hielt, schlug voll aus, doch wo war der zweite Mann? Mit einer Hand nahm er sein Satellitentelefon und wählte die Nummer seines Auftraggebers.

„Wollt ihr mich verarschen?“, brüllte er sofort ins Telefon, als dort abgenommen wurde.

„LeFrey?“

„Ja, wer sonst. Ich bin an dem Wrack, aber die Peildaten betreffen nur die Maschine, nicht ihren Passagier.“

„Dann muss der Sender wirklich kaputt sein“, kam es von MacKanzie.

„Wem willst du das erzählen? Ich werde einfach seiner Spur folgen. Die ist ja nicht zu übersehen. Sag das deinem Boss.“ Mit diesen Worten unterbrach er die Verbindung.

MacKanzie sah noch einige Zeit auf das Satellitentelefon in seiner Hand. Mehr konnte er für DiNozzo nicht mehr tun. Den Rest musste er selber erledigen.

~~~***~~~

Die Schmerzen, die die messerscharfen Zähne in seinem Bein entfachten, waren kaum noch auszuhalten. Während der Wolf sich drehte und zerrte, so als ob er ein Stück Fleisch herausreißen wollte, schrie Tony laut auf, trat mit seinem anderen Bein mach dem Wolf und schaffte es endlich seine Waffe zu ziehen. Doch solange ihn der Wolf auf dem Bauch festhielt, war an einen gezielten Schuss nicht zu denken. Wieder spürte er wie der Wolf nach seiner Wade schnappte, diesmal ein Stück weiter unten. Tony fühlte den Schmerz, als die Zähne an seinem Wadenbein entlang schrappten. Wieder schrie er auf und trat mit dem anderen Bein zu. Er wollte sich nicht zerfleischen lassen und hörte mit Genugtuung wie der Wolf ein Winseln von sich gab. Wahrscheinlich hatte er ihn an einer empfindlichen Stelle erwischt. Dann war ganz plötzlich der Druck auf seinem Bein verschwunden. Diese Sekunden reichten DiNozzo. Er wappnete sich für den Schmerz, biss sich auf die Unterlippe, drehte sich so schnell es ging um und schoss. Der Schuss hallte laut durch den ansonsten stillen Wald. Das Aufheulen des Wolfes zeigte, dass er getroffen hatte, doch dann verstärkte sich das Knurren wieder und das Tier griff ein weiteres Mal an. Doch diesmal schoss er direkt auf Tonys Kehle zu. Mittlerweile war der Wolf so nah, dass Tony seinen schlechten Atem riechen konnte. Panik überkam den jungen Mann und er schoss erneut. Einmal, zweimal, dreimal, viele Male, bis er nur noch das Schlagen des Hammers auf die leere Kammer hörte.

Angewidert schob er den Wolfskadaver von sich herunter. Dann kehrte Ruhe ein und Tony ließ sich erschöpft und schwer atmend in den Schnee zurückfallen. Nach ein paar Minuten, in denen er sich nur auf seinen Husten, die Atmung und den Schmerz konzentriert hatte, rappelte er sich stöhnend auf, um sich den Schaden anzusehen.
„Au scheiße“, entfuhr es ihm, als er das Ausmaß der Verletzung sah und eine leichte Übelkeit machte sich breit. Er sah jede Menge Blut, zerfetztes Gewebe und teilweise war der Knochen freigelegt. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Resigniert ließ er sich wieder in den Schnee sinken, doch dann kehrte sein Überlebensinstinkt zurück. Er musste die Blutung stillen, das Bein verbinden und das Blut abwaschen. Auch musste er sehen, dass er hier weg kam, denn sollte es sich bei dem Wolf um einen Späher eines Rudels gehandelt haben, wollte er nicht mehr in der Nähe von so viel Blut sein, wenn das Rudel hier ankam. Mit zusammengebissenen Zähnen zückte er sein Messer und schnitt die Hose bis zum Knie auf, dann holte er zum zweiten Mal an diesem Tag  den Verbandskasten hervor. Als er die Wunde mit einem sterilen Tuch abdeckte und dann seine Wade mit einer elastischen Binde stramm umwickelte, wurde ihm schlecht und er konnte nur mit Mühe seinen Mageninhalt bei sich behalten. Schwer atmend ließ er sich anschließend wieder in den Schnee fallen. Er brauchte Erholung und Schlaf, er war plötzlich so müde. Doch er wusste, er durfte nicht einschlafen. Nicht hier im Schnee. Das wäre sein Todesurteil. Er musste weiter, aber wenn er nur daran dachte das verletze Bein zu belasten, wurde ihm schon wieder leicht schlecht. Mühsam rappelte er sich auf. Dann wagte er den ersten Schritt und wäre beinah wieder hingefallen, wenn er sich nicht noch im letzten Moment an einem Baum hätte festhalten können. Der Schmerz war schartig, heiß und pulsierte durch sein Bein. So würde er nicht mehr viel weiter kommen. Er versuchte das Bein so gut es ging zu entlasten und bückte sich nach dem Stock, mit dem er gerade noch versucht hatte, den Wolf zu vertreiben. Mit verzerrtem Gesicht richtete er sich wieder auf. Der Schmerz schoss durch seine Brust und sein Bein. Er kämpfte sich mühsam vorwärts, immer einen Schritt vor den anderen und mit den Gedanken bei seiner Familie.

~~~***~~~

LeFrey hatte sich noch nicht weit vom Wrack entfernt, als er plötzlich Schüsse hörte. Ein Grinsen huschte über sein Gesicht. Weit schien der NCIS Agent nicht gekommen zu sein. Er schulterte sein Gewehr und machte sich auf, dem Klang zu folgen.

~~~***~~~

Sie waren vor einer Stunde in Barrie am Lake Simcoe gelandet. Das kleine Platoon das man ihnen mitgegeben hatte, wurde von First Lieutenant Slayer angeführt. Gibbs sah diesem gerade bei dem Brieffing mit den kanadischen Rangern zu. Fornell und Sacks hatten schon mit der hier operierenden Bundespolizei Kontakt aufgenommen. Sie würden von hier aus den Einsatz gegen Hampton und seinen Drogenring leiten. Als Gibbs Lt. Slayer auf sich zukommen sah, nahm der alte Gunny unbewusst eine militärische Haltung an.

„Special Agent Gibbs, die Schneemobile stehen bereit, Sir. Wir können abrücken.“

Gibbs nickte ihm zu und nahm noch einen Schluck aus dem Thermobecher, den er in seinen Händen hielt. Hier war es empfindlich kälter als noch vor ein paar Stunden in D. C.  Weiße Rauchwolken stiegen von dem Kaffee auf und obwohl er dicke und schneetaugliche Kleidung trug, kroch die Kälte an seinen Beinen hoch.

„Gut, die Männer sollen schon einmal aufsitzen, wir rücken ab.“ Er winkte nach Tim und Jimmy und lief vor ihnen her zu dem ersten Scheemobil. Sie saßen kaum auf ihren Plätzen, als der Fahrer das Vehikel auch schon in Gang setzte. Palmer strahlte unangemessen von einem Ohr zum anderen. Gibbs beobachtete den jungen Mediziner und runzelte die Stirn. Wie ein Kind, das eine Reise nach Disneyland geschenkt bekommen hatte. Es kam ihm vor, als wenn an Jimmy der Ernst der Lage vorbeigegangen wäre. Er würde das nicht durchgehen lassen. Das hier war keine Vergnügungstour. Sie waren als Rettungsteam unterwegs und sie wussten nicht, was sie genau erwartete. Der ergraute Ermittler schwor sich Palmer im Auge zu behalten und ihn gegebenenfalls wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.

McGee sah während der Fahrt aus dem Fenster. Die Landschaft verzauberte ihn. Bisher hatte er immer nur über Kanada gelesen. Gesehen hatte er das Land noch nie, aber er war schon seinem Reiz erlegen. Hier konnte er sich vorstellen seinen nächsten Roman spielen zu lassen. Nur, würde er wieder Agent Tommy und Lisa auf die Jagd schicken? Oder sollte er es mal mit einer reinen Abenteuergeschichte ausprobieren? Mittlerweile hatten sie auch die letzte Besiedlung hinter sich gelassen und man sah nur noch verschneite Landschaft soweit man blicken konnte. Seine Hand fuhr in die Jacke zu der Brusttasche und er zog ein schwarzes Buch hervor. Er musste sich unbedingt Notizen machen über die Ortsnamen und die Gegend, das würde er später noch gebrauchen können. Mit dem Daumen fuhr er über einen Gebissabdruck, den Tonys Zähne hinterlassen hatten, als Ducky ihm nach der verpatzten Hochzeit die Schulter wieder einrenkt hatte.

„Tim?“ Er bekam kaum mit, dass Gibbs ihn angesprochen hatte, so sehr war er in seine eigene Gedankenwelt verstrickt. Kanada schien ein herrliches Land zu sein.

„Tim?“, wieder diese Stimme und jetzt spürte er auch eine Hand auf seiner Schulter, die ihn schüttelte.

„McGee, was zur Hölle machst du da eigentlich?“, fauchte Gibbs ihn an und er merkte erst jetzt, dass Palmer seine Hand auf seiner Schulter liegen hatte.

„Oh, ...ich...“, stammelte er.

„Erspar es mir. Was sagt das Peilsignal?“

Tim atmete tief und warf wieder einen Blick auf seinen Laptop, den er auf seinen Knien hielt. „Wir sind auf dem richtigen Weg.“

„Gut“, war alles was der Chefermittler dazu sagte.

McGee schalt sich einen Narren. Da machte er Pläne für sein nächstes Buch und dabei waren sie unterwegs um zwei Überlebende eines Flugzeugabsturzes zu retten. Immerhin bewegte sich das Signal, somit sollte sein Freund noch leben.

~~~***~~~

Tony stapfte weiter durch den Tiefschnee. Sein Husten wurde immer schlimmer und häufig musste er stehen bleiben bis sich seine Lunge wieder beruhigt hatte. Dafür waren die Schmerzen in seinem Bein erträglich geworden. Das lag wohl daran, dass er seine Beine kaum noch spürte. Der Schnee hatte sie vereist, aber dadurch leider auch seine Gelenke unbeweglicher gemacht. Wieder blieb er stehen und wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht. Er war sich nicht sicher ob er jemals wieder seine Finger richtig bewegen konnte, so steif waren diese gefroren. An seinen Augenbrauen und an den wenigen Haaren, die unter der Mütze hervorschauten, hatten sich kleine Eisklumpen gebildet. Die Kälte fraß sich in seine Lungen und er traute sich schon lange nicht mehr tief einzuatmen. Wie es jetzt wohl Ziva ging? Das Baby musste bald kommen und er wusste noch nicht einmal was es werden würde. Er wünschte sich ein zweites Mädchen. Eins, das wie Ziva war. Mit wilden Locken und dunklen Augen. Ob sie ihn so vermissten wie er sie? Ob sie überhaupt schon wussten, dass sein Flugzeug abgestürzt war? Ob Gibbs schon Fornell getötet hatte? Flüchtig zog ein Grinsen über sein Gesicht, doch schnell war es zu anstrengend, die Regung aufrecht zu erhalten. Er war plötzlich so müde und erst jetzt bekam er mit, dass es schon dunkel wurde. Wie weit war er jetzt schon gelaufen? Tony sah auf seine Uhr. Es wurde Zeit das Zelt aufzubauen. Er musste nur einen geschützten Bereich finden und nach seinem Zusammenstoß mit dem Wolf, wäre ihm ein Ort mit drei geschützten Seiten am liebsten.

Eine Stunde später lag er in seinem kleinen Thermozelt in der Dunkelheit. Er fühlte sich zu schwach, um nach Brennholz zu suchen, somit fiel das Feuer für heute aus. Hungrig war er sowieso nicht. Er hatte es geschafft einen einigermaßen sicheren Platz für sein Zelt zu finden, doch der Aufbau hatte ihm die letzten Kräfte geraubt. Erschöpft fiel er in einen unruhigen Schlaf und träumte von Kinderlachen, Kopfnüssen und Superkleber an McGees Tastatur.

~~~***~~~

„Weiter kommen wir heute nicht mehr“, sagte der Ranger gerade. „Nachts ist das Weiterfahren zu gefährlich, wir müssen hier rasten.“ Dabei sah er den Grauhaarigen, der die Leitung dieses Unternehmens inne hatte, genau an, doch dieser nickte ihm beruhigend zu.

„Gut, bauen wir das Nachtlager auf.“ Was sollten sie auch anderes machen? Alles in Gibbs zog ihn weiter in Tonys Richtung, aber er wusste es war für alle weniger gefährlich, wenn sie sich auf den Rat der Ranger verließen.

Eine Stunde später stand er auf einer kleinen Anhöhe und blickte mit einem Nachtsichtgerät in die Dunkelheit. Er wusste, er würde nichts sehen, aber er musste seine Hände beschäftigen und das war das Einzige, was ihm eingefallen war. Tony war schon viel zu lange hier draußen.

„Boss?“, hörte er plötzlich McGees Stimme neben sich.

„Mhmm“, erwiderte er, nahm das Fernglas herunter und blinzelte, weil seine Augen sich erst einmal wieder an die Nacht gewöhnen mussten.

„Wir werden ihn doch finden?“, fragte Tim.

„Wir suchen solange bis wir ihn haben.“ Neben sich hörte er Tim tief atmen.

„Ja, Boss“, kam es von dem jüngeren Agent und er verließ wieder den Hügel. Die anschließenden Worte seines Bosses hörte er nicht mehr.

„Tot oder lebend.“

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„Ziva, du musst .... nein so nicht ...*Aaagghhrr* warte ich bin gleich bei dir. Ziva? ZIVA?“ Mit einem Schrei wachte Tony auf und schoss hoch. Durch die ruckartige Bewegung fuhren Schmerzen durch seinen Oberkörper und er ließ sich unter keuchen zurückgleiten. Er hatte geträumt. Nur geträumt. Er war von dem Schreck noch immer völlig außer Atem, als ihn ein Hustenanfall überkam. Nachdem er seine Atmung wieder unter Kontrolle gebracht hatte, machte er eine kleine Bestandsaufnahme. Er hatte Schmerzen, aber schlimmer als gestern waren sie nicht geworden. Leider aber auch nicht besser. Da das Zelt schon erhellt war, musste es schon wieder Tag sein. Mit zitternden Fingern zog er seinen Jackenärmel etwas hoch, um auf die Uhr schauen zu können. 11 Uhr. Mein Gott, er schlief viel zu viel. Bevor er sich auf den weiteren Weg machen konnte, musste er etwas essen und sein Bein neu verbinden. Der Energieriegel schmeckte heute wesentlich schlechter als gestern, stellte er mit Erstaunen fest. Trotzdem kaute er jeden Bissen mehrfach durch, bevor er ihn schluckte. Dann rollte er seine Hose hoch und durchschnitt den alten Verband. Was er sah, ließ ihn erschauern. Hatte er gestern vergessen die Wunde zu säubern? Er konnte noch Spuren von Wolfhaaren und Speichel erkennen. Angewidert kramte er in dem Verbandskasten nach einen Jodspray. Mit zusammengebissenen Zähnen machte er sich daran die Wunde zu säubern. Als das erledigt war, gönnte er sich erst einmal eine Pause und ließ sich wieder zu Boden gleiten. Hatte er nicht gerade noch gedacht, die Schmerzen wären nicht mehr geworden. Gedanklich schüttelte er den Kopf. Der Schmerz wütete in seinem Bein und auch seine Rippen machten sich gerade wieder bemerkbar. Er hatte nichts, um den Schmerz zu unterbinden. Er konnte nur hier liegen und hoffen, dass er sich von alleine wieder so weit beruhigen würde, das er fähig war, sich zu bewegen. Gerade als er einigermaßen zu sich gefunden hatte, überfiel ihn erneut ein Hustenanfall. Seine Rippen drohten zu platzen während er versuchte seinen Körper nicht zu viel zu bewegen. Doch je mehr er den Husten unterdrückte, umso mehr verkrampften sich seine Lungen und er war dankbar für die Dunkelheit, die ihm Erlösung brachte.

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Als er das nächste Mal wieder zu sich kam, war ihm warm. Verwirrt schüttelte er den Kopf um diesen wieder freizubekommen. Doch der leichte Druck blieb. Mit zitternden Fingern befühlte er sein Gesicht. Fieber, erkannte er bestürzt. Scheinbar hatte sich die Bisswunde doch infiziert. Nur unter Stöhnen gelang es ihm sich aufzusetzen. Dann sah er sich noch einmal sein Bein an. Die Wunde brannte und pochte und sendete spitze Schmerzwellen durch seinen Körper. Das ganze Bein schien angeschwollen zu sein. Würde er damit überhaupt laufen können? Wie lange war er Bewusstlos gewesen? Als er auf die Uhr sah, erschrak er. Wie konnte es plötzlich wieder 10 Uhr sein. Gerade war es doch schon 11 Uhr gewesen. Dann setzte sein Verstand ein. Er hatte einen Tag verloren. Kurz überlegte er einen Energieriegel zu essen, aber er hatte keinen Hunger und der bloße Gedanke daran ließ schon seine Galle hochkommen. Dafür hatte er Durst. Müde, mit vom Fieber benebelten Gehirn, robbte er auf den Ausgang zu. Er musste das Zelt noch abbauen. Er musste weiter. Weiter. WEITER. NACH HAUSE. ZU ZIVA. MIA. DEM BABY.

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LeFrey stand vor dem Wolfskadaver. Die Nacht hatte ihre Spuren hinterlassen und die Natur hatte sich das Tier schon teilweise wiedergeholt. Der Agent hatte es tatsächlich geschafft einen Wolf zu töten. Mit einer Kugel genau zwischen die Augen und noch vielen anderen, die den Wolf regelrecht zerfetzt hatten. Allerdings sah er auch eine zweite  große Menge Blut. Der Kampf schien auch an ihm nicht spurlos vorbeigegangen zu sein. Er war verletzt. Das würde leider die Jagd für ihn erleichtern. Grinsend setzte er sich wieder auf seinen Motorschlitten und wollte der Spur folgen, doch die Maschine, die schon heute früh gebockt hatte, ließ sich nicht mehr starten. Wütend riss er die Motorabdeckung herunter, nur um festzustellen, dass wahrscheinlich die Batterie defekt war. Also würden sie von nun an gleichberechtigt sein. Der Jäger und seine Beute, alleine mit Gepäck und zu Fuß unterwegs. Das würde die Jagd noch interessanter machen, dachte er schmunzelnd.

TBC...............

6. Kapitel  (09.09.11)                  


Drei Tage. Tony war nun schon drei Tage irgendwo in den Wäldern von Kanada. Drei Tage in denen er mit wilden Tieren, der Kälte und vielleicht noch irgendwelchen Verletzungen aufgrund des Absturzes zu kämpfen hatte. Drei Tage. Ziva stand in ihrem gemeinsamen Apartment und sah auf die bewegte Stadt herunter. Drei Tage, die ihr wie eine Ewigkeit vorkamen. Drei Tage der Ungewissheit. Drei Tage, in denen Mia jeden Satz mit „Ich will meinen Daddy“ beendete. Langsam wurde es dunkel in Washington. Der Himmel versprach eine kalte Nacht und schon jetzt waren die Temperaturen auf unter null Grad gefallen. Drei Tage, in denen Tony mit noch tieferen Temperaturen rang und der vierte Tag stand schon bevor. Müde legte sie ihre Hand auf ihren Bauch. Dann wandte sie sich vom Fenster ab und ging leise zu Mias Zimmer. Lächelnd zog sie ihr die Decke hoch und schaltete das Nachtlicht aus.

Als sie wenig später auf ihrem Bett saß, boxte das Kleine wieder mutig drauflos. Sie würden sich eine andere Wohnung suchen müssen, mit einem zweiten Kind würde es hier langsam etwas eng. In der ersten Zeit würde sie das Kleine zu sich ans Bett nehmen, aber später, wenn sie und Tony...die Gedanken an ihn brachten sie zum stocken und das Kleine in ihr vollführte wieder Purzelbäume. Drei Tage und der vierte stand bereits in den Startlöchern.

~~~***~~~  

Dillan McAllistair hackte Holz. Er war der Letzte der Holzfäller im Camp und er hatte sich dazu entschieden, den Winter diesmal hier zu verbringen. Seine Lizzie war im letzten Winter plötzlich und unerwartet gestorben. Fast vierzig Jahre waren ihnen geschenkt worden, ein halbes leben, doch leider hatte Gott ihnen keine Kinder gegönnt. Dillan konnte auf eine lange Familiengeschichte zurückblicken. Angefangen in den schottischen Highlands bis hier her nach Kanada und jetzt würde mit ihm dieser Teil der Familie aussterben. Zu Hause erwartete ihn niemand mehr und hier konnte er dafür sorgen, dass das Camp bewohnbar blieb und nicht zu sehr an die Natur verloren ging. Also hatte er sich jede Menge Proviant besorgen lassen und den Posten des Hausmeisters für ein halbes Jahr übernommen. Die Abgeschiedenheit machte ihm nicht viel aus, er liebte die Ruhe und Beschaulichkeit. Denn in wenigen Monaten würden hier in dem Camp wieder die Holzfäller wie die Fliegen einfallen. Eine Session. Holzfäller waren wie junge Hunde. Sie rauften, sie bissen und sie verbreiteten Unruhe. Da war ihm die Gesellschaft seines Hundes lieber. Grübelnd rieb er sich über seine Glatze. War er auch so gewesen, als er noch jung war? Lizzie würde jetzt wahrscheinlich ja sagen oder auch schlimmeres, dachte er wehmütig. Damals, in seiner Jugend, war das Holzmachen in den Wäldern noch ein großes Abenteuer gewesen. Es hatte nur alle paar Monate einen Buschpiloten gegeben, der sie mit Proviant versorgte, ansonsten waren sie auf sich gestellt. Einmal im Jahr hatte es dann den großen Flosstrieb gegeben. Dann hatten sie alles geschlagene Holz zu einem großen Floss zusammen getrieben und waren den Stankt Lorenz Strom herunter gefahren. Heute wurden die Stämme mit Speziallastern abtransportiert. Früher brauchte man Kerle mit Muskeln und Köpfchen. Es kam nicht auf Schulbildung und Abschlüsse an. Heute mussten komplizierte Maschinen bedient werden, es gab Kettensägen und Maschinen die die Rinde automatisch entfernten da kam es nicht mehr auf Muskelmasse an. Vorbei war die Zeit der Äxte. Ein Holzfäller zu sein, hatte heute einfach eine andere Bedeutung.

Sich stöhnend das Kreuz haltend, stellte er die Axt beiseite und sammelte das Holz ein. Er wurde alt. Jetzt würde es nicht mehr lange dauern, dann hatte er die siebzig erreicht. Aber die jahrelange schwere Arbeit hatte seinen Körper gestählt und er fühlte sich immer noch fit genug, um es im Sommer mit den jungen Hitzköpfen aufzunehmen. Nur, was kam dann irgendwann einmal? Immer konnte es so nicht weitergehen. Irgendwann würde er sich zur Ruhe setzen müssen, seinen Platz räumen, einen jüngeren Mann ranlassen, ob er wollte oder nicht. Eigentlich wollte er sich mit Lizzie schon vor ein paar Jahren aufs Ruheteil zurück ziehen, aber ein Jahr hatte das andere vertrieben und er hatte sich einfach nicht von seinem Job trennen können. Dabei war er schon lange nicht mehr im aktiven Dienst, aber die leichten Tätigkeiten, die er noch verrichten konnte, machten ihm auch Freude. Damals dachte er noch, sie hätten alle Zeit der Welt. Doch dann war alles ganz schnell gegangen. Lizzies Diagnose, die kurze Zeit die ihnen noch blieb und dann die große Leere. Nein, es war besser wenn er arbeitete, es hielt ihm von düsteren Gedanken fern.

Langsam Zeit nach den Fallen zu schauen, ein Sturm würde aufziehen, das spürte er in seinen lahmen Knochen. Er stieß einen kurzen Pfiff aus und aus dem angrenzenden Wald hörte er als Antwort ein Bellen.

„Komm Piet, alter Junge. Schauen wir noch einmal nach, ob sich ein Kaninchen in den Schlingen verirrt hat.“

Der große weiße Malamut kam freudig bellend auf ihn zu. Der alte Holzfäller ließ sich auf ein Knie nieder und fing den heranstürmenden Hund auf. Piet war das Einzige was ihm noch von Lizzie geblieben war. Die letzte Verbindung mit seiner Frau und seiner Ehe. Piet war ihr letztes Geschenk für ihn gewesen. Er kraulte dem Malamut noch einmal die Halspartie, dann stand er auf, holte aus der Hütte sein Gewehr und legte Piet das Geschirr an. Danach holte er den Schlitten. Der Hund konnte vor Aufregung nicht ruhig stehen und zog und zerrte an den Halteriemen. Dillan schmunzelte. Jetzt hatte er Piet schon zehn Jahre und er benahm sich sobald er im Geschirr war immer noch wie ein Welpe. Dillan schmiss sein Gewehr auf den Schlitten und zog sich seine Mütze tiefer ins Gesicht, dann trat er auf den Schlitten und löste den Riemen.
„HooooooHaaaaaaa“, rief er dem Hund zu und Piet legte sich ins Geschirr.  

~~~***~~~

Tony bewegte sich vorwärts. Mehr nicht. Er lief nicht mehr, er bewegte sich nur noch. Immer weiter, nicht aufhalten. Das Zelt hatte er nicht mehr abgebaut, dazu hatte ihm die Kraft gefehlt. Er hatte sich nur den Taschengurt über die Schultern gezogen und war losgelaufen. Jetzt, eine Ewigkeit später, konnte er nicht mehr. Der Husten schnürte ihm die Kehle zu und brachte seine Rippen wieder zum schmerzen. Sein Bein knickte bei jedem Schnitt unter ihm zusammen. Oft versank er bis zu den Hüften im Schnee. Seine Umgebung bekam er nicht mehr mit. Er hörte nur noch seinen eigenen Pulsschlag, der von seinem Bein hoch bis zu seinem Gehirn wummerte. Poch, Poch.... kontinuierlich immer zu. Poch, Poch... Tony war fertig, am Ende seiner Kräfte. Keine Gedanken der Welt konnten ihn noch erreichen. Vergessen waren Ziva und Milena, vergessen war das Baby. Er bemerkte nicht mehr wie er in eine Schlinge trat und ihn der Ruck zu Fall brachte. Den Aufprall im Schnee bekam er nicht mehr mit.

~~~***~~~

Er stand vor den zerfetzten Überresten eines Thermozeltes. Was war hier nur geschehen? Hatten die Wölfe den Agent in der Nacht angefallen? Dafür war zu wenig Blut vorhanden. Nur, warum hatte er den einzigen Schutz vor der Kälte zurückgelassen? Dafür gab es keine vernünftige Erklärung. LeFrey sah sich die behutsam um und nahm die Spur wieder auf. Bisher hatte er das Wolfsrudel nur gehört, aber noch nicht zu Gesicht bekommen. Trotzdem wollte er vorsichtig sein und behielt seine Umgebung lieber im Auge.

~~~***~~~

„Was macht das Signal?“, fragte Gibbs seinen Agent und griff zu der Thermoskanne mit Kaffee.  

„Es bewegt sich nicht mehr, Boss“, kam es besorgt von McGee.

„Was? Warum? Kann der Sender.....“ Plötzlich ging ein Ruck durch das Schneemobil. Dann passierte alles ganz schnell. Es war als wenn sich der Boden unter ihnen auftat, die Maschine verlor an Haftung und überschlug sich auf ihrem Weg nach unten mehrere Male. Die Seitenfenster zerplatzten und sie wurden mit Sicherheitsglas überschüttet. Er hörte Schreie, von allen Seiten, vielleicht war auch einer von ihm dabei. Wie in Zeitlupe sah er, wie auch die Frontscheibe dem Druck der Gewalten nicht mehr stand hielt und sich erst ganz langsam, dann aber immer schneller ein Sprung bildete. Die Thermoskanne entglitt seinen Händen und schoss unkontrolliert durch den Raum. So schnell ihre Rutschpartie begonnen hatte, so schnell war sie auch wieder vorbei, als das Schneemobil gegen einen Baum prallte. Die Frontbesatzung wurde nach vorne geschleudert und Gibbs spürte noch wie sein Kopf gegen den Seitenholm schlug, dann war plötzlich alles ganz still und auch die Schreie der Marines im hinteren Teil des Mobils brachen ab. Das letzte was Gibbs bewusst wahrnahm, bevor sich die Dunkelheit über ihn senkte, war Tims Stöhnen zu seiner rechten.

TBC......



Mhmmmm Schwarzleser? Kann ich dich nicht zu einem FB bekommen? Ist doch gar nicht viel Arbeit und es ist der einzige Lohn den wir hier für bekommen.....
Danke.... *grins*

7. Kapitel (13.09.11)

Langsam kam das Licht wieder zurück in sein Bewusstsein. Benommen fasste sich Gibbs an den Kopf und als er auf seine Finger sah, bemerkte er einen leichten Blutschlier. Er fragte sich gerade wie lange er wohl Ohnmächtig gewesen war, Minuten? Oder doch wohl eher Sekunden? Als er ein Stöhnen neben sich hörte. „Tim? Alles okay?“

„Ja ja Boss, mir geht es gut“, kam es gepresst von dem jüngeren Agent.

Als nächstes warf er dem Fahrer einen Blick zu, der seltsam ruhig neben ihm saß. Er legte ihm seine Finger an den Puls, oder an die Stelle an der normalerweise der Puls sein sollte. Doch er fand nichts. Traurig schloss er ihm die blicklosen Augen. Da das Schneemobil auf der Seite lag, stützte sich der Grauhaarige, während er die Gurte löste, am Armaturenbrett ab.

Lt. Slayer, der das andere Schneemobil befehligte, beugte sich durch das zerstörte Seitenfenster zu ihnen herunter.

„Raus, sofort raus, aber langsam und vorsichtig“, kam seine Anweisung.

Jethro wägte kurz ab, ob er Tim den Vortritt lassen sollte, aber so wie sie saßen war das unmöglich. „Habt ihr die Männer schon hinten herausgelassen?“, erkundigte sich Gibbs, während er sich auf den Weg nach draußen machte. Er stützte seinen Fuß auf die Mittelkonsole, fand aber nicht so recht halt. Ein Blick nach unten zeigte ihm, dass sich die Thermoskanne dort verfangen hatte. Schnell nahm er sie hoch und schob sie in seine Anoraktasche. Vielleicht würde er den Kaffee noch brauchen. Dann kletterte er weiter nach draußen und bemerkte, dass das Mobil zur Hälfte über einen Abgrund hing.

„Ja, alles in Ordnung“, hörte er die Stimme Slayers, der gerade dabei war Tim zu helfen. Gibbs konzentrierte sich auf seine eigene Kletterei, über das Seitenteil des Mobil. Ein falscher oder unüberlegter Tritt und es wäre aus, überlegte er gerade als kräftige Arme ihm herunter halfen.

Tim steckte seinen Kopf durch das zerstörte Fenster. Als er das Ausmaß